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Kulturrelativismus als großes Problem?

  • Starter*in Starter*in Gelöscht 122020
  • Datum Start Datum Start
Natürlich würde ich mir wünschen dass überall auf der Welt grundsätzliche Rechte geachtet werden und wissenschaftliche Erkenntnisse sich durchsetzen würden. Aber das gelingt ja noch nicht einmal Europa, siehe Thema Ideologie von Andreas hier im Forum.
Auch sollte man bedenken dass es die chinesische Kultur schon sehr viel länger gibt als die europäische und sie bis heute überdauert hat. Das heißt nicht dass ich dort leben möchte oder alles gut finde, aber es ist eine sehr alte Kultur, mit Anpassungen natürlich, die nicht ohne Grund einen sehr langen Zeitraum überdauert hat und bis heute erfolgreich besteht. Da kann man schon Respekt vor haben.
Da du die islamische Kultur ansprichst: Diese ist ja, wie du ja auch geschrieben hast, extrem bildungsfeindlich, was dann zu Folgeproblemen inkl. Armut führt. Entsprechend kann man meiner Ansicht nach auch nur dort ansetzen. Militärisch setzt man da meiner Ansicht nach gar nichts durch und spätestens bei Gewalt würde ich persönlich sowieso die Grenze ziehen was den Export unserer Vorstellungen angeht.

Nun die ,,chinesische Kultur" war ja sehr vielen Wandlungen unterworfen. Was sicherlich stimmt, ist, dass der Kollektivismus stark ausgeprägt zu sein scheint, was mich schon bei näherer Betrachtung der chinesischen Geschichte immer wieder schockierte. Man hatte das Gefühl, dass nicht das Volk einen Staat hatte, sondern der Staat hatte ein Fußvolk und mit welcher Brutalität und welchem Despotismus bereits der erste Kaiser und Reichseiniger regierte, verdeutlich dies auch. Auch bei den großen Mongolenherrschern findet sich ein enormes Ausmaß an Brutalität und Opferzahlen reichen in die Millionenhöhe, was ja für mittelalterliche Zeiten wirklich eine Extreme darstellt, da es wesentlich weniger Menschen gab. Mir geht es hier aber auch gar nicht um irgendein Bashing bestimmter Kulturräume. Ich war sogar sehr von der fernöstlichen Kultur und Philosophie fasziniert. Aber sie hat ihre Schattenseiten und die wurden mir mehrfach in meinem Leben deutlich. Beispielsweise hatte ich eine Gastschwester aus Japan und die hat mir vieles aus ihrer Kultur nähergebracht. Das Schulsystem glich einem Gefängnis. Alles wurde kontrolliert (Kleidung, Make Up, Länge der Röcke) etc. Ja Lehrpersonen sagten den Schülern und Schülerinnen sogar, dass 5 Stunden Schlaf ausreichend seien, was aus Sicht der Schlafmedizin einfach Quatsch ist in dieser Pauschalität. Der Rest des Tages besteht aus Schule, Sport, Lernen und Nachhilfecentern bis fast Mitternacht. Japanische Schüler neigen anders als Europäer und Amerikaner den Grund für Fehlleistungen eher bei sich selber zu sehen und nicht bei Umständen. Selbstlob gibt es gelten. Man merkte irgendwo, dass diese Gesellschaften sehr kollektivistisch geprägt sind in denen der Einzelne sich abmüht und Individualismus nicht unbedingt positiv wahrgenommen wird. Welche Konsequenzen das haben kann zeigt sich dann bei Bereichen wie dem massiven Mobbing gegen Schwächere, hohen Suizidraten, psychischen Nervenzusammenbrüchen und dem kompletten Aufopfern für die Firma (es gibt einen japanischen Begriff, der den Prozess beschreibt, wenn Menschen an Überarbeiterung sterben). Oder es wäre auch im Interesse dieser Gesellschaften, das mal zu überdenken. Aber Japan und Südkorea sind trotz dieser fernöstlichen Züge demokratische Staaten, die beide durch militärische Mittel heute Demokratien sind und die ich auch eher zu unserer westlichen Sphäre zählen würde. Ebenso Taiwan. Aber bei China haben wir nun wirklich ein gefährliches Alternativmodell: einen autoritären Staatskapitalismus mit einem ausgeklügelten Überwachungssystem.

