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Mein Freund ist süchtig nach Cybersex

  • Starter*in Starter*in nordwind
  • Datum Start Datum Start
Hallo Nordwind,



Erfahrung in solchen Dingen habe ich nicht...
...aber ich möchte Dir eines sagen:

DAS was dein "Freund" abzieht-
hat alles nichts mit Liebe zu tun...
Und sich womöglich nur treffen-für das Eine...ist einfach nur
Ausnutzerei...sonst gar nichts...
Oder warum seit ihr denn offiziel noch nicht zusammen-wenn er Dich doch angeblich noch liebt?
Was spricht dagegen?

Ganz einfach-
er kann -tun was er will unter dem Schutz-/ und Deckmantel:
"wir sind doch gar nicht mehr zusammen!"

Echt mies...-aber wenn Du dich auf sowas einlässt-
dann hast Du ein gewaltiges Problem vielleicht auch mit Dir selber...
sorry...wenn ich das mal so sage.

Aber Du machst Dich-indem Du dir das gefallen lässt-
kleiner als Du bist.

Hast Du denn so jemand-wirklich nötig....um Dich glücklich zu fühlen`?
Mal Hand aufs Herz...
Es geht nicht darum, dass ich jetzt eine Antwort darauf möchte hier...
sondern-beantworte Dir die Frage mal selber...

Alles Gute und vielleicht eine lebensverändernde Entscheidung,
das wünsche ich Dir!
 
Hallo nordwind,

schön dass du dich wieder gemeldet und einiges was so passiert ist berichtet hast.
Das klingt ja nicht schlecht dass er ein klein wenig Einsicht zeigte und sich zur Therapie entschlossen hat, derzeit Bemühungen zeigt...aber so ganz würde ich dem Braten natürlich nicht trauen...er macht dir ggf nur was vor.
Du solltest dir weiterhin keine allzu großen Hoffnungen machen...zumal er sich ja klar ein Hintertürchen zur Sucht offen gelassen hat (mit seiner Bemerkung es nie ganz lassen zu wollen..bei Sucht geht aber nur ganz oder gar nicht)...an sich eher ein Scheunentor und solange das so ist, ist nicht genügend Einsicht vorhanden.
Was wichtig für ihn ist ist zu gucken wo die Ursachen und Auslöser seines Suchtverhaltens liegen damit er das Übel sozusagen an der Wurzel packen kann und Verhaltensstrategien aufbauen kann die ihn dauerhaft stabilisieren. Bis dahin wird es noch ein langer Weg und harte Arbeit für ihn an sich selbst.
Alte Verhaltensgewohnheiten sind mächtig und man kann sie nur dauerhaft entmachten indem man statt ihrer neue aufbaut, Achtsamkeit erlernt um zu erkennen wenn es wieder "abgeht" und dann direkt mit Gegenstrategien arbeiten.

Ich würde es vermeiden die Sucht als eines seiner Identitätsmerkmale zu sehen, denn damit läßt man der Sucht ggf zu viel Raum und ein Türchen offen durch dass sie immer wieder mal zu leicht reinschlüpfen kann. Ziel sollte es ja sein diese Türchen zu schliessen und in andere Richtung neue Wege ein zu schlagen.
Suchtverabschiedung anstatt sie als Dauergast zu betrachten...also Richtung: Sucht verpiss dich, niemand vermisst dich anstatt sie als ständigen weiteren Begleiter zu sehen. Mit dieser seiner Floskel scheint er dich ja bereits wieder ein stückweit rumgekriegt zu haben, da du die Sucht ebenfalls als eines seiner Persönlichkeitsmerkmale verbindest und zu akzeptieren scheinst? Halte ich für ungünstig da ein Klares NEIN zur Sucht schon da sein sollte. Ein NEIN zur Sucht heißt ja nicht NEIN zu ihm als Menschen, sondern nur ein klares NEIN zu diesem Anteil seines derzeitigen Seins.
Also aufgepasst, hier läuft ein Psychomachtspielchen...er guckt wie weit er gehen kann und du hast ihm hier zu viel Leine gegeben indem du bereits seine Sucht weiterhin als Begleiter akzeptierst.

Klar kann es zu Rückfällen kommen aber dein Freund kann sich selbst was einfallen lassen und auch in der Therapie besprechen wie er darauf hinarbeitet Rückfälle immer mehr zu vermeiden.

