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Meine Lebensgeschichte! Bitte gebt nicht auf!

Hejoka

Mitglied
Sorry für diesen langen Text. :)
Erstmal zu meiner Familie. Mein Vater arbeitete als Koch und meine Mutter, ja das weiß ich nicht mehr so genau. Väterlicher Seits habe ich noch 4 Halbgeschwister, 3 Mädls und 1 Junge. Mütterlicher Seits habe ich einen Halbbruder. Ihr erstes gemeinsames Kind haben die beiden 1991 bekommen. P.. B., der Sohn meiner Mutter, hat aber auch bei uns gelebt. 1996 kam mein kleiner Bruder K. auf die Welt. Er saß anscheinend immer an einer Wand und haute den Kopf dagegen. Als er dann 2 war, kam er zum ersten Mal zu Pflegeeltern. Irgendwann dann in ein Förderzentrum nach Traunreut. Er ist geistig 2-3 Jahre zurück. Von Anfang an haben sich meine Eltern nur Jungs gewünscht. Sie wären leichter zu erziehen und nicht so problematisch. Völliger Schwachsinn. Schon zu dieser Zeit hat mein Vater viel geraucht und noch mehr getrunken. So weit ich weiß täglich. Kurze Zeit später begann meine Mutter auch damit. Natürlich waren sie schon Raucher und haben sich ab und zu ein Gläschen gegönnt. Irgendwann ist es ausgeartet, doch an den zwei Jungs haben sie nie Gewalt oder Aggressivität gezeigt. Zu meinen Halbgeschwistern meines Vaters gab es zwar Kontakt, aber keinen guten. Meine Eltern waren sehr selten zuhause und haben sich nicht um und gekümmert. Meine Geschwister übernahmen dies ein wenig und das wurde nicht gerne gesehen. Mehr kann ich zu dieser Zeit leider nicht sagen.