Meiner Ansicht nach erreicht man andere Menschen, ganz generell, am besten dadurch dass man es selbst besser vor macht und zeigt wie eine entsprechende Gesellschaft aussehen kann, sodass die anderen Kulturen, immerhin ist die Welt inzwischen Dank des Internets sehr viel kleiner geworden, sich aufgrund der besseren Lebensverhältnisse daran ein Vorbild nehmen und in diese Richtung umsteuern.
Jede Veränderung muss bei einem selbst anfangen, erst dann kann man von außen unterstützen einen ggf. schweren Weg auch weiter zu gehen. Aber die Richtungsentscheidung, die muss ein Mensch respektive eine Kultur immer selbst treffen.

Wenn das so wäre: Warum sind dann nicht längst alle Staaten demokratisch? Man dachte ja in den 90ern sehr naiv, dass jetzt alle Staaten nach dem Fall der Sowjetunion liberale kapitalistische Demokratien werden. Man dachte Wohlstand, Menschenrechte und Demokratie gehen immer Hand in Hand. Nun gibt es aber stinkreiche Golfstaaten, die richtige High Tech-Metropolen besitzen und trotzdem Autokratien sind, die Todesstrafe anwenden und Minderheiten unterdrücken. Insofern halte ich das ,,mit dem guten Beispiel vorangehen" für etwas zu einfach gedacht. Viele Staaten kopieren dann vielleicht nur den technischen Fortschritt, aber nicht den Sozialen. Und was, wenn sich Staaten zukünftig eher an China ein Vorbild nehmen, anstatt an uns? Dann wird es eng für unser Modell, vor allem, wenn die USA sich noch weiter polarisieren und deren Demokratie auseinanderbricht. Letzteres wäre für Russland und China natürlich ein Idealzustand um eine neue Weltordnung aufzubauen in der autokratische Staaten das Sagen haben.

Heißt man müsste zuerst einmal hier im Land zu den entsprechenden Werten stehen und die eigene Kultur verteidigen. Das macht sie dann z.B. auch erstrebenswerter für Zuwanderer.
Siehe das berühmte Zitat eines Zugewanderten:

D.h. ein Ende der Selbstaufgabe, des Zurückweichens und der selektiven Anwendung von Gesetzen.

Nach außen hin vertrete ich die Ansicht von Insta: Dort sollen die eigenen Interesse Vorrang haben und man sich nicht ungefragt aufdrängen, da man ja selbst auch keine Einmischung möchte.
Etwas anderes ist es natürlich hingegen wenn jemand nach Hilfe fragt.
Wobei ich damit nicht Entwicklungshilfe meine, was ja nichts anderes ist als ein Synonym für:
"Arme Menschen aus reichen Ländern geben Geld an reiche Menschen in armen Ländern."

Ich denke, wenn wir Probleme anderer Länder nicht lösen, dann kommen diese Probleme auch zu uns. Wenn z.B. in einigen arabischen Staaten der Hass auf Israel und Juden schon in der Grundschule unterrichtet wird, dann ist es nur logisch, dass ganze Generationen davon beeinflusst werden und man das dann auch nicht so einfach aus den Menschen rauskriegt. Ebenso die erzkonservativen Werte, die einem möglicherweise die Familie vom Kleinkindalter an eintrichtert. Den großen Widerspruch den ich bei vielen linken Freunden sehe, ist, dass sie zwar alle Menschen, die zu uns flüchten aus humanitären Gründen aufnehmen, aber abgesehen von einer völlig utopischen Weltrevolution oder der Abschaffung des Kapitalismus gar keine Einmischungspolitik machen wollen um die Zustände in den Ländern zu verbessern. Ich hab mich z.B. extrem über Leute geärgert, die sich das ganze Jahr für Feminismus, Homosexuellenrechte, Religionsfreiheit etc. einsetzen und dann den Truppenabzug in Afghanistan fast schon abgefeiert haben. Nicht, weil ich den Einsatz als super empfand oder dort noch Jahre hätte bleiben wollen, sondern, weil der Abzug katastrophal ablief und ich mir die Frage stellte, ob diese progressiven Aktivisten eigentlich nur eine Sekunde einen Gedanken daran verschwenden, was die Rückkehr der Taliban für die in Afghanistan lebenden Frauen, Minderheiten etc. bedeutet? Und die Rechten sind noch schlimmer, weil die propagieren Ethnopluralismus und sympathisieren ja teilweise mit den Wertevorstellungen von Putin oder dem politischen Islam.

