hallo sabrina, ich schildere dir jetzt ganz einfach mal die situation mit meiner ex-freundin. ex deshalb, weil ihr pferd vor allen anderen dingen kam. wirklich allen.
ich habe sie im mai 2009 an der uni kennengelernt, ich als honorardozent, sie als meine studentin. nein, es gab keinen großen altersunterschied, und aus dem verhältnis dozent/ studentin erwuchsen uns auch keinerlei nachteile.
zu anfang der beziehung war alles relativ in butter. ich wusste dass sie ein pferd besaß, das einige arbeit macht, also nahm ich es ihr nicht übel, wenn wir uns nicht so oft sehen konnten, wie ich es mir gewünscht hätte.
ihr pferd stand auf einem angemieteten hof. meine exfreundin bewirtschaftete diesen hof zusammen mit zwei anderen mädchen, die auch jeweils ein pferd dort stehen hatten. ab und an klagte meine ex mir ihr leid, dass sie immer den löwenanteil der arbeit machte, während die beiden anderen mädchen wohl nur das allernötigste, und das auch mehr schlecht als recht erledigten. da sie aber eine konfrontation mit den beiden fürchtete, die ihrer meinung nach eine aufgabe des hofes hätte nach sich ziehen können, ertrug sie das den anderen mädchen gegenüber stillschweigend.
nach der verliebtheitsphase, die etwa ein halbes jahr andauerte, und in der sie augenringe bis zum bauchnabel entwickelte, reduzierte meine exfreundin den kontakt mit mir auf 2 abende in der woche, die sie sich an den tagen vorher herausarbeitete. natürlich zu lasten ihres studiums und auch zu lasten ihrer gesundheit. immer wenn ich bei ihr war, hing sie nur herum, hatte keinerlei lust auf unternehmungen, geschweige denn sex, und schlief oft schon nach einer stunde ein. am nächsten morgen
musste sie sehr früh aufstehen, um die pferde zu versorgen. sie litt auch irgendwann unter kopfschmerzen und dauerschnupfen.
ich bot ihr meine hilfe an, die sie dankend annahm. ab da war ich voll in die arbeit integriert, die beiden anderen mädchen machten außer ausritten so gut wie gar nichts mehr; wenn, dann wirklich nur alibi-mäßig. ich sah meine freundin immer nur beim arbeiten, wobei sie auch nicht unbedingt die beste stimmung an den tag legte. sie schnauzte mich des öfteren an, wenn ich etwas falsch machte, und war recht schnell genervt, wenn sie mir was erklären musste.
ich bat sie nach einem monat zum krisengespräch, sagte ihr, dass ich von ihr als freundin nichts, aber auch gar nichts hätte. unsere gemeinsame zeit verbrächte sie entweder mit schlafen, oder wir beide mit arbeiten, wobei sie mich auch noch schlecht behandelte. freie zeit nur für uns gab es nicht.
ich bot ihr an, mich mit ihr und den anderen mädchen an den tisch zu setzen, um zu klären, dass es arbeitsverteilungsmäßig so nicht weitergehen könne. sie sträubte sich zunächst mit klauen und zähnen dagegen. als ich ihr jedoch sagte, dass ich mich dann trennen würde, weil das was wir führten keine normale beziehung sei, sondern eine dreiecksbeziehung mit ihrem pferd, in der ich deutlich schlechter wegkam als selbiges, lenkte sie ein.
wir saßen also am tisch und alle drei mädchen drucksten mehr oder weniger herum. meine exfreundin wagte es nicht, die beiden mädchen direkt in die pflicht zu nehmen, die mädchen wiederum hatten zwar ein schlechtes gewissen, diskutierten aber trotzdem, und argumentierten damit, dass sie ja eigentlich auch keine zeit hätten. am ende drohte eine von ihnen damit, komplett hinzuschmeißen, wenn alles nicht so bleiben könne wie es war. ich sagte ihr ungerührt, dass sie gerne gehen könne, und ihr pferd mitnehmen solle, denn das wäre dann schließlich weniger arbeit für meine exfreundin. dieser bot ich an, die mehrkosten für den gemieteten hof zu übernehmen, beziehungsweise ihr einen stall zu bezahlen, in den sie ihr pferd bei vollpension einstellen könnte.
