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Keine Chance mehr am Arbeitsmarkt ? (Existenzangst)

  • Starter*in Starter*in Donar
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D

Donar

Gast
Ich befinde mich derzeit in einer ziemlich verzweifelten Situation und weiß nicht, wie es weitergehen soll, da ich anscheinend keine Chance mehr bekommen soll, vielleicht weiß ja noch einer von Euch Rat.

Zu meiner Geschichte: Ich bin 44 Jahre, verheiratet, 3 Kinder. Bis vor 3 ½ Jahren arbeitete ich in einem kleinen Systemhaus als Systemadministrator, bis ich an Krebs erkrankte und ausfiel. Was folgte war ein Kampf gegen die Krankheit, den ich, obwohl die Prognose zunächst sehr schlecht war, gewann, nicht zuletzt durch die Unterstützung meiner Frau und Kinder. Seit gut 10 Monaten gelte ich als geheilt (soweit man das bei meiner Krankheit eben sagen kann).

Und nun mein Problem: Seit dieser Zeit versuche ich eine neue Anstellung zu finden. Ohne Erfolg. Mein voriger Arbeitgeber ist längst insolvent, eine Rückkehr an meinen alten Job somit nicht mehr möglich. Also schreibe ich Bewerbungen. Ich bin mittlerweile bei 127 Bewerbungen angekommen (führe genauestens Buch darüber), habe allerdings nur Absagen oder gar keine Rückmeldungen erhalten. Ich hatte zwar immerhin 7 Vorstellungsgespräche, davon allerdings alles Absagen, manche erst nach Monaten und mehrmaligen Nachfragen.

2 Absagen waren besonders „schön“. Ein Geschäftsführer eines größeren mittelständischen Unternehmens erkläre mir gleich nach dem Vorstellungsgespräch, er habe schon als er mich eingeladen habe gewusst, dass ich für die ausgeschriebene Stelle ungeeignet sei, er habe mich allerdings eingeladen, das mein Lebenslauf so interessant sei. Tatsächlich hat das „Bewerbungsgespräch“ gut und gerne 90 Minuten gedauert, in dem ich mehr oder weniger mein ganzes Leben erzählen sollte.
Eine weitere Absage hat mich ganz besonders geärgert. Ein Geschäftsführer eines ebenfalls mittelständigen Unternehmens hat mir in einer Mail abgesagt, dass für Leute mit meinen Qualifikationen weder jetzt noch in Zukunft Platz in seiner Firma sei. Das Beste an der Mail war noch, dass sich in dem kurzen 5-zeiligen Text 2 Rechtschreibfehler und 2 Grammatikfehler befanden ...

Naja, nun zu meinen „Qualifikationen“:

Vor vielen Jahren habe ich Romanistik und Slawistik studiert. Ja, ich weiß, brotlose Kunst. Das ganze habe ich nun schon oft genug gehört. Nach meinem Studium bin ich dann 3 Jahre ins Ausland (Australien) und habe dort im IT-Consulting Bereich gearbeitet. Aus privaten Gründen bin ich dann nach Deutschland zurückgekehrt und habe schnell eine neue Anstellung in der IT eines großen Konzerns gefunden. Dort war ich dann, bis Teile des Konzerns verkauft und umstrukturiert wurden. Danach war ich in besagtem kleinen Systemhaus, in das ich durch die Vermittlung eines Bekannten, der zu dieser Zeit dort ebenfalls arbeitete, gekommen bin. Naja, dann kam meine Erkrankung und die Insolvenz meines Arbeitgebers.

Und seitdem suche ich. Ich habe meine Suche auf die verschiedensten Berufsfelder mittlerweile ausgedehnt. In der IT scheine ich wenig Chancen zu haben, da ich kein Studium und keine Ausbildung in diesem Bereich vorweisen kann. Nur meine Berufserfahrung scheint da bei Weitem nicht zu reichen. Gerne würde ich auch in den Bereich Marketing oder Kundenbetreuung gehen, mit Menschen kann ich gut umgehen. Aber: keine Chance ohne BWL-Studium oder zumindest kaufmännische Ausbildung.
Ich spreche 4 Fremdsprachen fließend, 3 weitere recht gut, aber beides sind eben für die meisten Jobs nur „nice to haves“. Anfragen im Bereich der Erwachsenenbildung sind ebenfalls im Sande verlaufen. VHS oder andere Bildungsinstitute bieten bestenfalls Teilzeitstellen an, bzw. stundenweises arbeiten.

