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Meine Mutter erdrückt mich

Meine Erfahrung ist leider auch, dass das ganze reden und erklären von Grenzen bei manchen Leuten nichts bringt, und man knallhart seine Grenzen durchziehen muss. Auch bei mir hieß das auch einige Jahre kein Kontakt bei meiner Mutter und heißt bei meiner Oma auch eher ein on-off, da hat das auch was mit Machtkampf zu tun. Ich finds super anstrengend, aber sie kann es nicht anders. Meine Familie ist auch super klein, deswegen ist es schon auch oft hart weil ich um die Grenzen weiß und trotzdem irgendeine Art Verbindung hätte. Es ist deswegen auch super wichtig für Leute mit Herkunftsfamilien wie unseren sich ein Netz aus lieben Freunden und normalen Menschen aufzubauen, sonst ist man immer von diesem toxischen hin und her abhängig. Und Therapie in der man lernt was seine Grenzen sind und wie man sie einhält, falls du das noch nicht machen konntest.

Du kannst super stolz darauf sein wie weit du schon gekommen bist!
 
Liebe kaela,

Zuallererst vielen Dank für deine Antwort. Ich befürchte auch, dass meine Mutter narzisstische Züge hat. Ergänzend möchte ich noch sagen, dass es neben mir noch einen leiblichen jüngeren Bruder gibt und einen Stiefbruder, der hier nicht so eine große Rolle spielt. Bei meinem kleinen Bruder verhält sie sich ähnlich. Aber ich sage mir, dass das sein "Bier" ist, wenn er das zulässt. Was mir aktuell die Augen geöffnet hat ist, dass ich für einen Arzttermin weiter wegfahren und dann auch übernachten muss, weil es eine zu weite Strecke ist. Sie bot an mich zu begleiten. Dann kamen die "Bedingungen" hinzu, dass wir uns ein Hotelzimmer teilen müssten, da es ja auch eine Kostenfrage sei. An dieser Stelle muss ich sagen, dass das Finanzielle das kleinste Problem in unserer Familie darstellt und ich mein Zimmer, wenn's dann daran scheitert, gerne selbst zahle! Mein Freund bot an, als ich ihm davon erzählte, dass er sich Urlaub nimmt und mitkommt. Das habe ich ihr dann geschildert und mich trotzdem bedankt dass sie mich begleiten wollte. Da ich einen Hund habe, der natürlich betreut werden will, habe ich nach einer Unterkunft gesucht, die Hunde willkommen heißt. Das wusste sie zu dem Zeitpunkt aber nicht und sagte mir dann, dass sie sich dann nicht krank melden würde wenn sie nicht mitfährt und arbeiten geht, weil dass ja gar nicht geht dass sie sich krank meldet wenn sie keinen "Grund" dafür hat und auf keinen Fall auf meinen Hund aufpassen könne. Sie nimmt es sonst auch nicht so genau damit und wie erwähnt - geht sie Ende des Jahres in Rente. Sie hasst ihren (Haupt-)Job in der Kita. Da kam in mir diese ganze angestaute Wut hoch! Von dem moralischen Aspekt abgesehen mit dem Krankmelden usw.: Wenn SIE mitfahren kann und Kontrolle hat, alles kein Problem. Wenn sie aber außen vor ist, tut sie mir keinen Gefallen und lässt mich gerne auflaufen was die Betreuung meines Hundes angeht. Ich muss dazu sagen, dass mein Hund ein total lieber Kerl ist und extrem pflegeleicht. Und es geht um eine einzige Übernachtung! Das Ende von Lied ist, dass ich ein hundefreundliches Hotel gefunden habe und das nun alleine wuppe. Ich durchschaue ihr Machtgehabe und das ganze Theater sehr gut. Mein Gedanke zu euren Rückmeldungen ist, dass ich mich zurückziehe und es auf meine Weiterbildung schiebe, die bald weiter geht. Wenn mir danach ist und ich mit meiner Therapeutin einen Plan ausarbeiten kann, wie ich damit umgehe, möchte ich den Kontakt deutlich zurückfahren. Gestern hat sie mich mehrere Male versucht zu erreichen und ich habe nicht reagiert. Das ist mir sehr schwer gefallen. Ich habe aber die Hoffnung, dass es mit der Zeit einfacher wird. Ich möchte keine Marionette sein. Das heutige Telefonat habe ich sehr kurz gehalten. Was hinzukommt ist, dass mein Gartengrundstück direkt neben dem meiner Mama liegt. Eigentlich ist das mein Rückzugsort mit Wohnwagen und der Möglichkeit in der Natur zur Ruhe zu kommen. Diesen Ort könnte ich dann nicht mehr einfach so besuchen, ohne ihr oder meinem Stiefvater über den Weg zu laufen. Was die Beispiele mit Kuchen und Co. angeht: Das sind an sich banale Dinge, aber diese Kommentare häufen sich zu einem Berg aus Erwartungen, wie sich die Tochter optimalerweise verhalten soll...
Liebe Sonnenblumen,
ich denke, du durchschaust deine Mutter ziemlich gut. Und ich sehe, du hast die Kraft und den Mut, dich ihr entgegenzustellen. Auch wenn es dir sehr schwer fällt. 🙂Gut, dass du eine Therapeutin hast! Und die Idee, mit ihr einen konkreten Abgrenzungsplan auszuarbeiten, ist sehr gut.
Die Sache mit dem Gartengrundstück ist natürlich echt schwierig ... besonders, wenn sie nächstes Jahr in Rente geht. Ich hoffe, du findest auch dafür (zusammen mit der Therapeutin?) eine Lösung.

