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Meine Mutter erdrückt mich

Für mich als Mutter, oder als Freundin, oder als Lebensgfährtin gibts ein ständiges Sortieren und Umschlichten- was gestern gültig war und hingenommen wurde, kann heute falsch sein, darüber kann man ja reden.
Mir ist komplett schonungslose Ehrlichkeit lieber als falsche Rücksicht- den Mut zu dieser Ehrlichkeit fördere ich, indem ich eben regelmässig gemeinsam mit denen allen update- wonach ist dir wirklich...? Weiß ich doch nicht, kann ja falsch liegen mit dem, wie ich mach. Nachjustieren geht doch immer.
 
Einen Brief zu schreiben ist immer nett,sofern er denn auch gelesen wird.
Wenn daraufhin keine Taten folgen,bleibt alles beim Alten.
Ein richtiges Gespräch suchen,auf den Tisch legen,was einen belastet,Vorschläge dazu machen,wie es künftig zu laufen hat oder sich gänzlich aus dem Staube machen,sie hat die Wahl.
Dann wird man versuchen,einem ein Gewissen einzutrichtern,standhaft bleiben,denn sonst wird sich nichts ändern,zumal sie bald in Rente geht und dann wird es noch schlimmer,als es bisweilen ist.
 
Angenommen, mich/oder jemand stört etwas- da finde ich gut und richtig eine klare Regelung zu machen, eine Hausordnung aufzustellen und oder Gesetze auszusprechen.

Zb -nie Sonntags, nie um diese Zeit, bitte nie dies oder jenes- das wird doch eingehalten, wenn man klar informiert wird. Falls das vergessen wird, dann kann man ja konsequent erinnern daran, bis es sitzt und integriert ist.
 
Hallo zusammen,

ich muss meinen Gefühlen einmal Luft machen und hoffe auf Tipps von LeidensgenossInnen...Ich bin Anfang 30 und habe ein ziemlich durchwachsenes Verhältnis zu meiner Mutter. Sie ist inzwischen 64 Jahre alt und geht Ende des Jahres in Rente. Sie war schon immer eine Helikopter-Mutter, das ging unter anderem bereits in der Kindheit und Jugend los, dass ich zum Beispiel meine Tür nicht schließen durfte, wenn ich meine Privatsphäre haben wollte. Grenzen galten wenn dann nur für die Erwachsenen, aber nicht für Heranwachsende. Stichwort Sucht, Kontrolle, psychische Gewalt und Manipulation. Das führte dazu, dass ich aus meiner Rolle als stille, fügsame Tochter, die keinen Ärger macht, mit 16 Jahren ausbrach und meinen ganzen Mut zusammennahm und in eine Art Frauenhaus für Minderjährige abtauchte. Ich wollte vehement nicht mehr nach Hause und diesem Gefängnis aus Manipulation, Druck und Ängsten entfliehen. Andererseits brauchte ich meine Mama als emotionale Stütze, da es außer ihr keine Familie mehr gab die das übernehmen könnte. Mein Vater war starker Alkoholiker, meine Großeltern sind im Laufe des Lebens beide von uns gegangen und weitere Verwandte habe ich nicht. So entwickelte sich aus der schwierigen Beziehung zu meiner Mutter so etwas wie eine Push-Pull-Dynamik. Sie will permanent das Gefühl haben, dass es ohne sie nicht geht, hätte am liebsten, dass ich direkt in der Nähe wohne. Ich hoffe ihr könnt einen ungefähren Eindruck der Mutter-Tochter-Dynamik herauslesen. Ich bin inzwischen so weit, dass ich weiß, dass ich mir meine Wunsch-Mama nicht backen kann und einen Umgang finden muss (zu meinem eigenen Wohlergehen), damit mich diese Dynamik nicht vollkommen auffrisst. Ich leide unter Depressionen und Migräne, Bruxismus um nur einige Erkrankungen zu nennen. Ich möchte den Draht zu ihr nicht komplett verlieren, da ich sie liebe und sie natürlich auch positive Eigenschaften hat! Nur wird es ab einem bestimmten Punkt zu viel. Zu viele Fragen, meine Grenzen nicht akzeptieren, mir von Themen erzählen die mich absolut nichts angehen (Sie ist u. a. psychologische Beraterin und hat Schweigepflicht), sich in mein Leben einmischen und mit permanent Tipps zu meiner Ernährung (ich habe eine Autoimmunerkrankung und ja, ich kenne mich mit meiner optimalen Ernährungsweise gut aus), schickt mir irgendwelche Videos und Posts via Social Media obwohl ich es bereits mehrfach angesprochen habe, kauft ungefragt Lebensmittel und kocht für mich. Ich versuche mich schrittweise aus diesem Korsett herauszuwinden und möchte am liebsten im Dezember am Geburtstag meines Stiefvaters sowie über die Feiertage mich komplett raushalten. Aber hey, du hast doch letztens deinem Freund so einen tollen Kuchen gebacken, das wäre doch auch was für deinen Stiefvater. Ich mache sowas nur, wenn ich es wirklich will und bei Menschen, bei denen ich weiß, dass sie die Arbeit und die Geste schätzen. Nicht, weil ich unter Druck dazu gebracht werden soll, als brave Tochter zu funktionieren...Wem geht es auch so oder ähnlich? Ich möchte den Kontakt nicht komplett abbrechen, obwohl meine aufgestaute Wut mich gerade in diesen Lösungsweg treiben will. Ich bin dankbar für eure Hilfe und Tipps.

