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Lebensgeschichte

  • Starter*in Starter*in Bummix
  • Datum Start Datum Start
AW: Lebensgeschichte -Fortsetzung von Bummix

Jetzt hab ich's geschafft. Also, die Fortsetzung

Wir hatten keine Freizeit, sobald wir aus der Schule kamen, mussten wir den ganzen Tag im Garten arbeiten, wir wurden psychisch fertig gemacht, beleidigt und so weiter... Aber wir hatten noch Kontakt, zu Mama und Papa... Unser Vater, war uns keine große Hilfe, er wusste dass es uns schlecht ging, unternahm aber nichts... Und sobald Mama in Knast kam, konnte sie uns auch nicht mehr helfen, 2 Monate war sie dort, wegen Beamtenbeleidigung und Bedrohung und anderen Sachen, worüber ich nicht Bescheid weiß.. Wir hatten fast keinen Kontakt mehr zu ihr, und in der Familie wurde es immer schlimmer... Ich erfuhr später, dass mein Pflegevater meine Pflegeschwester sexuell missbraucht hat. Hinterher konnte ich mir dann auch denken, warum er immer ins Bad kam, wenn ich badete... Er gaffte mich komisch an, ich dachte mir damals nichts dabei... Er sagte, er wolle sich nur die Zähne putzen... Und stand dann manchmal 10-15 Minuten im Bad, um sich die Zähne zu putzen... Mama kam wieder frei, wir erzählten ihr, wie schlecht es uns ging und sie zeigte unsere Pflegeeltern an... Auch waren wir beim Jugendamt und sagten, dass wir wegwollten...

Wir kamen kurz vor Weihnachten weg, in ein Heim in Berlin. Ich fühlte mich wohl dort...hatte wieder mehr Kontakt zu meiner Mutter und war ihr damals dankbar, dass sie sich während der Zeit darum kümmerte, dass wir von der Pflegefamilie wegkamen. Meine Mutter beantragte wieder das Sorgerecht für uns und hatte auch eine Wohnung in Berlin, wo wir hinziehen konnten. Ich dachte damals, sie hätte sich geändert und dass sie uns nicht mehr schlagen würde.. Sie bekam wieder das Sorgerecht, wir zogen zu ihr und es hatte sich nichts geändert... Sie schlug uns wieder... Immer heftiger, sie zerrte mich an den Haaren durch die ganze Wohnung und dann mit dem Kopf so heftig gegen das Treppengeländer, dass ich eine Gehirnerschütterung hatte... Ich weinte vor Schmerzen, musste mich übergeben und es war ihr egal... Manchmal, war es so, dass sie Phasen hatte, wo sie recht normal war...wo man auch mit ihr lachen konnte, und plötzlich, ohne einen Auslöser, fing sie wieder an uns zusammen zuschlagen... Sie hatte einen Elektroschocker, den sie mir öfters direkt vors Gesicht hielt und anmachte... Meine Schwester wollte das nicht mehr mitmachen, ist eines Tages abgehauen und lies mich alleine... Sie war 14, in Berlin gilt das Recht, das man mit 14 alleine entscheiden darf, wo man wohnt.

Sie kam nicht wieder und zog ein wenig später zu meinem Vater... Ich war alleine... Seitdem meine Schwester fort war, ging meine Mutter nicht mehr aus dem Haus, ich musste mich um alles alleine kümmern, ums essen, ums einkaufen, musste Behördengänge machen... War wieder auf mich alleine gestellt und zusätzlich musste ich die Schläge erleiden. Es wurde noch schlimmer als vorher... Die Agressionen, die sie damals an mir und meiner Schwester ausließ, musste ich nun alleine erleiden... Sie schlug immer wieder auf mich ein, so dass ich am ganzen Körper blaue Flecken hatte, ich lag am Boden und sie trat immer wieder zu...zog mich dann an den Haaren hoch, zerrte mich zum Tisch, und schlug mich so, mit dem Rücken auf den Tisch, dass ich noch heute Narben davon habe... Ich dachte manchmal, sie würde mich umbringen... Ich traute mich nicht wegzulaufen, denn ich wusste, wenn ich wieder zurückkäme, würde das mein sicheres Ende bedeuten... Nach einem halben Jahr kam ich dann weg.. In eine Kinderwohngruppe nach West-Berlin... Es war schön dort.. Ich genoss die Zeit, wusste aber, dass ich dort nicht ewig bleiben konnte...