Am 1994 kam ich dann auf die Welt. 6 Wochen zu früh. 2 Wochen lag ich dann in einem Brutkasten. Nein, nicht weil ich ein Frühchen war, sondern aus einem anderem Grund. Wie bereits erwähnt, waren meine Eltern Alkoholiker und Raucher. Normalerweise hört man in einer Schwangerschaft auf, doch nicht meine Mom. Laut meiner Halbschwester Ramona hat sie dies die ersten Monate gelassen, als sie aber erfahren hat, das ich ein Mädchen werde, hat sie wieder angefangen. Der Arzt sagte ihr so oft, wie unvernünftig es sei und sie solle abtreiben, wenn sie kein Mädchen bekommen will, aber das war ihr egal. Deshalb die Frühgeburt und deshalb der Brutkasten. In der Zeit besuchte ich nur Ramona. Nicht meine Eltern. Dauernd meckerten sie. Dauernd. „Mädchen kann man zu nichts gebrauchen und sie machen einfach zu viel Arbeit!“ Bis zu meinem 2. Lebensjahr war nichts besonderes. Alkohol, Zigaretten, Streit. Das blieb. Für uns da waren sie immer noch nicht. Für keinen von uns. Mehr aber für R. und H. Zirca aber dem 2. Lebensjahr gings dann richtig los. Alkohol wurde schlimmer. Das erste Mal wurde ich geschlagen. Das erste Mal. Aus einem, meiner Meinung nach, behinderten Grund. Ich hatte die Spielsachen meines Bruders nicht aufgeräumt. Da ist meine Mutter das erste Mal ausgeflippt. Mein Dad dann auch. Komischerweise haben meine Brüder nie Schläge kassiert. Irgendwann begannen die Tritte und die Gewalt wurde schimmer. Auch verbale Gewalt. Ab meinem 4. Lebensjahr habe ich wieder einige Erinnerungen. Gute und Schlechte? Nein, nur Schlechte. Abends veranstaltete unser Nachbar beispielsweise eine Lagerfeuerparty. Alle Nachbarn und Kinder waren eingeladen. Leider wurden wir von den Nachbarskinder ziemlich krass fertig gemacht, wegen meinen Eltern. Somit hatten wir an dem Abend auch keinen Spaß. Bis auf das bisschen Fußball spielen. H. hat den Ball leider ins Feuer geschossen. Die Schuld auf mich geschoben. Da es schon sehr spät war, waren nicht mehr alle da. Viele haben gerade ihre Kinder ins Bett gebracht. Meine Eltern... Sie sind ausgetickt... Der Ball wäre ja so teuer gewesen. Naja, da H. die Schuld mit in die Schuhe geschoben hat, musste ich das auch ausbaden. Meine Mutter nahm mich an den Armen und mein Vater schlug einmal zu. Blaues Auge. Dann packte er mich an den Beinen. Und ja, ich fass es nicht, das sie das gemacht haben. Sie hielten mich fest und hingen mich über das Lagerfeuer. Es war nicht mehr so hoch, aber Angst hat es trotzdem gemacht. R. hat mich dann meinen Eltern weggenommen und mich beruhigt. Klar, ich hab total geschrien und hatte totale Angst. Der Nachbar ist ausgetickt. Meine Eltern? Nun, die sind sich bis heute keinerlei Schuld bewusst. H. hat sich totgelacht. Haha, sehr lustig. Daraufhin das nächste Erlebnis: In der Küche hatten wir eine blaue Schaukel für Kinder. Da wurde ich immer reingesetzt, wenn mein Dad gekocht hat. Da ich an dem einen Tag aber richtig müde war und nicht in dieser dummen Schaukel sitzen wollte, habe ich geweint. Oder geschrien? Keine Ahnung. An diesem Tag habe ich kein Abendessen bekommen. Als meine Familie dann fertig war mit dem Essen, hob mich meine Mutter raus. Ich bin losgelaufen und leider, leider an dem Kabel der Kaffeemaschine hängen geblieben und bin mit dem Gesicht an eine Tischkante geknallt. Die Lippe war auf und ziemlich dick. Mein Vater stellte sein Bier weg, setzte mich in die Schaukel und schlug mehrmals zu. Getreten hat er auch, aber bis heute hoffe ich, dass ihm das mehr weh getan hat als mir. Als