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Mit Anfang 30 Gedanken über die Vergänglichkeit des Lebens. Habe ich ernste Probleme?

  • Starter*in Starter*in SeltiBW
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S

SeltiBW

Gast
Mir ist in den letzten Monaten irgendwie immer mehr bewusst geworden, dass ich große Angst vor dem Älterwerden, der Vergänglichkeit und letzlich dem körperlichen Verfall habe.

Dazu muss ich sagen dass ich eine Art Lebemann bin. Ein gut gebauter Körper, Attraktivität und Leistungsfähigkeit sind mir seit eh und je wichtig. Ich gehe schon immer gerne unter Leute und lerne gerne viele Frauen kennen.
Mit den Jahren merke ich wie es in der Verwandschaft gesundheitlich bergab geht, man selbst kleinere Beschwerden bekommt, und auch diverse Vorzeigeschauspieler unweigerlich altern.

Die Vorstellung mal 50 zu sein ist für mich so irreal, ich kann mich mit dem Gedanken in keinster Weise anfreunden und finde das Leben eigentlich nicht mehr lebenswert. Man ist körperlich nicht mehr attraktiv, überall zwickt und zwackt es.
Jedenfalls drifte ich zur Zeit öfters in depressive Stimmungen ab, weil ich irgendwie Angst habe dass mir die Zeit davonläuft, in der ich noch fit und vital bin. Das führt so weit dass ich mir fast Stress mache so oft wie möglich wegzukommen und Spaß zu haben. Jugendliches Aussehen und körperliche Fitness sind für mich irgendwie wie der einzige Grund wofür sich Leben lohnt. Da ich weiß dass es damit langsam bergab geht, habe ich sogar so konfuse Gedanken einmal jung sterben zu wollen.

Wie war das bei euch? Wächst man da automatisch rein und wird gelassener? Momentan gehe ich noch gerne feiern und kann optisch auch punkten, aber wie sieht das in 10 Jahren aus? Dann darf ich das nicht mehr und werde nicht mehr akzeptiert, obwohl ich ja meine Grundeinstellung deswegen nicht ändere.

Dann denke ich wieder über den Sinn im Leben nach, jeder Höhepunkt, jedes Erlebnis ist doch in der nächsten Minute nur Schall und Rauch, im Prinzip wird das Leben jeden Tag kürzer und man kann darauf warten bis man wieder neue gesundheitliche Beeinträchtigungen bekommt. Tief im Inneren bin ich immer noch ein bisschen Kind und will eigentlich gar nicht so richtig "Erwachsen" sein.

Bin ich ein Fall für den Psychologen?
 
Die Vorstellung mal 50 zu sein ist für mich so irreal, (...)
Wie war das bei euch? Wächst man da automatisch rein und wird gelassener?

Hallo SeltiBW,
da ich gerade 50 geworden bin, eigne ich mich
vielleicht für eine Antwort 🙂

Ich erinnere mich noch sehr gut daran, wie ich
30 war und kann dir die Unterschiede zu damals
gerne schildern: man ist tatsächlich nicht mehr
ganz so regenerationsfähig nach einer Nacht mit
wenig Schlaf und je nach Lebensweise (wenn ich
mich so in meiner Altersklasse umschaue) macht
der "körperliche Verfall" schon das eine oder an-
dere Problem, das man mit 30 noch nicht hatte.

Andererseits weiß ich zumindest sehr viel mehr
über meinen Körper und seine Grenzen, ich bin
wesentlich ausgeglichener und erfahrener, wes-
halb mich nicht mehr so viel aus der Bahn wirft.
Die "Verführbarkeit" hat nachgelassen, da man
die meisten möglichen Fehler im Beruf und Privat
schon mal gemacht hat. Außerdem weiß man mit
50 besser als mit 30, wer die wirklichen Freunde
sind und man kann auch auf mehr Erfolgserleb-
nisse und die damit verbundenen Erfahrungswer-
te zurückgreifen als mit 30, wenn man, wie du
schreibst, noch sehr viel näher am Kind ist. Trotz-
dem würde ich sagen, dass ich auch heute noch
viel Jugendlichkeit oder Kindheit in mir trage und
auch immer wieder zum Ausdruck bringen kann.

Vielleicht magst du mal in ein E-Book reinlesen,
das ich mit 47 geschrieben habe - es heißt "17
Dinge, die ich mit 17 gerne gewusst hätte" und
ist bei Amazon erhältlich. Vieles davon gilt auch
noch für dein Alter 😉

Was die Vergänglichkeit an sich betrifft, scheint
mir ein Tauschbild angebracht: zwar verliert man
vieles im Laufe der Jahre, aber man gewinnt auch
mindestens genau so viel, wie bei einem Baum,
der jedes Jahr Blätter und Früchte fallen lässt,
aber doch wächst und weiterlebt, bis er stirbt. Es
ist nur eine Frage der Perspektive und ich würde
dir gerne den Rat geben, mehr auf das zu achten,
was du dazu gewinnst oder geschenkt bekommst
als auf das, was du scheinbar verlierst (letztlich
geht ja gar nichts verloren, es wechselt nur den
Aufenthaltsort 😉 oder den Besitzer). Du kannst
vielleicht eine Liste oder ein Heft anfangen und
darin alles aufschreiben, was du in den letzten 30
Jahren an Positivem oder Erinnerungswertem er-
lebt hast und auch alles, was in deinem Leben so
gut ist, dass du es auch mit 50 noch gerne hättest.
Das könnte dir die Relationen immer wieder neu
justieren.

Alles Gute,
Werner
 
Geht mir auch so ähnlich lieber TE. Und grade Personen aus dem öffentlichen Leben zeigen einem das manchmal auf drastische Weise. Google mal einen Schauspieler aus den 90igern, von dem du länger nichts mehr gehört hast.

Und ich verstehe auch was du meinst. Früher als Jugendlicher war z.B. Jean-Claude Van Damme eines meiner Vorbilder. Durchtrainiert, beweglich ohne Ende. Er war damals Ende 20. Heute ist er Ü50. Kann man sich beim Anschauen seiner Klassiker gar nicht vorstellen. Oder schau dir Stallone in seinem neusten Film an. So wie man es sich jetzt auch nicht vorstellen kann mal zum alten Eisen zu gehören.

Ich bin seit 15 Jahren immer sportlich aktiv, und hatte demletzt im MRT Bild diverse Meniskusveränderungen, Knorpel nimmt ab usw... da frage ich mich auch wie kann das sein, ich war doch immer aktiv und gelenkig. Man kann nicht begreifen dass es alles abnimmt.
Genauso wie man sich fragt warum man eine durchzechte Nacht schlechter wegsteckt. Im Kopf ist man ja nach wie vor unternehmungslustig.

Nur was ist die Alternative? Sich in den Zwanzigern Todfeiern und dann frühzeitig schluss machen? Ewige Jugend gibt es leider nicht.

Nur das was du sagst Werner könnte mich zu jetzigen Zeitpunkt nicht besänftigen, denn was nutzt ihm der Gedanke mehr Erfahrung zu haben, wenn ihm doch vor allem auch (optische) Aspekte der jungen Jahre wichtig sind?
 
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