Langsam aber sicher drohe ich in ein tiefes Loch zu fallen. Manchmal wünschte ich mir, ich hätte den Kampf gegen den Krebs nicht gewonnen. Ich habe schon alles Mögliche versucht. Ich habe von verschiedenen Personen meine Bewerbungen gegenlesen lassen und sogar (für teures Geld) an einem Coaching teilgenommen. Ergebnis war mehr oder weniger, dass ich eigentlich alles richtig mache, ich mich eben nur in Geduld üben müsse. Leicht gesagt, nach 127 Bewerbungen.
Die ersten 20-30 Bewerbungen habe ich alle noch mit größtem Herzblut geschrieben. Habe mich genauesten über den Arbeitgeber informiert und oft stundenlang an den jeweiligen Formulierungen gefeilt. Mittlerweile hat sich „Routine“ eingestellt. Immer im Hinterkopf, dass auch die nächste Bewerbung wohl nur verschwendete Zeit ist.
Ein großes Problem scheint, neben meiner mangelnden Qualifikation und meines Alters, wohl auch die „Lücke“ in meinem Lebenslauf zu sein. Die Zeit, in der ich krank war. Ich habe schon verschiedene Möglichkeiten ausprobiert, das anzugehen. Doch weder das Weglassen dieser Zeit im Lebenslauf noch das explizite Erwähnen des Grundes für die Lücke brachte irgendeine Änderung.
Klar, weiß ich, dass ein Arbeitgeber nur ungern jemanden einstellt, der irgendwann vielleicht mal wieder für längere Zeit ausfällt. Aber ich habe doch keine ansteckende Seuche.
 
Ich finde 127 Bewerbungen sind nicht viel sondern eher wenig . Auf dem Arbeitsmarkt hat sich viel geändert.

Es ist schwer mit einer ehrlichen Bewerbung in der Du Fakten angibst , nichts beschönigst, aber besser, als ein strategisches Verkaufsgespäch zu füren und Dich wie ein Produkt anzupreisen.

Aber es ist nicht unmöglich . Du mußt in der Tat Geduld haben . Ich habe vor ca 4 Jahren, innerhalb eines halben Jahres, 140 Bewerbungen geschrieben , bis eine adäquate Stelle dabei war.

......von daher "Gut Ding will Weile haben ".....vielleicht noch offener und unverblümter die Wahrheit sagen und nicht versuchen Dinge zu unterschlagen , auf die Du stolz sein kannst .

Du wolltest keinen Krebs , hast ihn besiegt , hast , wie Du sagst, dafür gekämpft, das ist doch kein Nachteil, sondern eher ein Vorteil , der für Dich und Deine Charakterhaltung spricht.

Ein Arbeitgeber, der das anders sieht , ist in meinen Augen selbst schuld ....in so einem Klima, würde ich nicht arbeiten wollen .

Ich wünsche Dir viel Glück und eine Portion mehr Mut zur Offenheit und eine Arbeitsstelle, in der Du kein Versteckspiel betreiben mußt, sondern Dein Sieg anerkannt wird, als das, was er ist.
 
Bist du nicht beim Jobcenter?

Frage doch einfach mal nach einer Umschulung, da es offensichtlich wohl Hoffnungslos erscheint, dich in deinen bisherigen Berufsfeldern zu bewerben.
 
Sehe ich ähnlich, zunächst gilt es zu feiern, dass du ein neues Leben beginnen kannst, nachdem du die Krankheit vorerst besiegt hast.

Wenn du bereits im Ausland gearbeitet hast und auch verschiedene Sprachen fließend sprichst, wäre dann für deine Familie das Ausland eine Alternative? Dort legt man vielleicht nicht so viel wert auf ein Studium oder eine klassische Ausbildung wie hier.

Kannst du ansonsten in Deutschland nicht auch ein Fernstudium oder ähnliches beginnen, um dir die fehlende Qualifikation zu verschaffen?
 
