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Mein Sohn hat sich verändert ☹

T

TraurigerVater

Gast
Hallo, ich schreibe hier zum ersten Mal und möchte gerne über etwas sprechen, was mich schon sehr lange beschäftigt. Es geht um meinen Sohn. Mein Sohn ist 25 Jahre alt und studiert zurzeit in einer anderen Stadt. Als er vor 3 Jahren wegzog, war das für uns (Vater und Mutter) sehr schwer, weil wir sehr an unserem Sohn hängen. Er ist der Einzige, den ich noch habe und ich vermisse ihn.

Ich muss dazu sagen, dass das Verhältnis zwischen mir und meinem Sohn schon immer etwas distanziert war. Grund dafür war seine turbulente Kindheit und dass ich damals immer sehr spät Heim kam, da ich viel gearbeitet habe. Das tut mir heute sehr weh, dass ich praktisch vieles von meinem Sohn nicht mitbekommen habe. Die Konsequenz war, dass er sich mit seiner Mutter eben immer viel besser verstand als mit mir. Mir war es aber immer ein Trost, dass er in meiner Nähe war. Er hat ja auch immer bei uns gewohnt, in seinem Zimmer.

Seitdem er weggezogen ist, hat er sich aber ziemlich verändert. Anfangs kam er immer in den Ferien, aber meldete sich dann immer weniger. Er rief uns früher selten an, einmal pro Woche, wenn überhaupt. Das hat sich dann immer wieder mal geändert. Manchmal rief er sehr oft an, manchmal musste man ihm hinterhertelefonieren, damit man überhaupt wusste, wie es ihm geht. Ich habe mir manchmal ziemliche Sorgen gemacht, weil er auch in einer etwas gefährlicheren Stadt lebt und sich oft abends draußen aufhält. Wir wissen, dass er kein Kind mehr ist, aber ich mache mir eben Sorgen, weil er auch keiner ist, der körperlich überlegen ist. Als Eltern schießen da einem immer 1000 Sachen durch den Kopf.

Mit seiner Mutter hat er oft darüber gesprochen, was sich ja dann auch geändert hat. Aber dann habe ich das Gefühl, er meldet sich aus Zwang und nicht, weil er uns vermisst oder wissen will, wie es uns geht. Er redet sehr monoton und emotionslos. Er bietet zwar uns seine Hilfe an, bei uns im Geschäft mitzuhelfen, aber auch das kommt alles so mehr auf Pflichtbewusstsein. Irgendwie habe ich das Gefühl, dass wir unseren Sohn etwas verloren haben. Wenn er zu uns kommt, dann verbringt er seine meiste Zeit in seinem Zimmer und kommt nur zum Essen oder sporadisch mal ins Wohnzimmer zu uns. Es ist so, als ob er nicht da wäre. Ich habe echt keine Ahnung, was er in seinem Zimmer tut oder was ihm daran gefällt. Er tut lieber nichts, vor sich hinsitzen und die Wand anstarren, anstatt mit uns zu reden oder Fernsehen zu schauen, habe ich das Gefühl. Ich will ihn nicht unter Druck setzen und lasse ihn das machen, was er möchte. Er ist schließlich alt genug, er muss nichts tun. Ich denke da halt, dass er sich für uns nicht interessiert. Aber ich weiß nicht, warum. Wir haben ihm ja nichts getan. Mein Sohn sieht auch allgemein sehr traurig aus und verstimmt.

Die letzten Sommerferien, in denen er für mehrere Wochen bei uns waren, fiel ihm sichtlich schwer. Er hat für mehrere Tage praktisch gar nicht gesprochen oder nur das Nötigste. Er war oft sehr gereizt und hat in die Luft geschaut, irgendwas gedacht. Ich würde einfach gerne wissen, was ihn so beschäftigt. So als hätte er Angst vor irgendwas. Mein Sohn war schon immer etwas verschlossen, aber ich dachte, das Studium hätte ihn verändert. Er ist zwar schon anders geworden, aber trotzdem ist er so in sich gekehrt. Es ist so, als ob ich ihn immer noch nicht wirklich kenne.

