Ich habe auch grade EFT gegoogelt und gelesen, dass es eine umstrittene Technik ist.
Du musst mir sagen, was da umstritten ist. Sonst kann ich schwer dazu Stellung nehmen. 🙂
Mir ist schon nachvollziehbar, dass diese - Retraumatisierung? - meinem Hirn vorkommt wie gerade erst geschehen, aber es ist jetzt schon 10 Monate her, dass ich die Therapie abgebrochen habe.
Ein Trauma kann vom Gehirn nicht verarbeitet sondern nur abgespalten werden. Das sitzt in deiner Schublade "eben erst passiert" und in deinem Körper laufen permanent Prozesse ab, die eigentlich nur in einer Gefahrensituation ablaufen sollten. Dein Körper wird permanent mit Stresshormonen überflutet.
Sicher merkst du, dass du in den letzten Monaten kaum belastungsfähig warst, oder? Sich schnell überfordert gefühlt hast? Das liegt daran, dass dein Körper eh schon in 100-prozentiger Alarmbereitschaft ist.
Die Aufgabe von Traumatherapie ist es eben mit verschiedenen Methoden dem Gehirn zu helfen, aus dem "aktuellen Ereignis" eine Erinnerung zu machen. Dabei helfen eben reden und verschiedene Imaginationsübungen.
Viel Bewegung, wie zum Beispiel tanzen oder laufen, hilft dem Körper, die angestaute Energie loszuwerden und wenigstens etwas runter zu kommen.
Ich habe eingesehen, dass mir das alles passiert ist. (Das habe ich nämlich der Therapeutin immer wieder gesagt: "Es kommt mir gar nicht vor, als ob mir das passiert wäre, sondern jemand anderem oder es ist wie ein Film.")
"Alles ganz normal.", sagt sie.
Das ist dieser Abspaltungsprozess, Dissoziation genannt. Wenn du jetzt an einem Punkt bist, wo du diese Erlebnisse als zu dir zugehörig empfinden kannst, bist du einen Schritt weiter gekommen. Da hat sich etwas zum Besseren verändert.
Also, ich kann nicht mehr zu ihr zurück, sie hat gesagt, ohne Vertrauensverhältnis ginge es nicht weiter.
Ich kann wenig dazu sagen, kenne sie ja nicht und weiß nicht, wie genau es nach der EMDR-Sitzung mit euch weiterging. Aber ich denke, sie ist da diejenige, die es nicht gepackt hat. Es liegt nicht an dir. Falls du darüber nachdenken solltest. So heftige Reaktionen kommen vor und eigentlich sollte man damit umgehen können als Therapeut.
Und hey, vielleicht war ihr Problem ja BDSM. Kommt ja auch vor.
Ich habe auch die Seiten angeschaut, die du geschickt hast. Ja, in meiner Gegend ist nichts zu machen. Es ist alles ausgebucht, ich habe telefoniert und ja, die Krankenkasse bezahlt mir Psychoanalyse oder Verhaltenstherapie (kann ich mir aussuchen), aber nicht unbedingt emdr. Das wäre nur eine "Dreingabe" zu einer der beiden Therapieformen, und mehr nicht. Ich habe mit dem Mitarbeiter telefoniert. Also für mich quasi unbezahlbar ...
Ich weiß nicht, inwieweit du die Kraft hast, zu kämpfen. Also wenn da von deiner Seite aus nichts geht, ignorier einfach, was ich jetzt schreibe.
Du kannst alle Therapeuten noch mal durchtelefonieren und dir Absagen geben lassen. (Und lass dich vorsichtshalber gleich auf die Liste setzen. Vielleicht kommt dir in einem halben oder einem Jahr der Platz ganz recht. Sonst kannst du immer noch absagen.). Das schreibst du dir auf und gehst damit zu deinem Hausarzt oder einem Psychiater. Dem erklärst du, dass es dir gerade sehr schlecht geht, du eine akute Traumatisierung hast und Hilfe brauchst. Der kann dir dann bestätigen, dass du Therapie brauchst. Diesen Wisch plus die Absagen der Therapeuten reichst du dann bei der Krankenkasse ein. Dazu schreibst du einen netten Brief, dass du dringend Hilfe brauchst und absehbar ist, dass wenn du die nicht bekommst, du dich krank schreiben lassen musst und zwar mehr als sechs Wochen. Vor den Kosten schreckt die KK in der Regel zurück und genehmigt Stunden bei einem Traumatherapeuten ohne Kassenzulassung haben möchtest.
Manchmal kann man sich auch so einen Therapeuten suichen und den bitten, ebenfalls ein Schreiben an die KK zu richten; auch mit dem Verweis, dass du dich ansonsten krank schreiben lassen musst.
Ich weiß nicht, warum sie mich nicht mehr wollte. Sie hat auch drei Monate vorher Stabilisierung gemacht und dann nur eine einzige emdr - Sitzung (mit auf den Finger schauen). Erst ist nichts passiert, aber dann am Abend kam die Schlüsselerinnerung an den Mist, an dem alles andere aufgereiht war wie an einer Kette.
Hat sie dir denn Übungen gegeben, die im Fall eines Flashbacks greifen? Ich habe das Gefühl, die Erinnerungen kamen hoch und du hattest überhaupt kein Werkzeug, damit umzugehen, oder?