Würden wir also mehr zur Säkularisierung und dem Kampf gegen religiösen Extremismus, Diktaturen, Antisemitismus und andere Formen der Unterdrückung global beitragen, würde das letztlich auch Probleme lösen, mit denen wir sowieso konfrontiert werden, denn die Bürgerkriege sowie die Ungleichheit, die Repressionen und die Vergleichbarkeit von Staaten durch das Internet werden weitere Fluchtbewegungen erzeugen. Bei Syrien hat man z.B. lange gezögert und jetzt tobt dort ein Bürgerkrieg. In Libyen wird Vieles vollkommen falsch dargestellt. Wenn man sich mal die Zahlen vor Augen führt, dann hat die NATO in allen Konflikten seit 2011 an denen sie beteiligt war nur einen Bruchteilt der Gesamtanazahl an getöteten Zivilisten verursacht. Im Syrienkonflikt haben Assads Truppen mehr Menschen getötet als der IS, die NATO, die Russen und die verschiedenen Rebellengruppen zusammen. So etwas wird man aber von antiwestlichen Stimmen von Links und Rechts nie zu hören zu bekommen. Natürlich ist jedes Opfer eines zu viel und mir wären friedlicher Lösungen lieber, aber hier im Westen finden wir in Freiheit sozialisierte Intellektuelle und Kommentatoren, die dann über die syrische oder ukrainische Bevölkerung hinweg entscheiden, was für diese Länder das beste ist und im Interesse von Putin und Assad gegen den bösen Westen (der in deren Weltbild immer an allem schuld zu sein scheint) argumentieren. Das ist schon fast Demokratie verachtend, weil hier den Demokratiebewegungen eine eigene Sichtweise und eine Mitspracherecht abgesprochen wird. Das erinnert mich an diese früheren 68er-Linken, die mit Mao-Schildern auf die Straße gingen und die USA mit Nazi-Deutschland verglichen. Heute wissen wir, wie viele Menschen im Rahmen kommunistischer Regime gestorben sind.
 
Den Kulturbegriff fasse ich zudem weiter. Ich denke da an Musik, Literatur, Theaterstücke, Märchen (lest euren Kindern vor!) usw., welche oft ideelle Werte weiter tragen (sollen), oft über viele Generationen hinweg. Inzwischen würde ich auch die Film- und Spielekultur da mit rein zählen.
Deswegen stehe ich auch dem Umschreiben von alter Literatur und insbesondere Kinderbüchern, wie sie seit einigen Jahren betrieben wird, so wi jeglicher Zensur, so kritisch gegenüber.
Dies sind Möglichkeiten um eigene Vorstellungen in die Welt zu tragen. Klar versucht China dagegen zu zensieren und einzuschränken, aber auf Dauer wird das nicht gelingen. Der chinesische Lockdown brach, als die Bevölkerung bei der Fußballübertragung sah wie in anderen Ländern die Menschen in vollen Stadien ihre Mannschaften angefeuert haben. Es ist immer der Blick über den Zaun, welcher den Sozialismus entlarvt, sobald die Menschen sehen dass es auch besser geht. Siehe auch Schweden.
Deswegen ist die angestrebte Zentralisierung der EU bzw. der Welt auch ein so großes Problem, denn es ist der Versuch zu verhindern dass man zeigt bzw. sehen kann wie es besser geht.

