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Lernfaul. Weiss nicht mehr weiter

Was mir immer viel gebracht hat, ist alle möglichen Ablenkungen radikal abschalten. Also in Bibliotheken zum Lernen setzen, am besten von anderen Fachbereichen, kein Handy/Internet, nur du und die Bücher... Zuhause kann ich irgendwie auch überhaupt nicht lernen und neige total zum Prokrastinieren, aber da geht es.
 
@Gast #12:
Bei mir ist es ganz ähnlich, ich finde mich in deinem Text und natürlich ist es mit unangenehm, weil es wie ich finde einfach schade um all das Potenzial und die selbst gesteckten Ziele ist. Sowas macht eben unglücklich.

Ich habe mich vor ein paar Tagen in einem Kurs für "Aufschieberitis" an meiner Uni angemeldet.

Ich bin dir wirklich sehr dankbar für deinen Text, weil er mir eine praktischen Lösungsweg für die Aufschieberei zeigt, die ich auf jeden Fall umsetzten werde!
Es ist keine Alternative für den o.g. Kursbesuch, aber schon mal eine gute Struktur, die ich umsetzten werde. Das Konzept lässt einem nicht machtlos dem Problem gegenüber stehen.

Wie das Konzept wirkt werde ich hier berichten.
 
Ich bins nochmal, der Gast von oben 🙂

Schön, dass Deine Uni das auch anbietet.
Schon allein, dass es diese Kurse gibt, zeigt Dir, dass Du nicht allein so bist und dass dieses Problem der Uni auch bewusst ist. Ich konnte damals gar nicht glauben, dass sowas tatsächlich im Vorlesungsverzeichnis steht. Das war vor mehr als drei Jahren. Eine Professorin hat mich darauf aufmerksam gemacht, der ich mein Problem endlich, nach Jahren, geschildert hatte und die gewusst hat, dass es bei Fällen wie mir selten an Faulheit oder Unzulänglichkeit lag.

Ab diesem Moment wurde vieles besser. Als ich mir endlich eingestanden hatte, dass etwas nicht richtig läuft aber dass ich nicht zu blöd für die Studieninhalte war sondern nur an den Umständen gescheitert bin, hatte ich auf einmal auch wieder Pläne, die ich langfristig ganz gut umsetzen konnte. Vor ein paar Monaten habe ich mit vielen Anstrengungen, vielen Hochs und Tiefs aber auch viel Herzblut und Stolz meinen Abschluss mit guten Noten gemacht.

Ganz los wird man diese Mentalität aber nie und es wird auch zwischendurch Rückschläge geben. Manchmal musste ich mich auch mal zwei Wochen in meinem Elend suhlen, wichtig ist aber, dass man sich irgendwann wieder zusammen reißt. Und dabei hilft dann die Erfahrung voran gegangener Erfolgserlebnisse durch Konsequenz. Sie vermittelt einem die Gewissheit, dass man all das in den Griff bekommt und es schaffen kann, wenn man nur wieder will. Und dass Du willst zeigt ja, dass Du bereit bist, Hilfe anzunehmen.

Bei mir war es leider erst soweit, nachdem ich beinahe ein ganzes Jahr gar nicht mehr in die Uni gegangen bin, ich konnte einfach nicht. Ich war wie blockiert und bin gelegentlich auf halbem Weg wieder umgedreht und nach Hause gefahren. Wie ich mittlerweile weiß, lag es bei mir an der fehlenden Perspektive. Die Semesterzahl stieg immer höher ohne dass ich irgendwas gemacht hatte. Ich hatte irgendwann nicht mehr den Glauben, dass ich tatsächlich irgendwann fertig werden würde. Zu dieser unüberwindbaren Hürde kam zunehmend Panik und Verzweiflung. Und es war soviel leichter, jeden Tag arbeiten zu gehen als sich mit der Studien-Organisation herumschlagen zu müssen. Irrwitzigerweise hatte ich ausgerechnet einen Job in dem ich hauptsächlich organisatorisch tätig sein musste und in dem ich richtig gut war 🙂

Ich wünsch Dir viel Erfolg!
 
