Cheshire
Mitglied
Ich leide seit etwa 10 Jahren an Depressionen und Sozialphobie. Bei Stress breche ich zusammen und leide unter Selbstmordgedanken, die oft dazu führen, dass ich mich selbst verletze.
Ich kann nicht arbeiten. Seit etwa 3 Jahren gelte ich als vorübergehend erwerbsunfähig. Therapeuten und Gutachter haben dies in mehreren 6-Monats-Intervallen bestätigt.
Vor etwa 8 Monaten schickte man mich zum Sozialamt, um die Dauerhaftigkeit meiner Erwerbsunfähigkeit prüfen zu lassen. Zur selben Zeit beendete ich eine Therapie (eine Mischung aus Verhaltens- und Traumatherapie), da sie mir all meine Kraft kostete.
Unterdessen erteilte ich dem Sozialamt die Schweigepflichtsentbindungen (die plötzlich verschwunden sind) unter Angabe eines Psychotherapeuten und Neurologen, der mir einige Monate zuvor Antidepressiva verschrieb (die ich wegen Unverträglichkeit wieder absetzte).
Man kann sich denken, dass ich zu dieser Zeit labil war.
Nun verlangte der Mitarbeiter des Sozialamts, dass ich mich bei der Rentenversicherung begutachten lasse. Ich erklärte, dass ich mich momentan nicht dazu in der Lage fühlte und einen Schaden meiner (psychischen) Gesundheit befürchtete. Ich bat um ein Gutachten per Aktenlage, das aber nicht möglich gewesen sein solle, da Schweigepflichtsentbindungen und Unterlagen gefehlt hätten. Dies kann ich nicht bestätigen.
Dass ich mich zu der Zeit nicht mehr in Therapie befand, nutzte man aus, da mir nun kein Therapeut bestätigen konnte, dass ich zu einer Begutachtung nicht in der Lage war. Dass mir ein solches Gutachten keinen Schaden zufügen würde, konnte aber auch niemand behaupten. (Soll ich mich den Rest meines Lebens in Therapien befinden, die mich belasten, weil ich meinen Gesundheitszustand alle paar Monate neu überprüfen lassen muss?)
Während dieser 8 Monate, die ich beim Sozialamt gemeldet war, habe ich im Durchschnitt jeden Monat einen Brief verfasst (mit der Hilfe meines Partners). In dieser Zeit wurde mir immer wieder damit gedroht, mich mittellos zu machen.
Nun stellt man die Hilfe zum Lebensunterhalt ein. Ich habe (vor einigen Wochen) bereits einen Antrag auf ALG II gestellt, der wohl wieder im Müll gelandet ist, wie der Erstantrag zuvor, vor etwa 3 Jahren.
Ohne die Hilfe meines Partners hätte ich mich längst umgebracht. Wie soll ein Mensch, der unter solch starken Depressionen leidet, dass er sich bei dem geringsten Stress umbringen will, die ständige Sorge um seine Existenz ertragen können?
Wieviele Menschen haben sich bereits umgebracht, weil sie von den Behörden im Stich gelassen wurden? Wieviele Sachbearbeiter haben Menschenleben auf dem Gewissen? Und haben sie deshalb überhaupt ein schlechtes Gewissen?
Ein Erwerbsunfähiger bekommt 382 €/Monat - dasselbe wie ein Hartz IV-Empfänger. Ein Hartz IV-Empfänger, sofern gesund bzw. nicht unter Depressionen und Ängsten leidend, hat folgende Möglichkeiten:
1. Er kann Verwandte, Bekannte, Freunde um Geld bitten
2. Er kann schwarz arbeiten, um das Hartz IV aufzubessern
3. Er kann sich bewerben und Arbeit finden; einer geregelten Arbeit nachgehen, wenn er mit Hartz IV nicht über die Runden kommt
Ein Kranker bzw. Behinderter kann dies nicht. Er muss mit 382 € leben, die für Hartz IV-Empfänger nur als Übergangslösung gedacht sind. Er kann sich nicht aus dieser Armut befreien.
Ich habe gelernt, mit diesem Geld auszukommen. Ich verzichte ohnehin auf vieles, was mir meine Sozialphobie nicht erlaubt.
Kranke bzw. Behinderte (sowohl psychisch wie auch physisch) haben in aller Regel kein soziales Netzwerk, nehmen seltener - wenn überhaupt - an sozialen Aktivitäten teil (Kino- oder Theaterbesuche, Restaurants, Discotheken, Kneipen, Feste etc.) Dort spart man dann natürlich Geld, das allein schon für den Alkohol ausgegeben werden würde.
Sie haben in aller Regel kaum bis keine Unterstützung durch Bekannte oder Verwandte/Familie. Zum Beispiel haben sie oftmals keinen Kontakt mehr mit der Familie, weil sie von ihnen misshandelt wurden.
Ich habe es bereits schwer. Ich versuche, mit meinen Einschränkungen zu leben, werde aber zusätzlich noch durch die Schikane der Behörden unter Druck gesetzt und belastet. Wie soll sich mein Gesundheitszustand dadurch bessern?
Kranke bzw. Behinderte sind eine Minderheit - sie haben keine Lobby, die sich für sie einsetzt. Wen interessiert es schon, wenn sie an diesem System krepieren?
