Ich sehe bei dem Deal noch einen viel größeren Nachteil bei der TE: aktuell hat sie eine Wohnung, die sie mit Ach und Krach noch selber stemmen kann. Die müsste sie im Fall eines Zusammenzugs aufgeben (um noch mehr Kosten zu haben). Das mag gerade so noch gehen, wenn die Beziehung klappt. Aber was, wenn sie es nach 3 Monaten mit dem Erbsenzähler nicht mehr aushält? Sie kann eine 1000€ Wohnstätte nicht halten. Ergo bleibt der Freund darin, der dabei 0 Risiko hat, da er auch die komplette Miete im Falle einer Trennung locker aus dem Ärmel schüttelt. Sie dagegen hätte das Problem, wieder eine bezahlbare Wohnung finden zu müssen, die es vielleicht gar nicht gibt. Er hätte die volle Kontrolle gegen sie, er könnte sie richtig schlecht behandeln, stets mit der Drohung "du kannst dich schon trennen, aber dann stehst du halt auf der Straße".
Ich und mein Freund hatten während meines Studiums zeitweise ähnliche Einkommen. Auch er wollte, dass ich mit ihm zusammenzog (wobei ich "nur" von meinen Eltern wegzog, also keine Wohnung riskierte, in die ich nicht hätte zurückkönnen). Er bezahlte aber freiwillig die ganze Miete samt Nebenkosten ("hätte ich ja auch, wenn du nicht zu mir ziehst"). Ich bezahlte nur noch einen Batzen der Einkäufe und machte auch den Großteil des Haushaltes. Die 50% der Miete verlangte er dann, als ich am 29. meines ersten Vollzeit Arbeitsmonats ein volles Gehalt bekam, ab dem kommenden Monatsersten musste ich mich dann vollwertig mitbeteiligen. Er verdient zwar immer noch deutlich mehr als ich, aber bei meinem Gehalt komme ich auch mit der 50:50 Beteiligung gut zurecht und es bleibt noch was über.
Das wäre bei der TE aber anders: sie trägt das volle Risiko und es bleibt nichts, nada, niente über. Wenn sie mal wieder Vollzeit arbeitet und sagen wir mal 2000€ netto bekommt würde ich durchaus ebenfalls auf die Gleichberechtigung pochen und sagen "nur weil er 900€ mehr verdient kannst du dich trotzdem zu 50% an den Kosten beteiligen, dir bleibt trotzdem noch genug". Aber nicht, wenn er bei 50% lebt wie Gott in Frankreich während sie nicht weiß wie sie die Kosten bewältigen soll...
Da spielt auch das Gefühl "du bist mir wichtiger als Geld" eine Rolle. Wenn mein Partner mir finanziell entgegenkommt, dass ein Zusammenzug mir finanziell gesehen nicht ständig Kummer und Sorgen bereitet, dann weiß ich, dass es ihm wichtiger ist, dass es mir gut geht und dass das auch ein paar 100€ im Monat kosten darf (die der Freund ohnehin zahlen müsste, wenn die TE sich weigert zusammenzuziehen). Wenn es ihm aber egal ist, dass ich danach nicht mehr weiß, wie ich all das zahlen soll, hätte zumindest ich das Gefühl, dass es ihm mehr ums Geld sparen als ums zusammen ziehen geht.