Herzensbildung zählt für mich auch mehr als formale Bildung.
Geld spielt für mich überhaupt keine Rolle, da ich willens und in der Lage bin, für meinen Lebensunterhalt selbst aufzukommen. Mit meinem Lebensstandard, den ich mir selbst erarbeitet habe, bin ich auch zufrieden. Nun gut, ich will natürlich nicht ausgenutzt werden und jemanden durchfüttern, der sich auf die faule Haut legt und nicht willens ist, seinen Lebensunterhalt selbst zu verdienen, obwohl er zwei gesunde Hände hat und es könnte. Aber solange das nicht von mir erwartet wird, ist es mir egal, wie hoch das Einkommen des Partners ist. Wenn jemand z.B. arbeitslos wäre und alles Zumutbare täte, um wieder eine Stelle zu finden, würde ich ihm das nicht negativ ankreiden. Auch dann nicht, wenn er nicht so schnell fündig würde.
Allerdings hätte ich keine Lust, von einem Partner für "ein-gebildet" gehalten zu werden, nur weil ich formal einen höheren Bildungsabschluss hätte als er oder Interessen habe, die ihm zu "kultiviert" sind. Diese Fälle des Misstrauisch-Beäugt-Werdens wegen Bildungsneids kenne ich zur Genüge aus meiner Verwandtschaft, das muss ich mir in einer Liebesbeziehung nicht auch noch antun. Es käme also nicht nur auf meine, sondern auch die Toleranz des Partners gegenüber einem unterschiedlichen Bildungsniveau an. Ich will in einer Partnerschaft ich selbst bleiben und so reden dürfen, wie mir der Schnabel gewachsen ist (auch wenn's mal eine etwas "gewähltere" Redewendung ist). Will ins Theater und auch mal in ein klassisches Konzert gehen können, lesen dürfen, was mich anspricht, Fremdwörter gebrauchen dürfen, die mir geläufig sind, und in der Gaststätte einen "Café au lait" auch als solchen bestellen dürfen, ohne dass gleich die Augen verdreht werden, mir das Ganze als Wichtigtuerei ausgelegt wird und ich mich dafür rechtfertigen muss.
Ganz unwichtig ist der Bildungsstand des Partners für mich nicht, denn ich will mich mit ihm auch auf meinem Niveau unterhalten können. Ein unterschiedliches Bildungsniveau führt vielfach auch zur Ausprägung unterschiedlicher Interessen, Lebensstile und auch zu Unterschieden in der Ausdrucksweise. Damit wird also ein zusätzliches Konfliktpotential in der Beziehung geschaffen.
Natürlich kommt es immer auf den Einzelfall an. Einen intelligenten Hauptschul- oder Realschulabsolventen, der charakterlich was taugt, vielseitig interessiert ist, sich weiterqualifiziert, aufgeschlossen auch gegenüber Themen und Freizeitbeschäftigungen ist, die ihm in der Schule vielleicht weniger vermittelt wurden als einem Gymnasiasten, kann ich mir als Partner jedenfalls viel eher vorstellen, als einen versnobten Abiturienten oder Akademiker, der über die Grenzen seiner Sozialisation nicht hinausfindet und somit im Grunde den geistigen und sozialen Horizont einer Untertasse hat. Auch und gerade von Menschen mit scheinbar niedrigerem Bildungsniveau kann man nämlich vieles lernen, nicht nur umgekehrt!