Ich war auch so ein Aufschieber und habe mich damit sogar beinahe um meinen Abschluss gebracht.
Dabei lags bei mir auch nie an den Lerninhalten. Verstanden hab ich meist alles, ich war nur nicht in der Lage, es mir vernünftig und vor allem rechtzeitig zu erarbeiten. Ich war eigentlich nicht einmal faul, in meinen Werksstudentenjobs hab ich nie auch nur einen einzigen Tag gefehlt oder meine Arbeit nicht pünktlich und sorgfältig erledigt, sondern bin vielmehr völlig unstrukturiert und orientierungslos gewesen. Das betraf seltsamerweise nur das Studium.
Und ich war, wie ich mittlerweile weiß, nicht die Einzige an meiner Uni, der es so ging. In einem extra eingerichteten Seminar für Leute, die ihre Studienorganisation nicht gebacken kriegen (Informier Dich mal, ob es an Deiner Uni auch sowas gibt und falls ja - geh hin!!!) hab ich eine ganze Menge Leute getroffen, die dieselben Probleme hatten. Manchmal hilft es ja schon, wenn man weiß, dass man damit nicht allein ist. Das hat bei mir enorm den emotionalen Druck raus genommen. Denn seien wir mal ehrlich: Gut geht es einem in einer derartigen Situation nicht. Ich habe noch keinen kennen gelernt, dem diese Situation nicht mehr zugesetzt hat, als den Stoff endlich zu pauken. Mit Faulheit hat das im Grunde wenig zu tun, weil man ja nicht Wichtiges vernachlässigt um sich zu amüsieren, sondern man macht nichts und sitzt stattdessen daheim, ist frustriert, blockiert, ziellos, unfähig und vor allem unglücklich.
Was mir letzendlich wirklich geholfen hat, war Struktur. So schwer das auch erstmal scheint, man muss nach langer unproduktiver Zeit erst einmal wieder lernen, Projekte anzugehen. Dabei ist besonders wichtig, dass man sich nicht übernimmt, sonst ist unter Umständen auch eine wochenlang mühsam aufgebaute Routine im Nu wieder im Eimer, weil man das auferlegte Pensum nicht schafft.
Also: Zunächst wenig aber gezielt und vor allem regelmäßig. Jeden Tag. Fang mit zweimal täglich einer viertel Stunde an. Am Besten gleich morgens. Aufstehen, duschen, frühstücken, anfangen. Bevor einen was anderes ablenkt.
Hast Du Dein Pensum geschafft, kannst Du was anderes machen, ohne ein schlechtes Gewissen dabei zu empfinden. Ein wirklich befreiendes Gefühl! Nach dem Mittag gehts weiter. Wieder ne viertel Stunde und dann bist Du für den Tag auch schon fertig. Nach einer Woche Pensum auf eine halbe Stunde erhöhen. Irgendwann läuft es dann, wie von allein und man kann mehrere Stunden konzentriert arbeiten.
Das mag Dir erstmal wenig vorkommen, aber man hat was gemacht. Das ist viel besser, als sich viel vornehmen, den ganzen Tag davor grübeln, dann nebenher im Internet zu surfen und Abends gefrustet festzustellen, dass man gar nichts geschafft hat.
Wenn die Semesterferien vorbei sind, muss man dann etwas flexibler sein, freie Zeitfenster nutzen oder eben gleich nachmittags sein Pensum ansetzen. Man darf nur nie aufhören, bis das Ziel erreicht ist! Wenn es mal schwer fällt, immer dran denken, dass der Berg jeden Tag kleiner wird. Das motiviert nach einer Weile wirklich, selbst wenn der Berg erst einmal nicht wirklich überschaubar erscheint. An den Gesamtberg darf man dann gar nicht denken, sondern nur an das klar umrissene Tagesziel, das ist ganz wichtig.
Maximal einen Belohnungstag in der Woche sollte man sich aber zugestehen, den man dann aber auch nutzen sollte um den Kopf frei zu kriegen.