Strafe? Ich durfte nicht mehr aus dieser dummen Schaukel raus und saß dort die ganze Nacht. Am nächsten Morgen... Ja, es war ihm egal. An dem gleichen Tag sind wir wieder zum einkaufen gefahren. Während meine Brüder in der Schule bzw. im Kindergarten waren, musste ich zum Einkaufen mit. Mein Dad hatte eine Flasche und meine Mom irgendetwas zum Essen dabei. Ich find aus irgendeinem Grund an zu weinen. Zuerst hatte ich die Flasche am Kopf, dann das Essen im Gesicht. Ich frag mich bis heute, warum ich das verdient habe. Aber gut. Die meisten Ereignisse sind zwischen meinem Dritten und Sechsten Lebensjahr passiert. Ziemlich viele. Zu viele. Danach folgte der Wald. Wir sind zum Weinberg-Schnecken sammeln gegangen, da mein Dad meine Mom überraschen wollte. Mit Schnecken. Naja, keine Ahnung, was ich an diesem Tag schon wieder falsch gemacht habe. Auf jeden Fall sind meine Eltern ausgerastet. Meine Brüder sind gerade nach Hause gelaufen, um die Tüten mit den Schnecken abzulegen. Das heißt ich war alleine mit meinen Eltern im Wald. Irgendetwas habe ich anscheinend angestellt. Nur was. Ich weiß es nicht. Ich werde es nie vergessen, wie mein Vater seinen Gürtel nahm und mich an einem Baum festgebunden hatte. Es war nicht am Waldrand. Nein, es war mittig. Gruslig. Erst, als es schon dunkel war, kam meine Mutter und brachte mich nachhause. Beide waren dann laut R. so verwundert, dass ich tagelang nicht im Dunkeln schlafen wollte. Deshalb habe ich auch immer wieder Schläge kassiert. Dafür, das sie die Nachttischlampe anlassen mussten. Wenn ich jetzt drüber nachdenke, ist das doch echt total Hirnrissig... Das nächste Ereignis war das mit der Brotmaschine. Ich sollte als Kind Brot schneiden und bin, denke ich mal, abgerutscht. Mit der rechten Hand (Mittelfinger) in das Schneideblatt. Ich hab geschrien ohne Ende und das hat geblutet ohne Ende. Der Finger war zum ¾ durch und alles, was meine Eltern machen, ist mich vor die Tür zu setzten und sagten: „Warte hier einfach, wird schon nicht so schlimm sein. War ja klar das du was falsch machst!“ Dies ist einer der Sätze, die ich nie vergessen werde. Mein Nachbar hat mich dann an dem Tag noch ins Krankenhaus gefahren. Mein Nachbar... Nicht meine Eltern. Irgendwann, keine Ahnung, wie alt ich da war. Aber irgendwann zwischen 3 und 5 habe ich auf den Grill gelangt. Ich denke mal, ich war so neugierig, ob der jetzt heiß ist oder nicht. Mit beiden Händen. Totale Verbrennung. Meine Mom schlug mich und schrie rum. Auch da: „Bleib sitzen, heul nicht rum!“ Wieder fuhr mich unser Nachbar ins Krankenhaus. Was ich noch ganz genau weiß, meine Brüder hatten mir zum Spaß immer auf die Hände gehauen, um zu gucken, ob das weh tut. Meine Eltern machten es nach. Es hat höllisch gebrannt und das ist ein Schmerz, den man einfach nicht vergessen kann. Heute habe ich eine Narbe an meinem linken Daumen. Sonst ist das - Gott sei Dank - sehr gut verheilt.
Wenn es draußen geblitzt und gedonnert hat, naja, eigentlich wurden wir dann reingeholt. An einem Abend nicht. Seit dem hab ich tierische Panik davor, bei Blitz, Donner und im Dunkeln draußen zu sein. Und immer wenn ich Gewitter sehe, kommen Erinnerungen hoch. Bei Wasser auch. Schwimmen hab ich gelernt, indem mich mein Dad ins Wasser geschmissen hat und meinte, wenn ich nicht ertrinken will, werde ich schon schwimmen lernen.
