Noch bin ich 23 Jahre alt.
Ich vermute, dass dieses wiederholte Verhalten der Erziehung eine Art Schutzmechanismus ist. Bei meinem Vater find es offensichtlicher als bei Mutter, dass die beiden ein sehr schlechtes Selbstwertgefühl haben. Durch das ständige schlecht machen von anderen haben sie die Bestätigung, dass sie recht haben und es besser machen. Für Kritik ist da kein Raum, da es ja das Selbstwertgefühl angreift (aus deren Sicht). Also wird sofort gegengedonnert. Bei den eingenen Kindern ist das ganze einfacher, da das Kind von Natur aus, die Annerkennung und den Stolz der Eltern spüren möchte. Dementsprechend fühlt sich das Kind extrem schlecht, wenn es nicht so "funktioniert" und unerwünschte Fragen/Ansichten hat, mit denen die Eltern nicht konfrontiert werden möchten.
Also lieber schreien und schlecht machen, als sich selbst bewusst zu werden.
Zudem habe ich mal gehört, dass jedes Kind denkt, dass seine Kindheit normal ist.
Also wieso sollten sie es anders machen? So war es doch auch in ihrer Kindheit. So muss das.
Dass meine Kindheit nicht ganz so normal gewesen ist, habe ich nur zufällig über andere Eltern erfahren. Ich habe einige Leute in meinem Freundeskreis, die nicht mehr weit von der Rente entfernt sind. Und da einige von denen auch Kinder haben, habe ich eine Menge erfahren.
Damals dachte ich immer, dieses ganze Getue mit "Familie über alles" in Medien verschiedener Arten, wäre eine Art Soziallüge. Jeder weiß, dass es so nicht ist, aber wir tun alle so. Weil muss halt so.
"Ja, ja.." habe ich nicht als Antwort gegeben. Ich hab gleich Nö gesagt. Ablauf: Brüllen, schlecht machen, evtl. Geschehniss selbst in die Hand nehmen, ignorieren.
In der Schweigephase ist es dann auch schnell mal wieder zu einem Streit gekommen, wenn ich es mir erlaubt habe, bei irgendeiner Nichtigkeit wieder zu "spinnen". Das fing schon mit gucken (ja, einfach nur die Augen nutzen...), bis hin zum "Im-weg-stehen" an. Da wurd mega nah an mich rangegangen, stehengeblieben, Löcher in den Rücken gestarrt und dann schubsend an mir vorbeigezischt. Und dann böse von der Seite angefunkelt. Macht mein Vater bis heute noch. Ist ja schon fast lächerlich kindisch.
Meine Schwester hat öfters genervte Antworten von sich gegeben, die man sicherlich auch als "Leck mich am Ar***" interpretieren könnte. Sie hat unter den ganzen Umständen auch etwas anders gelitten als ich. Während man über mich heimlich Lügen gestreut hat, haben sie meine Schwester (ich glaub sogar nur mein Vater) aktiv kritisiert. Ständig. Bei allem.
Sie kommt in die Küche. Wird kritisiert, weil sie nicht fröhlich dreinschaut, zu spät ist, nicht pünktlich gegrüßt hat (wir waren in der Verpflichtung zuerst zu grüßen. Bei Mutter nicht ganz so streng), sie nicht so angezogen ist, wie er es sich vorstellt uvm, das man sich aus den Finger saugen kann.
Ist ja logisch, dass sie irgendwann nur noch mit einem gernevten "Jaaaa..." antwortet. Das war dann später auch ein Kritikpunkt.
Hi
Mit 23 kannst zumindest da raus und dir dann auch ein eigenes Leben aufbauen.
Ist wirklich nicht schön, was du da schreibst, wie das ablief. Passt auch die Bezeichnung der vergifteten Kindheit.
Eltern sind halt die erste Liebesbeziehung im Leben und ein Kind möchte unter allen Umständen angenommen werden. Kommt es zu Ablehnung, dann sucht das Kind die Schuld bei sich, denn die Eltern sind perfekt aus der Sicht des Kindes und Götter machen nunmal keine Fehler. Und so fängt es an sich zu verbiegen um zu gefallen.
Hast auch sehr viel inzwischen für dich erkannt, bist damit weiter, als so manch andere. Und ich geb dir Recht mit der Auffassung, dass ein Kindes es nicht anders kennt und für normal hält. Auch da ist dir inzwischen so einiges klar geworden.
Mir ist irgenwann mal folgendes aufgefallen, als ich bei verschiedenen Umzügen von Bekannten geholfen habe.
Da waren alle Familienmitglieder dabei und halfen tatkräftig mit. Vater, Mutter, die Geschwister und die eigenen Kinder, alle waren da mit Freude dabei, ihr Familienmitglied zu unterstützen.
Hab ich so bei meiner Familie niemals erlebt, wurde z.B. niemals gefragt, ob ich bei einem ihrer Umzüge helfen könnte. Aber wenn man dann bei anderen mitbekommt, wie das auch ablaufen kann, dann fällt da einem schon auf, dass die Erfahrung mit der eigenen Familie ganz anders war.
Nun dazu, dass jemand als Elternteil die Erziehung wiederholt, die er als Kind erlebt hat.
Da gibts bestimmt auch Sachen, die einem als Kind nicht gefallen haben dürften, Schläge z.B. wird wohl nur ein Masochist schön finden oder dass die Eltern sich wie in deinem Fall dir gegenüber verhalten.
Es sei denn z.B. die Einstellung im Kind entsteht, dass dies ja nur passiert, dass es ein besserer Mensch werden kann. Gibt da bestimmt ganz verdrehte Glaubenssätze die während der Kindheit in einem Menschen entstehen und dann auch das eigene Leben zur Hölle machen können.
Da reicht schon dass die Eltern die emotionalen Bedürfnisse des Kindes nicht wahrnehmen, es ignorieren, sich selbst überlassen und z.B. keinerlei Interesse daran zeigen, was das Kind in seiner Freizeit macht oder welche Hobbies es ausübt.
Aus sowas entsteht dann der innere Glaubenssatz, dass das Kind nicht gut genug sei, usw.. Selbstwertgefühl und Selbstvertrauen sind dann nicht gerade in Massen vorhanden, davon dass solch eine Person dann glücklich ist ganz zu schweigen.
Kann natürlich sein, dass deine Eltern nur eine sehr eingeschränkte Möglichkeiten haben, wenn es um einen Konflikt geht. Dass sie nur dieses für dich kindische Gehabe kennen. Da wäre echt mal nötig, dass solchen Menschen gewisse Kurse machen, dass ihnen aufgezeigt wird, dass man dann auch anders damit umgehen kann, wenn jemand einem nicht auf Wunsch die Füße küsst.
LG Jim