Zu den Prognosen für China will ich mal hoffen, dass du Recht haben wirst. Bei der Zentralisierung der EU wäre ich eher skeptisch. Ich sehe diese nationalistische Gegendenke von Linken und Rechten (Wagenknecht und AfD) viel skeptischer. Was will denn z.B. mein Land Österreich alleine in der globalisierten Welt gegen Russland und China ausrichten. Nicht nur, dass unsere eigene Rechtsaußenpartei mit Russland sympathisiert und am liebsten unser Land an Oligarchen verkauft hätte und eine ,,Orbanisierung" wünscht, sondern auch, dass wir überhaupt kein zur Verteidigung fähiges Heer haben und aufgrund unserer Neutralität nicht in der NATO sind. Und dann wollen Linke und Rechte in Europa zurück in eine Kleinstaaterei und eine Abkehr von der Zusammenarbeit mit den USA, die der einzige Grund waren, dass die Ausbreitung des Kommunismus eingedämmt wurde? Meiner Meinung nach haben Teile der Europäer in den letzten 70 Jahren einfach vergessen, wie die Welt die da draußen aussieht und was es bedeutet in Diktaturen zu leben oder von Krieg bedroht zu werden. Ich meine dieselben Leute, die jetzt Putin toll finden bezeichneten eine Maskenpflicht als totalitäre Unterdrückung. Das zeigt mir, dass wir es hier eigentlich mit total irrationalen Hyperindividualisten zu tun haben, die die Freiheit inzwischen so sehr gewöhnt sind, dass komplett ahistorische Vergleiche ziehen und im nächsten Satz echte Regime bewundern. Ich bin nicht gegen die komplette Abschaffung des Nationalstaats, weil das auch gar nicht geht. Aber jetzt wäre gerade der ungünstigste Zeitpunkt um die EU und die Beziehungen zu den USA zu schwächen, weil sich das viele Gegner unsere Lebensweise nur wünschen könnten.


Zu dem besonders heiklen Teil: Hexenverfolgung, Todesstrafe und Völkermord, die du angesprochen hast. Das ist alles furchtbar und sollte es nicht geben, keine Frage. Doch wie erreicht man das?
Bei Verfolgung und Todesstrafe halte ich eine militärische Einmischung nach wie vor für falsch. Mir gefällt da das deutsche Asylrecht gut, welches Schutz vor Verfolgung bietet. So wäre ich z.B. dafür gewesen Edward Snowden Schutz zu gewähren, sowie auch einigen anderen Verfolgten, die dann glücklicherweise in Rußland Schutz gefunden haben.
Ansonsten sind beides Arten wie andere Kulturen ihre Konflikte regeln. So wie eben bei uns die soziale und wirschaftliche Vernichtung bei "falscher" Meinung, welche ich für ebenso barbarisch und falsch halte.
Hier bleibe ich dabei dass eine Veränderung auch nur von diesen Menschen ausgehen kann. Von außen kann nur der Anreiz kommen, sowie die konsequente strafrechtliche Verfolgung, falls sowas in unserem Land passiert. Gleiches bei den von dir angesprochenen anderen Eigenheiten, wie Vergewaltigungen, dem Taharrush zu Silvester 2015, Ehrenmorde etc.
Wird jedoch eine kulturelle Gemeinschaft, ein Volk o.ä. von einem anderen bedroht, sprich der Hilfe-Fall tritt ein, ist das für mich eine andere Kategorie. Dann ist es eine globale Sache und es stellt sich die Frage ob eine Staatengemeinschaft fähig und Willens ist dort einzugreifen. Hier muss aus meiner Sicht abgewogen werden, Krieg ist furchtbar grausam und insbesondere ein Atomkrieg muss unbedingt vermieden werden.

Du denkst aber hoffentlich nicht, dass jemand wie Putin Snowden nur aus Güte aufgenommen hat. Putin hat einen ziemlich brutalen Tschetschenienkrieg geführt und war beim Geheimdienst. Der Mann ist ganz gewiss kein Heiliger, jetzt mit diesem Krieg sowieso nicht mehr.

Auch der Fall Ukraine hat eine Vorgeschichte und die USA, bzw. eigentlich vor allem Biden, haben stark beigetragen dass es so gekommen ist. Aber auch dass die Grünen im Bundestag verhindert haben dass Waffen zur Abschreckung vor dem Ausbruch dort hin geliefert werden, oder das was in Donbass passiert ist, hatten daran ihren Anteil.
Was ich damit sagen will ist dass hier zu schwarz/weiß gemalt wird, wenn man euphemistisch Waffenlieferungen und andere Eingriffe in diesen Krieg als Verteidigung von Werten umdeklariert. Es ist, aus meiner Sicht, dazu gekommen gerade weil den Akteuren auf westlicher Seite die jetzt viel beschworenen Werte vorher völlig egal waren. Die holt man erst jetzt heraus und klebt die auf die Verpackung, wenn es darum geht Zustimmung von der Bevölkerung zu bekommen.

