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Lieblingsgedichte (keine Eigenkreationen)



Selbstgespräch einer Ichbezogenen

Ich?
Ich gehe allein;
Die Straße um Mitternacht
Spinnt sich unter meinen Füßen selber fort;
Wenn meine Augen sich schließen,
Erlöschen die Traumhäuser alle;
Durch eine Laune von mir
Hängt die himmlische Mondzwiebel
Hoch über der Giebeln.

Ich
Lasse Häuser schrumpfen
Und mache Bäume klein
Durch Weitergehen; an den Strippen meiner Blicke
Baumeln die Marionetten-Leute,
Die, nicht ahnend, wie sie schwinden,
Lachen, küssen, sich betrinken,
Nicht erraten, dass, beschließe ich zu blinzeln,
Sie sterben.

Ich,
Wenn guter Laune,
Gebe dem Gras sein Grün
Schmücke den Himmel mit Blau und beschenke die Sonne
Mit Gold;
Doch in meiner eisigsten Stimmung bin ich
Machtvollkommen,
Vereitle Farbe und verbiete jeder Blume
Das Sein.

Ich
Weiß, du erscheinst
Lebendig neben mir,
Bestreitest, du seist meinem Kopf entsprungen,
Behauptest, du fühltest
Liebe feurig genug, um wirklich aus Fleisch zu sein.
Dabei ist`s ganz sicher:
All deine Schönheit, all dein Geist, ist eine Gabe,
mein Liebster,
Von mir.

( Sylvia Plath - Liebesgedichte)
 
Winter

Schnee, kalte Freiheit die in kristallener Luft vom Himmel tanzt,
weiß gekleidete Eiskristalle legen sich in einem Hauch verzückt über der Welt,
und tausende Sterne funkeln lebendig Sonne und Mond entgegen,
Stille wiegt die Welt behutsam in ihren verzauberten Schlaf.

In einem wilden Trubel stürzen Flocken über die Welt,
Singen zerschlagen im Wind mit glockenhellem Lachen.
Eben wütig wirbelnd, nun schmiegsam Still,
gewobn´ frostig Sternschnuppenkleid der Ewigkeit.

Sanft herab, geruh´n sich milde mir auf Händen;
geronnen taumelnd zum winzig nassen Papiersternbett;
Die ersten Müden schwächelnd erlagen im kühlen Frühlingsmorgentau;
Und jene Letzten, erstarrt zum wattig weichen Duft des Winters.​
 
Mit der Zeit ...

Mit der Zeit lernst du,
daß eine Hand halten nicht dasselbe ist,
wie eine Seele fesseln.
Und daß Liebe nicht Anlehnen bedeutet,
und Begleiten nicht Sicherheit.

Du lernst allmählich,
daß Küsse keine Verträge sind,
und Geschenke keine Versprechen.

Und du beginnst,
deine Niederlagen erhobenen Hauptes
und offenen Auges hinzunehmen,
mit der Würde des Erwachsenen,
nicht maulend wie ein Kind.

Und du lernst,
all deine Straßen auf dem Heute zu bauen,
weil das Morgen ein zu unsicherer Boden ist.

Mit der Zeit erkennst du,
daß sogar Sonnenschein brennt,
wenn du zuviel davon abbekommst.

Also bestelle deinen Garten
und schmücke selbst dir die Seele mit Blumen,
statt darauf zu warten,
daß andere die Kränze flechten.

Und bedenke,
daß du wirklich standhalten kannst,
und wirklich stark bist.

Und daß du deinen eigenen Wert hast.
(Kelly Priest)
 
The way a crow shook down on me
the dust of snow from a hemlock tree
has given my heart a change of mood
and saved a part of a day I had rued

( Frost )
 
Eilt die Sonne nieder zu dem Abend

Eilt die Sonne nieder zu dem Abend,
Löscht das kühle Blau in Purpurgluten,
Dämmrungsruhe trinken alle Gipfel.