Auch noch wichtig: keine Schonhaltung..also Ausraster und Aggressionen nicht dulden! Er ist zwar suchtkrank aber nicht total lädiert sodass er nicht mehr wüsste was richtig oder falsch ist, was anständiges Benehmen ist und was nicht etc. Er sollte ein anständiges Sozialverhalten aufbauen und vor allem Gewalt (egal ob in körperlicher oder psychischer Form) sollte niemals geduldet werden. Wenn man den Fehler macht seine Sucht immer wieder als Ausrede für unsoziales Verhalten vor zu schieben tut man sich und ihm keinen Gefallen...nicht selten wird Sucht funktionalisiert sprich sie wird für alle und jede Patzer und Unzulänglichkeiten vorgeschoben, was ja recht bequem ist. Hier also aufpassen und klare Regeln im Umgang miteinander schaffen. Deine Aufgabe besteht hier darin achtsam zu sein und Grenzen zu setzen und zwar konsequent.
Hier geht es nicht um Stärke im Aushalten sondern um Stärke im Nichtaushalten und Veränderung fordern. Genau das gehört nämlich für ihn zum Prozess von der Sucht los zu lassen dazu. Sein überblähtes narzisstisches Suchtego runterdrosseln auf ein sozial erträgliches Maß...das ist einer der Kernpunkte der Entwicklung die er nötig hat.

Zeitgleich mit seinem derzeitigen cold turkey, seinem derzeitigen Entzug sollte er natürlich direkt genügend Ausgleich schaffen...viel Sport und Bewegung und mehr Sex mit dir zum Beispiel.

Generell ist es immer gut wenn du auch noch weiterhin andere Leute, dir Vertraute und Freunde oder auch regelmäßig Leute einer Suchtberatung oder Psychologen mit involvierst (also über aktuelle Dinge redest und dir Tipps einholst etc.) und darauf achtest immer genügend inneren Abstand zur Suchtproblematik zu wahren.

Viel Erfolg weiterhin!
Tyra

nochwas...an sich kenne ich es von Alkoholikern so, dass gilt: nie wieder ein Tropfen...denn Sucht wirkt so, dass der geringste neue Tropfen Alkohol erneut die Sucht auslöst. Hierbei handelt es sich ja um psychoaktive Substanzen die direkt ans Hirn andocken und damit die Sucht auslösen. Genauso ist es beim Speed. Vom Speed sollte er also für alle Zeiten die Finger lassen. Denn mit dieser psychoaktiven Substanz aktiviert sich ja auch wahrscheinlich wieder seine Cybersucht.

Wie genau reagierst du denn wenn er erneut ausrastet und dich als Sündenbock hinstellt? Hast du bereits ne Taktik und habt ihr klare Regeln aufgestellt?
Vorbereitung ist wichtig und du wirst weiterhin einen Coach (Psychotrainer od.ä.) brauchen im Umgang mit deinem Freund, denke daran, sonst kann vieles schiefgehen!

Ist er vom Speed bereits runter?
Ich rate nach wie vor zu Umfeldwechsel, sprich erstmal Klinik für 6-8 Wochen damit er mal ganz raus und runter kommt und klarer wird in der Birne und danach direkt ambulant weiter. Über Klinik vermeidet man auch direkt die Wartezeiten auf nen Therapieplatz.

Du wirst allerdings auch kontrollieren müssen ob er dir nur was vormacht oder sich wirklich bemüht um Therapieplatz etc...so einfach ist das nicht und einem Süchtigen kann man natürlich nicht blind vertrauen, sie brauchen zunächst direkt klare Anbindung und Regeln und auch Kontrolle von außen und zwar solange bis die Selbstkontrolle wieder ausreichend funktioniert.

Nochwas: er sollte zum Psychiater und sich dort auf jeden Fall auch abchecken lassen. Manchmal stecken psychische Störungen hinter einer Sucht, manchmal aber auch was anderes..das sollte abgeklärt werden. Auch ne psychiatrische Meinung zur Sache wäre wichtig. Und auch die eines Neurologen damit du/ihr die Situation realistisch einschätzen könnt.

Dran denken: klare Linie und Regeln..Einhaltung der Regeln kontrollieren, gedanklich und auch sonstwie keine Türen zur Sucht offen lassen....halt ne normale Kleinkinderziehung...

ceterum censeo: ich würde eher die Finger davon lassen...aber du hast es dir ja ausgesucht! Also kann man dir nur raten: mach deinen Job gut und guck zu dass du einigermaßen heil da durch kommst.
 
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