Der Trick beim lernen ist, dass man davon ausgeht, dass man sich alles im Gedächtnis ablegt, aber der Karteikasten mit den Angaben wo was zu finden ist, ist zu klein.
Ist wie bei einer Bibliothek, wo zwar 10Mio Bücher rumstehen, aber du übers Verzeichnis, über die Karteikarten nur 1Mio finden kannst.
Und immer wenn ein Buch hineingestellt wird, wird entschieden, ob es wichtig genug ist eine Karteikarte anzulegen. Und genau da kannst du einfluss nehmen.
Jetzt gibt es für mich mehrere Arten von Verzeichnissen, ich hab z.B. einen Karteikartenschrank der über Wortverknüpfungen funktioniert. Wenn ich nicht weiß wie der große Oberschenkelmuskel heißt, hilft mir, dass ich immer wenn ich "Femur" lernte, noch über die Ähnlichkeit mit "Lemur" schmunzelte und mir vorstellte einen Affen im Bein zu haben.
Und hier gehts weiter, die nächsten Karteikartenschränken sind meine verschiedenen visuellen Speicher. Für manches Wissen hab ich mir kurze Komikfilme ausgedacht, die möglichst skuril sein müssen. Z.B. um mir die Gelenkarten zu merken, hab ich einen Film wo ein Ei(-gelenk) auf einem Fahrrad fährt (Sattelgelenk), dessen Räder sich drehen(Drehgelenk), und dann kommt eine Kugel angerollt (Kugelgelenk) und schubst das Ei mitsamt Fahrrad um, und das klappt unter der Kugel weg wie ein Scharnier(gelenk)
Dann hab ich einen Karteischrank wo ich mir manche Hefterseiten ansehen kann. Also spezielle mit Skizzen, Übersichtszeichnungen, oder so. Da bekomm ich die Dinge hinein, indem ich mich etwas intensiver mit der Sache beschäftige. Also entweder nochmal mit Bleistift die Aufzeichnungen auskommentiere, oder mit Farbe strukturieren (was ich nie im Unterricht sondern erst beim lernen mache), oder nochmal in Schönschrift die Seite repliziere.
Da komm ich schon in den nächsten Karteischrank, der nicht mehr richtig was mit visuell zu tun hat. Wenn ich mir eine Definition im Hefter durchlese und die paar Minuten später aus dem Kurzzeitgedächtnis aufschreibe, kann ichs später oft genauso schreiben. Muss eine Art von Handlungs-Verzeichnis sein.
Du musst halt rausfinden in welchen Bereichen du dir am besten Verzeichnisse anlegst. Wenn du eher auditiv veranlagt bist, muss man wahrscheinlich über Wortklang, sich die Sachen vorssprechen, u.ä. agieren.
Und man kann sich halt mit etwas Geschick zusätzliche Karteikästen erschließen und somit von den 10Mio Büchern mit Glück 3Mio abrufen. 😉
Das Thema wird im übrigen in "Hannibal" von Thomas Harris erörtert, und Lecter löst das mit einem riesigen Gedächtnispalast wo er alles thematisch geordnet in Säälen ablegt.
Für visuellle Menschen ist diese Gedächtnismethode sich Räume, oder z.B. den Weg zur Strassenbahn vorzustellen, und dann einzelnes Wissen da abzulegen, optimal. Bsp: ich hab mir ein eher kompliziertes Diagramm im Ing.Studium (FeC-Diagramm), an eine bestimmte Stelle an die Wohnzimmerwand gehängt (in Realität und Gedanken), und dann konnte ich mich während der Prüfung in Gedanken vor die Wand stellen und mir das Diagramm anschauen, und das geht jetzt Jahre später immer noch.
Oder man legt sich die Knochen der Hand an die Bahnhaltestelle ab(in Gedanken), markiert sie in Gedanken mit großen Zetteln die den lateinischen Namen zeigen, lässt in der Vorstellung ein paar Fahrgäste beim Aussteigen drüber stolpern.
Also Lerntyp herausfinden, markieren von Wissen mit verschiedenen Markern üben (mit 2 unterschiedlichen Markern markiertes Wissen sitzt natürlich noch fester).
Dann beim Lernen muss man Lernhygiene beachten. Ich lerne immer so lange wie ich die Konzentration bei >95% halten kann. Geht so 15-20min, danach wird eine Pause gemacht, und diese bewusst mit Körperbetätigung verbracht (ich hab z.B. nebenbei einen Tisch "restauriert", jonglieren, Kraftsport, etc.), also so 15-30min Pause und dann wieder lernen. Zwischendurch auch mal ne längere Pause und nen Spaziergang machen. Mit der Methode hab ich im Studium von Morgens bis Abends durchlernen können.
Dann vllt. noch der Tipp mit jonglieren ausführlich: es fördert die Kommunikation der beiden Gehirnhälften, und hat da nachweislich Effekte auf den Lernerfolg. Vermutlich weil die Marker besser miteinander verknüpft werden. Also vorm Lernen mal paar Minuten jonglieren.
Karteikarten (in Realität 😉 ) sind gut, kann man immer mal zwischendurch im Alltag einen Blick drauf werfen (das Ziel muss immer sein, dass man Lernen nur konzentriert und motiviert macht und wenn es nur 1-2min zwischendurch ist. Sich nie zwingen!)
Vokabeln in Sprachen lerne ich indem ich die Wohnung mit Zetteln spicke die den Namen der Sache ansagen wo sie hängen, bzw. man kann auch Adjektive und Verben an passender Stelle aufhängen.
Gruß, Max