Alles Liebe,

sonnenblumen
Übrigens: Bei mir war es ähnlich. Ich habe zu beiden Eltern den Kontakt zeitweise und für Jahre unterbrochen. Sie hatten sich bis dahin nie in mich hineinversetzt. Bei meiner Mutter waren es 18 Jahre Kontaktlosigkeit. In der Zeit hat meine Mutter eine Psychotherapie gemacht, ihre eigene Kindheit und Jugend aufgearbeitet und verstanden, dass ich kein Teil von ihr bin und sie kein Recht auf Kontakt zu mir hat. Sie hat sich dann sehr geändert und ihr Verhalten sehr bereut. Heute verhält sie sich völlig anders zu mir und wir haben ein ziemlich gutes Verhältnis.
Zu meinem Vater habe ich mehrmals den Kontakt unterbrochen und ihn vor 12 Jahren endgültig abgebrochen. Er hat nach wie vor kein Mitgefühl und will auf keinen Fall wissen, dass mir sein kaltes Verhalten in meiner Kindheit und Jugend sehr geschadet hat.

Vor kurzem habe ich in einem Podcast gehört, dass 10 % der Mütter einen zumindest zeitweisen Kontaktabbruch durch ein erwachsenes Kind erleben und 20 % der Väter.
Liebe kaela,

Zuallererst vielen Dank für deine Antwort. Ich befürchte auch, dass meine Mutter narzisstische Züge hat. Ergänzend möchte ich noch sagen, dass es neben mir noch einen leiblichen jüngeren Bruder gibt und einen Stiefbruder, der hier nicht so eine große Rolle spielt. Bei meinem kleinen Bruder verhält sie sich ähnlich. Aber ich sage mir, dass das sein "Bier" ist, wenn er das zulässt. Was mir aktuell die Augen geöffnet hat ist, dass ich für einen Arzttermin weiter wegfahren und dann auch übernachten muss, weil es eine zu weite Strecke ist. Sie bot an mich zu begleiten. Dann kamen die "Bedingungen" hinzu, dass wir uns ein Hotelzimmer teilen müssten, da es ja auch eine Kostenfrage sei. An dieser Stelle muss ich sagen, dass das Finanzielle das kleinste Problem in unserer Familie darstellt und ich mein Zimmer, wenn's dann daran scheitert, gerne selbst zahle! Mein Freund bot an, als ich ihm davon erzählte, dass er sich Urlaub nimmt und mitkommt. Das habe ich ihr dann geschildert und mich trotzdem bedankt dass sie mich begleiten wollte. Da ich einen Hund habe, der natürlich betreut werden will, habe ich nach einer Unterkunft gesucht, die Hunde willkommen heißt. Das wusste sie zu dem Zeitpunkt aber nicht und sagte mir dann, dass sie sich dann nicht krank melden würde wenn sie nicht mitfährt und arbeiten geht, weil dass ja gar nicht geht dass sie sich krank meldet wenn sie keinen "Grund" dafür hat und auf keinen Fall auf meinen Hund aufpassen könne. Sie nimmt es sonst auch nicht so genau damit und wie erwähnt - geht sie Ende des Jahres in Rente. Sie hasst ihren (Haupt-)Job in der Kita. Da kam in mir diese ganze angestaute Wut hoch! Von dem moralischen Aspekt abgesehen mit dem Krankmelden usw.: Wenn SIE mitfahren kann und Kontrolle hat, alles kein Problem. Wenn sie aber außen vor ist, tut sie mir keinen Gefallen und lässt mich gerne auflaufen was die Betreuung meines Hundes angeht. Ich muss dazu sagen, dass mein Hund ein total lieber Kerl ist und extrem pflegeleicht. Und es geht um eine einzige Übernachtung! Das Ende von Lied ist, dass ich ein hundefreundliches Hotel gefunden habe und das nun alleine wuppe. Ich durchschaue ihr Machtgehabe und das ganze Theater sehr gut. Mein Gedanke zu euren Rückmeldungen ist, dass ich mich zurückziehe und es auf meine Weiterbildung schiebe, die bald weiter geht. Wenn mir danach ist und ich mit meiner Therapeutin einen Plan ausarbeiten kann, wie ich damit umgehe, möchte ich den Kontakt deutlich zurückfahren. Gestern hat sie mich mehrere Male versucht zu erreichen und ich habe nicht reagiert. Das ist mir sehr schwer gefallen. Ich habe aber die Hoffnung, dass es mit der Zeit einfacher wird. Ich möchte keine Marionette sein. Das heutige Telefonat habe ich sehr kurz gehalten. Was hinzukommt ist, dass mein Gartengrundstück direkt neben dem meiner Mama liegt. Eigentlich ist das mein Rückzugsort mit Wohnwagen und der Möglichkeit in der Natur zur Ruhe zu kommen. Diesen Ort könnte ich dann nicht mehr einfach so besuchen, ohne ihr oder meinem Stiefvater über den Weg zu laufen. Was die Beispiele mit Kuchen und Co. angeht: Das sind an sich banale Dinge, aber diese Kommentare häufen sich zu einem Berg aus Erwartungen, wie sich die Tochter optimalerweise verhalten soll...
 