Doppelmoral ist sowieso ein wesentlich Punkt für mich an dieser Stelle: Wir sehen Wehrdienstverweigerer, welche im Kriegsfall nicht selbst an die Front müssten, über keinerlei militärische Erfahrung verfügen und von den negativen wirtschaftlichen Folgen nicht (oder sogar positiv) betroffen wären, die dann aber ein militärisches Eingreifen fordern. Auch hier plädiere ich für das Verursacherprinzip. D.h. das betroffene Volk müsste entscheiden ob dies ihrer Meinung nach ihr eigenes Leben und/oder das ihrer Kinder wert ist. Die Menschen scheinen vergessen zu haben wie unfassbar grausam Menschen im Krieg sterben. Zudem ist die Wahrheit immer das erste Opfer, siehe meine Signatur.

Nun für bestimmte Kreise stellt sich stets nur die Frage, was die USA damit zu tun haben. Keiner dieser typischen antiamerikanischen Stimmen hat sich je viel damit befasst, was Putin in Tschetschenien getan hatte. Bushs Antiterrorkrieg wurde stark verrissen. Aber Putin hatte vor Bush einen Kampf gegen den Terror ausgerufen, darüber redet heute fast kein Mensch mehr. Beim Afghanistankonflikt reden die Leute über den Einsatz seit 2003. Man kann das Ganze aber auch aus dem Blickwinkel betrachten. dass dieser Konflikt seit 40 Jahren nämlich seit Einmarsch der Russen bzw. der damaligen Sowjetunion andauerte, die dort ein kommunistisches Regime unterstützte.

Ich stimme dir zu, dass bei der Ukraine viel zu später gehandelt wurde. Aber prinzipiell kann hier nicht dem Westen die Hauptverantwortung gegeben werden. Die Ukraine war es auch, die unter dem Holodomor unter Stalin und unter dem Holocaust in sehr hohem Maße litt. Gerade deutsche und russische Stimmen sollten sich eigentlich vollkommen zurückhalten bezüglich dessen, was gut für dieses Land ist. Deswegen haben mich Schwarzer und Wagenknecht auch so aufgeregt. Dein Argument mit keiner militärischen Erfahrung finde ich etwas schwach. Muss ich die haben um froh über den militärischen Kampf gegen den Faschismus zu haben? Muss ein Südkoreaner die haben um froh zu sein, dass die Diktatur des Nordens sein Land nicht eingliedern konnte im Koreakrieg und das nur durch militärische Gegengewalt erreicht wurde?
 
Politisch Rechts und Links orientierte Menschen sind nicht nur 2 Einzelpersonen. Entsprechend ist mir die Ausführung "jemand von der Gruppe hat gesagt er findet XY gut und jemand anderes aus dieser Gruppe hat gesagt er findet YZ bei uns schlecht, das passt nicht zusammen, Leute mit dieser Orientierung sind irrational" zu undifferenziert.
Auch machst du einige Unterstellungen bzw. triffst Annahmen, die mir zu undifferenziert oder schlicht uninformiert sind. Schon alleine wen du welchem Spektrum zuordnest finde ich seltsam. Kein Wunder dass dir bei derart willkürlich gezogenen Linien die Positionen dann inkonsistent erscheinen.
Das ist übrigens eine Form der Selbstbestätigung. Das menschliche Gehirn ist ziemlich gut darin sich selbst gut darzustellen und dem vermeintlichen Wirrwar gegenüber erscheinen die eigenen Gedanken dann wohl überlegt und begründet zu sein, was einem ein gutes Gefühl gibt.

Aber das alles aufzurollen ist mir jetzt auch zu viel Aufwand, bzw. lohnt sich vermutlich auch einfach nicht. In gewisser Weise betrachte ich diese Spektrumseinordnung ohnehin als von der Zeit überholt. Ich mein, eine "konservative" Partei schafft die Wehrpflicht ab und eine bekennend stark links orientierte Partei möchte Krieg führen und verrät die Interessen der arbeitenden Bevölkerung aufs Schlimmste. Wo soll man da anfangen...
Ich kann dir jedenfalls versprechen dass es dort draußen einige sehr gut reflektierte, entsprechend wenig vom eigenen Ego beeinflusste, informierte und auch konsistente Weltanschauungen gibt. Mehrzahl, da es für unterschiedliche Positionen jeweils auch sehr gute Begründungen gibt.
Meiner Ansicht nach kann schon ein kleiner unbedachter Umstand oder eine neue Information umwerfen was man bisher für wahr und richtig gehalten hat. Entsprechend vorsichtig wäre ich die eigene Doktrin als allgemeingültig verbreiten zu wollen. Selbst wenn es aktuell der beste Stand ist, oder zu sein scheint, den wir haben.
Vielleicht spricht ja morgen der alte Gott der Mongolen zu uns und erklärt uns dass die Welt in einer Woche zuende geht, weil er keine Münzen mehr zum Nachwerfen hat. Das könnte ein paar Fragen aufwerfen und sicher geglaubte Weisheiten infrage stellen.