sie war zunächst feuer und flamme für diesen vorschlag. als wir dann jedoch nägel mit köpfen machen wollten, kamen die beiden anderen mädchen wieder an, entschuldigten sich für ihr verhalten und versprachen in zukunft besser mitzuarbeiten. das lief ganze drei monate halbwegs gut. in diesen drei monaten besserte sich unsere beziehung enorm, wir hatten plötzlich zeit füreinander, mit dem studium meiner freundin lief es besser, im bett passierte endlich mal etwas anderes als nur schlafen, und alles schien halbwegs erträglich zu werden.
dann ging es jedoch wieder los, dass die beiden anderen mädchen unter dem vorwand von krankheiten und dergleichen dem stall fernblieben. eines der mädchen hatte es plötzlich mit der bandscheibe, und konnte leider nur noch einmal die woche zum pferd kommen. sie ritt dann allerdings mit den anderen stundenlang aus, was bei einer kaputten bandscheibe doch zumindest sehr schmerzhaft geworden wäre. ich stellte sie zur rede, und sagte, dass es so nicht weiterginge, und sie mit einer kaputten bandscheibe ja auch eigentlich nicht mehr reiten sollte. das andere mädchen fing kurz darauf davon zu erzählen an, dass sie nächstes jahr work and travel in australien machen wolle, und ob sich meine freundin für dieses jahr um ihr pferd kümmern könne.
meiner freundin sagte ich nach diesem gespräch, dass es mir reichte, und wir uns eine pferdepensionsplatz nehmen sollten. das gestaltete sich schwierig, da meiner freundin zunächst keiner der plätze anstand. sie waren ihr entweder zu teuer, die besitzer zu unsympathisch, zu klein, zu groß, die falschen pferderassen, zu abgelegen, zu ungepflegt. schließlich landeten wir in einem kleinen reitstall mit einer typischen "pferdefrau" als besitzerin. sie machte zunächst einen guten eindruck auf uns, und schien den hof ganz gut im griff zu haben.
alles funktionierte anfangs super, doch schon bald bat die besitzerin meine ex, ihr ein wenig zur hand zu gehen, sonst müsse sie den preis anheben. meine exfreundin erzählte mir erst davon, als ich mich wunderte warum sie schon wieder abgehetzt und abgearbeitet aussah. ich sagte ihr, wir sollten uns einfach einen neuen stall suchen. sie argumentierte allerdings, das sei nicht gut für das pferd, weil es sich wieder umgewöhnen müsse, und der stall sei doch eigentlich ganz in ordnung. ich bot ihr an, die mehrkosten zu übernehmen, was sie nach langem hin und her annahm, weil sie im studium wegen zeitmangel eine wichtige prüfung verhauen hatte.
auch wenn wir jetzt wesentlich mehr geld bezahlten, rief die besitzerin des stalles ständig an und bettelte, weil sie hilfe bei irgendeiner tätigkeit brauchte. ich sagte ihr irgendwann, dass wir für den preis, den wir ihr monatlich zahlten, die vertraglich vereinbarten leistungen erwarteten und diese nicht ständig selbst erbringen wollen würden. sie druckste herum und erzählte uns eine weinerliche geschichte, dass es mit dem reitunterricht zur zeit wohl schlecht lief, und das geld hinten und vorne nicht reichte. meine exfreundin zeigte vollstes verständnis dafür, und schuftete ab da auf dem hof mit, während die besitzerin immer mehr geld haben wollte, und wir irgendwann sogar heu selbst zukaufen mussten, obwohl das im vertrag eigentlich komplett inkludiert war. ich suchte derweil fieberhaft nach einem neuen hof. schließlich wurde ich in der umgebung fündig.
an dem abend, als ich meiner exfreundin den hof vorschlagen wollte, teilte sie mir mit, dass sie die nachprüfung wegen zeitmangel auch verhauen hatte, und exmatrikuliert werden würde.