@ Gast #15,
wäre es möglich, dass du mich hier eine private Nachricht schreibst ? Ein anonyme E-Mail Adresse würde natürlich auch gehen. Der Grund ist, warum ich danach Frage ist, dass ein oder zwei Rückschläge hatte, aber ich dann doch nicht lieber so fiel in einem öffentlichen Forum Schreiben will.
Außerdem würde es mich sehr freuen, wenn ich wegen dem Problem, vielleicht nur vorerst einen Ansprechpartner hätte. Da du das gleiche Problem hattest und dein Studium schon geschafft würde das ja schon mal super passen. 🙂
 
Gute Bücher mit Anleitungen zum wissenschaftlichen Arbeiten beinhalten nicht nur Vorschläge dazu, wie man einem Text Struktur gibt, sondern auch dem Lernalltag. Daneben ist auch der Umgang mit Lernblockaden Thema.

LG
Landkaffee
 
Ich bin hier leider nicht angemeldet, deswegen funktioniert das mit der Nachricht wahrscheinlich nicht. Sehe hier aber ab und zu mal rein, ist doch anonym und solange Du keine Namen nennst kannst Du doch hier schreiben.

Mit Rückschlägen meine ich in der Tat den Rückfall in alte Verhaltensmuster. Der Mensch ist nicht perfekt, gerade wenn einem im Studium alles über den Kopf wächst befindet man sich in einer Extremsituation, in der der Geist manchmal aussteigt und nichts mehr geht. Damit muss man leben aber man muss auch wissen, dass diese Phasen irgendwann vorbei gehen. Das lernt man eben in den Zeiten, wo man sich selbst motiviert und es voran geht. Deswegen sag ich ja: Immer kleine Portionen, dafür regelmäßig. Wenn es mal nicht geht, Strategien nutzen um nicht komplett in der Lethargie zu verbleiben:

Jeder Aufschieber-Student hat auch mit Sicherheit schon mal eine Hausarbeit in zwei Nächten geschrieben. Man weiß also irgendwo in sich drin, dass man es tatsächlich kann. Wenn man zudem noch in der Lage ist, ein Problem systematisch in kleine Teilprobleme zu zerlegen und diese gezielt anzugehen, ist man für die ungünstige Ausgangslage in der man sich befindet, zumindest notdürftig ganz gut gerüstet. Man schiebt dann nur noch kleine Teilportionen, die man locker aufholen kann ohne in Stress zu geraten. Der emotionale Stress ist ja gerade das, was einen lähmt.

Mir hat zudem geholfen, dass ich mich schon lange von sehr hohen Erwartungen verabschiedet habe. Ich wollte fertig sein, endlich was anderes machen können, wieder leben. Das war meine Motivation. Was ist Deine? Schreib Dir das ruhig irgendwo hin, wo Du es jeden Tag siehst. An den Badspiegel, an die Haustür, an die Wand über den PC,...

Für eine 1 hätte ich mit Sicherheit andere Anforderungen an mich gestellt, die mich wieder überfordert hätten und im Endeffekt dazu geführt hätten, dass ich gar nichts gemacht hätte. So habe ich jeden Tag irgendwas gemacht, um diesem Ziel konsequent näher zu kommen. Sehr langsam zwar, in der Zeit hätte jemand anders vielleicht ein ganzes Bachelorstudium absolviert, aber das war mir irgendwann egal.

Am Ende stand, zumindest in einem Fach dennoch eine 1 in meinem Zeugnis, die kam aber nur deswegen zustande, weil ich mich nicht mehr verrückt gemacht habe.

Ich hatte zudem für die letzten Semester einen Plan geschrieben, den zu erarbeiten hat eine ganze Woche gedauert.
Dafür habe ich zunächst rausgefunden, was ich alles noch machen muss, um komplett fertig zu werden. Inklusive ausstehender Hausarbeiten, Leistungsnachweisen, Prüfungen, usw. Einfach alles, sogar jede Eventualität (für eventuell nicht erreichte Leistungsnachweise stand ein komplettes Hauptseminar zusätzlich drin mit Referat, Präsi und Hausarbeit). Das habe ich alles in den riesigen Plan eingetragen und auf die zur Verfügung stehenden Wochen verteilt. Es war erstaunlich wenig an den einzelnen Tagen übrig.