Der Grund, wieso ich hier schreibe, ist ein Vorfall von vor einer Woche, was mich sehr verletzt hat. Mein Sohn hat wieder bei uns angerufen. Aber wieder mal nur bei seiner Mutter auf dem Handy. Mich ruft er nie an. Ich bin dann rangegangen, weil seine Mutter gerade beschäftigt war und sprach mit ihm. Ich habe ihm erzählt, dass ich mir einen neuen Computer gekauft habe und ein bisschen mit ihm geplaudert. Als wir uns verabschiedet haben, meinte ich zu ihm, dass ich ihn vermisse und ihn sehr liebe (wie ich das oft tue). Von ihm kam nur ein verlegenes Schmunzeln und „Ja“. Ich bin ja schon daran gewöhnt, dass wir kein Ich liebe dich oder Ich mag dich oder Umarmungen mehr austauschen. Aber das hat mich sehr traurig gestimmt, weil er anscheinend nicht mal in der Lage mehr ist, ein Ich liebe Dich zu erwidern. Ich weiß, dass ihm das vielleicht unangenehm ist, weil er eben noch nie so der Typ für Zärtlichkeiten war, und ich bin ja auch nicht so ein emotionsbetonter Mensch, aber ich hätte mir gewünscht, dass er wenigstens zu seinem Vater sagt, dass er ihn auch liebt.

Mir tut das sowieso weh, dass wir ihn an Weihnachten nicht sehen werden. Mit seiner Mutter hat er letztens telefoniert und auf die Tatsache, dass er bald wieder nach Hause ziehen wird, hat er überhaupt nicht erfreut reagiert. So nach dem Motto „Na ja, wenn’s unbedingt sein muss?“. Auch das hat mir sehr wehgetan. Wir hatte schon öfters Diskussionen wegen einem neuen Haus. Er hat sich strikt geweigert, mit uns zusammenleben zu wollen. Er möchte wo anders wohnen. Für seine Mutter ist dieser Gedanke sehr schlimm, denn wir sind beide krank, ich noch mehr – und er ist der einzige, den wir noch haben. Dass er uns alleine lassen will bzw. uns nur aus der Ferne haben will, das tut mir echt weh. Wenn der eigene Sohn sich nicht für dich interessiert, das ist sehr traurig. Das mag man sich gar nicht ausmalen und will ich auch niemandem wünschen.

Ja, das wollte ich eigentlich nur sagen. Eine wirkliche Hilfe erwarte ich gar nicht. Ich wüsste nicht, was man hier sagen sollte.
 

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Kylar

Sehr aktives Mitglied
Hallo,
ich hoffe, ich darf trotzdem antworten, auch wenn du schreibst, dass du keine Hilfe erwartest.

Ich kann mir vorstellen, dass die Gründe, warum dein Sohn sich so verhält, wie er es tut, in der Kindheit liegen könnten. Ich weiß nicht, was unter "turbulenter" Kindheit zu verstehen ist, aber vielleicht liegts an diesem turbulenten plus dass du nicht viel Zeit für deinen Sohn hattest.

Das folgende ist von mir Spekulation:
Nach dem was du schreibst, scheint es deinem Sohn grad nicht so gut zu gehen. Und auf die Vergangenheit bezogen, scheint dein Sohn zu meinen , dass du nicht grade der beste Gesprächspartner bist um darüber zu reden. Darum kapselt er sich ab. Eventuell machst du zudem (unterbewusst) Druck auf ihn oder dein Sohn nimmt es zumindest so war, was ihn noch mehr dazu bringt, Abstand zu dir zu halten. Zum Beispiel das "ich liebe dich" am Telefon. Sagst du das aus selbstlosen Gründen oder sagst du "ich liebe dich", weil du im Gegenzug ein "ich liebe dich" zurückbekommen willst und dich dann selber ein bisschen besser fühlen kannst? Weils durch das erwiderte ich liebe dich, die Bestätigung gibt: "ich bin ein guter Vater"
Oder anderes Beispiel: du sagst, du willst deinen Sohn bei euch wohnen haben. Willst du das wirklich nur weil du deinen Sohn einfach gerne in deiner Nähe hast. Oder spielt der Gedanke "ich habe sonst niemanden, und ich bin krank und wer kümmert sich denn um mich, wenn ich alt bin?" auch eine Rolle.
Warum sagt dein Sohn zu seinem Rückzug ins Elternhaus "wenn es denn sein MUSS"? Warum muss es denn sein, dass er zurückzieht? Habt ihr ihm da irgendwie Druck oder Schuldgefühle gemacht?
Wenn es so sein sollte, denke ich schon, dass dein Sohn das spürt und ihn das zu seiner sonstigen Stimmung noch mehr zusetzt.
Und auch wenn es nicht so sein sollte, könnte es sein, dass dein Sohn das aufgrund seiner eher negativen Erfahrungen in der Kindheit annehmen könnte.
Und das könnte dann, wenn es ihm denn schlecht gehen sollte, noch mehr runterziehen.