Mit 5 bin ich das erste Mal zu Pflegeeltern gekommen. Meine Mutter hatte aufgrund des starken Alkohol- und Nikotinkonsums einen Schlaganfall in Verbindung mit einer Lungenentzündung bekommen. Mein Vater ist damals nicht mit uns klar gekommen und brachte und zu Pflegeeltern. An diese hab ich zu dieser Zeit leider fast keine Erinnerungen mehr, dass was ich weiß ist, dass ich durch die mit 5 erst in den Kindergarten gegangen bin. Durch die Reha und alles hat meine Mutter wieder laufen gelernt. Und reden. Es ging wie immer weiter. Gedemütigt durch Gewalt, verbal und körperlich. Als ich in die Schule kam, war ich sozusagen das „Mobbingopfer“. Alle wussten Bescheid. Sie wussten, was bei mir abging. Und ich wurde gemobbt. Von 5. Klässlern verprügelt. In der Klasse beleidigt bis zum geht nicht mehr. Das war Alltag. Die Schläge war ich ja schließlich eh schon von zuhause gewohnt. Wenn Lehrer fragten, warum ich blaue Flecken habe, habe ich gesagt, ich wäre gegen eine Tür gelaufen oder hingefallen. Natürlich gelogen. Als ich 6 oder 7 Jahre alt war, bin ich in der Früh in das Wohnzimmer gelaufen. Das was ich sah, werde ich wohl auch nicht so schnell vergessen. Mein Vater lag auf der Couch, konnte nicht reden und sich nicht bewegen. Luft hatte er auch nur sehr schwer bekommen. Ich hatte so Angst, weckte meine Mutter, die schrie mich erst mal an. Irgendwann ist sie dann mit gekommen und rief den Notarzt. Auch er, wegen Alkohol und Nikotin, Schlaganfall. Einen sehr starken. Er kann bis heute nicht mehr normal reden und sitzt im Rollstuhl. So was will kein Kind sehen bzw. miterleben. Teilweise träume ich davon heute noch. Deshalb sind wir dann von I nach E gezogen. Ich hatte so gehofft, dass sich alles verändern wird. Irrtum. In der neuen Schule ging es genauso weiter. Zuhause auch, nur das jetzt meine Mutter die Schlimmere war. Mit 9 war ich im Schullandheim. Als ich zurück kam, stand die beste Freundin meiner Mutter vor mit und meinte, dass ich wieder zu den Pflegeeltern müsse. R. hat ausversehen die Küche abgefackelt und hat dafür nicht mal ärger bekommen. Danach ist nicht mehr viel passiert. Die einzige Person, die ich hatte, war meine damals und jetzige beste Freundin D.. Sie hat mich schon damals immer geholfen. Und tut es heute immer noch. Irgendwann bin ich immer durch mein Zimmerfenster abgehauen und bin zu ihr gelaufen. Deswegen gab es auch so oft Stress. Dann wurde das Ganze aber so schlimm, dass ich mit 12 Jahren freiwillig ins Jugendamt bin und gesagt habe, dass ich es da keinen Tag länger aushalte. Das Jugendamt war geschockt, das ein 12-jähriges Mädchen von zuhause weg will. Naja, auf jeden Fall bin ich dann am 2007 in das Kinderheim in F. gekommen. Dort gab es zwar keine Gewalt, aber das Mobbing nahm kein Ende. In der Wohngruppe, wo ich war, wurde gleich ein Tag nach meinem Einzug behauptet, ich hätte das Parfum meiner Zimmergenossin geklaut. Stimmte natürlich nicht, aber dann war ich bei allen Bewohnern unten durch. Auf der Hauptschule wurde ich zwischendurch noch verprügelt, doch das ist wesentlich besser geworden. Die ersten Monate war K. meine Bezugsbetreuerin. Ich hab sie so gerne gehabt und sie war einfach nur lieb. Aber sie wollte noch eine andere Ausbildung machen und ging. Dann hab ich C. bekommen. Auch super lieb und immer für mich da. Sie hat sich immer für mich eingesetzt. Auch dann, wenn die Therapeutin, wo ich hin musste, alles dem Jugendamt, der Heimleitung und meinen Eltern erzählt hatte. ALLES. In der 7. Klasse war ich dann so gut, dass ich von meiner Klassenleitung gezwungen wurde, die Schule zu wechseln. Ich bin auf die Staatliche Wirtschaftsschule gegangen und