Dieser Plan hing dann unerbittlich an der Wand über meinem Schreibtisch (das weiße Quadrat ist immer noch zu sehen, so lange hing der da 🙂). Was ich nicht geschafft hatte, wanderte ins freie Wochenende. Wichtig war mir, irgendwie mein Monatspensum zu erreichen. Entsprechend mussten für Rückfälle in alte Verhaltensmuster Zeitfenster berücksichtigt werden. Das nimmt die Panik aus der Situation, wenn man wieder mal vor dem PC sitzt und nicht voran kommt. Man darf sich darauf natürlich nicht ausruhen sondern muss sich irgendwie selbst so programmieren, dass diese Tage nicht zum Zeitvertreib sind, sondern um sich bewusst aus seiner Misere rausnehmen zu können.

An solchen Tagen, und glaub mir, sie werden kommen, muss man dann ganz bewusst den PC ausschalten (nicht im Netz surfen und sich selbst leid tun!!!), rausgehen, Energie tanken. Keinen deprimierten Gedanken mehr ans Wochenziel verschwenden, man nutzt gerade einen Puffertag. "Morgen gehts wieder. Das Pensum ist überschaubar. Ich bin noch im Plan."

Irgendwann wird es schon, man muss nur wissen, wie man sich selbst helfen kann. Dazu gehört natürlich auch, gnadenlos ehrlich zu sich selbst zu sein. Man kann anderen mal sagen, dass man keine Zeit hatte um fürs Studium zu arbeiten. Vor sich selbst sollte man aber nichts schön reden oder rechtfertigen. Damit betrügt man sich nur selbst, das hast Du wahrscheinlich lange genug gemacht. Seine Situation annehmen, Vergangenes abhaken und den Willen haben, es ab jetzt besser zu machen. Wenn es mal nicht läuft, Bilanz ziehen woran es wirklich lag, darüber nachdenken, eventuell neue Strategien finden, weiter machen.

Wenn all das nicht klappt, ernsthaft in Erwägung ziehen, ob man sein Ziel erreichen WILL. Falls man ehrlich zugeben muss, dass man es nicht packt oder es einem nur noch zuwider ist, umgehend einen Plan B erarbeiten und an diesem weiter arbeiten. Eine Freundin von mir scheitert an allen Strategien die es gibt, weil sie an einem Studium festhält, welches sie hasst und nicht mehr interessiert. Das ist traurig mit anzusehen aber sie lässt sich da schon lange nicht mehr rein reden.
 
an Gast:
Rückschläge gibt es leider immer im Leben damit muss man wahrscheinlich leben. Gespürt, wie hart es ist da wieder rauszukommen kenne ich auch nur zu gut.
Mir gings in einem Semester auch so wie dir, dass ich gar nichts gemacht habe, nicht zu Uni hingegangen bin und im Grunde das Studium verdrängen wollte. Obwohl ich auch da wusste, dass ich das Studium unbedingt zu Ende machen wollte. Nur zu der Zeit wusste mit so einer Einstellung schaffe ich es sicher nicht. Ich brauchte da Abstand zu um mich zu sammeln und so maches neu anzugehen, wie das lernen. Vielleicht ging es dir da auch so.

Bin seit 2 oder 3 Tagen dabei die Methode mit festgelegten Zeitpunkt, wirklich kleinen Portionen und das zwei mal am Tag anzuwenden. Kurzfristig ist es natürlich gut, weil es neu ist usw. , aber es hier kommt es eher auvh den Langzeiteffekt an.

Da hast du recht bei mir scheiterte es nicht an der fehlenden Können, sondern an dem Druck an der sich ein bis zwei Tage vor der Abgabe aufbaute und dem ich nicht standhalten konnte. Dabei habe ich mich wirklich schlecht gefühlt und z. T. mache wissenschaftliche Mitarbeiter an der Uni wussten, das ich es im Grunde gut kann und ich es trotzdem nicht gemacht habe. Nur wusste ich zu der Zeit nicht, wie ich das Problem in Worte fassen sollte oder was es genau ist. Ich dacht es war Faulheit und habe mich dafür etwas geschämt.