Falls du Interesse an Podcasts und weiteren Links hast - hier sind welche zum Thema Kontaktabbruch. Auch wenn du den Kontakt nicht ganz abbrechen willst, sind die Konflikte zwischen dir und deiner Mutter und anderen erwachsenen Kindern, deren Eltern nicht lieben können, natürlich ähnlich.

https://www.swr.de/swr1/podcast/kontaktabbruch-wenn-kinder-ihre-eltern-verlassen-s01-e01-100.html

https://www.ardsounds.de/suche/Kontaktabbruch: Wenn Kinder ihre Eltern verlassen/

Einen dieser Podcasts habe ich gehört, und was mich besonders fasziniert hat, war dieses Muster, dass verlassene Eltern grundsätzlich aus allen Wolken fallen und keine Ahnung haben, warum sie "plötzlich so behandelt werden", während die Söhne und Töchter sagen, dass sie jahrelang erfolglos versucht haben, den Konflikt anders zu lösen und furchtbar gelitten haben.
Krass, wie sehr die Wahrnehmungen auseinandergehen. Es sind wirklich teilweise parallele Welten; Eltern mit mindestens einem narzisstischen Persönlichkeitsstil können sich echt nicht in ihre Kinder hineinversetzen.
 
Zuletzt bearbeitet:
Mit meiner Mutter liefe das Kuchen-Gespräch so ab:
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Mutter: Könntest du einen Kuchen backen
Ich: Nein
Mutter: Warum nicht?
Ich: Weil ich nicht möchte und auch keine Zeit habe
Mutter: Aber deine Kuchen sind immer sooo lecker
Ich: Ich mache keinen Kuchen. Wechseln wir bitte das Thema
Mutter: Warum wirst du denn jetzt schnippig?

Im selben (!) Gespräch 10 Minuten später:
Mutter: Hast du Sontag was vor? Da könntest du doch den Kuchen backen!
Ich: Ich habe dir mehrfach nein gesagt
Mutter: Das habe ich vergessen

Nochmal 10 Minuten später
Mutter: weißt du wie sehr sich Tante XY über einen Kuchen von dir freuen würde?
Ich: ...
Mutter: Magst du die Tante denn nicht?
Ich: wenn du nochmal fragst, flippe ich aus
Mutter: Du bist echt sensibel. Jeder andere Sohn würde seiner Mutter den Gefallen tun.
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Sowas habe ich auch Jahre lang mitgemacht. Und nein, da hilft auch kein Gespräch wenn deine Mutter so ist. Selbst wenn sie in einem Gespräch einsichtig ist, wird sie im nächsten Gespräch wieder so sein wie vorher. Sie "vergisst" was du ihr gesagt hast und sagt "sie ist halt so" oder dreht am Ende jedes Gespräch um um dir das Gefühl zu geben, dass du etwas falsch machst.