Aber wie gesagt, ist alles Spekulation.

Falls es so sein sollte, würde ich dir den Tipp geben, deinem Sohn zu verstehen zu geben, dass du für ihn da bist, wenn er mal reden will , aber dabei nicht zu aufdringlich zu sein. Also einmal klar sagen, und dann deinen Sohn entscheiden lassen, ob und wann er darauf zurückkommt. Und alles als Angebot formulieren, nicht als Forderung (ich sage nicht , dass du das tust, aber falls du es tust).
Also zum Beispiel "wenn du mal mit mir reden willst, bin ich für dich da" statt "rede doch mit mir. Ich bin doch dein Vater. Mit mir kannst du doch reden"

Und ich würde deinem Sohn zu verstehen geben, dass du ihn unterstützt, wenn er woanders wohnen möchte. Das das für dich absolut in Ordnung geht. Ich denke, das wäre das wichtigste um eure Beziehung irgendwie nochmal wieder hinzubiegen. Er ist 25 und erwachsen. Er ist nicht verpflichtet bei euch zu bleiben. Und du gönnst ihm ein eigenständiges Leben. Das würde ich ihm signalisieren.
Drauf zu bestehen, dass er wieder zu euch zieht und dort auf längere Zeit bleibt, würde die Lage denke ich mehr noch verschärfen und dein Sohn wird bei seiner Rückzug-Taktik und seiner Verschlossenheit bleiben.

Was vielleicht auch helfen könnte: Einfach mal Entschuldigung sagen, dass du in seiner Kindheit nicht so viel für ihn da warst und für die "turbulente" Kindheit. Aber auch das ohne Druck aufzubauen, also nicht so, als würdest du darauf auf jeden Fall erwarten, dass dein Sohn dir das vergibt. (das aber auch nur, wenn du meinst eine Entschuldigung ist nötig . Wie genau du in seiner Kindheit als Vater drauf warst, weiß ich ja nicht)

Ich hoffe auf jeden Fall du bekommst nochmal eine bessere Bindung zu deinem Sohn hin.
 
D

Die Queen

Gast
Dein Beitrag lest sich stark vorwurfsvoll. Bist du dir sic her, dass du deinem Sohn nicht doch diesbezüglich Druck gemacht hast? An sich ist euer erwachsenes Kind nicht verpflichtet eure mangelnden sozialen Kontakte zu kompensieren. (Kinder sollten aus meiner Sicht nicht dafür gezeugt werden)

Amsonsten schließe ich Kylars Vorschlag an.
 

Eva

Aktives Mitglied
Das du traurig bist, kann ich gut verstehen.

Kylar hat schon einiges geschrieben, was ich beim lesen deines Beitrages auch gedacht habe.

Deine Frau hat doch, soweit ich das verstanden habe, gesprächsmäßig einen besseren Draht zu eurem Sohn. Vielleicht kann sie heraus bekommen, ob es ihm zur Zeit nicht so gut geht.

Ansonsten ist es völlig normal, dass "Kinder" sich von den Eltern lösen, und sich oftmals nur melden, wenn sie es wollen. Ich habe das auch durch, und das ist ein, manchmal langer Prozess. Für beide Seiten. ;)

Wenn Kinder mal von zu Hause raus sind, wollen sie in der Regel nicht wieder zurück. Es sei denn, sie haben Probleme oder keine Wohnung oder sonst irgend etwas.

In jungen Jahren war ich mal in einer Beratungsstelle. Dort hing ein Spruch an der Wand:
Du kannst nur fest halten, was du auch los lassen kannst.
Dabei aber immer signalisieren: Du kannst dich jederzeit an uns wenden.

Und noch eine Sache. Eltern sind für ihre Kinder verantwortlich, aber Kinder nicht für ihre Eltern. Wenn sie sich trotzdem verantwortlich fühlen, ist es super. Aber es darf keine Bedingung sein. Außerdem ist er mit 25 J. noch viel zu jung für so eine Verantwortung.