sie war vollkommen fertig. was machte sie allerdings als allererstes? sie ging in den stall und suchte trost bei ihrem pferd, anstelle ralistisch zu überlegen, wie es weitergehen solle. ab da ging alles den bach hinunter. meine ex war nur noch beim pferd, dessen kosten ich mittlerweile fast allein trug, denn der ursprüngliche einstellpreis hatte sich mittlerweile mehr als verdoppelt. auf versuche, ihr einen neuen stall schmackhaft zu machen, reagierte sie unwirsch und ignorant. sie kümmerte sich überhaupt nicht mehr um das studium, unsere beziehung war ihr auch komplett egal. sie redete nicht mehr mit ihren eltern, und sprach tagaus, tagein nur noch davon, dass sie eine ausbildung zur pferdewirtin machen wolle. die ausbildungsstelle bekam sie dann tatsächlich, aber da lag unsere beziehung schon in den letzten zügen, da wir uns nur noch einmal in der woche sahen, sie total abgekämpft vom arbeiten auf dem hof der "pferdefrau" war, und auch kaum noch notiz von meinen bedürfnissen nahm.
derzeit macht sie o.g. ausbildung, und arbeitet nach dienstschluss noch bei ihrem pferd. sie bezahlt die hälfte ihres monatlichen einkommens an die hofbesitzerin. am tag ist sie etwa 14-15 stunden am rackern. zeit für eine beziehung oder dergleichen hat sie nicht mehr. sie beschimpfte mich mal per sms in dem sinne, dass ich ihr "alles kaputtgemacht" hätte. ohne mich hätte sie noch ihren schönen eigenen pferdehof, müsse sich nicht ständig um ihr pferd sorgen und alles wäre noch "wie früher" außerdem hätte sie dann wohl genug zeit für das studium gehabt, und die prüfung nicht versaut.
-kein wort davon, dass ich weit über 4000 euro an unterhaltungskosten für ihr pferd übernommen habe, kein wort des dankes für die viele arbeit, kein wort des bedauerns der vielen unannehmlichkeiten und probleme, die sie mir in der beziehung mit ihrer bedingungslosen tierliebe beschert hat.
sabrina, ich unterstelle dir nicht, dass du ähnlich weltfremd und überbesorgt bist, was deine tiere angeht, beziehungsweise, dass du eine ähnliche sichtweise wie meine ex an den tag legst. dennoch kann ich mir vorstellen, dass du eventuell früher öfter zumindest deine beziehungen zu gunsten deines pferdes vernachlässigt hast. das führt auf dauer dazu, dass man sich als mensch und partner neben dir wertlos fühlt, da das tier bzw. die tiere grundsätzlich vorrang vor der beziehung haben.
ich habe mich jahrelang als "erfüllungsgehilfen" ihres hobbies betrachtet, teilweise auch als billigen knecht und finanzier, den herumzukommandieren sie das recht hat, da er ihr in der beziehung verpflichtet ist. wenn ein mann merkt, dass er emotional auf so eine rolle reduziert wird, ist er weg. die einen schneller, die anderen etwas langsamer. die pferde sind eine gigantische bürde für jemanden, der nicht auf einem hof aufgewachsen ist, oder zumindest ebenso tierlieb und pferdevernarrt wie du ist.
unter diesen männern wirst du aber kaum einen "mann von welt" finden, der dir das gibt, was du erwartest. und selbst wenn: du musst es schaffen ihn zu halten, was dir offensichtlich über längere zeit schwerfällt, da die tiere immer vorgehen. egal ob er pferde genauso liebt wie du: er wird höchstwahrscheinlich dann weg sein, wenn er merkt, dass er nicht die hauptrolle in deinem leben spielt. denn ganz ehrlich: das ist es doch eigentlich wofür man beziehungen eingeht.
ich wünsche dir viel glück, vielleicht hat dir meine geschichte ja einigermaßen geholfen zu verstehen, was die männer empfinden, wahrscheinlich und hoffentlich aber nicht so krass wie es bei mir der fall war.