Hallo zusammen,
ich bin neu hier und hoffe, dass mir jemand von euch helfen kann. Ich möchte erst einmal die Ausgangslage beschreiben und das, was passiert ist und was nun zwischen meiner Frau und mir steht - immer in der Waage von Details und Anonymität im Netz.
Ich, u.a. mit der shizoiden Persönlichkeitsstörung und der Thematik Depressionen "gesegnet", meine Frau (seit 6 Jahren zusammen) mit der Thematik der Hochsensibilität begleitet. Wir haben Kinder und leben schon immer zusammen. Rückhalt haben wir nur wenig.
Du hast also auch dein Päckchen zu tragen.
Meine Frau hat jemanden kennengelernt, von dem sie sagt, sie fühlt sich das erste Mal in ihrem Leben verstanden und aufgefangen, vor allem emotional. Er gibt ihr ein Gefühl, dass sie bei mir noch nie hatte und nicht davon ausgeht, dass ich es je ihr zeigen bzw. geben könne. Dies ging so weit, dass es zu einem Kuss kam, den sie erwidert hat. Sie spricht offen darüber, sagt, es war aufgrund der emotionalen Verbundenheit und hätte nichts mit körperlichen Interesse zu tun. Sie sagt, sie weiß, dass sie mir damit wehtut, trifft sich aber weiterhin mit dem Mann, da er ihr so viel gibt. Sie möchte aber unsere Ehe und stellt es positiv dar, dass sie ihrem Wunsch ihn wieder zu küssen und mehr Nähe zu geben (kein Sex) widersteht und es verhindert. Wenn es nach ihr geht, kann sie den Kontakt nicht abbrechen, weil sie nicht wieder in die emotionslose "Hölle" von vorher, mit mir, gehen kann. Sie sagt, sie liebt mich und weiß was mein Schmerz ist und was ich aushalten muss, da für mich körperliche Verbindungen ein starker Ausdruck von Liebe sind, aufgrund meiner shizoiden Persönlichkeitsstörung (Schwierigkeiten im Umgang mit Emotionen).
Ich halte es kaum aus, eigentlich gar nicht, zu wissen, dass sie ca. fünf Mal die Woche sich mit ihm trifft zum spazieren gehen mit den Hunden, sie regelmäßig schreiben und sie Gefühle für ihn hat und er für sie.
Gefettet von mir. Das finde ich - bei aller Hochsensibilität - ganz schön unsensibel dir gegenüber.
Er, ein Mann der fast die Rente erreicht hat und fast doppelt so alt ist wie sie und seit vielen Jahren eine Partnerin hat.
Jetzt schwebt deine Frau auf Wolke 7, aber im Hinterkopf weiß sie sicherlich, dass es keine Zukunft hat.
Ich liebe meine Frau über alles, aber ich verliere mich im Moment und mache ihr Druck ohne Ende, weil ich es nicht verstehe, dass sie ihn nicht gehen lässt und sich für uns einsetzt. Meine Frau sagt, sie kämpft für uns, ich verstehe es nur nicht und ich solle endlich stärker sein als sie und ihr Rückhalt geben, damit sie sich in der Situation mit dem anderen sortieren kann.
Das verstehe ich nicht. Wie konkret soll das aussehen? Möchte sie, dass du ihr verbietest, ihn zu treffen? Mehr als "Druck machen" kannst du ja nicht - alles andere wäre Freiheitsberaubung.
Wie kämpft deine Frau für euch? Indem sie fünfmal die Woche mit dem Anderen Gassi geht?
Ich möchte eine Lösung für die Situation und ich möchte verstehen, wie eine emotionale Bindung ohne Worte und nur mit fühlen und verstehen funktioniert. Ich möchte ihr geben können, was er ihr gibt, aber ich verstehe es scheinbar nicht.
Vielleicht gibt es hier selbst hochsensible Menschen, die mir helfen können, wie ich meine Frau emotional verstehen kann, in der nicht erklärbaren Welt der Gefühle, damit ich ihr Sicherheit geben kann und ihr nicht mehr "die Hölle" biete, sondern Halt.
Ich freue mich über einen Austausch.
Ich bin nicht hochsensibel. Aber sicherlich sensibel genug, dass ich mir vorstellen kann, wie es passiert, dass man eine Begegnung hat, die sich so stimmig anfühlt, dass man sich total verknallt und alles andere, was man hat und was jahrelang gut eingespielt war, einem plötzlich öde erscheint. Vielleicht wäre die Lösung wirklich, dass du sie aus der "Hölle", wie sie es so charmant nennt, entlässt - ihr freistellen, zu gehen, so wie z.B. Cucaracha schon im ersten Beitrag schrieb.
Ich wage zu behaupten, dass die Sache sich dann recht schnell erledigt.
(Möglicherweise ist das Ganze tatsächlich nicht so körperlich, wie man vermuten könnte - sich toll verstehen ist das Eine, aber mit einem doppelt so alten Mann "aufs Ganze" gehen ... das möchte nicht jede junge Frau (zumindest, wenn ich von mir ausgehe, ich hätte mich mit 30 nicht mit einem fast 60-jährigen eingelassen).
(Kann natürlich auch sein, wie Portion Control vermutet, dass sie schon längst mit ihm in der Kiste war ...)
Du möchtest eine Lösung für die Situation - verständlich. Eine so einfache und schnelle Lösung wird es sicher nicht geben - vielleicht hörst du wirklich auf, ihr Druck zu machen. Wenn sie wirklich weg will, wenn sie wirklich körperlich mit ihm zusammen sein will - dann wird sie es sowieso tun, oder was meinst du? (Was ich - siehe oben - etwas bezweifle.)
Wie geht dieser Spruch? "Was du liebst, lass' frei - kommt es zu dir zurück, gehört es dir für immer" - dem letzten Teil stimme ich nicht zu! Kommt sie zurück, dann habt ihr eine Basis, miteinander zu kommunizieren, vielleicht, wie schon geraten wurde, mit Hilfe einer Paartherapie.
Ihr seid ja offenbar beide noch jung und habt Kinder (gemeinsame?), so dass es sinnvoll wäre, um die Beziehung zu kämpfen und einen anderen, besseren Umgang miteinander zu finden.