Mit meiner Mutter liefe das Kuchen-Gespräch so ab:
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Mutter: Könntest du einen Kuchen backen
Ich: Nein
Mutter: Warum nicht?
Ich: Weil ich nicht möchte und auch keine Zeit habe
Mutter: Aber deine Kuchen sind immer sooo lecker
Ich: Ich mache keinen Kuchen. Wechseln wir bitte das Thema
Mutter: Warum wirst du denn jetzt schnippig?

Im selben (!) Gespräch 10 Minuten später:
Mutter: Hast du Sontag was vor? Da könntest du doch den Kuchen backen!
Ich: Ich habe dir mehrfach nein gesagt
Mutter: Das habe ich vergessen

Nochmal 10 Minuten später
Mutter: weißt du wie sehr sich Tante XY über einen Kuchen von dir freuen würde?
Ich: ...
Mutter: Magst du die Tante denn nicht?
Ich: wenn du nochmal fragst, flippe ich aus
Mutter: Du bist echt sensibel. Jeder andere Sohn würde seiner Mutter den Gefallen tun.
-----------------------------------------------------

Sowas habe ich auch Jahre lang mitgemacht. Und nein, da hilft auch kein Gespräch wenn deine Mutter so ist. Selbst wenn sie in einem Gespräch einsichtig ist, wird sie im nächsten Gespräch wieder so sein wie vorher. Sie "vergisst" was du ihr gesagt hast und sagt "sie ist halt so" oder dreht am Ende jedes Gespräch um um dir das Gefühl zu geben, dass du etwas falsch machst.

Es wirkt nach außen harmlos oder wird als "überfürsorgliches Klammern" verharmlost aber es ist ein passiv aggressives Verhalten, das darauf abzielt, dass deine Mutter ihren Willen gegen dich durchsetzt. Er zermürbt dich und am Ende stimmst du Dingen zu nur um deine Ruhe zu haben.
 
Dann wirst du immer und immer wieder nein sagen müssen und es wird wie bei mir ein ewiger kräftezehrender Kampf gegen deine Mutter.
Ich sehe das anders. Man kann einmal "Nein" sagen, sie dann einfach reden lassen. Man muss nicht mehr darauf reagieren, kann das Thema wechseln oder sogar weggehen. Wichtig wäre, in der Konsequenz den Kuchen dann auch nicht zu backen. Auf Nachfrage "Ich hatte nein gesagt". Das Problem ist eher die Inkonsequenz, sich weich- oder müdequatschen zu lassen. Da muss man auch sich selber mal disziplinieren.
 
Zwischen mir und meiner Mutter gibt es auch seit langer Zeit keinen Kontakt mehr.
Außer, dass sie mich zur Welt gebracht hatte, gab es auch kaum etwas, was zu einer tragfähigen Bindung zwischen uns hätte führen hätte.
Nach vielen Jahren etlicher Versuche von Kontaktsperren, Wiederannäherungen, Veränderungen und so weiter, hatte ich endlich verstanden, dass meine Mutter sich nie ändern wird.
Meine Mutter ist, wie sie ist und sie tut, was sie tut.
So musste ich meine Einstellung zu ihr ändern, mich von altruistischen Glaubenssätzen und Zwängen befreien und sie endlich vollständig loslassen. Seitdem haben sie und ich endlich Frieden gefunden.
Von Geschwistern höre ich manchmal, dass sie noch lebt und es ihr soweit gut geht.
 

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