Ich habe auch einmal an einem solchen Treffen (25-jähriges Abijubiläum) teilgenommen und gemischte Erfahrungen gemacht. Manche, von denen ich es gar nicht gedacht hätte, waren sehr aufgeschlossen und unterhielten sich mit mir, auch wenn wir uns in der Schulzeit gar nicht sonderlich gut verstanden hatten. Ein Mitschüler, mit dem ich schon früher gut konnte, freute sich sehr, mich wiederzusehen und hat mich entsprechend herzlich begrüßt, worüber ich mich wiederum sehr gefreut habe.
Eine langjährige Schulfreundin dagegen, zu der ich nach jahrelanger Funkstille erst wenige Jahre vor dem Klassentreffen wieder einen eigentlich ganz netten, wenn auch relativ seltenen Kontakt bekommen hatte, ging mir zu meiner Überraschung und Enttäuschung während des gesamten Klassentreffens stundenlang aus dem Weg, um andere ausgiebig zu begrüßen. So als würde sie sich vor den anderen schämen, mit mir gesehen zu werden. Erst gegen 23:00 Uhr, als die ersten schon aufbrachen, ließ sie sich dazu herab, mit mir auch mal ein paar Worte zu wechseln. Angeblich hatte sie erst mit den anderen geredet, weil wir ja nicht weit auseinander wohnen und uns daher auch zwischendurch öfter sehen können. Dies kommt aber trotzdem nur maximal zweimal jährlich vor. Also, eine Bekannte oder ehemalige Schulfreundin mag sie für mich noch sein, aber natürlich keine wirkliche Freundin (falls sie es überhaupt jemals war). Damals (spätestens seit der Oberstufenzeit) wie heute hatte sie die Neigung, sich "nach oben hin" zu orientieren und "Freundschaften" vor allem zu Leuten aus dem wohlhabenden, arrivierten Bildungs- und Großbürgertum anzustreben. Ich bin ihr wohl aufgrund meiner sozialen Herkunft (meine Eltern waren "kleine" Angestellte mit Volksschulbildung, ich war die erste Abiturientin und später Akademikerin in der ganzen Verwandtschaft) bis heute noch zu kleinbürgerlich. Der Habitus stimmt wahrscheinlich nicht. Als unverheiratete Frau mit Wochenendbeziehung bin ich in ihren Augen wahrscheinlich auch nicht hinreichend gesellschaftsfähig, um wirklich in "ihre Kreise" einbezogen zu werden.
Eine weitere ehemalige Mitschülerin aus einer Familie mit vornehmem, klangvollem Namen, zu der ich während der Oberstufe eine Zeitlang engeren Kontakt gehabt und mit der ich kurz vor dem Abitur an religiösen Besinnungstagen für junge Erwachsene teilgenommen hatte, verhielt sich mir gegenüber sehr hochnäsig und tat so, als ob sie mich kaum kennen würde, vor allen Dingen aber was Besseres sei. Das, obwohl ich sie unbefangen-freundlich begrüßt und auch sonst höflich behandelt hatte. Und obwohl ich studiert habe. Mit meiner oben genannten ehemaligen Schulfreundin dagegen konnte sie sich längere Zeit angeregt unterhalten.
Ein anderer arroganter Kotzbrocken, den ich schon in der Oberstufe nicht ausstehen konnte, stand mit demselben überheblich-süffisanten Grinsen wie vor über 25 Jahren in der Gegend rum und würdigte Leute wie mich, die er für unter seinem Niveau oder zumindest für "uninteressant" hielt, keines Blickes. Dem stehen die Überheblichkeit und das elitäre Bewusstsein ins Gesicht geschrieben, der kann gar nicht anders als arrogant gucken, richtig widerlich!
Im Großen und Ganzen stand man wieder mit denselben Leuten zusammen, mit denen man sich auch während der Schulzeit am besten verstanden hatte.
Intensivere Kontakte als vor dem Treffen sind daraus allerdings nicht entstanden. Meines Erachtens hat man daher nichts verpasst, wenn man nicht hingeht. Kontakte zu ehemaligen Mitschülern, zu denen man einen guten Draht hat, kann man ja auch außerhalb solcher Treffen wieder aufnehmen und weiter pflegen.