G
Gelöscht 123484
Gast
Hallo zusammen,
in einigen meiner Beiträge ist es wahrscheinlich schon rübergekommen.
Ich bin 29 Jahre alt habe seit rund 2 1/2 Jahren kaum bis keine tieferen Sozialkontakte mehr. Aufgrund eines riesigen Vertrauensverlustes und Enttäuschungen durch andere Menschen habe ich keine Kraft mehr, neuen engeren Sozialkontakte mehr aufzubauen und isoliere mich selbst immer weiter. Meine Frage ist, ob ihr schon ähnliche Erfahrungen gesammelt habt und wie es möglich ist, anderen Menschen wieder vertrauen zu können und die Isolation zu zu durchbrechen.
Bitte bezieht euch in euren Antworten nur auf diese Fragestellung. Gerne könnt ihr auch über eure eigenen Erfahrungen mit Vertrauensverlust und Isolation berichten, da mir das auch immer sehr weiterhilft, meine eigene Position zu reflektieren. Ich möchte hier nur keine Grundsatzdiskussion zu Smartphones und Messenger wie WhatsApp haben.
Mir geht es aktuell alleine zwar gar nicht mal so schlecht, weil ich nicht mehr enttäuscht werden kann. Allerdings kommt bei mir immer wieder die Angst hoch, noch mehrere Jahrzehnte alleine verbringen zu müssen, weil ich kein Vertrauen mehr aufbauen kann.
Doch jetzt schreibe ich erstmal, wie es bei mir zu dem Vertrauensschaden gekommen ist:
Vor Corona war ich eigentlich sehr gut in einer Handballmannschaft und einer Partei integriert. Ich hatte nur zwei bis drei gute Einzelfreunde außerhalb der Partei und dem Verein und zwei Bekannte. Jedoch war ich regelmäßig immer mal wieder auf Geburtstagen im Verein und der Partei eingeladen, war mit der Mannschaft immer mal wieder was essen, trinken und feiern und war auch immer auf den Mannschaftsfahrten über Pfingsten dabei.
Auch wenn ich da überall keine Einzelfreunde hatte, war ich doch sehr gut integriert und immer mit dabei.
Die Corona-Pandemie ab März 2020 hat mich dann völlig unerwartet getroffen und mein Kartenhaus an Sozialkontakten zusammenbrechen lassen. Ich hatte bis dahin kein Smartphone und habe mir auch erst im Oktober 2021 eines gekauft. Ich besaß und besitze jedoch einen sehr guten PC mit Mikrofon, Kamera und allem und nutze auch Zoom, Teams für Videotelefonie.
Ich war mittenmal überall isoliert. Im Verein und in der Partei habe ich nichts mehr mitbekommen. Im Studium neben der Arbeit war ich komplett isoliert und zwei meiner drei Freunde wollten mit mir nicht telefonieren oder E-Mails schicken. Die haben sich komplett isoliert und nur noch online zusammengespielt.
Nach achtzehn Monaten Handballpause war im September 2021 wieder das erste Handballspiel. In der Kabine erfuhr ich mittenmal, dass die komplette Mannschaft während der Lockdowns regelmäßig zum gemeinsamen Essen und Trinken und Brettspielespielen über Zoom verabredet und mich nicht eingeladen hatte. Bei den Trainings zuvor wurde sich darüber in meiner Gegenwart gar nicht unterhalten. Ich hatte das Gefühl, dass man mir das gar nicht mitteilen wollte. Das hat mich sehr verletzt. Auch, weil ich mit zwei Mitspielern regelmäßig SMS geschrieben habe und auf meine Nachfragen, ob sie von den anderen etwas gehört hätten, nur verneinende Antworten kamen. Belogen worden zu sein, war für mich fast noch schlimmer als die Isolation durch die Mannschaft. Ich habe dann noch das Spiel gespielt und habe dann meine Mitgliedschaft im Verein gekündigt. Der Trainer rief mich daraufhin an. Er sagte, dass ihm das alles sehr leid tue, aber dass man die Zeit nicht zurückstellen könne.
Dazu muss ich noch erwähnen, dass ich während der Lockdowns eine Krebs-OP hatte. Der Krebs konnte komplett entfernt werden und es ist bei mir körperlich wieder alles gut. Ich bekam aber nirgendwo seelischen Beistand. Vor Corona wurde in der Mannschaft immer gesammelt, wenn jemand eine Verletzung mit OP hatte. Ich habe nicht mal eine Karte oder eine SMS meiner Mitspieler erhalten.
