G
Gelöscht 122020
Gast
Natürlich würde ich mir wünschen dass überall auf der Welt grundsätzliche Rechte geachtet werden und wissenschaftliche Erkenntnisse sich durchsetzen würden. Aber das gelingt ja noch nicht einmal Europa, siehe Thema Ideologie von Andreas hier im Forum.
Auch sollte man bedenken dass es die chinesische Kultur schon sehr viel länger gibt als die europäische und sie bis heute überdauert hat. Das heißt nicht dass ich dort leben möchte oder alles gut finde, aber es ist eine sehr alte Kultur, mit Anpassungen natürlich, die nicht ohne Grund einen sehr langen Zeitraum überdauert hat und bis heute erfolgreich besteht. Da kann man schon Respekt vor haben.
Da du die islamische Kultur ansprichst: Diese ist ja, wie du ja auch geschrieben hast, extrem bildungsfeindlich, was dann zu Folgeproblemen inkl. Armut führt. Entsprechend kann man meiner Ansicht nach auch nur dort ansetzen. Militärisch setzt man da meiner Ansicht nach gar nichts durch und spätestens bei Gewalt würde ich persönlich sowieso die Grenze ziehen was den Export unserer Vorstellungen angeht.
Nun die ,,chinesische Kultur" war ja sehr vielen Wandlungen unterworfen. Was sicherlich stimmt, ist, dass der Kollektivismus stark ausgeprägt zu sein scheint, was mich schon bei näherer Betrachtung der chinesischen Geschichte immer wieder schockierte. Man hatte das Gefühl, dass nicht das Volk einen Staat hatte, sondern der Staat hatte ein Fußvolk und mit welcher Brutalität und welchem Despotismus bereits der erste Kaiser und Reichseiniger regierte, verdeutlich dies auch. Auch bei den großen Mongolenherrschern findet sich ein enormes Ausmaß an Brutalität und Opferzahlen reichen in die Millionenhöhe, was ja für mittelalterliche Zeiten wirklich eine Extreme darstellt, da es wesentlich weniger Menschen gab. Mir geht es hier aber auch gar nicht um irgendein Bashing bestimmter Kulturräume. Ich war sogar sehr von der fernöstlichen Kultur und Philosophie fasziniert. Aber sie hat ihre Schattenseiten und die wurden mir mehrfach in meinem Leben deutlich. Beispielsweise hatte ich eine Gastschwester aus Japan und die hat mir vieles aus ihrer Kultur nähergebracht. Das Schulsystem glich einem Gefängnis. Alles wurde kontrolliert (Kleidung, Make Up, Länge der Röcke) etc. Ja Lehrpersonen sagten den Schülern und Schülerinnen sogar, dass 5 Stunden Schlaf ausreichend seien, was aus Sicht der Schlafmedizin einfach Quatsch ist in dieser Pauschalität. Der Rest des Tages besteht aus Schule, Sport, Lernen und Nachhilfecentern bis fast Mitternacht. Japanische Schüler neigen anders als Europäer und Amerikaner den Grund für Fehlleistungen eher bei sich selber zu sehen und nicht bei Umständen. Selbstlob gibt es gelten. Man merkte irgendwo, dass diese Gesellschaften sehr kollektivistisch geprägt sind in denen der Einzelne sich abmüht und Individualismus nicht unbedingt positiv wahrgenommen wird. Welche Konsequenzen das haben kann zeigt sich dann bei Bereichen wie dem massiven Mobbing gegen Schwächere, hohen Suizidraten, psychischen Nervenzusammenbrüchen und dem kompletten Aufopfern für die Firma (es gibt einen japanischen Begriff, der den Prozess beschreibt, wenn Menschen an Überarbeiterung sterben). Oder es wäre auch im Interesse dieser Gesellschaften, das mal zu überdenken. Aber Japan und Südkorea sind trotz dieser fernöstlichen Züge demokratische Staaten, die beide durch militärische Mittel heute Demokratien sind und die ich auch eher zu unserer westlichen Sphäre zählen würde. Ebenso Taiwan. Aber bei China haben wir nun wirklich ein gefährliches Alternativmodell: einen autoritären Staatskapitalismus mit einem ausgeklügelten Überwachungssystem.
Meiner Ansicht nach erreicht man andere Menschen, ganz generell, am besten dadurch dass man es selbst besser vor macht und zeigt wie eine entsprechende Gesellschaft aussehen kann, sodass die anderen Kulturen, immerhin ist die Welt inzwischen Dank des Internets sehr viel kleiner geworden, sich aufgrund der besseren Lebensverhältnisse daran ein Vorbild nehmen und in diese Richtung umsteuern.
Jede Veränderung muss bei einem selbst anfangen, erst dann kann man von außen unterstützen einen ggf. schweren Weg auch weiter zu gehen. Aber die Richtungsentscheidung, die muss ein Mensch respektive eine Kultur immer selbst treffen.