Dass Probleme anderer Länder zu unseren werden können stimmt. Vor allem dann wenn wir es zulassen, wie z.B. bei einer unkontrollierten Masseneinwanderung, politische und religiöse Einflüsse insbesonderen über Geld (welche du ja korrekt angesprochen hast) oder wenn man bestimmten Personengruppen alles durchgehen lässt, unter dem Deckmantel der Religionsfreiheit. Auch wirtschaftliche Krisen sind globaler geworden als früher, weswegen einseitige Abhängigkeiten (USA, Russland..) sowie die Unfähigkeit sich als Land selbst versorgen zu können (Energie, Lebensmittel...) fatal sind.
Daher: Wehret den Anfängen.
Aus meiner Sicht liegt es aber vor allem an uns selbst, als Nation und Volk, was davon wir zulassen und was nicht. Es gibt eine Wahl. Wobei nicht zu wählen eben auch eine Wahl ist.

Die Fluchtursachen zu bekämpfen, wie du vorschlägst, halte ich ebenfalls für sinnvoll. Steht ja auch seit vielen Jahren im Parteiprogramm der AFD. Als einzige Partei die das möchte und entsprechende Anträge einbringt bzw. Vorschläge macht.
Nur verweise ich da eben auf die Wahl der Mittel und Verhältnismäßigkeit. Die Amerikaner haben ja lange versucht die ganze Welt mit den westlichen Vorstellungen zu beglücken, haben entsprechende Bewegungen materiell, vor allem mit Waffen, gefördert usw. Oder das zumindest als Vorwand genutzt um Unruhen zu erzeugen, von denen sie dann selbst profitieren wollten. Petrodollar und so.
Ich halte Staaten für zu interessengesteuert als dass sie gut dafür geeignet wären.
Die EU selbst, als Ausgeburt von Korruption, erst recht.

Auch hast du mich falsch interpretiert: Gegen die EU zu sein heißt gerade nicht gegen Europa oder gegen europäische Zusammenarbeit zu sein, oder die Beziehungen zu der USA (oder Russland) abbrechen zu wollten. Ganz im Gegenteil. Ich hätte mir stattdessen eine Vermittlerrolle gewünscht.
Als Gegenpol der Zentralisierung und damit fortschreitendem Kollektivismus sehe ich das Subsidaritätsprinzip und damit Individualisierung.
Dafür dass du einige negative Entwicklungen, meiner Ansicht nach irrtümlich, einer fortgeschrittenen Individualisierung zuschreibst kann ich nichts. Aber da das in den abhängigen Medien bzw. der veröffentlichten Meinung auch so dargestellt wird als ob, genau wie bei mehr als 50% Staatsquote immer noch so getan wird als hätten wir Marktwirtschaft und Kapitalismus und dieser sei an quasi allen negativen Entwicklungen schuld, ist dagegen zu argumentieren vermutlich ein Kampf gegen Windmühlen.

Thema Vorbild:
Wenn das so wäre: Warum sind dann nicht längst alle Staaten demokratisch?

Das ist ein Zirkelschluss, weil du davon ausgehst dass demokratisch zu sein die beste Form ist und uns folglich alle folgen müssten. Da sie das nicht tun folgerst du dann meine Theore könnte nicht stimmen.
Wenn diese das nicht tun, dann meiner Ansicht nach, weil wir sie nicht durch unser Vorbild überzeugen konnten. Das westliche Vorbild wird in weiten Teilen der Welt als dekadent und schwach, unfähig die eigene Kultur zu bewahren, wahrgenommen. Oder wie ein (ich meine 8-fach) verurteilter und immer wieder frei gelassener islamischer Vergewalter in Deutschland zu sagen pflegte: "Ihr könnt ja nicht mal eure eigenen Frauen beschützen".
In NRW gibt es inzwischen im Schnitt 13 Messerangriffe pro Tag:
Das war nicht immer so.