Auch im Studium hat mir die Isolation nicht gut getan. Kontaktaufnahneversuche über Moodle scheiterten. Auch da wurde ich nicht zu gemeinsamen Zoom-Runden etc. eingeladen. Wir waren ein recht kleiner Jahrgang, weil der Studiengang weniger gefragt ist.
Richtig einen mitgegeben hat mir aber das Verhalten einer sehr langjährigen Freundin, zu der ich den Kontakt abgebrochen habe. Sie hat mir die vergangenen Jahre immer über Probleme mit Männern, ihren Geschwistern und einem Schwangerschaftsabbruch erzählt. Insbesondere im Lockdown, als ich überall isoliert war. Als es mir mit der Krebsdiagnose, der Isolation und dem Gefühl, noch nie Liebe erfahren zu haben, sehr schlecht ging und ich mich nur ein Mal öffnen wollte, wies sie mich zurück. Ich sei an meiner Lage selbst schuld, mein Leben sei meine Verantwortung, ich solle nicht jammern und froh sein, keinen Schwangerschaftsabbruch erlebt zu haben.
Das hat mir auch nochmal einen richtigen Knick gegeben.
Ärzte haben mir eine schwere Depression attestiert. Ich weiß, dass ich rausgehen sollte und mir einen neuen Handballverein suchen sollte, über Spontacts etc. mir neue Sportpartner suchen müsste etc.
Aber ich habe dafür, mit der Interaktion mit anderen Menschen, keine Kraft mehr. Wahrscheinlich bin ich seelisch krank. Ich bin da natürlich auch selbst mit Schuld daran, weil es meine Verantwortung ist, wie ich mit dem Gefühl der Ausgrenzung umgehe. Nichtsdestotrotz gebe ich auch der Gesellschaft eine Mitschuld. Zwei Jahre als potenzieller Virenüberträger gesehen zu werden, Ausgangsbeschränkungen, nicht beide Elternteile gleichzeitig sehen zu dürfen, meine Oma, die alleine im Krankenhaus sterben musste und nach Aussage der Ärzte sehr darunter litt. Das alles kann ich der Gesellschaft nicht verzeihen und ihr somit auch nicht mehr vertrauen.
Die Gesellschaft hat mich mit diesen Maßnahmen krank gemacht. Sicher waren das nicht alle Menschen. Aber in Umfragen hatten genau diese Dinge, die mich krank gemacht haben, eine breite Zustimmung und das wurde ja auch in Wahlen bestätigt. Auf Kritik an den Maßnahmen wurde nicht sachlich eingegangen, sondern ich wurde in die Querdenken- und Impfgegner-Ecke gestellt, obwohl ich sogar geimpft bin.
Ich fühle mich unter anderen Menschen mittlerweile aber wie ein Fremdkörper und kann einfach niemandem mehr vertrauen. Sicher waren das nicht alle Menschen, aber doch viele.
Ich habe mittlerweile eine richtige Angst vor Freundschaften. Dass ich Zeit investiere, anderen Menschen zuhören und dann wieder abgewiesen werde, wenn es mir mal schlecht geht.
Ich weiß ehrlich gesagt nicht mehr weiter. Sicherlich geht es mir in der Isolation von anderen Menschen mittlerweile recht gut, weil ich weiß, nicht mehr enttäuscht werden zu können. Ich bin frei und unabhängig von anderen.
Dennoch ist da das Gefühl, dass das über Jahrzehnte, die mein Leben wohl noch andauert, nicht der richtige Weg ist.
Wie ist möglich, anderen Menschen wieder vertrauen zu können und der Gesellschaft wieder verzeihen zu können?
in einigen meiner Beiträge ist es wahrscheinlich schon rübergekommen.
Ich bin 29 Jahre alt habe seit rund 2 1/2 Jahren kaum bis keine tieferen Sozialkontakte mehr. Aufgrund eines riesigen Vertrauensverlustes und Enttäuschungen durch andere Menschen habe ich keine Kraft mehr, neuen engeren Sozialkontakte mehr aufzubauen und isoliere mich selbst immer weiter. Meine Frage ist, ob ihr schon ähnliche Erfahrungen gesammelt habt und wie es möglich ist, anderen Menschen wieder vertrauen zu können und die Isolation zu zu durchbrechen.
