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Lieblingsgedichte (keine Eigenkreationen)

Der kleine Clown

Als Kind, da malte er sich aus
seine Träume würden Wirklichkeit.
Und sein Traum war einmal Clown zu sein,
der immer lacht und niemals weint.
Nur eines das sah er damals nicht,
denn erlischt das Rampenlicht,
verbirgt sich hinter diesem Clown
nicht oft ein trauriges Gesicht?
"Ich will ein Clown sein!", hat er oft gedacht
sah er verzweifelt in die Nacht...
und heute, ist er selbst ein kleiner Clown
doch es ist anders als im Traum,
denn steht er erst im Rampenlicht,
trägt er ein anderes Gesicht.
Auf der Bühne lacht sein Herz
und keine Spur von Leid und Schmerz.
Doch wie es wirklich ist, daß sieht man nicht,
verdeckt vom strahlenden Gesicht.
Man sieht nur Spaß mit unendlicher Freude vereint,
doch unter der Maske der Clown, er weint.
Die Leute sehen nicht, wie er das macht
die Menge tobt und die Menge lacht,
und viele träumen insgeheim
irgendwann mal Clown zu sein.
Doch wenn der letzte Vorhang fällt
und keine Bühne sich erhellt,
dann träumt der Clown, kein Clown mehr zu sein
Doch ist sein Wunsch auch noch so klein,
bleibt er mit seinem Traum allein.​

(Nicolas Lange)​
 
Nachtgedicht

Dich bedecken
nicht mit Küssen
nur einfach
mit deiner Decke
(die dir
von der Schulter
geglitten ist)
daß du
im Schlaf nicht frierst​

Später
wenn du
erwacht bist
das Fenster zumachen
und dich umarmen
und dich bedecken
mit Küssen
und dich
entdecken

Erich Fried​
 
schöööön🙂
und ein weiteres gedicht von erich fried.

Was? / Erich Fried
Was bist du mir?
Was sind mir deine Finger
und was deine Lippen?
Was ist mir der Klang deiner Stimme?
Was ist mir dein Geruch
vor unserer Umarmung
und dein Duft
in unserer Umarmung
und nach ihr?

Was bist du mir?
Was bin ich dir?
Was bin ich?
 
Zuletzt bearbeitet:
Ja.. der Erich Fried ist nich umsonst einer meiner Lieblingsdichter... 🙂

Hier eines von Goethe...

Die Liebende abermals

Warum ich wieder zum Papier mich wende?
Das musst du, Liebster, so bestimmt nicht fragen!
Denn eigentlich hab ich dir nichts zu sagen;
Doch kommt's zuletzt in deine lieben Hände.
Weil ich nicht kommen kann, soll, was ich sende,
Dein ungeteiltes Herz hinübertragen
Mit Wonnen, Hoffnungen, Entzücken, Plagen:
Das alles hat nicht Anfang, hat nicht Ende.
Ich mag vom heut'gen Tag dir nichts vertrauen,
Wie sich im Sinnen, Wünschen, Wähnen, Wollen
Mein treues Herz zu dir hinüberwendet.
So stand ich einst vor dir, dich anzuschauen,
Und sagte nichts! Was hätt' ich sagen sollen?
Mein ganzes Wesen war in sich vollenden.

Johann Wolfgang von Goethe
 
das sind wirklich schöne und lebensnahe
Gedichte von
Erich Fried🙂

Die besseren Aussichten


Die besseren Aussichten
eröffnen sich dadurch dass wir
die sonst keine haben
das offen zu sagen beginnen.

Die Zukunft liegt nicht darin
dass man an sie glaubt
oder nicht an sie glaubt
sondern darin
dass man sie vorbereitet.

Die Vorbereitungen
bestehen nicht darin dass man
nicht mehr zurückblickt
sondern darin
dass man sich zugibt

was man sieht beim Zurückblicken
und mit diesem Bild vor Augen
auch etwas anderes tut
als zurückblicken.
Erich Fried
 
Ich freue mich sehr über jedes Gedicht, das ich hier lesen darf 🙂

Die Königskinder /eigentlich eine Oper von Humperdinck, aber ich finde es auch als Gedicht wunderschön 🙂

Es waren zwei Königskinder,
Die hatten einander so lieb,
Sie konnten zusammen nicht kommen,
Das Wasser war viel zu tief. :|

"Herzliebster, kannst du nicht schwimmen?
Herzlieb, schwimm herüber zu mir!
Zwei Kerzen will ich hier anzünden,
Und die sollen leuchten dir."