Auch so mancher Chinese hat schon kund getan froh zu sein nicht in (so einer) Demokratie leben zu müssen. Dabei wird gerne auf darauf verwiesen dass eine kollektivistische Kultur doch viel besser die Allgemeinheit im Blick habe, also das was gut für alle sei, viel schnellere Entscheidungsprozesse hat usw.
So wird ja auch bei uns argumentiert.
Dass der Entscheidungsprozess selbst das Ziel ist, also aufgrund des Wettkampfs der besseren Ideen auch das bessere Ergebnis am Ende heraus kommt, was nun einmal Zeit in Anspruch nimmt, muss erst einmal vermittelt werden. Und, wie wir an den kollektivistischen Bewegungen der letzten Jahre sehen, immer wieder aufs Neue verteidigt werden.
Was stimmt ist dass wenn man die beste Lösung/Idee bereits hätte, man diese auch direkt umsetzen könnte. Aber Demokratie ist eben die Demut einzusehen dass man diese nicht hat.
Kollektivismus und Zwang gegenüber dem Einzelnen, zum vermeintlichen Wohl der Allgemeinheit (Rettung der Welt, Schutz der Bevölkerung, Moral, Werte etc.), hat aber das Problem dass das ja irgendjemand entscheiden muss. Und in der Regel ist das dann eine eigene Kaste, die sich dann mit der Zeit und mangels Korrektiv immer weiter von der Bevölkerung und damit Realität entfernt. Also Entscheidungen trifft die vor allem dazu dienen damit sie selbst gut darstehen, nicht damit es den Menschen gut geht.
Siehe auch das große Problem der politischen Korrektheit, welche es erlaubt Menschen mit mehr Sachverstand als man selbst zur Verfügung hat durch vermeintlich höhere Moral von ihren Posten zu vertreiben und zu ersetzen. Siehe meine Signatur zum Thema Moral.

Ich sehe hier also noch einiges an Nachholbedarf und Verbesserungswürdigem, auch generell was Demokratie in Deutschland angeht (Gewaltenteilung, direkte Demokratie, Parteilisten...), bevor wir ein gutes Vorbild abgeben.
Neben Freiheit wird man die Menschen aber, meiner Ansicht nach, noch viel besser durch Wohlstand überzeugen können.

Aus meiner Sicht hat das 2 Gründe.
Grund eins:
Zum einen beobachte ich dass nicht alle Menschen mit Freiheit umgehen können, denn diese bedeutet Verantwortung. Ich mache das an der Tendenz fest dass auch bei uns immer mehr den Versprechen der Sozialisten Glauben schenken der Staat könne sie vor allem Risiken und Verantwortlichkeiten des Lebens unterstützen, er müsse nur mehr und immer mehr Macht bekommen.
Aber auch bei Religionen, welche meiner Ansicht nach die Realität in unzulässigerweise vereinfachen. Und schon scheinen die Antworten selbst auf die großen Fragen des Lebens ganz einfach, man hat ja wesentliche Aspekte ausgeblendet. Religionen geben zudem oft ein konkretes Ziel und Struktur vor. Man muss sich lediglich an die Glaubenssätze halten, dann weiß man was richtig und was falsch ist.
Siehe Klimareligion mit ihrem Weltuntergang und demorkatiefreindlichen Absolutheitsanspruch. Macht aus ihrer Sicht Sinn, wenn man schon die Antwort hat, wozu dann noch einen demokratischen Prozess. Es besteht ja nur das Risiko dass das "falsche" dabei heraus kommt.

Zweiter Grund:
Wohlstand hingegeben bedient direkt Bedürfnisse und wird daher mutmaßlich von fast allen Menschen gewünscht. Im Gegensatz zu Belehrungen und westlichen Interventionen.
Und Wohlstand entstehen am besten durch Arbeitsteilung, je feingranularer desto besser. Diese wiederum erfordert Kooperation, auch über Grenzen hinweg. Man sitzt also im selben Boot, andere Menschen sind plötzlich nicht mehr nur Konkurrenten, sondern Handelspartner mit denen man am selben Strang zieht, mit denen man Interessen teilt.
Meiner Ansicht nach ist gerade der geografische Bereich Deutschlands ein gutes Beispiel dafür wie Kulturen dadurch zusammenwachsen können. Gleiches die Annäherung an umliegende Länder wo teilweise sogar die D-Mark direkt als Zahlungsmittel akzeptiert wurde, trotz eigener Währung, weil diese einen stabilen Wechselkurs hatte.
 
