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Mininchen

Neues Mitglied
Hallo liebe Community,
Ich habe ein Problem, das hier wohl vielen bekannt ist. Wie so oft geht es um Stress mit dem eigenen Vater.
Der Text ist etwas länger aber ich wäre euch sehr dankbar, wenn ihr euch die Zeit nehmt. :)
Also. Ich bin eigentlich ein sehr liebevoller Mensch jedoch muss ich sagen: ich hasse meinen Vater! Seit ich ein kleines Kind bin, muss ich seine Launen ertragen, weshalb ich auch nie fähig war, ihn lieben zu lernen. Er unternimmt nie etwas mit uns. Das einzige, was er mit uns manchmal macht, ist einen Film schauen und den sucht er normalerweise aus und uns hat der zu gefallen, sonst gibt es ein Unwetter.
Meinem jüngeren Bruder gibt er zumindest mehr als mir das Gefühl, etwas wert zu sein, er ist ja auch ein Junge (aber auch er freut sich wie ein Keks, wenn unser Vater nicht da ist). An dieser Stelle sollte ich vielleicht erwähnen, dass mein Vater Iraner ist - bitte versteht das nicht falsch, nicht alle Iraner sind gleich!! - aber mein Vater wird dem Klischee und den Vorurteilen, die viele Leute leider haben, schon gerecht.
Egal was ich mache, es ist NIE gut genug. Immer wenn wir Zeugnisse bekommen, macht er mich runter und sagt, er unterschreibe es nur, wenn ich verspreche, dass ich besser werde. Dabei bin ich eigentlich keine schlechte Schülerin, ich hatte noch nie wirklich Probleme in der Schule und ich gebe mir sehr viel Mühe.
Mein Bruder besucht die sechste Klasse einer Oberschule und er ist versetzungsgefährdet. Auch das interessiert meinen Vater anscheinend eher weniger, außer dass er schimpft, wenn er sein Zeugnis sieht (deshalb zeigen wir es ihm inzwischen meistens gar nicht mehr, das merkt er eh nicht). Der Kleine scheint all den Stress durchs Spielen zu kompensieren, er ist nämlich schon in eine regelrechte Spielsucht geraten.
Wenn Leute zu Besuch kommen, ist mein Vater normalerweise lieb, still und höflich. Er zieht sich dann aber auch recht schnell zurück. Das finde ich auch besser so, denn ich will ja nicht fies sein, aber ich schäme mich für meinen Vater. Er lässt sich immer mehr gehen und er kann auch nicht sonderlich gut deutsch, was nach über 20 Jahren in Deutschland schon etwas bedenklich ist.
Mir redet er seit meinem 11. Lebensjahr ein, ich sei zu dick. Das hat mich zwischendurch in eine wundervolle Essstörung getrieben (Frustfutterattacken, selten mal kotzen und teilweise hungern und alles drehte sich nur noch ums Essen) und schlussendlich habe ich wirklich zugenommen und nun schäme ich mich auch noch für meinen Körper (auch wenn mein Gewicht noch im Normbereich ist). Aber das ist ein anderes Thema.
Wir haben nicht besonders viel Geld. Mein Vater war selbstständig aber das hat er vor einem Jahr aufgegeben, weshalb wir zurzeit von Arbeitslosengeld leben. Meine Mutter arbeitet bald wieder in einem Altenheim, wo man ja auch nicht so viel verdient. Das ist an sich ja nicht so schlimm, wenn es nicht andauernd zum Thema gemacht würde und man sich dann wenigstens in der Familie gut versteht. Aber nein, es kommt jeden Tag zu Streitereien. Wir wohnen in einer kleinen Wohnung und mein Vater hat sich den größten Raum geschnappt und da seine ganzen Sachen reinbringen lassen, eigentlich sollte dieser Raum unser Wohnzimmer werden.. nun schließt er sich andauernd in diesem Raum ein und kommt nur raus, wenn er für Ärger sorgen will. Er hat etwas sehr Angsteinflößendes und er will immer nur Macht haben und zwingt uns, ihn zu respektieren. Auch wenn es selten ist, manchmal schlägt er meine Mutter und mich, meinen Bruder hat er bis jetzt zum Glück verschont.
Das Problem ist nun Folgendes. Die Situation zuhause macht mich todunglücklich. Ich kann meinen Vater nichts anvertrauen und er hat meine Beziehung zu meinem Freund erfolgreich zerstört, weil ich ihn manchmal nicht mal besuchen durfte (er wohnt 8 Minuten mit dem Rad entfernt) und er mich mit so einer blöden App geortet hat. Übernachten konnne ich ganz vergessen! Ich habe inzwischen schon gar keine Lust mehr auf Beziehungen, weil ich das nur mit Stress verbinde und mir zuhause auch niemand eine normale Beziehung vorgelebt hat.
Meine Mutter ist ein wundervoller und lieber Mensch, ich bin sehr traurig für sie, dass sie es nicht schafft, sich von diesem Idioten zu trennen.
Wirklich: er sitzt den ganzen Tag nur mit seinem dicken Bauch eingeschlossen in diesem Zimmer, er beleidigt uns (zum Beispiel als, ich zitiere: „fettes Schwein“, „hässliche Kakerlake“, „Schlampe“, „Arschficker“ usw), verbreitet eine unglaublich schlechte Atmosphäre, macht uns Angst, zerstört manchmal sehr teure Gegenstände, damit wir machen, was er will, er schreit meine Mutter an, wenn sie nicht das kocht, was er will und und und. Es gibt tatsächlich nichts Gutes, was ich über ihn sagen kann. Am schlimmsten finde ich fast noch seine kurzen Phasen, in denen er plötzlich nett und gut gelaunt ist, meine Ernährung als ethisch vorbildlich bezeichnet und mich umarmen will. Ich hasse diesen Körperkontakt oder ein Kuss auf die Wange, was bei Eltern ja eigentlich normal ist - wah!
Ich mache gerade mein Abi und danach bin ich weg. Mein Vater hat sich nicht im Geringsten für mich gefreut, als ich meinen Traumplatz für ein Freiwilligenjahr bekommen hab und ich kann ihm auch nichts darüber erzählen, was mich irgendwie verletzt.
Ach ja, das wird auch noch lustig, ich bin die erste in meiner Familie, die aufs Gymnasium geht und studieren will und abgesehen von meiner Mutter kann ich da mit keiner seelischen Unterstützung rechnen, finanziell sowieso nicht.
Was ich noch erwähnen sollte: mein Vater hat eine narzisstische Persönlichkeitsstörung und anscheinend ist er auch noch manisch depressiv. Er hat im Iran anscheinend unschöne Dinge erlebt. Auch noch ein Punkt, weshalb meine Mutter Mitleid mit ihm hat. Eine Therapie will er nicht machen, weil er sein Krankheitsbild natürlich nicht erkennt und es seinen Stolz kränken würde.
Ich bin mehr als dankbar für meinen wundervollen Freundeskreis, ohne diesen wäre ich wahrscheinlich schon längst zerbrochen.
Ich weiß nun nicht, was ich machen soll, denn ich möchte meine Mutter und meinen kleinen Engel ungern mit diesem Monster alleine lassen. Außerdem weiß ich nicht, ob ich den Kontakt zu ihm abbrechen sollte? Mir schwirrt zu dem Thema so vieles durch den Kopf und ich überlege schon, ob ich eine Therapie machen sollte, weil ich Angst vor einer Beziehung habe, schließlich könnte sie so nach hinten losgehen wie die meiner Eltern und mein Exfreund, der anfangs so lieb war, hat sich nach drei Jahren Freundschaft und Beziehung plötzlich auch als Fiesling herausgestellt.
Das waren jetzt sehr viele Informationen und vielleicht ist es auch etwas unstrukturiert geworden. Aber vielen Dank, dass ihr meinen Text bis zum Ende gelesen habt! :)
Es ist noch lange nicht alles aber einen 17-Jahrelangen Konflikt zusammenzufassen ist nun mal nicht einfach. ????
Ganz liebe Grüße,