Ich sollte mich entscheiden, wo ich hinwollte und entschied mich für meinen Vater, um endlich wieder bei meiner Schwester zu sein... Ich kam dann nach einem halben Jahr zu meinem Vater, da war ich 11.. Mein Vater konnte sich nicht im geringsten vorstellen, was in all den Jahren passiert war... Ich denke nach seiner Meinung, sah er es so, dass das Vergangenheit war... Aber es ist nicht so... Ich wurde jahrelang wie ein Stück S**** behandelt...Habe kein Selbstbewusstsein mehr, leide seit Jahren unter Albträumen... Ich habe mir damals eingeredet, dass ich nichts wert war... Schließlich wurde ich auch so behandelt... Ich hatte Agressionen in mir, hatte aber keinen, den ich dafür verantwortlich machen konnte... Ich konnte mich nicht an meiner Mutter rächen... Konnte nie jemanden für mein Leben die Schuld geben... Ich hasse meine Mutter nicht, denn ich weiß, wenn sie nicht so krank wäre, wäre sie ein guter Mensch... Sie ist nicht abgrundtief böse, sondern krank...und sie kann nichts dafür... Es ging mir immer noch schlecht, ich fing an mich zu ritzen und eine Fassade aufzubauen.. Ich versuchte immer anderen Leuten vorzutäuschen, dass ich glücklich wirke... Dass es mir gut geht... Nach außen hin lächle ich, Menschen die mich nicht kennen, sehen in mir nur ein kleines, verrücktes Kind... Sie glauben über mich reden zu können, aber sie haben von nichts eine Ahnung... Denken, sie können sich eine Meinung über mich bilden, weil sie, ein Jahr mit mir in einer Klasse sind und denken, dass sie mich kennen... Sie sehen, dass ich kein Selbstbewusstsein habe und nutzen das aus um mich fertig zu machen, machen sich über mich lustig... halten mich für verrückt... Es macht ihnen Spaß, wenn sie sehen, wie ich unter ihnen leide... Aber sie wissen nicht, dass sie dadurch mein Leben kaputt machen, weil sie sich nicht in mich hinein versetzten können... Sie riskieren, dass es mir noch schlechter geht, als wie es jetzt schon der Fall ist... Sie brauchen jemanden, den sie verletzten können, damit sie von ihren eigenen Problemen ablenken... Genießen vielleicht das Gefühl, weil sie denken, dass sie dadurch cool sind... Ich habe ihnen nie etwas getan, war immer freundlich, habe nicht viel mit ihnen zu tun, und sie suchen sich extra die Leute zum fertig machen, die eh kein Selbstbewusstsein haben... Ich bin anders als sie und das nutzen sie aus... Sie riskieren, dass ich irgendwann durch die ganzen Schikanen so fertig bin, dass ich nicht mehr leben will...dass ich kranker werde, als ich es bin... dass ich ärtztliche Hilfe brauche...
 
Hallo Bummix,

ich habe deine Lebensgeschichte gelesen. Also... mir fehlen einfach die Worte... Es ist einfach furchtbar... mir kamen fast die Tränen.

So etwas als Kind durchzumachen, muss wie ein schrecklicher Alptraum sein, obwohl, wenn man nichts anderes kennt, muss man diese Realität schlucken. Du hast schon Recht, es ist nicht einfach nur eine Vergangenheit, so etwas hinterlässt große Spuren. Aber immerhin hast du jetzt trotzdem noch die Möglichkeit aus deinem Leben viel zu machen.
Auch wenn dich deine Mitschüler fertig machen, weil sie merken wie anders du bist, es ist nicht das Ende der Welt. Weißt du, im Schulalter neigen viele Menschen dazu sich Opfer auszusuchen, um sich selbst dadurch stärker vorzukommen, das haben wirklich sehr viele Kinder durchgemacht. Bitte nimm dir das nicht so zu Herzen, es wird vorbei gehen, alle werden irgendwann erwachsen. Aber bevor es dir dadurch noch schlechter geht, musst du irgendwie lernen dich entweder dagegen zu wehren, oder solche Idioten einfach links liegen zu lassen. Sie sind es nicht wert, dass du dich wegen ihnen kaputt machst. Kennst du den Spruch: "was mich nicht umbringt, macht mich nur stärker"? Sieh doch mal, was du alles durchgemacht hast, und trotzdem gehst du jetzt zur Schule und lernst! Die gemeinen Schüler können dir nichts anhaben, im Vergleich zu den Sachen aus deiner frühen Kindheit. Sie kennen dich nicht, und das sagt auch aus, dass sie dir persönlich nichts anhaben können. Mach einfach dein Ding, geh weiter fleißig zur Schule und zieh das durch, wofür die Schule geschaffen wurde. Schikane in der Schule gab es schon immer und wird es immer geben, das ist schlimm, aber das wichtigste in der Schule ist es doch, nicht beliebt zu sein, sondern, es gibt dir eine Gelegenheit, durch das Lernen sich eine gute Zukunft aufzubauen.
Wenn dir das nicht genügt, dann versuche doch mal mit der Klasse zu reden, in dem du ihnen einfach etwas aus dieser Kindheit erzählst. Vielleicht haben sie dann Verständnis für dich und hören auf dich zu ärgern. Sollte es danach immernoch welche geben, die es nicht kapiert haben, dann weißt du, dass sie einfach dumm, verwöhnt und egoistisch sind, und es nicht verdienen, von dir auf irgend eine Weise beachtet zu werden. Denn du bist stark, und du weisst, wie schlimmm das Leben wirklich sein kann. Solche Leute sind dir nicht gewachsen. Das solltest du wissen. Fang an dein Selbstbewusstsein aufzubauen, in dem du das weisst.