Motivation und Ziele außerhalb der Uni sind sich praktisch und sinnvoll. Werde mir da mal Gedanken machen.
Etwas Perfektionismus ist auch in mir, aber ich habe mich damit schon gut eingelebt, dass man es nicht komplett ausleben sollte, da sonst viel im Leben auf der strecke bleibt.
Mein Studienverlauf sieht auch ideal aus und in der Regelzeit werde ich es nicht schaffen. Aber da ist jeder anders in ich habe damit schon meinen inneren Frieden gefunden.

Einen Plan für das ganze Semester auszulegen klingt sehr gut, aber ich will mich da jetzt nicht ganz strapazieren. Erst mal sollte bei mir die gerade genannte Methode verinnerlicht werden. Davon mal gehört zu haben ist aber sicher praktisch, für mich auch sicher einer Stütze das es geht und später mindestens eine Überlegung wert.

Es freut mich, aber dass es wer geschafft hat dem es ähnlich ging wie mir. Das zeigt, dass es doch realistisch ist es zu schaffen. 🙂

Wenn es was neues gibt werde ich es hier posten.
 
Wow, der Threadsteller könnte ich selbst sein, eure Tipps tun gut, besonders dass man aufhören muss an sich selbst zu zweifeln.
Ich bin oft hier im Forum, habe auch shcon gepostet. Bin im 12. Semester Vorklinik Medizin, eine Klausur fehlt mir, leider bin ich da im letzten Versuch.
Und was tue ich?Alles andere nur nicht das Problem angehen, in die Uni kann ich nicht, schäme mich zu sehr, halte mich für unzulänglich und fehl am Platze. Dann denke ich wieder dass ich so kurz vor dem Ziel bin und eingentlich dadurch genug Motivation haben sollte.
Leider habe ich niemanden der mit mir lernt. Schwierig, aber aufgeben... nein.
Eure Tipps sind super, viele davon kenne ich, habe ich auch schon umgesetzt, aber dennoch habe ich vor jedem Tag den ich lernen soll Panik.
Das ist bescheuert.
 
Hallo,
da etwas Zeit vergangen ist wollte ich mal hier ein Zwischenfazit posten.
Angefangen habe ich mit kleinen Lernhäppchen und diese gut verteilt in den Tag eingebunden. Zum Zeil zu festgelegten Zeiten. Nach ein paar Tagen dieser Routine habe ich gemerkt, dass ich die mein die Zeit, die ich am Stück mit lernen verbringe steigern kann und habe dies auch gemacht. Das erhöhte Lernpensum habe ich eine Woche gehalten um zu sehen ob es für mich okay ist und vor allem eine Festigkeit zu erreichen, sprich eine Routine im Tagesgestaltung zu haben.
Positiv ist natürlich das Interesse, Lust, manchmal Freunde am Lernen und das Erreichen von selbst gesteckten Zielen. Aber auch Abseits des Lernen merke ich, dass mir eine feste Struktur (sei es jetzt das Lernen) richtig gut tut.

Das Lernpensum wird Stück für Stück weiter ausgebaut, so dass ich 1. es wirklich kontinuierlich schaffe etwas zu Leisten und 2. auch den Studienanforderungen gerecht werde.
Was mir auffällt, aber den Rahmen zu dem Thema hier sprengen würde ist, dass Interessen und Hobbies neben dem Studium auch zum Erfolg des Studium beitragen. Abwechslung oder Work-Life-Balance trifft es eher. Da müsste ich mich auch schlau machen, denn nur lernen bringt nichts.
 
Hey, 2mal2!

Es freut mich zu hören, dass meine Methode auch bei Dir klappt! Wenn man Deinen ersten Post hier liest und jetzt den stellt man fest, dass da Welten zwischen liegen! Es tut gut zu sehen, dass man es kann, oder?

Ich freu mich für Dich, dass Du das so gut im Griff hast!
 

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