Ist eine schwierige Sache, finde ich. Bin selbst im ÖD und habe vorher 17 Jahre in der freien Wirtschaft gearbeitet. Damals war ich froh, den Job wechseln zu können. Hatte oft 12 oder mehr Stunden zu arbeiten, manchmal auch ganze Nächte durch und bin, bedingt durch Kundenaufträge oder Unternehmenspleiten, oft umgezogen oder hatte lange Anfahrtswege. Jedoch war die Arbeit abwechselungsreich und teilweise sogar spannend und ich lernte viel dazu.
Heute ist das nicht mehr so. Wenn es hoch kommt arbeite ich vielleicht 2 Stunden am Tag, den Rest beschäftige ich mich mit anderen Dingen. Mag für einige hier wie Hohn klingen, aber es ist, bedingt durch Aufgabenkonzentration in den Landesbehörden, einfach immer weniger Arbeit da, während an anderer Stelle die Leute vor lauter Arbeit gar nicht mehr wissen, wo sie anfangen und aufhören sollen. Diese Mißorgansation ist eine Folge verfehlter Personal- und Finanzpolitik, die wir jetzt ausbaden müssen.
Vor 10-15 Jahren hätte ich dir geraten "Klar, orientier dich neu, der Markt bietet viele Möglichkeiten und wenn es nicht sofort hundertprozentig läuft, gibt es ja noch Arbeitslosenhilfe oder Sozialhilfe zur kurzfristigen Überbrückung. Heutzutage bedeutet Arbeitslosigkeit jedoch "totaler sozialer Abstieg" und ein enormes Risiko durch die Möglichkeiten der ARGE dir das Leben zur Hölle zu machen. Heutzutage hat man es auch als älterer Neben- oder Neueinsteiger sehr schwer überhaupt noch wieder Fuss zu fassen, da die meisten Unternehmen den gradlinigen dynamischen Lebenslauf bevorzugen und ihnen solche Knicke und Umwege gar nicht gefallen.
Auch ist zu bedenken, dass Festanstellungen in den meisten Bereichen mittlerweile eher die Ausnahme als die Regel sind, und es ist, glaube ich, sehr belastend, wenn man ständig damit rechnen muß, sich in Bälde etwas neues zu suchen. Hinzu kommt, wie ja auch ein Vorschreiber schon erwähnte, dass eine Beamtenpension eine normale Rente in den Schatten stellt. Ein halbwegs normales Rentnerdasein ist ja ansonsten nur noch bei den Besserverdienenden möglich, also so jenseits der 5000 brutto.
Was du aber machen könntest, wäre wirklich ein Fernstudium. An der Fernuni Hagen gibt es einige interessante Studiengänge, die zum Einen nicht die Welt kosten und die du, dank der "Freizeit" teilweise auch während der Bürostunden erledigen könntest.
Mit einem solchen Bachelor- Masterabschluß z. in Jura könntest du dich dann innerhalb des ÖD auf eine Stelle im höheren Dienst bewerben, hättest somit einen erweiterten und interessanteren Aufgabenbereich, ein deutlich höheres Gehalt und deinen Beamtenstatus nicht verloren und darüberhinaus auch sehr gute Chancen einen solchen Job zu finden.