Mit diesem Text will ich die Aufmerksamkeit auf die Menschen lenken, die von diesem System im Stich gelassen und von unserer Gesellschaft übersehen und vergessen werden.
Danke fürs Lesen.
Ich kann nicht arbeiten. Seit etwa 3 Jahren gelte ich als vorübergehend erwerbsunfähig. Therapeuten und Gutachter haben dies in mehreren 6-Monats-Intervallen bestätigt.
Vor etwa 8 Monaten schickte man mich zum Sozialamt, um die Dauerhaftigkeit meiner Erwerbsunfähigkeit prüfen zu lassen. Zur selben Zeit beendete ich eine Therapie (eine Mischung aus Verhaltens- und Traumatherapie), da sie mir all meine Kraft kostete.
Unterdessen erteilte ich dem Sozialamt die Schweigepflichtsentbindungen (die plötzlich verschwunden sind) unter Angabe eines Psychotherapeuten und Neurologen, der mir einige Monate zuvor Antidepressiva verschrieb (die ich wegen Unverträglichkeit wieder absetzte).
Man kann sich denken, dass ich zu dieser Zeit labil war.
Nun verlangte der Mitarbeiter des Sozialamts, dass ich mich bei der Rentenversicherung begutachten lasse. Ich erklärte, dass ich mich momentan nicht dazu in der Lage fühlte und einen Schaden meiner (psychischen) Gesundheit befürchtete. Ich bat um ein Gutachten per Aktenlage, das aber nicht möglich gewesen sein solle, da Schweigepflichtsentbindungen und Unterlagen gefehlt hätten. Dies kann ich nicht bestätigen.
Dass ich mich zu der Zeit nicht mehr in Therapie befand, nutzte man aus, da mir nun kein Therapeut bestätigen konnte, dass ich zu einer Begutachtung nicht in der Lage war. Dass mir ein solches Gutachten keinen Schaden zufügen würde, konnte aber auch niemand behaupten. (Soll ich mich den Rest meines Lebens in Therapien befinden, die mich belasten, weil ich meinen Gesundheitszustand alle paar Monate neu überprüfen lassen muss?)
Während dieser 8 Monate, die ich beim Sozialamt gemeldet war, habe ich im Durchschnitt jeden Monat einen Brief verfasst (mit der Hilfe meines Partners). In dieser Zeit wurde mir immer wieder damit gedroht, mich mittellos zu machen.
Nun stellt man die Hilfe zum Lebensunterhalt ein. Ich habe (vor einigen Wochen) bereits einen Antrag auf ALG II gestellt, der wohl wieder im Müll gelandet ist, wie der Erstantrag zuvor, vor etwa 3 Jahren.
Ohne die Hilfe meines Partners hätte ich mich längst umgebracht. Wie soll ein Mensch, der unter solch starken Depressionen leidet, dass er sich bei dem geringsten Stress umbringen will, die ständige Sorge um seine Existenz ertragen können?
Wieviele Menschen haben sich bereits umgebracht, weil sie von den Behörden im Stich gelassen wurden? Wieviele Sachbearbeiter haben Menschenleben auf dem Gewissen? Und haben sie deshalb überhaupt ein schlechtes Gewissen?
Ein Erwerbsunfähiger bekommt 382 €/Monat - dasselbe wie ein Hartz IV-Empfänger. Ein Hartz IV-Empfänger, sofern gesund bzw. nicht unter Depressionen und Ängsten leidend, hat folgende Möglichkeiten:
1. Er kann Verwandte, Bekannte, Freunde um Geld bitten
2. Er kann schwarz arbeiten, um das Hartz IV aufzubessern
3. Er kann sich bewerben und Arbeit finden; einer geregelten Arbeit nachgehen, wenn er mit Hartz IV nicht über die Runden kommt
Ein Kranker bzw. Behinderter kann dies nicht. Er muss mit 382 € leben, die für Hartz IV-Empfänger nur als Übergangslösung gedacht sind. Er kann sich nicht aus dieser Armut befreien.
Ich habe gelernt, mit diesem Geld auszukommen. Ich verzichte ohnehin auf vieles, was mir meine Sozialphobie nicht erlaubt.
Kranke bzw. Behinderte (sowohl psychisch wie auch physisch) haben in aller Regel kein soziales Netzwerk, nehmen seltener - wenn überhaupt - an sozialen Aktivitäten teil (Kino- oder Theaterbesuche, Restaurants, Discotheken, Kneipen, Feste etc.) Dort spart man dann natürlich Geld, das allein schon für den Alkohol ausgegeben werden würde.
Sie haben in aller Regel kaum bis keine Unterstützung durch Bekannte oder Verwandte/Familie. Zum Beispiel haben sie oftmals keinen Kontakt mehr mit der Familie, weil sie von ihnen misshandelt wurden.
Ich habe es bereits schwer. Ich versuche, mit meinen Einschränkungen zu leben, werde aber zusätzlich noch durch die Schikane der Behörden unter Druck gesetzt und belastet. Wie soll sich mein Gesundheitszustand dadurch bessern?
Kranke bzw. Behinderte sind eine Minderheit - sie haben keine Lobby, die sich für sie einsetzt. Wen interessiert es schon, wenn sie an diesem System krepieren?
Mit diesem Text will ich die Aufmerksamkeit auf die Menschen lenken, die von diesem System im Stich gelassen und von unserer Gesellschaft übersehen und vergessen werden.
Danke fürs Lesen.