Jauchzt die Flut hernieder silberschäumend,
Wallt gelassen nach verbrauster Jugend,
Wiegt der Sterne Bild im Wogenspiegel.

Hängt der Adler, ruhend hoch in Lüften,
Unbeweglich wie in tiefem Schlummer;
Regt kein Zweig sich, schweigen alle Winde.

Lächelnd mühelos in Götterrhythmen,
Wie den Nebel Himmelsglanz durchschreitet,
Schreitet Helios schwebend über Fluren.

Feucht vom Zaubertau der heil'gen Lippen
Strömt sein Lied den Geist von allen Geistern
Strömt die Kraft von allen Kräften nieder

In der Zeiten Schicksalsmelodien,
Die harmonisch ineinander spielen
Wie in Blumen hell und dunkle Farben.

Und verjüngter Weisheit frische Gipfel,
Hebt er aus dem Chaos alter Lügen
Aufwärts zu dem Geist der Ideale.

Wiegt dann sanft die Blumen an dem Ufer,
Die sein Lied von süßem Schlummer weckte,
Wieder durch ein süßes Lied in Schlummer.

Hätt ich nicht gesehen und gestaunet,
Hätt ich nicht dem Göttlichen gelauschet,
Und ich säh den heil'gen Glanz der Blumen,

Säh des frühen Morgens Lebensfülle,
Die Natur wie neugeboren atmet.


Bettina Arnim
 
[SIZE=+1]Der Ahorn[/SIZE]

Ich werde den Ahorn wiederfinden.
Einmal am Ende der Tage
wird es sein, daß ich zu ihm sage:
Ahorn, wo warst du so lang?Er ist alt und selig geworden,
er nimmt mich in seine Äste,
er wiegt mich im herbstlichen Neste:
Kind, wo warst du so lang?

(ina seidel)
 
So laß uns Abschied nehmen



So laß uns Abschied nehmen wie zwei Sterne
durch jenes Übermaß von Nacht getrennt,
das eine Nähe ist, die sich an Ferne
erprobt und an dem Fernsten sich erkennt.

(Rainer Maria Rilke)
 
Die Hochfliegenden

Schwebt immer auf im Adlerflug,
Ihr Geister, stark und hehr!
Mir ist mein stilles Thal genug:
Ich wünsche mir nicht mehr.

Ihr kreiset schwindelnd durch die Luft
Und schaut herunter stolz;
Das Thal erscheint vor euch als Kluft,
Der Wald als Häuflein Holz.

Die schönen Blumen seht ihr nicht;
Der Strom, so voll und reich,
Der silbern sich durch Auen flicht,
Bedünkt ein Streiflein euch!

Der Vöglein recht aufs Menschenherz
Berechnete Gesang,
Wird, eh er steiget wolkenwärts,
Ein dumpfverworrner Klang.

Was frommt's euch, daß ihr Nachbarn seid
Dem Früh- und Abendroth?
Schweigt unter euch doch, tief und weit,
Das Leben gleich dem Tod!

Da lob' ich mir mein stilles Thal,
In dem der Friede liegt,
In dem sich Alles allzumal
So traulich an mich schmiegt.

Dort hab' ich, was man haben kann,
In kleinem Raum verwebt;
Dort steht die Welt mich freundlich an,
Und was mich ansieht — lebt!

Johann Gabriel Seidl
 
Das Märchen vom Glück

Sie sind allein, denn die Mutter kehrt
Zu Nacht erst vom Felde zurück…
Durchs Fenster rauschet die Linde,
Und die Alte erzählet dem Kinde
Das sonnige Märchen vom Glück.

Sie erzählt vom verwunschenen Königssohn
Und der boshaft grollenden Fee,
Vom Schloß am Felsenstrande
Vom wilden Wogengebrande
Und der Fischerhütte am See.

Und der Prinz vertrauerte Jahr um Jahr
Als Schlange im dumpfigen Grund…
Er wand sich in glühenden Ketten;
Ein Kuß nur konnte ihn retten,
Ein Kuß von rosigem Mund.