Danke erstmal für Eure Antworten

Eine Umschulung hatte ich vor einiger Zeit bereits einmal im Jobcenter angesprochen. Meine Sachbearbeiterin ist nicht weiter darauf eingegangen, der Tenor war, ich sei doch ausreichend qualifiziert und müsse eben nur einen meinen Qualifikationen entsprechenden Arbeitsplatz finden. (den es offenbar aber nicht gibt). Außer dem üblichen (sinnlosen) Bewerbertraining kam bislang nicht viel.
Hartz IV beziehe ich übrigens nicht, da meine Frau derzeit voll arbeitet und wir ganz knapp über der Einkommensgrenze liegen. Vielleicht auch ein Grund, warum das Jobcenter nicht wirklich bemüht ist. Das Geld reicht aber nicht vorne und nicht hinten. Reiche Verwandte haben wir leider nicht. Da wir auch noch einen Kredit bedienen müssen leben wir am absoluten Minimum. Und fast jeden Tag kommen neue Absagen. Es ist zum Verzweifeln. Mein Selbstwertgefühl geht mittlerweile gegen Null. Dazu kommen noch die allgemeinen Existenzängste.
An einen Umzug ins Ausland habe ich auch schon gedacht, allerdings so ganz ohne Eigenkapital und mit noch kleineren Kindern ist das recht schwierig.
Sieht fast so aus, als ob die einzige Möglichkeit wäre an Geld zu kommen mein Tod wäre, da dann zumindest meine Lebensversicherung zur Auszahlung käme und meine Familie damit erst einmal versorgt wäre.
 
Es ist eben nur so, dass ich nicht mehr weiß, es weitergehen soll. Ich weiß eigentlich, dass ich einiges auf dem Kasten habe, nur leider bekomme ich keine Chance das zu beweisen. Es ist zum Heulen. Und so langsam gehen mir die Optionen aus, zumal der finanzielle Druck und die Selbstzweifel mit jeder Absage stärker werden.
 
Hallo,

hast du schon mal versucht, in deinen Bewerbungen einen Probearbeitstag oder ein kurzes Praktikum anzubieten, damit der potentielle Arbeitgeber sich von deinen Qualitäten überzeugen kann? Ein Versuch wäre es wert.

Darüber hinaus gibt es doch sicherlich Möglichkeiten der kostenlosen Weiterbildung, wie beispielsweise das Lesen von Fachliteratur in der Bibliothek. Das würde ich machen und dies dann in meinen Bewerbungen aufführen.

Viele Grüße und viel Erfolg!
Kalo
 
@Donar

Wenn du und deine Familie nur knapp über der Einkommengrenze liegt, würde ich empfehlen, das nochmals überprüfen zu lassen, von einer dritten Stelle, denn es wäre nicht das erste Mal, dass die sich bei einer knappen Berechnung nachteilig irgendetwas berechnen.
 
Hartz IV beziehe ich übrigens nicht, da meine Frau derzeit voll arbeitet und wir ganz knapp über der Einkommensgrenze liegen. Vielleicht auch ein Grund, warum das Jobcenter nicht wirklich bemüht ist. Das Geld reicht aber nicht vorne und nicht hinten. Reiche Verwandte haben wir leider nicht. Da wir auch noch einen Kredit bedienen müssen leben wir am absoluten Minimum.
(...) Sieht fast so aus, als ob die einzige Möglichkeit wäre an Geld zu kommen mein Tod wäre, da dann zumindest meine Lebensversicherung zur Auszahlung käme und meine Familie damit erst einmal versorgt wäre.
Donar, es tut mir leid, dass du so verzweifelt bist. Und bis auf das, was hier schon beschrieben wurde, fällt mir auch nicht so ganz viel ein. Vielleicht noch die Frage: Hast du mal wegen deiner Krebserkrankung einen Schwerbehindertenausweis beantragt bzw. hast du den Grad der Behinderung mal feststellen lassen? Dann könntest du dich über den sogenannten Integrationsfachdienst beraten lassen. Die sind an die örtlichen Jobcenter angebunden und beraten speziell Menschen mit Behinderungen oder Erkrankungen. Wenn du danach mal googelst, findest du Ansprechpartner und kannst mal nachfragen, ob du die Beratung in Anspruch nehmen kannst.

Zu euer finanziellen Situation: Wenn ihr so nah am Existenzminimum seid, lohnt es sich wahrscheinlich, mal einen Antrag auf Wohngeld zu stellen bzw. wenn ihr Wohneigentum habt, nennt sich das Ganze Lastenzuschuss. Den Antrag kann man beim Bürgerbüro der Stadt stellen. Damit wäre vielleicht schon mal ein wenig die Härte aus eurer finanziellen Situation rausgenommen. Hier kannst du mal schauen: http://wohngeldrechner.nrw.de/wogp/cgi/call-TSO.rexx?d2443.webp.exec(wgrstart)


Ansonsten wünsche ich dir ganz viel Mut und Kraft! Du hast schon so viel gemeistert, dass deutlich wird, dass du Mut und Kraft hast - lass dich nicht zu Boden drücken! Alles Gute!!!
 

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