Hallo!
Also das erste was mir bei Deiner Schilderung durch den Kopf geht ist wie unglaublich vernagelt unsere Deutschen Arbeitgeber mittlerweile zu sein scheinen... Die Strafe Deines damaligen Arbeitgebers (sowie der zuständigen Prüfungsstelle) war Deinem Vergehen in keinster Weise angemessen. Du wurdest ja behandelt als hättest Du eine tatsächliche Zugangsvorraussetzung (wie etwa ein Abitur, einen akademischen Titel etc.) frei erfunden oder hättest schwere Unterschlagung bei Deinem Arbeitgeber betrieben. Das ist ja fern ab von dem was Du tatsächlich getan hast. Und auch was Deine heutige Lage angeht frage ich mich wieso Arbeitgeber im Bewerbungsverfahren derart engstirnig-bürokratisch vorgehen müssen... Die meisten Arbeitszeugnisse bestehen ohnehin größtenteils nur aus netten, minimal variierenden Floskeln - wieso nicht lieber einen Menschen real kennenlernen? Ihm einfach eine Chance geben? Meist wird man heute ohnehin nur noch mit befristetem Vertrag eingestellt und Probezeit gibt es zudem sowieso! Es ist also keineswegs so als hätte ein Arbeitgeber keine Chance den Arbeitnehmer selbst zu testen ohne ein Risiko jahrelanger Verpflichtung (für eine Niete) einzugehen. Diese deutsche Bürokratie kotzt mich langsam wirklich an, - sorry... Vor allem wenn man dann dem gegenüber die Qualität der meisten dieser Stellen und deren Gehalt betrachtet. Da soll man oft genug für ein Gehalt knapp über dem Existenzminimum eine ellenlange Latte von Qualifikationen, jahrelange Erfahrung, äußerste Flexibilität und Belastbarkeit, einen lückenlosen, blütenreinen Lebenslauf etc. mitbringen. Dabei geht es hier zu 95% um keine Traumjobs - die meisten Arbeitssuchenden wollen heute einfach nur noch eine Stelle annehmen um zu überleben.
Ich habe derzeit ein ähnliches Problem wie Du: Habe schlimme Schicksalsschläge erlebt und hierauf in finanzieller und persönlicher Not mein Studium abbrechen müssen. Ich habe zwar eine abgeschlossene Berufsausbildung aus der Zeit davor und war nie arbeitslos oder habe staatliche Leistungen bezogen, aber ich habe eben dennoch etwas abgebrochen. Und in einem schriftlichen Lebenslauf zählen eben nur diese Daten und Fakten, nicht meine (wahrscheinlich eigentlich nachvollziehbaren) Gründe dafür die Uni verlassen zu müssen. Ich habe neben der Uni immer gearbeitet und mich also komplett selbst finanziert, doch war ich hierbei freiberuflich tätig und kann somit auch keine Arbeitszeugnisse für diese Zeit vorweisen. Nun stecke ich in einem Job fest den ich eigentlich nur als Überlebensnotlösung angenommen habe, der mir keine Freude bereitet, mich depressiv macht, ausbeutet und der so knapp bezahlt wird, dass ich grade so überleben, aber nicht einmal wichtige Versicherungen oder gar private Vorsorge oder Urlaub finanzieren kann. Grade wurde mein befristeter Vertrag wieder einmal von meinem AG verlängert - als sei dies ein Sechser im Lotto für mich und ich müsse nun unglaublich dankbar sein... Ich kann hier (bei befristetem Arbeitsvertrag...) also auch schlecht um ein Zwischenzeugnis bitten um mich nun nebenbei anderweitig bewerben zu können. Doch gleichzeitig versaut mir der schlechte derzeitige Job meinen Lebenslauf auch immer mehr - je länger ich in dieser Firma bleibe, desto mehr werden mich zukünftige Arbeitgeber nur damit abstempeln fürchte ich....
Fazit: Welche Wahl haben wir denn heute wirklich wenn es darum geht als Arbeitsuchende einen KOMPLETT ehrlichen Lebenslauf unseren Bewerbungen beizulegen?? Verläuft denn überhaupt ein Leben immer NUR aalglatt, ohne je eine Lücke oder ein Tief - sowie es uns die möglichen Arbeitgeber den Lebenslauf betreffen zu 100% abfordern?! Natürlich würde ich niemals Qualifikationen erlügen die ich nicht habe!!! Aber so wie Du es getan hast bestimmte, frühere Arbeits-/Jobzeiträume wegzulassen bzw. zu beschönigen kann einfach kein Schwerverbrechen darstellen! Zumal dies wohl durchaus auch vor dem Hintergrund der Existenzangst und Angewiesenheit auf den neuen Job entstanden ist. Ich bin was meine eigentliche Tätigkeit im Job angeht absolut ehrlich, vertrauenswürdig und loyal, ich arbeite hart und tue viel für mein Gehalt. Genau das Gleiche nehme ich auch von Dir an, so wie Du Deine Geschichte beschreibst! Und sollte es nicht eigentlich das allein sein worauf es einem Arbeitgeber ankommt?
Wenn ich Du wäre, dann würde ich bei den aktuellen Bewerbungen den damaligen Rechtsstreit bzw. Dein Vergehen außen vor lassen! Erfinde nichts dazu was Du NICHT wirklich getan hast, aber erwähne eben nicht gnadenlos alles was Dir schaden kann.