Des Fischers liebliches Töchterlein
Trug hohen, herrlichen Sinn;
Sie sprengte die Ketten von Golde;
Er aber machte die Holde
Zu seiner Königin!

Großmutter schweigt, und das Spinnrad schnurrt,
Und das Mägdlein sitzt wie gebannt;
Und es faltet die Hände im Schoße
Und heftet das Auge, das große,
Starr träumend an die Wand.

Großmutter, wie schön, o wie einzig schön!
Großmutter, o wäre das wahr!
Großmutter, mir würde nicht bange, -
Wie gerne umarmt ich die Schlange
Trotz Schauer und Todesgefahr!

Warum nur hat man das alles erdacht,
Wenn's nie sich auf Erden begab… ?
Mir wird in der Seele so wehe,
Wie in des Kirchhofs Nähe,
Wie vor des Vaters Grab!

Sei stark, du zitterndes Kinderherz,
Und dränge die Thränen zurück!
Uns alle hat es belogen,
Uns alle hat es betrogen,
Das sonnige Märchen vom Glück!

Ernst Eckstein
 
1971 mussten ich es auswendig lernen gehasst dann geliebt


Die Bürgschaft

Zu Dionys, dem Tyrannen, schlich
Damon,, den Dolch im Gewande;
Ihn schlugen die Häscher in Bande.

"Was wolltest du mit dem Dolche, sprich!"
Entgegnet ihm finster der Wüterich.
"Die Stadt vom Tyrannen befreien!"
"Das sollst du am Kreuze bereuen."

"Ich bin", spricht jener, "zu sterben bereit
Und bitte nicht um mein Leben,
Doch willst du Gnade mir geben,
Ich flehe dich um drei Tage Zeit,
Bis ich die Schwester dem Gatten gefreit,

Ich lasse den Freund dir als Bürgen,
Ihn magst du, entrinn ich, erwürgen."

Da lächelt der König mit arger List
Und spricht nach kurzem Bedenken:
"Drei Tage will ich dir schenken.

Doch wisse! Wenn sie verstrichen, die Frist,
Eh du zurück mir gegeben bist,
So muss er statt deiner erblassen,
Doch dir ist die Strafe erlassen."

Und er kommt zum Freunde: "Der König gebeut,
Dass ich am Kreuz mit dem Leben
Bezahle das frevelnde Streben,
Doch will er mir gönnen drei Tage Zeit,
Bis ich die Schwester dem Gatten gefreit,

So bleib du dem König zum Pfande,
Bis ich komme, zu lösen die Bande."
Und schweigend umarmt ihn der treue Freund
Und liefert sich aus dem Tyrannen,
Der andere ziehet von dannen.

Und ehe das dritte Morgenrot scheint,
Hat er schnell mit dem Gatten die Schwester vereint,
Eilt heim mit sorgender Seele,
Damit er die Frist nicht verfehle.

Da gießt unendlicher Regen herab,
Von den Bergen stürzen die Quellen,
Und die Bäche, die Ströme schwellen.
Und er kommt ans Ufer mit wanderndem Stab,
Da reißet die Brücke der Strudel hinab,
Und donnernd sprengen die Wogen
Des Gewölbes krachenden Bogen.

Und trostlos irrt er an Ufers Rand,
Wie weit er auch spähet und blicket
Und die Stimme, die rufende, schicket,
Da stößet kein Nachen vom sichern Strand,
Der ihn setze an das gewünschte Land,

Kein Schiffer lenket die Fähre,
Und der wilde Strom wird zum Meere.
Da sinkt er ans Ufer und weint und fleht,
Die Hände zum Zeus erhoben:
"O hemme des Stromes Toben!
Es eilen die Stunden, im Mittag steht

Die Sonne, und wenn sie niedergeht
Und ich kann die Stadt nicht erreichen,
So muß der Freund mir erbleichen."
Doch wachsend erneut sich des Stromes Wut,
Und Welle auf Welle zerrinnet,
Und Stunde an Stunde entrinnet.

