Hi Leute, ich hab ein Problem, was bestimmt viele betrifft.
Ich hab im Juli meine Ausbildung (technische Assistenz) beendet und habe im August meinen ersten Job angetreten. Jeder wusste, dass ich Anfängerin bin und mein Chef (Professor, ich arbeite in der Forschung) sagte, es sei gar kein Problem, ich würde alles lernen.
Tu ich aber nicht. Ich renne seit Monaten jedem hinterher, frage ob ich helfen könne, zeige Initiative, nutze Bücher und Internet um mich einzulesen. Aber keiner will sich 5 Minuten nehmen, um mir kurz etwas zu erklären. Diesen Monat kam eine neue TA, die einen Studienabschluss hat. Jetzt bekomme ich immer zu hören: Wozu soll ich dir das erklären, das macht die Neue, die kann das schon!
Wozu wurde ich angestellt? Ich hatte schon zwei Gespräche mit dem Chef, er meinte, er redet mit den Leuten. Aber es passiert nichts. Ich bin langsam echt verzweifelt, ob die Leute mich für zu dumm halten, ich zu passiv bin oder die mich nur genommen haben, weil ich damals die einzige Bewerberin war. Ich weiß ehrlich nicht, was ich noch machen soll.
Ich versuche immer mich einzubringen, zu zeigen, dass ich lernen möchte.
Habt ihr einen Rat? Sollte ich mich bewerben und die Probezeit nutzen, um schnell zu wechseln? Sollte ich glücklich über mein Luxusproblem sein und mich einfach freuen, fürs Nichts-Tun bezahlt zu werden?
Danke schon einmal
Sprich doch erst einmal mit der neuen TA, bevor du dich weg bewirbst.
Wahrscheinlich ist sie gern bereit, dir zu zeigen, was sie tut , wenn du sie dafür entlastest. Jeder vernünftige Mensch freut sich, wenn er auf diese Weise Hilfe bekommt.
Kann sein, dass das dann bisschen länger dauert, als wenn sie es alleine macht, aber für die Gruppe ist es trotzdem deutlich besser, weil jeder mal krank oder im Urlaub sein wird, auch diese andere TA.
Ist doch besser, als wenn die Experimente sonst in ihrem Urlaub ruhen müssten?
Die Vorteile für dich bei deinem aktuellen Job - wenn du dann eingearbeitet sein wirst :
- es klingt so, als sei diese Arbeitsstelle an der Universität = öffentlicher Dienst = deutlich besser bezahlt als in der freien Wirtschaft, zumindest nach einigen Jahren der Betriebszugehörigkeit + besserer Schutz vor Kündigung
- Die Stelle ist im Bereich der Forschung.
Sehr viele andere Stellen für TA sind Routinetätigkeiten im Labor. Wichtig und verantwortungsvoll, keine Frage, dafür schlecht bezahlt, häufig auch sehr stressig, dabei aber mit deutlich weniger Möglichkeiten, sich in neue Techniken und Methoden einzuarbeiten und sich so persönlich weiter zu entwickeln als in Forschungsbereich.
Übrigens glaube ich nicht, dass der Mangel an Einarbeitung und Arbeit auf Dauer so sein wird. Es ist offenbar eine größere Arbeitsgruppe, darum automatisch eine hohe Fluktuation (und, in diesem Fall, auch miese Kommunikation).
Würde mich nicht wundern, wenn früher oder später auf einmal ein neuer Postdoc anfängt, der dringend Unterstützung braucht oder so etwas.
Wie gesagt, an deiner Stelle würde ich die neue TA fragen, ob du mit ihr mitlaufen darfst. Du kannst ihr helfen und weisst, wo alles ist.
Falls es wirklich auf Dauer unerträglich langweilig wird, dann schau, ob es in einem anderen Labor des Unternehmens / Universität eine Technik gibt, die eure Forschungsgruppe brauchen könnte und frag deinen Chef, ob du dort hospitieren darfst, um die zu lernen.
Falls ja, dann bist du erstmal die einzige in eurer Gruppe, die das kann.
Oder du schaust nach der Probezeit , ob bei deinem Arbeitgeber eine Stelle in einem Labor ausgeschrieben ist, die dich mehrreizt, bewirbst dich dort und stellst dann nach der Zusage einen Antrag auf Versetzung.
Wenn du einen unbefristeten Vertrag bekommen haben solltest, dann gibt es viele Möglichkeiten, wie du deine Situation verbessern kannst ohne zu kündigen.
Bei einem befristeten Vertrag, insbesondere einem Drittmittelprojekt, musst du dir allerdings eh recht zeitnah überlegen, wo du danach hin willst.
#2Ct
P. S. : Übrigens, nein, dein Problem betrifft sicherlich nicht viele.
Die meisten TA arbeiten unter sehr stressigen Bedingungen in Routine-Laboren. Bevor du tiefgreifende Entscheidungen über deinen Lebensweg triffst, empfehle ich dir dringend, dich zu informieren.
Beispielsweise gibt es an manchen Orten MTLA-Stammtische, die vom Berufsverband organisiert werden.
Dort könntest du dich mit anderen TA austauschen. Vielleicht gewinnst du so einen Einblick in andere mögliche Berufsfelder.