Ich bin hier leider nicht angemeldet, deswegen funktioniert das mit der Nachricht wahrscheinlich nicht. Sehe hier aber ab und zu mal rein, ist doch anonym und solange Du keine Namen nennst kannst Du doch hier schreiben.
Mit Rückschlägen meine ich in der Tat den Rückfall in alte Verhaltensmuster. Der Mensch ist nicht perfekt, gerade wenn einem im Studium alles über den Kopf wächst befindet man sich in einer Extremsituation, in der der Geist manchmal aussteigt und nichts mehr geht. Damit muss man leben aber man muss auch wissen, dass diese Phasen irgendwann vorbei gehen. Das lernt man eben in den Zeiten, wo man sich selbst motiviert und es voran geht. Deswegen sag ich ja: Immer kleine Portionen, dafür regelmäßig. Wenn es mal nicht geht, Strategien nutzen um nicht komplett in der Lethargie zu verbleiben:
Jeder Aufschieber-Student hat auch mit Sicherheit schon mal eine Hausarbeit in zwei Nächten geschrieben. Man weiß also irgendwo in sich drin, dass man es tatsächlich kann. Wenn man zudem noch in der Lage ist, ein Problem systematisch in kleine Teilprobleme zu zerlegen und diese gezielt anzugehen, ist man für die ungünstige Ausgangslage in der man sich befindet, zumindest notdürftig ganz gut gerüstet. Man schiebt dann nur noch kleine Teilportionen, die man locker aufholen kann ohne in Stress zu geraten. Der emotionale Stress ist ja gerade das, was einen lähmt.
Mir hat zudem geholfen, dass ich mich schon lange von sehr hohen Erwartungen verabschiedet habe. Ich wollte fertig sein, endlich was anderes machen können, wieder leben. Das war meine Motivation. Was ist Deine? Schreib Dir das ruhig irgendwo hin, wo Du es jeden Tag siehst. An den Badspiegel, an die Haustür, an die Wand über den PC,...
Für eine 1 hätte ich mit Sicherheit andere Anforderungen an mich gestellt, die mich wieder überfordert hätten und im Endeffekt dazu geführt hätten, dass ich gar nichts gemacht hätte. So habe ich jeden Tag irgendwas gemacht, um diesem Ziel konsequent näher zu kommen. Sehr langsam zwar, in der Zeit hätte jemand anders vielleicht ein ganzes Bachelorstudium absolviert, aber das war mir irgendwann egal.
Am Ende stand, zumindest in einem Fach dennoch eine 1 in meinem Zeugnis, die kam aber nur deswegen zustande, weil ich mich nicht mehr verrückt gemacht habe.
Ich hatte zudem für die letzten Semester einen Plan geschrieben, den zu erarbeiten hat eine ganze Woche gedauert.
Dafür habe ich zunächst rausgefunden, was ich alles noch machen muss, um komplett fertig zu werden. Inklusive ausstehender Hausarbeiten, Leistungsnachweisen, Prüfungen, usw. Einfach alles, sogar jede Eventualität (für eventuell nicht erreichte Leistungsnachweise stand ein komplettes Hauptseminar zusätzlich drin mit Referat, Präsi und Hausarbeit). Das habe ich alles in den riesigen Plan eingetragen und auf die zur Verfügung stehenden Wochen verteilt. Es war erstaunlich wenig an den einzelnen Tagen übrig.
Dieser Plan hing dann unerbittlich an der Wand über meinem Schreibtisch (das weiße Quadrat ist immer noch zu sehen, so lange hing der da 🙂). Was ich nicht geschafft hatte, wanderte ins freie Wochenende. Wichtig war mir, irgendwie mein Monatspensum zu erreichen. Entsprechend mussten für Rückfälle in alte Verhaltensmuster Zeitfenster berücksichtigt werden. Das nimmt die Panik aus der Situation, wenn man wieder mal vor dem PC sitzt und nicht voran kommt. Man darf sich darauf natürlich nicht ausruhen sondern muss sich irgendwie selbst so programmieren, dass diese Tage nicht zum Zeitvertreib sind, sondern um sich bewusst aus seiner Misere rausnehmen zu können.
An solchen Tagen, und glaub mir, sie werden kommen, muss man dann ganz bewusst den PC ausschalten (nicht im Netz surfen und sich selbst leid tun!!!), rausgehen, Energie tanken. Keinen deprimierten Gedanken mehr ans Wochenziel verschwenden, man nutzt gerade einen Puffertag. "Morgen gehts wieder. Das Pensum ist überschaubar. Ich bin noch im Plan."
Irgendwann wird es schon, man muss nur wissen, wie man sich selbst helfen kann. Dazu gehört natürlich auch, gnadenlos ehrlich zu sich selbst zu sein. Man kann anderen mal sagen, dass man keine Zeit hatte um fürs Studium zu arbeiten. Vor sich selbst sollte man aber nichts schön reden oder rechtfertigen. Damit betrügt man sich nur selbst, das hast Du wahrscheinlich lange genug gemacht. Seine Situation annehmen, Vergangenes abhaken und den Willen haben, es ab jetzt besser zu machen. Wenn es mal nicht läuft, Bilanz ziehen woran es wirklich lag, darüber nachdenken, eventuell neue Strategien finden, weiter machen.
Wenn all das nicht klappt, ernsthaft in Erwägung ziehen, ob man sein Ziel erreichen WILL. Falls man ehrlich zugeben muss, dass man es nicht packt oder es einem nur noch zuwider ist, umgehend einen Plan B erarbeiten und an diesem weiter arbeiten. Eine Freundin von mir scheitert an allen Strategien die es gibt, weil sie an einem Studium festhält, welches sie hasst und nicht mehr interessiert. Das ist traurig mit anzusehen aber sie lässt sich da schon lange nicht mehr rein reden.