PS: hast du einen guten freund oder freundin? Es hilft immer seelischen Kummer mit einem guten Freund zu teilen.

Ich wünsche dir alles Gute in deinem Leben!

Gruß
Natalie
 
Hallo Natalie,
vielen Dank für Deine liebe Antwort. Ja, ich habe 2-3 sehr gute Freundinnen, die immer für mich da sind und mir mit Rat und Tat zur Seite stehen, ich bin ihnen wirklich sehr dankbar. Die eine Freundin von mir wird sich vielleicht demnächst draum kümmern, dass ich eine Therapie anfangen kann. Das heisst sie wird mit mir zusammen dort hinfahren, wenn möglich mit dabei sein und mich auch wieder zurückbringen. Das ist sehr gut, weil ich nicht unbedingt möchte, dass meine Eltern etwas davon mitbekommen. Die sollen sich keine Sorgen machen und ich möchte auch nicht mit ihnen darüber reden und irgendwie muss ich da ja auch hinkommen.
Naja, und was nun meine Klasse betrifft, es ist nicht so, dass sie mich öffentlich mobben oder fertig machen, und das sind auch bloss 3 Jungen die sich mal darüber lustig gemacht haben und das habe ich zufällig halt mitbekommen.
Ich hatte dann einen kleinen Nervenzusammenbruch, habe mit meiner besten Freundin und meinem Klassenlehrer darüber geredet und hinterher wurde mit der ganzen Klasse darüber gesprochen. Die Jungs wurden bestraft, dafür, dass sie sich darüber lustig gemacht haben. Dabei ging es mir garnicht darum, dass sie bestraft wurden und Sozialstunden machen mussten, sondern eigentlich bloss darum, dass sie mich ein wenig verstehen und meine Situation nachvollziehen konnten. Auf jeden Fall, habe ich etwa eine Woche nach diesem Vorfall mich mit denen im Lehrergebäude in einen Konferrenzraum gesetzt(ohne Lehrer, bloss mit einer guten Freundin) und dann sassen wir da zu fünft und haben über alle geredet und ich habe ihnen auch die Geschochte vorgelsen und nun hoffe ich, dass ich sie ein wenig zur Vernunft gebracht habe und solche Situationen nicht mehr vorkommen.
Ich werde jetzt abwarten und mal schauen, was die Therapie so bringen wird. Hab halt ein bisschen Angst davor, weil es mir wirklich sehr schwer fällt, darüber zu reden und ich nicht weiss, welche Fragen dort auf mich zukommen werden, was der Psychologe von mir wissen will und so...
Ich werde das einfach mal ausprobieren..
 
Hallo Bummix

weil mich deine Geschichte so berührt hat, freut es mich wirklich, dass du den Mut hattest mit diesen drei Jungen darüber zu reden und Verständnis von ihnen zu erlangen. Es ist ein gutes Zeichen dafür, (glaube ich) dass du auch in deiner Therapie diesen Mut aufbringen kannst. Es werden sicherlich viele Fragen kommen, aber du weiß ja, dass es für einen guten Zweck ist. Mach weiter so! Viel Erfolg und alles alles Gute! Und ein kräftiges "Knuddel"

Natalie
 
Zuletzt bearbeitet:
Hallo Bummix,

ich habe zwar deine Geschichte lesbar gemacht, bin aber bis jetzt nicht dazu gekommen, sie wirklich zu lesen.

