Hallo Roboter,
da dein Therapeut dich viel besser kennt, als wir das hier je werden und auch schon länger mit dir arbeitet, gibt es keine Grund seine Diagnose anzuzweifeln.
Ob ein Ereignis zu einem emotionalen Trauma führt hängt nicht nur vom objektiven Ausmaß dieses Vorfalls ab, sondern auch mit der Fähigkeit des Individuums damit umzugehen. So können auch Dinge, die für andere weniger dramatisch wären, für jemand bestimmten zu einer anhaltenden Traumatisierung führen. Will sagen, man muss nicht unbedingt 10 Tage in Geiselhaft gewesen sein, auch eine plötzliche Trennung von der Bezugsperson im Kindesalter etc. können so etwas auslösen.
Um sich selbst vor dem großen seelischen Schmerz zu schützen, spaltet man nun das Ereignis samt Gefühlen ab oder hält sie unter Kontrolle. Das kostet Kraft - die woanders fehlt oder zu einem regelrechten Burn-out führen kann. Außerdem kann es generell dazu führen, dass man Gefühle weniger intensiv wahrnimmt - der Schmerz wird erträglich, aber die Lebensfreude schwindet auch.
Aus eigener Erfahrung kann ich dir sagen, dass es für Partner und Angehörige sehr schwierig ist mit Depressiven umzugehen. Ihr Bedürfnis nach Aufmerksamkeit und Zuwendung ist fast unstillbar. Ihre Fähigkeit mit zuschwingen und sich in den anderen einzufühlen herab gesetzt.
Vielleicht liegt hier mit ein Grund für deine partnerschaftlichen Schwierigkeiten. Wenn du Bedürfnisse hast, solltest du sie deiner Frau gegenüber klar aussprechen, damit sie nicht rätseln muss. Geht sie denn vielleicht auch in eine Selbsthilfegruppe für Angehörige von Depressionskranken? Wäre nicht schlecht!
Wie du schon richtig erkannt hast, ist jetzt einfach nicht der Zeitpunkt weitreichende Entscheidungen zu treffen. Lass mal deine Reha auf dich zukommen und gib dir Zeit.
Das mit der inneren Stimme und dem nicht hören, das kenne ich. Aber ich sehe es so: meine Seele kann auch mit mir über Krankheitssymptome reden. Wenn ich also depressiv bin, werde ich auch in gewisser Weise handlungsunfähig gemacht. Also ist jetzt auch Handeln nicht angesagt, sondern Ausruhen, Rückzug, Selbstreflektion, Hilfe von außen annehmen, sich umsorgen lassen.
Lass dir Zeit!