Wenn das so wäre: Warum sind dann nicht längst alle Staaten demokratisch? Man dachte ja in den 90ern sehr naiv, dass jetzt alle Staaten nach dem Fall der Sowjetunion liberale kapitalistische Demokratien werden. Man dachte Wohlstand, Menschenrechte und Demokratie gehen immer Hand in Hand. Nun gibt es aber stinkreiche Golfstaaten, die richtige High Tech-Metropolen besitzen und trotzdem Autokratien sind, die Todesstrafe anwenden und Minderheiten unterdrücken. Insofern halte ich das ,,mit dem guten Beispiel vorangehen" für etwas zu einfach gedacht. Viele Staaten kopieren dann vielleicht nur den technischen Fortschritt, aber nicht den Sozialen. Und was, wenn sich Staaten zukünftig eher an China ein Vorbild nehmen, anstatt an uns? Dann wird es eng für unser Modell, vor allem, wenn die USA sich noch weiter polarisieren und deren Demokratie auseinanderbricht. Letzteres wäre für Russland und China natürlich ein Idealzustand um eine neue Weltordnung aufzubauen in der autokratische Staaten das Sagen haben.
Heißt man müsste zuerst einmal hier im Land zu den entsprechenden Werten stehen und die eigene Kultur verteidigen. Das macht sie dann z.B. auch erstrebenswerter für Zuwanderer.
Siehe das berühmte Zitat eines Zugewanderten:
D.h. ein Ende der Selbstaufgabe, des Zurückweichens und der selektiven Anwendung von Gesetzen.
Nach außen hin vertrete ich die Ansicht von Insta: Dort sollen die eigenen Interesse Vorrang haben und man sich nicht ungefragt aufdrängen, da man ja selbst auch keine Einmischung möchte.
Etwas anderes ist es natürlich hingegen wenn jemand nach Hilfe fragt.
Wobei ich damit nicht Entwicklungshilfe meine, was ja nichts anderes ist als ein Synonym für:
"Arme Menschen aus reichen Ländern geben Geld an reiche Menschen in armen Ländern."
Ich denke, wenn wir Probleme anderer Länder nicht lösen, dann kommen diese Probleme auch zu uns. Wenn z.B. in einigen arabischen Staaten der Hass auf Israel und Juden schon in der Grundschule unterrichtet wird, dann ist es nur logisch, dass ganze Generationen davon beeinflusst werden und man das dann auch nicht so einfach aus den Menschen rauskriegt. Ebenso die erzkonservativen Werte, die einem möglicherweise die Familie vom Kleinkindalter an eintrichtert. Den großen Widerspruch den ich bei vielen linken Freunden sehe, ist, dass sie zwar alle Menschen, die zu uns flüchten aus humanitären Gründen aufnehmen, aber abgesehen von einer völlig utopischen Weltrevolution oder der Abschaffung des Kapitalismus gar keine Einmischungspolitik machen wollen um die Zustände in den Ländern zu verbessern. Ich hab mich z.B. extrem über Leute geärgert, die sich das ganze Jahr für Feminismus, Homosexuellenrechte, Religionsfreiheit etc. einsetzen und dann den Truppenabzug in Afghanistan fast schon abgefeiert haben. Nicht, weil ich den Einsatz als super empfand oder dort noch Jahre hätte bleiben wollen, sondern, weil der Abzug katastrophal ablief und ich mir die Frage stellte, ob diese progressiven Aktivisten eigentlich nur eine Sekunde einen Gedanken daran verschwenden, was die Rückkehr der Taliban für die in Afghanistan lebenden Frauen, Minderheiten etc. bedeutet? Und die Rechten sind noch schlimmer, weil die propagieren Ethnopluralismus und sympathisieren ja teilweise mit den Wertevorstellungen von Putin oder dem politischen Islam.
Würden wir also mehr zur Säkularisierung und dem Kampf gegen religiösen Extremismus, Diktaturen, Antisemitismus und andere Formen der Unterdrückung global beitragen, würde das letztlich auch Probleme lösen, mit denen wir sowieso konfrontiert werden, denn die Bürgerkriege sowie die Ungleichheit, die Repressionen und die Vergleichbarkeit von Staaten durch das Internet werden weitere Fluchtbewegungen erzeugen. Bei Syrien hat man z.B. lange gezögert und jetzt tobt dort ein Bürgerkrieg. In Libyen wird Vieles vollkommen falsch dargestellt. Wenn man sich mal die Zahlen vor Augen führt, dann hat die NATO in allen Konflikten seit 2011 an denen sie beteiligt war nur einen Bruchteilt der Gesamtanazahl an getöteten Zivilisten verursacht. Im Syrienkonflikt haben Assads Truppen mehr Menschen getötet als der IS, die NATO, die Russen und die verschiedenen Rebellengruppen zusammen. So etwas wird man aber von antiwestlichen Stimmen von Links und Rechts nie zu hören zu bekommen. Natürlich ist jedes Opfer eines zu viel und mir wären friedlicher Lösungen lieber, aber hier im Westen finden wir in Freiheit sozialisierte Intellektuelle und Kommentatoren, die dann über die syrische oder ukrainische Bevölkerung hinweg entscheiden, was für diese Länder das beste ist und im Interesse von Putin und Assad gegen den bösen Westen (der in deren Weltbild immer an allem schuld zu sein scheint) argumentieren. Das ist schon fast Demokratie verachtend, weil hier den Demokratiebewegungen eine eigene Sichtweise und eine Mitspracherecht abgesprochen wird. Das erinnert mich an diese früheren 68er-Linken, die mit Mao-Schildern auf die Straße gingen und die USA mit Nazi-Deutschland verglichen. Heute wissen wir, wie viele Menschen im Rahmen kommunistischer Regime gestorben sind.