Das habe ich nun nachgeholt, und ich muss sagen, dass ich tief erschüttert war.

Ich kann kaum glauben, dass ein junger Mensch dieses Leid aushalten kann. Ich habe großen Respekt vor dir. Die Meisten wären wohl völlig daran zerbrochen.

Ich hoffe, dass du deine Vergangenheit bewältigen kannst und das Leben als Entschädigung noch viele glückliche Zeiten für dich parat hat. Wenn einer sich das verdient hat, dann DU.

Ich wünsche dir alles Glück der Welt.

Liebe Grüße
Viktoria
 
Hey ihr Lieben!
Also erstmal vielen Dank für eure Antworten. Gerade Leute wie ihr seid es nämlich die mir Kraft und Mut geben am Leben zu bleiben. Ich weiss nämlich nicht, wie mein Leben nun wäre, wenn ich nicht meine Freunde hätte, die mich immer so lieb unterstützen und für mich da sind. Ich hab sie einfach wahnsinnig gern. Genauso, wie meine jetzige Familie, meine Schwester und meine Eltern (mein leiblicher Vater und meine Steifmutter, bei denen ich nun schon 6 Jahre wohne). Ich hatte lange Zeit kein gutes Verhältnis zu ihnen, weil ich glaube ich war ein wenig verhaltensgestört, als ich frisch hier hergezogen war und sie wussten ja auch nicht, was mir in den ganzen Jahren passiert ist. Das meiste wissen sie bis heute nicht. Aber mittlerweile bin ich glaube ich ein relativ normales liebes Mädchen geworden und das erkennt man auch an dem Verhältnis zu meinen Eltern. Ich verstehe mich nun echt super mit ihnen. Sicherlich gibt es manchmal auch ganz kleine Streitigkeiten und sicher zeigen sie mir auch selten, wie wichtig ich ihnen bin. Aber mittlerweile weiss ich einfach, dass ich ihnen wichtig bin, auch wenn sie es mir nicht immer zeigen. Aber ich weiss es, weil sie nämlich immer für mich da sind, wenn ich sie brauche, weil ich immer mit ihnen reden kann, wenn es mir nicht gut geht, auch wenn sie mich meistens nicht verstehen, (aber das kann ich auch nicht verlangen, weil sie wirklich nicht viel über mich wissen) aber sie versuchen es wenigstens und sind auch meist recht geduldig und können mir gut zuhören. Ich bin wirklich froh, dass sich mein Leben mittlerweile so zum positiven verändert hat. Man kann sagen, ich bin schon ein recht glücklicher Mensch, obwohl es auch oft Tage gibt, wo ich sehr schlecht drauf bin, wo ich deprimiert und weinend auf dem Sofa liege, aber dann eigentlich immer recht grundlos. Ich weiss nicht woran es liegt, aber es kommt manchmal von einer Sekunde auf die nächste, dass es mir schlecht geht, dass ich keinen klaren Gedanken mehr fassen kann und ich traurig bin und mich dann letztendlich meist auch noch selbst verletze. Mittlerweie ist es schon recht heftog geworden und ich hätte auch schon öfters genäht werden müssen und genau das ist auch der Grund, weswegen ich mich zu einer Therapie entschlossen habe. Und solange ich all meine Freunde habe, die mich immer unterstützen, kann es doch nur noch bergauf gehen, oder?
 
Richtig Bummix!

Du bist nicht nur ein normales und liebes, sondern auch ein ziemlich kluges Mädchen, wenn ich so deine Gedandengänge betrachte, die du hier reinschreibst...
Du schaffst das alles, ganz sicher!!
Darf ich mal so neugierig sein und fragen, was denn eigentlich aus deiner Schwester geworden ist? Trägt sie auch irgendwelche Folgen von all dem, oder ist sie eher der Typ, der das nicht so sehr zu Herzen genommen hat wie du? Vielleicht ist das ne dumme Frage...

Gruß
Natalie
 
Hallo Natalie,
nein, also Deine Frage ist nicht dumm.. Meine Schwester ist mittlerweile 21, hat ein wirklich sehr gutes Abitur mit dem Schnitt 1,3 gemacht und studiert nun. Sie führt ein ganz normales Leben. Sicher ist ihr Leben auch nicht spurlos an ihr vorbei gegangen, aber sie verkraftet es doch besser als ich. Sagen wir mal so, sie hat heute nicht so mit den Folgen zu kämpfen wie ich...
 

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