Zu viele Zeichen, daher hier weiter mit Teil 2:

Die zunehmenden wirtschaftlichen Konflikte und Finanzkrisen schreibe ich der Abkehr vom Kapitalismus, hin zum Geldsozialismus, zu. Also der ganze Themenbereich von ungedeckter Fiatwährung, welche exponentiell vermehrt wird, Gewinne privatisiert aber Schulden sozialisiert, bis hin zu unsozialer Inflation und damit verbundener Umverteilung von Fleißig nach Reich führt usw.
Nicht nur ein moralischer Verfall, sondern auch geschichtlich immer wieder ein massives Konfliktpotential, welches oft Kriege verursacht hat. Womit ich wieder bei der EU und den Zentralisierungsproblem wäre.
Es hängt eben alles zusammen und ohne an die Ursachen zu gehen braucht man, meiner Ansicht nach, erst gar nicht versuchen an den Sympthomen zu werkeln.
Auch die durch den Geldsozialismus exponentiell wachsenden Schulden (bei einer gedeckten Währung käme lange vorher die Staatspleite um Schlimmeres zu verhindern) mit ihrem Wachstumszwang führen zu Ressourcenkonflikten und damit Spannungen zwischen den Mächten.

Ansonsten noch der Hinweis der Annäherung zwischen Saudi-Arabien und Israel durch den Sohn vom Donald Trump. Für mich ein großer Schritt in die richtige Richtung hin zu mehr Frieden. Generell hält Israel als einzige Demokratie im nahen Osten die Fahne hoch und ich hätte mir gewünscht dass die EU dies unterstützen würde, anstatt zu bekämpfen.
Siehe Wahlverhalten der EU-Abgeordneten:

Um noch das Maßstabsproblem anzusprechen: Nur weil wir uns nicht vorstellen können in den Umständen anderer Kulturen leben zu wollen, bedeuter dies nicht umgekehrt dass diese so leben wollen wie wir. Sondern womöglich umgekehrt sogar exakt genau so empfinden und ebenfalls nicht tauschen wollen würden.
Sprich zu sagen "Würdest du so leben wollen? Nein? Siehst du, dann müssen wir eingreifen", funktioniert für mich daher nicht.

Da du Afghanistan angesprochen hast, da hat das Land um Hilfe gebeten. Es war also keine ungefragte Einmischung. Das würde für mich, wie erläutert, unter den abzuwägenden Hilfe-Aspekt fallen.
Mir wäre dabei aber vor allem wichtig dass niemand, vor allem aber kein Soldat, gegen seinen Willen gezwungen wird. Es muss den Menschen die dafür streiten und ihr Leben riskieren die Sache auch wert sonst. Alles andere verstößt gegen meine persönlichen Moralvorstellungen.

Was die verfolgten und vom Tode bedrohten Menschen angeht, die du noch mal aufgegriffen hast, kann ich nur wiederholen dass ich unser Asylgesetz bzgl. deren Schutz für sehr gut halte. Deutschland sollte in der Lage sein sich militärisch zu verteidigen und entsprechend auch in der Lage sein Menschen, natürlich vor allem die eigene Bevölkerung, zu schützen.
Denn natürlich gibt es diese Despoten, Diktatoren, Oligarchen, Warlords usw. gegen die gute Worte nicht helfen. Ich würde mir auch wünschen wir würden aufhören diese Leute mit finanziellen Mitteln zu unterstützen. Das ist leider Teil des angesprochenen politischen Filzes, siehe Kontakte zwischen CDU mit den grauen Wölfen, Grüne zu Antiesemiten usw.
Da ist eine menge Geld im Spiel, gerade bei den von dir zurecht angesprochenen Erdöl-Ländern.

Solange es diese Korruption, durch die EU regelrecht institutionalisiert, gibt, können sich solche Leute natürlich gegen den Willen ihres Volkes an der Macht halten. Eben auch dann wenn dieses sich eher so wünscht zu leben wie wir das (noch) können.
Das Problem mit der so genannten Entwicklungshilfe hatte ich ja auch schon angesprochen.

Wie du siehst stimme ich deinem Ziel mit Schutz von Menschenleben, Verbreitung von demokratischen Werten, Kampf gegen Unterdrückung usw. durchaus zu, nur würde ich einen ganz anderen Weg dahin wählen und zuerst einmal vor der eigenen Haustür kehren.
 

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