 

Eva

Aktives Mitglied
Och @Sisandra, danach hatte ich schon lange gesucht. Ich hatte das mal als Postkarte, hing jahrelang an der Wand. Dann war es verschlissen. Irgend wann fiel es mir wieder ein und ich googelte danach, wußte aber nicht mehr, von wem es war. Außerdem googelte ich "Deine Kinder sind nicht deine Kinder..." Deswegen habe ich es nie gefunden. Vielen Dank!

Und sorry für OT. :whistle:
 

cucaracha

Sehr aktives Mitglied
Versuche deinem Sohn nicht so viel emotionalen Druck zu machen.
Wenn er sich von euch innerlich distanziert hat, dann lasse ihn ziehen ohne ihm böse zu sein und ohne Vorwürfe zu machen und ohne ihm ein schlechtes Gewissen zu vermittelnoder an ihm zu klammern und hinter her zu laufen..

Erwachsene Kinder sollen ihre eigenen Wege gehen und sollten von den Eltern unabhängig werden..
Es ist für ihr eigenes Leben wichtig.
Wenn du Hilfe brauchst..dann suche dir andere Leute.
Suche lieber bei anderen Menschen nach mehr Nähe und werde von ihm unabhängiger.....

Du könntest ihm einen freundlichen Brief schreiben..aber ohne Druck und Erwartungen..
 

kasiopaja

Sehr aktives Mitglied
Mir tut das sowieso weh, dass wir ihn an Weihnachten nicht sehen werden.
Wo ist er denn an Weihnachten?
Mit seiner Mutter hat er letztens telefoniert und auf die Tatsache, dass er bald wieder nach Hause ziehen wird, hat er überhaupt nicht erfreut reagiert. So nach dem Motto „Na ja, wenn’s unbedingt sein muss?“. Auch das hat mir sehr wehgetan. Wir hatte schon öfters Diskussionen wegen einem neuen Haus. Er hat sich strikt geweigert, mit uns zusammenleben zu wollen. Er möchte wo anders wohnen. Für seine Mutter ist dieser Gedanke sehr schlimm, denn wir sind beide krank, ich noch mehr – und er ist der einzige, den wir noch haben. Dass er uns alleine lassen will bzw. uns nur aus der Ferne haben will, das tut mir echt weh. Wenn der eigene Sohn sich nicht für dich interessiert, das ist sehr traurig. Das mag man sich gar nicht ausmalen und will ich auch niemandem wünschen.
Vielleicht fühlt es sich einfach auch bezüglich seiner Lebensplanung unter Druck gesetzt und will jetzt etwas Abstand.

Ich denke auch , dass es normal ist , dass der Sohn mit über 25 Jahren nicht mehr nach Hause ziehen möchte.
Er möchte sein eigenes Leben haben, was in dem Alter ganz normal ist.
Und je mehr er sich unter Druck fühlt , desto weniger gerne wird er telefonieren oder nachhause kommen.
Daher würde ich raten, den Druck rauszunehmen und den Wunsch zu begraben, dass er wieder mit Euch zusammen zieht.
Freut Euch lieber für ihn , dass er Flügge geworden ist und sucht Euch Euer eigenes erfüllendes Umfeld.
Dann renkt sich das auch mit der Zeit wieder ein.
 

Shira

Mitglied
Euer Sohn erinnert mich an mich selbst. Meine Eltern haben stark geklammert, wollten immer alles wissen und dass ich regelmäßig nach Hause komme, auch als ich schon ausgezogen war. Ich denke, mit 25 müsste er überhaupt nicht mehr nach Hause kommen, außer mal zu kurzen Besuchen. Er ist erwachsen und hat sein eigenes Leben. Meine Mutter hat z.B. in dem Alter schon geheiratet und Kinder bekommen, da hätte sie nicht im Traum daran gedacht, noch wochenlang bei ihren Eltern zu wohnen. Und ich eben auch nicht, auch wenn ich nicht geheiratet habe. Du musst deinem Sohn unbedingt signalisieren, dass es in Ordnung ist, wenn er nicht nach Hause kommen will, und dass ihr das akzeptiert und damit klarkommt. Sonst wird er weiterhin nur aus Schuldgefühl heimkommen und euer Leben leben statt sein eigenes. Wenn er weiß, dass er jederzeit kommen kann, wenn er will, aber niemals kommen muss, dann wird sich das Verhältnis entspannen.

Wenn ein Kind älter wird, dann muss man den Abstand vergrößern. Man würde dem Kind ja trotzdem noch jederzeit helfen und für es da sein, aber mit viel größerem Abstand.
 

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