Das hört eine falsche Norne,
Die tat, als ob sie schlief.
Sie tat die Lichter auslöschen,
Der Jüngling ertrank so tief.



Es war an ei'm Sonntagmorgen
Die Leut' waren alle so froh.
Bis auf die Königstochter,
Sie weinte die Äuglein rot.



"Ach Mutter, herzliebste Mutter,
Der Kopf tut mir so weh;
Ich möcht so gern spazieren
Wohl an die grüne See."


Die Mutter ging nach der Kirche,
Die Tochter hielt ihren Gang.
Sie ging so lang spazieren,
Bis sie den Fischer fand.



"Ach Fischer, liebster Fischer,
Willst du verdienen großen Lohn?
So wirf dein Netzt ins Wasser,
Und fisch mir den Königssohn!"



Er warf das Netz ins Wasser,
Es ging bis auf den Grund;
Er fischte und fischte so lange,
Bis er den Königssohn fand.



Der Fischer wohl fischte lange,
Bis er den Toten fand.
Nun sieh' da, du liebliche Jungfrau,
Hast hier deinen Königssohn.



Sie schloß ihn in ihre Arme
Und küßt' seinen bleichen Mund:
"Ach, Mündlein, könntest du sprechen,
So wär mein jung Herz gesund."



Sie schwang um sich ihren Mantel
Und sprang wohl in den See:
"Gut' Nacht, mein Vater und Mutter,
Ihr seht mich nimmermeh'!"



Da hörte man Glockengeläute,
Da hörte man Jammer und Not,
Da lagen zwei Königskinder,
- Die waren beide tot. -
 
Worte sind der Seele Bild

Worte sind der Seele Bild -
Nicht ein Bild! sie sind ein Schatten!
Sagen herbe, deuten mild,
Was wir haben, was wir hatten. -
Was wir hatten, wo ist's hin?
Und was ist's denn, was wir haben? -
Nun, wir sprechen! Rasch im Fliehn
Haschen wir des Lebens Gaben.​

J. W. v. Goethe
 
Eine Frau spricht im Schlaf

Als er mitten in der Nacht erwachte,
schlug sein Herz, daß er davor erschrak.
Denn die Frau, die neben ihm lag, lachte,
daß es klang, als sei der Jüngste Tag.

Und er hörte ihre Stimme klagen.
Und er fühle, daß sie trotzdem schlief.
Weil sie beide blind im Dunkeln lagen,
sah er nur die Worte, die sie rief.

"Warum tötest du mich denn nicht schneller?"
fragte sie und weinte wie ein Kind.
Und ihr Weinen drang aus jenem Keller,
wo die Träume eingemauert sind.

"Wieviel Jahre willst du mich noch hassen?"
rief sie aus und lag unheimlich still.
"Willst du mich nicht weiterleben lassen,
weil ich ohne dich nicht leben will?"

Ihre Fragen standen wie Gespenster,
die sich vor sich selber fürchten, da.
Und die Nacht war schwarz und ohne Fenster.
Und schien nicht zu wissen, was geschah.

Ihm (dem Mann im Bett) war nicht zum Lachen.
Träume sollen wahrheitsliebend sein ...
Doch er sagte sich: "Was soll man machen!"
und beschloß, nachts nicht mehr aufzuwachen.
Daraufhin schlief er getröstet ein.

Erich Kästner
 
Sachliche Romanze

Als sie einander acht Jahre kannten
(und man darf sagen: sie kannten sich gut),
kam ihre Liebe plötzlich abhanden.
Wie andern Leuten ein Stock oder Hut.

Sie waren traurig, betrugen sich heiter,
versuchten Küsse, als ob nichts sei,
und sahen sich an und wußten nicht weiter.
Da weinte sie schließlich. Und er stand dabei.

Vom Fenster aus konnte man Schiffen winken.
Er sagte, es wäre schon Viertel nach Vier
und Zeit, irgendwo Kaffee zu trinken.
Nebenan übte ein Mensch Klavier.

Sie gingen ins kleinste Cafe am Ort
und rührten in ihren Tassen.
Am Abend saßen sie immer noch dort.
Sie saßen allein, und sie sprachen kein Wort
und konnten es einfach nicht fassen.​

Erich Kästner
(den mag ich einfach)🙂
 

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