wurde dann von den anderen immer Streber und so genannt. Nur weil die meisten von denen auf der Hauptschule waren. Dort habe ich dann B. kennengelernt. Sie hat mich immer abgelenkt und war für mich da. Immer. Mit ihr habe ich auch heute noch so viel Spaß wie nie. Mit 14 wieder zu diesen Pflegeeltern. Sie war eher maskulin und er der einfühlsame. Aber ich kann bis heute besser mit Frauen reden. Ich habe erfahren, dass meine Mutter schon vor unserer Geburt HIV hatte. Angeblich wurden wir, als ich 5 war, schon mal getestet und da sei negativ raus gekommen. Aber vertraut habe ich denen nicht. Dort war ich dann trotz „Geschwister“ eher die Einzelgängerin. Stress pur, sie haben sogar gemeckert, wenn ich eine 2 und keine 1 geschrieben habe. Abgelenkt habe ich mich mit den Pferden, Hunden und Katzen. Ich war nur draußen. Zumindest die meiste Zeit. Mit 15, bin ich mit meinem Ex-Freund zusammengekommen. Er hat mich so abgelenkt und ich habe ihn wirklich geliebt. Durch ihn habe ich mir damals in der Schule eine Vertrauensperson gesucht. Frau T-. Sie war meine Betriebswirtschaftslehrerin und immer für mich da. Sie hat dann auch an meinem 16. Geburtstag einen Termin mit meinen Pflegeeltern, Schulleiter und ihr vereinbart. Davor war es eine schlimme Zeit. Jeden Tag hab ich geweint. Wirklich jeden. Mein Freund und auch meine Freunde waren trotz allem für mich da. Als ich einen Nervenzusammenbruch hatte, rief sie eben im Jugendamt an. Danach war meine Pflegemutter nicht gut auf mich zu sprechen. Naja, meine Noten haben nie darunter gelitten. Das ist auch gut so. Mit dieser Zeit beschäftige ich mich aber auch sehr viel weniger. Die waren zwar auch kein „Elternersatz“, den sie eigentlich darstellen sollten, aber okay, ich kann es nicht ändern. An meinem 16. Geburtstag war ich mit drei Freunden im Penthaus (Disco). Leider hatte ich da etwas viel Alkohol erwischt. Ich war an diesem Wochenende auch ziemlich am Ende mit den Nerven. Auf jeden Fall – das weiß ich nur noch grob und sonst eben von einer Freundin – hab ich mich dann hingesetzt, relativ abseits von der Menschenmenge. Dann hat mich so ein Typ angesprochen. Keine Ahnung, N. meinte, der war vielleicht so 20 oder so. Das was ich noch weiß.. Er hat angefangen mich anzutatschen und zu küssen. Weigern konnte ich mich nicht so richtig. Erstens: Er war sehr viel größer und hatte paar Muskeln mehr als ich. Und in der Nähe war keiner. Das ist das, was ich selber noch weiß/wusste. Dann wurde mir aber einen Tag später erzählt, was dann noch abgegangen ist. Dieser Typ hat weitergemacht. Ist auch noch weiter gegangen und zog mich aus. Ganz ohne Kleidung lag ich dann anscheinend nicht da, aber in Unterwäsche reicht mir ehrlich gesagt auch schon. Ich hab echt keine Erinnerung mehr daran, einerseits gut, andererseits schlecht. Über diese Sache habe ich noch nie gesprochen. Nicht mit meinem damaligen Freund und nicht mit Freunden. Außer die, die dabei waren. T- weiß es und sie hat es A- erzählt. Geredet hab ich da trotzdem noch nie drüber. Ich glaub, das braucht auch noch bisschen Zeit. Dani meinte dann immer zu mir, dass ich so abwesend und ängstlich gegenüber Männern war. Was ja klar ist. Nach diesem Erlebnis hatte es mein Ex auch nicht gerade leicht. Ich hab mich nicht mehr umarmen lassen und küssen und so etwas auch nicht. Das ging zwar nach 2 Monaten wieder, aber des hätte es damals nicht brauchen müssen. Generell sprach ich eigentlich überhaupt nicht über das, was mich beschäftigte. Alles habe ich in