Da treibt ihn die Angst, da fasst er sich Mut
Und wirft sich hinein in die brausende Flut
Und teilt mit gewaltigen Armen
Den Strom, und ein Gott hat Erbarmen.

Und gewinnt das Ufer und eilet fort
Und danket dem rettenden Gotte,
Da stürzet die raubende Rotte
Hervor aus des Waldes nächtlichem Ort,
Den Pfad ihm sperrend, und schnaubet Mord
Und hemmet des Wanderers Eile
Mit drohend geschwungener Keule.

"Was wollt ihr?" ruft er, für Schrecken bleich,
"Ich habe nichts als mein Leben,
Das muss ich dem Könige geben!"
Und entreißt die Keule dem nächsten gleich:
"Um des Freundes willen erbarmet euch!"
Und drei mit gewaltigen Streichen
Erlegt er, die andern entweichen.

Und die Sonne versendet glühenden Brand,
Und von der unendlichen Mühe
Ermattet sinken die Kniee.

"O hast du mich gnädig aus Räubershand,
Aus dem Strom mich gerettet ans heilige Land,
Und soll hier verschmachtend verderben,
Und der Freund mir, der liebende, sterben!"
Und horch! da sprudelt es silberhell,

Ganz nahe, wie rieselndes Rauschen,
Und stille hält er, zu lauschen,
Und sieh, aus dem Felsen, geschwätzig, schnell,
Springt murmelnd hervor ein lebendiger Quell,
Und freudig bückt er sich nieder
Und erfrischet die brennenden Glieder.

Und die Sonne blickt durch der Zweige Grün
Und malt auf den glänzenden Matten
Der Bäume gigantische Schatten;
Und zwei Wanderer sieht er die Straße ziehn,
Will eilenden Laufes vorüberfliehn,
Da hört er die Worte sie sagen:
"Jetzt wird er ans Kreuz geschlagen."

Und die Angst beflügelt den eilenden Fuß,
Ihn jagen der Sorge Qualen,
Da schimmern in Abendrots Strahlen

Von ferne die Zinnen von Syrakus,
Und entgegen kommt ihm Philostratus,
Des Hauses redlicher Hüter,
Der erkennet entsetzt den Gebieter:
"Zurück! du rettest den Freund nicht mehr,
So rette das eigene Leben!

Den Tod erleidet er eben.

Von Stunde zu Stunde gewartet' er
Mit hoffender Seele der Wiederkehr,
Ihm konnte den mutigen Glauben
Der Hohn des Tyrannen nicht rauben."

"Und ist es zu spät, und kann ich ihm nicht
Ein Retter willkommen erscheinen,
So soll mich der Tod ihm vereinen.

Des rühme der blutge Tyrann sich nicht,
Dass der Freund dem Freunde gebrochen die Pflicht,
Er schlachte der Opfer zweie
Und glaube an Liebe und Treue."

Und die Sonne geht unter, da steht er am Tor
Und sieht das Kreuz schon erhöhet,
Das die Menge gaffend umstehet,

An dem Seile schon zieht man den Freund empor,
Da zertrennt er gewaltig den dichten Chor:
"Mich, Henker!" ruft er, "erwürget!
Da bin ich, für den er gebürget!"

Und Erstaunen ergreifet das Volk umher,
In den Armen liegen sich beide
Und weinen für Schmerzen und Freude.

Da sieht man kein Auge tränenleer,
Und zum Könige bringt man die Wundermär,
Der fühlt ein menschliches Rühren,
Läßt schnell vor den Thron sie führen.

Und blicket sie lange verwundert an.

Drauf spricht er: "Es ist euch gelungen,
Ihr habt das Herz mir bezwungen,
Und die Treue, sie ist doch kein leerer Wahn,

So nehmet auch mich zum Genossen an,
Ich sei, gewährt mir die Bitte,
In eurem Bunde der Dritte."

Friedrich von Schiller
 

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