Mininchen
 

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Burbacher

Aktives Mitglied
Mininchen,

zunächst möchte ich Dir ein Kompliment machen, dass es Dir unter diesen überaus unerfreulichen familiären Umständen gelungen ist, bis zum Abi zu kommen. Das verdient Respekt.
Die Situation, die durch das Verhalten Deines Vaters für Euch als Familie entstanden ist, ist wirklich nicht hinnehmbar, nicht zuletzt auch im Hinblick auf Deine Mutter und vor allem auch Deinen jüngeren Bruder.
Es ehrt Dich, dass Du Dich um sie sorgst und Dich auch für sie verantwortlich fühlst, was aber zugleich auch eine schwere Hypothek für Dich und Deinen Weg ins Leben ist.
Hast Du Dir schon mal überlegt, im zuständigen Jugendamt einen Rat einzuholen und mit den Mitarbeitern, den Mitarbeiterinnen die Lage zu besprechen? Ich könnte mir auch sehr gut vorstellen, dass eine Frauenberatungsstelle eine gute Anlaufstelle für Euch wäre. Vielleicht rufst Du dort mal an und schilderst ihnen, was Du uns hier beschrieben hast.
Sie sind in der Regel sehr versiert und wissen Wege in solchen Situationen, wie sie Frauen und Kindern schnell helfen können.
Ich wünsche Dir, dass Du kompetente und zupackende Unterstützung findest.
Alles Gute!

Burbacher
 

Querdenker

Aktives Mitglied
Hallo Mininchen,

vorweg: Meine Meinung ist wahrscheinlich wie so oft nicht unbedingt "massentauglich", nimm sie daher vielleicht nur als eine Option.

Aus meiner Sicht solltest du klar auf dich schauen und nicht versuchen andere zu retten. Tatsächlich wäre das die Aufgabe deiner Mutter d.h. die hätte euch Kinder retten müssen und hier hat sie einfach versagt. im ungünstigsten Fall hätte sie euch (in einer Nacht und Nebel Aktion) in ein Frauenhaus umsiedeln können, um euch so vor ihm zu schützen. Zieh also bitte dein Ding durch und schaue wie du mit deinem Leben klarkommst (und ggf. eine Therapie machst). Wenn du dann noch Energie übrig hast, kannst du die gerne für deinen Bruder oder deiner Mama einsetzen.

Du überlegst außerdem ob du den Kontakt abbrechen solltest. So wie du die Situation beschreibst, wüsste ich gar keinen Grund den Kontakt aufrecht zu halten. Warum kommt das für dich in Frage? Aus irgendeiner Art Verpflichtung? Weil man das immer so macht?

Viel Erfolg bei deinem Abi und danach einen besseren Lebensabschnitt!
 

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