Liebe Rohse,
erstmal danke für Deine lieben Worte. Es ist schon komisch, da kennt man sich nicht, aber ich spüre eine Wärme, die da rüberkommt.
Ich weiß ehrlich gesagt nicht, ob ich in Deiner Situation Verständnis dafür hätte, wenn mein Partner schwul oder bisexuell wäre.
Sicher war es damals eine schwere Zeit für Menschen mit einer anderen sexuellen Orientierung. Viele Schwule und Lesben waren ja geradezu gezwungen sich "zwangszuverheiraten", um nicht "aufzufliegen". Aber als Partner/Partnerin eines solchen Menschen ist man ja auch angemeiert.
Aus heutiger Sicht (aber es sind heute ja auch andere Zeiten) würde ich es verurteilen, wenn jemand es nicht schafft, sich zu outen und stattdessen den Partner und sich in's Unglück stürzt. Wobei mir jetzt wieder Menschen aus anderen Kulturen einfallen,...
Puuh, das ist ein sehr ambivalentes Thema; und ich weiß auch nicht, wie ich mich damals verhalten hätte. Aber Du hattest ja auch viele Jahre Zeit, Dich damit auseinanderzusetzen und es ist schön, dass Du so warmherzig und tolerant bist.
Aber letztlich weißt Du/wissen wir ja gar nicht, ob es so ist, wie Du/wir uns das hier denken.
Seine damalige Gefühlswallung in Bezug auf das Kind spricht eher dafür (und ja auch noch ein paar andere Dinge, die Du beschrieben hast), aber....?
Was ich sagen möchte, ist, dass Du unter Umständen damit rechnen musst, dass Du es nie erfahren wirst, wenn er, und jetzt kommt unser Lieblingssatz🙂, nicht handelt, redet oder in Therapie geht.
Und das ist ja einer der Hauptkränkungspunkte.
Und da überlege ich gerade, wie ich Dir helfen kann.
Ich habe in einem anderen Thread mal geschrieben, dass ich zu 100 % wüsste, woher meine Ängste kamen.
Im Nachhinein habe ich gedacht: "Stimmt das überhaupt?". Viele Dinge in meinem Leben bleiben ein Mysterium. Ich habe ganz viele Dinge erlebt, aus denen ich mich lösen musste, weil sie mir schwer geschadet haben. Zu Aussprachen kam es nicht, oder durfte es sogar nicht kommen. Das hat mich schwer belastet. Vor allen Dingen, weil mir "Ungläubige" dann auch noch Spekulation vorgeworfen haben.
Im Laufe der Zeit habe ich aber auch gemerkt, dass ich ja derjenige bin, der sich über 1000 Stunden lang Gedanken gemacht hat. Der nicht nur spekuliert, sondern auch analysiert hat. Und dann kamen da Menschen, die mir nach 20 Minuten gesagt haben,...nööö, Du spekulierst ja nur...
Das saß!
Aber heute weiß ich, dass bestimmte Situationen und Bilder, Analyse und schlaflose Nächte auch zu einer Wahrheit führen können. Meine Wahrheit. Und ich glaube daran, lass mich nicht mehr beirren.
Und das hat mir geholfen. Ich glaube da an mich und weiß, dass ich 1 und 1 zusammenzählen kann.
Dass es Dir heute nicht so gut geht, tut mir Leid, aber so viel Kraft braucht auch mal eine Pause!!!!
Für jetzt erstmal alles Liebe!