Nordrheiner
Sehr aktives Mitglied
Jedem Kind kann es passieren, daß es einen oder beide Elternteile nie kennenlernt, weil sie sterben, sich irgendwann trennen, das Kind zu Pflegeeltern oder ins Heim kommt... das wäre ein Argument, überhaupt keine Kinder in die Welt zu setzen, denn all das kann immer passieren.
Zumindest bei Leihmutterschaft hat das Kind zwei Eltern, nämlich seine biologischen, von denen Ei und Samen stammen. Und ggf. sogar ein drittes Elternteil, die Leihmutter, falls die biologischen Eltern den Kontakt zu ihr aufrecht erhalten, denn diese Möglichkeit gibt es auch, auch ein ausgetragenes "Fremdkind" lebt später nicht auf einem fremden Planeten, sondern kann sich im Kindesalter mit Erlaubnis der Eltern oder spätestens im Erwachsenenalter aus eigenem Antrieb mit seinem Ursprung auseinandersetzen.
"Probleme" und "sich als Anders empfinden" kommt immer dann zustande, wenn dem Kind absichtlich oder unbewußt suggeriert wird, es "müßte doch" wegen der Art seines Entstehens Probleme und Komplexe haben und es "müßte" sich als anders und unnatürlich empfinden. Vor allem Jugendliche in der Pubertät, die sich sowieso wie Aliens auf dem falschen Planeten fühlen, sind für derartiges äußerst empfänglich und lassen sich sehr gern Dinge einreden, die sie dann unter Umständen lebenslänglich psychisch belasten - worüber ein psychisch bereits gefestigter Erwachsener dagegen meist mit pragmatischem Schulterzucken hinwegsehen würde.
Nicht, Holzrose? Würdest Du einem Kind oder beeinflußbaren Jugendlichen die Umstände seiner Entstehung um die Ohren hauen, für die er gar nix kann, würdest Du das Kind bewußt oder auch unbewußt für die Wünsche seiner Eltern büßen lassen wollen? Oder nicht?
Erforsche Dein Gewissen ... :unschuldig:
Mein Eindruck, Daoga, ist, dass Du hier vom (für mich) wesentlichen Punkt ablenkst. Es geht (mir) nicht um physikalisch-biologische Vorgänge, die durch Eingriff des Menschen so gestaltet werden, dass neues Leben entsteht.
Es geht mir einerseits um den Hinweis, dass Leihmutterschaft ein Geschäft ist, bei dem es in erster Linie um Profit geht und eben nicht um Entstehung von Leben.
Und andererseits geht es mir um die Nachteile des Utilitarismus als Lebensgrundlage. Wir haben es bei Leihmutterschaft mit dem sogenannten Handlungsutilitarismus zu tun. Es geht um die beabsichtigten oder abschätzbaren Folgen des Handelns.
Im Prinzip sagt der Utilitarismus: "Baby bekommen ist gut - kein Baby bekommen ist schlecht. Und weil Baby bekommen gut ist, heiligt der Zweck auch die Mittel."
Die Frage bleibt: Inwieweit darf sich Ethik damit begnügen, mit materiell (biologisch) feststellbarem Nutzen und Schäden zu argumentieren?
John Stuart Mill sagte: "Lieber ein unzufriedener Mensch als ein zufriedenes Schwein"
Wer sich damit zufrieden gibt, dass am Ende ein geborenes Kind entsteht, betreibt der nicht im Sinne von Mill die Ethik der zufriedenen Schweine?
Für mich besteht das Problem darin, Werte zu schützen, die sich jeder Quantifizierung entziehen. Wer nur Argumente zulässt, die sich auf messbare Fakten beziehen, nach dem Standpunkt: "was sich nicht zählen lässt, zählt nicht" verliert die ethische Orientierung.
Unter dem Gesichtspunkt einer puren Nützlichkeitsbewertung besteht die Gefahr, dass Ethik letztlich nur als Wirtschaftsfaktor akzeptiert und Moral in Geld umgerechnet wird.