Hallo Vampi,
auch ich drücke Dir mein Beileid aus.
Mein Bruder ist im Dezember 2010 im Alter von 25 Jahren an Krebs gestorben. Ich kann Deine Situation daher sehr gut nachempfinden.
Seit etwa 4 Tagen befinde ich mich in einer Phase, in der ich eigentlich mit mir sehr vertrauten Personen nicht über den Verlust sprechen möchte. Manchmal braucht man einfach Ruhe und Zeit für sich und seine Gedanken. Meine Ärztin hat mir gestern das in meinen Augen einzig richtige empfohlen; sinngemäß:
"Tuen sie, was ihnen gut tut. Tut ihnen etwas in dem Moment nicht gut, dann lassen sie es. Zwingen sie sich zu nichts."
Und so solltest Du es auch halten. Gestehe Dir Phasen ein, in denen Du Dich abkapselst. Achte aber darauf, dass es ein "gesundes" Abkapseln ist. Gehe raus, wenn es Dir gefällt. Lass es zu bei Gedanken an vergangene Zeiten zu lachen.
Unterstützung (wahllose Reihenfolge):
1. Schließe Dich einer Trauergruppe an. Das kostet nichts und ist für Dich unverbindlich; hast Du keine Lust, dann gehst Du nicht hin, dann halt beim nächsten mal wieder oder garnicht mehr. Adressen findest Du bspw. über google.
2. In dem Hospiz in dem mein Bruder gegangen ist, gibt es zudem die Möglichkeit, dass sich Hinterbliebene einmal im Monat treffen und austauschen.
3. Zudem lohnt es sich einfach mal zu einem Therapeuten zu gehen. Eine Liste von von Deiner Krankenkasse zugelassenen Praxen erhälst Du direkt bei Deiner Krankenkasse. Auch hier gilt: 1. es kostet nichts 2. man kann ja mal schauen - wegbleiben/die "Therapie" beenden kann man jederzeit.
4. Ich bin kein Freund von Medikamenten; aber, wenn man das Gefühl hat, dass man überhaupt nicht mehr weiter kann, dann sollte man sich mit dem Hausarzt über geeignete Medikamente (bspw. Beruhigungsmittel) unterhalten. Auch, wenn man es erst einmal ablehnt/ablehnen sollte, so sollte man diese Option für einen offen lassen.
Ich wünsche Dir viel Kraft und Gesundheit.
LG Tobi
Lieber Tobi,
ich danke Dir für die lieben Worte und spreche auch Dir mein herzlichstes Beileid aus. Das ist ja schrecklich, seinen Bruder so jung verlieren zu müssen!!! Ich drück Dich ganz fest und weiß genau, wie tief der Schmerz sitzt...
Nach 25 gemeinsamen Jahren, nie voneinander getrennt, und plötzlich alleinzusein, das ist sehr schwer, weil man mit dem Partner so "eins" war, so eng verwachsen und tief verwurzelt, dass man die Gedanken des anderen schon kannte, bevor dieser sie ausgesprochen hat. Wir haben uns darüber oft amüsiert, doch zeigt es nur die tiefe Verbundenheit miteinander. Sie nannte mich immer "meine andere Hälfte".. und ich finde, genau das trifft den Punkt.
Mit meiner Trauer umzugehen, ist von Tag zu Tag unterschiedlich. Auf jeden Fall heule ich, wenn mir danach ist, ich gehe so oft als möglich zum Friedhof, auch wenn es sehr sehr schwerfällt, ich habe im Wohnzimmer eine Art "Altar" eingerichtet und zünde täglich Kerzen an, rede mit ihr, habe, wenn ich unterwegs bin, immer ein Bild von ihr bei mir. Ich brauche dies alles, um nicht verrückt zu werden vor Trauer und innerer Zerrissenheit. DerSchmerz wird nicht weniger, ist noch genau so allgegenwärtig und genauso intensiv wie bei ihrem Tode. Sie war ebenfalls im Hospiz, ich habe sie beim Sterben begleitet, mehr konnte ich ja nicht mehr für sie tun
🙁. Danach fiel ich in ein tiefes Loch, und darin befinde ich mich noch immer. Ich funktioniere nur, aber mit ihr ist ein großer Teil auch von mir gegangen. Meine Seele und mein Herz bluten....
Ich werde psychologische Beratung und Gespräche in Anspruch nehmen. Habe nächste Woche einen Termin. Werde mal sehen, wie es so ist, denn gerade das Darüber-Reden ist ja nicht so einfach.
Lieber Tobi, für Deine Empfehlungen danke ich Dir von Herzen... aber auch für Dich habe ich eine: Besuch doch - wenn Du magst natürlich - die Seite
Trost, Trauerrituale und Begleitung in der trauerherberge.de - macht Mut zum Leben/ Trost, Trauerrituale, Forum, Literatur und Informationsaustausch! Online&Offline - Trauerseminare, dort kannst Du für einen lieben Menschen Kerzen anzünden, Blumen und Bäume pflanzen oder Briefe schreiben. Mir hilft es sehr, und ich denke, worüber man nicht reden kann (oder will) kann man sich so von der Seele schreiben.....
Ganz liebe Grüße und auch für Dich viel Kraft
Katrin