mich reingefressen. Das war ein ziemlich großer Fehler, wie ich es heute weiß. 2012 habe ich dann meinen Abschluss geschrieben. Mit vielen Hindernissen und Problemen habe ich mich so durch die Abschlussklasse „geboxt“. Die Prüfungen rückten näher, ich war aber einfach viel zu faul zu lernen. Hab ich dann auch nicht. Das Ergebnis: Wirtschaftsschulabschluss mit 2,1. Meine Pflegeeltern sagten nur, dass es besser hätte sein können. Mit 18 bin ich dann zu meinem damaligen Freund gezogen. Hätte ich früher erfahren, dass er mich 3x betrogen hat, wäre ich nie zu ihm gezogen. An meinem 18. Geburtstag in der gleichen Disko ist er mir das erste Mal fremdgegangen. Einmal sogar mit einer ehemaligen Freundin. Bis Ende Januar habe ich dann bei ihm gelebt, musste dann aber kurzfristig zu meinen Eltern ziehen. Mitte März bin ich dann in ein Jugendwohnheim für Auszubildende gezogen und seit diesem Umzug hat mir meine Mutter das Leben – mehr oder weniger – zur Hölle gemacht. Anrufe ohne Ende. Einige ihrer Lieblingssätze:
Du bist zu fett, mach ne Diät!
Wieso hab ich nur so eine Tochter verdient?
Du bist der größte Fehler, den wir machen konnten!
Ich hätte dich nie auf die Welt bringen dürfen...
Kein Wunder, dass dein Ex Schluss gemacht hat, so wie du aussiehst.
Du bist so ein nichtsnutz, alles machst du falsch, zu blöd zum schei***!
Da gab es natürlich noch wesentlich mehr, aber das waren mal so die, die immer kamen! Bei jedem Anruf. Ich hab sogar irgendwann meine Nummer gewechselt. Die hat sie aber auch irgendwie wieder bekommen.Nervlich war ich total am Ende und die Betreuer hatten viel zu tun mit mir, aber die waren immer für mich da. Sie umarmten mich und das ist ein Gefühl, dass ich ja davor nicht kannte. Nicht von Erwachsenen. Mein Leben war meiner Meinung nach ein reinstes Tief. Aber ohne meine Gitarre, Freunde und meine „neue Familie“ im Wohnheim wäre das Ganze jetzt noch sehr viel schlimmer ausgegangen. Nach 4 Jahren hab ich mich dann auch überwunden, einen HIV Test zu machen und der war negativ. Nachdem ich 2 Ausbildungen verloren hatte, habe ich einen berufsvorbereitenden Bildungslehrgang angefangen und besuche ab September die FOS. Mit einer Therapie habe ich begonnen. Das ist echt super, weil sie mich zum lachen bringt und zuhört. Ich mag die Therapeutin echt gerne und da hatte ich, denke ich, auch ziemlich Glück. Bis heute frage ich mich: „Warum ich? Was habe ich falsch gemacht?“ Die Antwort: Nichts. Ich kann nichts dafür, wie meine Eltern mich behandelt haben. Ich kann nichts dafür. So denke ich nicht immer. Oft denke ich, dass es ein Fehler ist, auf der Welt zu sein und eine Frau zu sein. Sehr oft. Jetzt sage ich, dass es nicht so ist. Hätten meine Eltern nur Jungs gewollt, dann hätten sie nie Kinder kriegen dürfen. Das ist nämlich auch nur eine 50:50 Chance. Und Mensch ist Mensch!! Ich weiß, wie ich meine Kinder nie behandeln werde, weil ich nicht will, dass das noch jemand mitmachen muss. Mit meinen 18 Jahren habe ich ziemlich viel scheiße erlebt und ich kann das alles nicht mehr ändern. Aber ich kann anfangen, das zu verarbeiten. Und dabei habe ich Unterstützung. Gut gehen tuts mir immer noch nicht, aber ich versuche positiv in die Zukunft zu blicken. Es gibt noch so viel mehr, das ich euch erzählen könnte, aber das bringt nichts. Bitte Leute, ich habe das geschrieben, um euch klar zu machen, das man einfach kämpfen muss und es nichts bringt, den Kopf in den Sand zu stecken. Falls ihr Fragen habt, könnt ihr mir ja gerne schreiben.
 