Es wirkt nach außen harmlos oder wird als "überfürsorgliches Klammern" verharmlost aber es ist ein passiv aggressives Verhalten, das darauf abzielt, dass deine Mutter ihren Willen gegen dich durchsetzt. Er zermürbt dich und am Ende stimmst du Dingen zu nur um deine Ruhe zu haben.
Genaus so. Es macht einen verrückt und so unglaublich mürbe.
Mein Vater ist so.

@sonnenblumen Ich hab auch mit circa 30 begriffen, was da vor sich geht und bin 8 Jahre später viel weiter, aber immer noch dabei zu lernen wie sich gesunde Beziehungen anfühlen. Wenn man so aufwächst, kennt man es ja nicht anders. Aber die äußeren Umstände habe ich recht schnell angepasst. Das heißt, ich hab das Auto, das noch über ihn lief, auf mich umgemeldet, auch einen Rentensparplan aus meiner Kindheit, den bezahle jetzt ich. Es gibt keinerlei Verstrickungen mehr im Außen. Bei empfindlichen Themen wende ich mich nicht an meinen Vater. Er bietet mir zwar ständig seine Hilfe an, er kann das aber nicht aufrichtig geben. Wenn ich krank bin und er mir einen Tee macht, ist das Resultat, dass ich die kommenden Tage mindestens 3 mal bestätigen muss, wie toll der Tee war und wie gut der Tee mir geholfen hat. Das sind die "harmlosen" Beispiele, es gab auch Übergriffe, wenn es nicht so lief, wie er wollte oder man "undankbar" war.

Jedenfalls mein Rat: Wenn es um sowas wie den Arztbesuch geht, regle das von Vornherein ohne deine Mutter einzubeziehen. Du hast einen Partner, du kannst (je nach Situation) auch alleine in ein Hotel gehen, Freunde fragen. Für manche Dinge braucht man natürlich Begleitung. Mein Vater wäre die allerletzte Option für mich, wenn ich ernsthaft Hilfe brauche und angeschlagen bin. Leider. Vorher wende ich mich an die Telefonseelsorge oder irgendjemand, ohne diese giftigen Muster. Denn eines ist klar: Das Eine (Unterstützung) gibt es immer nur mit dem Anderen (Druck und Schuld). Ich würde mir auch einen Garten weiter weg suchen, nicht nur einen Steinwurf entfernt. Das ist leider das Los, wenn man in so einer Familie aufwächst, aber da raus will. Man muss die Dinge sehr eigenständig lösen. Meine Erfahrung ist leider, dass Freunde so ein Defizit nicht ausfüllen können. Aber ich denke, man kann sie finden. Ich hab durch meine Erziehung leider nicht so ein gutes Händchen dafür entwickelt.

Noch ein Tip: Distanziere dich solange ihr noch jung seid. Mein Vater ist jetzt älter, langsam kommt eine beginnende Demenz hinzu, weswegen ich wieder mehr Kontakt habe, um mich etwas zu kümmern. Es ist jetzt sehr schwer seine toxischen Strategien und die Erkrankung auseinanderzuhalten, abzuwägen wie viel Kontakt gut und nötig ist und da emotional nicht wieder tief reinzurutschen. Deine Mutter kommt klar.

Noch ein Nachtrag: Die Schwester meines Vaters ist sehr jung ausgewandert, war jetzt zu Besuch in Deutschland. Sie ist ganz anders, sie will niemanden kontrollieren oder zu etwas zwingen. Sie hat diese Muster sehr früh durchschaut und daher mit nur 20 Jahren den Kontinent gewechselt, ihren Frieden gefunden. Jetzt ist sie 80 und eine tolle Frau. Es tat mir so gut mit ihr und meinen Cousins und Cousinen Zeit zu verbringen, ich konnte atmen und so sein wie ich bin, keine Schuldgefühle. Und sie sagte zu mir: Du musst aus dem Milieu raus.

Ich nehm es mir zu Herzen und möchte das gerne weitergeben.
 
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