Oder wie ein Teil, das aus dem Sumpf hängt, man zieht daran, und nach und nach kommt es immer mehr heraus, bist man sieht, dass es nur die Schwanzspitze von einem Ungeheuer war, das ganz im Sumpf untergetaucht war.
Solche Monster kenne ich auch. Wenn da einmal ein Riss in der Mauer ist, kommt vieles hoch, ob das nun gerade angebracht ist oder nicht.
Und ich habe angefangen sie zu hassen, als es mir so schlecht ging.
Das hätte ich auch. Und es ist legitim.
Eigentlich sollte man als Therapeut auch mit so was umgehen können. Es ist ja eine gesunde Reaktion des Klienten und damit kann man wunderbar arbeiten. Aber ja, leider gibt es Therapeuten, die das persönlich nehmen und die Zusammenarbeit beenden. Aber hilft dir jetzt auch nichts. Es ist eben so gelaufen.
Mal eine Frage, Tuesday, falls es nicht zu persönlich ist. Hast du jetzt, bzw. bist du jetzt "normal" was die Sexualität betrifft?
Normal ist süß gesagt. Ich finde nicht, dass ich vorher unnormal war 🙂.
Ich kann Liebe besser ertragen.
Ich hatte so mit 20 rum eine Phase, da habe ich mir ekelige Doms gesucht, die einen schlechten Ruf hatten und einfach draufgehauen haben. Ich war auf dem Tripp der Selbstzerstörung und hoffte irgendwie immer, dass einer von denen mal so die Kontrolle verliert, dass ich es nicht überlebe. Mir konnte es auch nie hart genug sein. Nein, eigentlich falsch. Ich habe den Schmerz nicht gespürt. Ich habe ihn einfach weggeblendet.
Mit 23 lernte ich meinen Partner kennen und lebte einige Jahre in einer 24/7 Beziehung.
Mir hat es gut getan, weil ich die Verantwortung für mein Leben komplett in seine Hände legen konnte. Selbstverletzung war dann einfach nicht mehr drin, weil der Körper sein Eigentum war.
Und er war der erste, der mir richtig weh tun konnte. Er war eben nicht sonderlich brutal, sondern ging da sehr sensibel um und ich konnte mich nicht wegbeamen. Da habe ich ganz oft Rotz und Wasser geheult und hatte klassische Zusammenbrüche.
Ganz schlimm waren für mich die Momente, wo er keinen Sex wollte sondern Liebe. Zärtlichkeiten, Intimitäten. Das passte überhaupt nicht in mein Bild, dass mich niemand lieben kann und darf. Da habe ich auch oft ganz schön bösartig um mich getreten und versucht, ihn zu verletzen. Eben um ihm zu beweisen, dass ich nicht liebenswürdig bin.
Heute genieße ich immer noch Schmerz. Und kann ihn heute auch fühlen. Ich bin nicht mehr süchtig danach. Ich brauche es nicht, um den Schmerz in mir zu fühlen. Es ist einfach eine hammerschöne Erfahrung, in einen Space zu gehen, wo die Endorphine fliegen.
SM hat für mich die Brutaliiät verloren. Ich stehe mehr auf Kunst.
Bei S/M switcht man ja. Das kann ich jetzt nicht mehr, ich will es auch gar nicht versuchen, da regt sich bei mir schon eine Wut, wenn ich dran denke.
Die Therapeutin hat nicht verstanden, was ich mit "switchen" meine, ich habe dann versucht, es zu erklären. Ich denke, ich muss es dir nicht erklären.
Wo ist denn bei dir der Teil hin, zu dem du vorher geswitcht bist?
Ich habe es nie so als Switch gesehen. (Also ich denke mal, du meinst jetzt nicht von dom zu dev).
Für mich ist in diesem Bereich einfach viel Heilung passiert. Ich könnte heute auch nicht mehr als devot in einer Beziehung leben. Ich bin unabhängig geworden, in gewisser Beziehung erwachsen. (Wobei ich nicht sagen möchte, dass devote Menschen nicht erwachsen sind. Das war bei mir so.). Ich lerne auch gerade, mich um mich zu kümmern. Mir Gutes zu tun. Mich mit schönen Dingen zu umgeben.
Ja, ich glaube, für mich war es kein Switchen. Ich war einfach unreif. Ein dummes Kind. Passt auch dazu, dass mein Partner doppelt so alt war wie ich. Früher dachte ich, er sei ein Heiliger, aber mit etwas Abstand und um einiges erwachsener, denke ich mir eher, was muss er für einen Knall haben, dass er es mit mir ausgehalten hat 😀 Nunja, aber ohne ihn wäre ich heute tot.
In meiner jetzigen Beziehung spielt DS keine Rolle. Es fehlt mir auch nicht. Eher im Gegenteil. Ich kann es mir für mich gar nicht mehr vorstellen. Ich genieße die Liebe zwischen uns. Aber auf SM-Elemente habe ich hin und wieder schon Lust. Das Ausleben empfinde ich eher geiler als früher. Ich habe mehr davon. Ich bin offener. Oder um es auf den Punkt zu bringen, ich habe ein sehr viel gesünderes Verhältnis dazu.
Tuesday