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_Tsunami_

Urgestein
Danke für deine Schilderungen. Ich finde, du hast eine schöne Art zu schreiben und die Welt zu sehen.

Weiters denke ich, dass deine Eltern und ein paar andere Menschen, denen du begegnet bist, übelst einen an der Klatsche haben, also richtig übel, wegsperrenswürdig.

Du hast recht, aufgeben sollte man nicht. Wünsche dir alles Gute für den weiteren Lebensweg.
 

Hejoka

Mitglied
Hey :D

danke, dass mit dem Schreibstil haben schon viele gesagt. Ich hoffe immernoch, dass ich nicht nochmal an solche Leute gerate. es ist auch immer noch schwer damit klarzukommen, aber das leben geht weiter und ich hab kein bock, mir durch meine Vergangenheit meine zukunft zu versauen. Trotzdem.. meine eltern sind schuld dass ich jetzt eine Posttraumatische Belastungsstörung, leichte Depressionen, Schlafstörungen und Trigger habe..

lg Hejoka
 

cucaracha

Sehr aktives Mitglied
Puuh ...das ist eine heftige Geschichte..
Deine Eltern waren extrem schwierig (psychisch krank,es lag vermutlich an ihrer eigenen Kindheit )
und du kannst absolut nichts dafür.
Von deiner Mutter würde ich immer Abstand halten, ihr immer misstrauen, sie nicht so ernst nehmen und von ihr nichts erwarten.
Deinen Brüdern ist es ja auch nicht viel besser ergangen.Eure Mutter hat euch so extrem schlecht behandelt,weil es mit ihrer eigenen Persönlichkeit ,ihren eigenen Problemen und Lebensgeschichte zusammenhängt.
Wie mies sie dich behandelt hat, wird ihr vermutlich nicht bewusst sein.Sie wird nur an sich selber gedacht haben.
Viele Leute wie dein Nachbar bekamen dein extremes Leid mit.Es wundert mich,dass sie dich nicht schon früher von den Eltern weggenommen haben.
Versuche das Beste aus deinem Leben zu machen, lerne an dich zu denken,was dir gut tut und lerne dich zu schützen.
Versuche einen Partner zu finden,den du liebst,welcher dich liebt und welchem du vertrauen kannst.
 

Hejoka

Mitglied
Das ist ja das schlimmer.. meine brüder wurden wesentlich weniger so geschlagen.. fast nie!! meistens nur ich weil ich eben das mädchen war... -.- und ich bin mit 12 freiwillig ins jugendamt gegangen. das war auch sehr schwer...
 

cucaracha

Sehr aktives Mitglied
Du schriebst ,dass dein Bruder an der Wand sass und sich mit dem Kopf an die Wand geschlagen hat.
D.h. ihm ging es durch deine Eltern auch nicht gut.

So wie du schreibst wurdest du als Mädchen benachteiligt.

Der Hauptgrund für das Verhalten deiner Eltern wird in ihrer eigenen psychischen Erkrankung liegen und nicht weil du ein Mädchen bist.
Hinzu kommt ihre vermutlich eigene schwierige Kindheit und problematische Elternbeziehung.
Deine Eltern hätten selber Therapie machen müssen.
Aber wenn Leute zu verrückt sind, machen sie meistens keine Therapie...
Die Eltern werden zuviele eigene Probleme ( Alkohol, Persönlichkeitsstörung,usw.) gehabt haben und waren mit der Gesamtsituation überfordert.
Das grausige ,mitleidslose, herzlose und sadistische Verhalten deiner Eltern dir gegenüber lässt sich aber nicht entschuldigen.

Hey ...sei froh,dass du ein Mädchen bist .Wir haben auch viele Vorteile gegenüber der Männerwelt..:)

So wie du bist, bist du ein wertvoller Mensch.

Versuche das Beste aus deinem Leben zu machen und Leute um dich herumzuscharren,welche dich besser behandeln.
Auch eine gute Beziehung könnte dir helfen.
Es ist toll, dass du eine Therapie machst.
 

cucaracha

Sehr aktives Mitglied
Ungebeten :
Es gibt viele Männer, welche nicht so schlimm sind.
Es liegt auch an einem selber wen man sich für eine Beziehung sucht und wie man selber eine Beziehung gestaltet. Der Andere ist auch nur ein Mensch..


Hejoka :
Wenn Eltern ihre Kinder nicht lieben können, dann liegt es an ihrer Persönlichkeit und an ihrer Geschichte ,aber NIEMALS an dem Kind selber..
 

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