Bitte bezieht euch in euren Antworten nur auf diese Fragestellung. Gerne könnt ihr auch über eure eigenen Erfahrungen mit Vertrauensverlust und Isolation berichten, da mir das auch immer sehr weiterhilft, meine eigene Position zu reflektieren. Ich möchte hier nur keine Grundsatzdiskussion zu Smartphones und Messenger wie WhatsApp haben.
Mir geht es aktuell alleine zwar gar nicht mal so schlecht, weil ich nicht mehr enttäuscht werden kann. Allerdings kommt bei mir immer wieder die Angst hoch, noch mehrere Jahrzehnte alleine verbringen zu müssen, weil ich kein Vertrauen mehr aufbauen kann.
Doch jetzt schreibe ich erstmal, wie es bei mir zu dem Vertrauensschaden gekommen ist:
Vor Corona war ich eigentlich sehr gut in einer Handballmannschaft und einer Partei integriert. Ich hatte nur zwei bis drei gute Einzelfreunde außerhalb der Partei und dem Verein und zwei Bekannte. Jedoch war ich regelmäßig immer mal wieder auf Geburtstagen im Verein und der Partei eingeladen, war mit der Mannschaft immer mal wieder was essen, trinken und feiern und war auch immer auf den Mannschaftsfahrten über Pfingsten dabei.
Auch wenn ich da überall keine Einzelfreunde hatte, war ich doch sehr gut integriert und immer mit dabei.
Die Corona-Pandemie ab März 2020 hat mich dann völlig unerwartet getroffen und mein Kartenhaus an Sozialkontakten zusammenbrechen lassen. Ich hatte bis dahin kein Smartphone und habe mir auch erst im Oktober 2021 eines gekauft. Ich besaß und besitze jedoch einen sehr guten PC mit Mikrofon, Kamera und allem und nutze auch Zoom, Teams für Videotelefonie.
Ich war mittenmal überall isoliert. Im Verein und in der Partei habe ich nichts mehr mitbekommen. Im Studium neben der Arbeit war ich komplett isoliert und zwei meiner drei Freunde wollten mit mir nicht telefonieren oder E-Mails schicken. Die haben sich komplett isoliert und nur noch online zusammengespielt.
Nach achtzehn Monaten Handballpause war im September 2021 wieder das erste Handballspiel. In der Kabine erfuhr ich mittenmal, dass die komplette Mannschaft während der Lockdowns regelmäßig zum gemeinsamen Essen und Trinken und Brettspielespielen über Zoom verabredet und mich nicht eingeladen hatte. Bei den Trainings zuvor wurde sich darüber in meiner Gegenwart gar nicht unterhalten. Ich hatte das Gefühl, dass man mir das gar nicht mitteilen wollte. Das hat mich sehr verletzt. Auch, weil ich mit zwei Mitspielern regelmäßig SMS geschrieben habe und auf meine Nachfragen, ob sie von den anderen etwas gehört hätten, nur verneinende Antworten kamen. Belogen worden zu sein, war für mich fast noch schlimmer als die Isolation durch die Mannschaft. Ich habe dann noch das Spiel gespielt und habe dann meine Mitgliedschaft im Verein gekündigt. Der Trainer rief mich daraufhin an. Er sagte, dass ihm das alles sehr leid tue, aber dass man die Zeit nicht zurückstellen könne.
Dazu muss ich noch erwähnen, dass ich während der Lockdowns eine Krebs-OP hatte. Der Krebs konnte komplett entfernt werden und es ist bei mir körperlich wieder alles gut. Ich bekam aber nirgendwo seelischen Beistand. Vor Corona wurde in der Mannschaft immer gesammelt, wenn jemand eine Verletzung mit OP hatte. Ich habe nicht mal eine Karte oder eine SMS meiner Mitspieler erhalten.
Auch im Studium hat mir die Isolation nicht gut getan. Kontaktaufnahneversuche über Moodle scheiterten. Auch da wurde ich nicht zu gemeinsamen Zoom-Runden etc. eingeladen. Wir waren ein recht kleiner Jahrgang, weil der Studiengang weniger gefragt ist.
Richtig einen mitgegeben hat mir aber das Verhalten einer sehr langjährigen Freundin, zu der ich den Kontakt abgebrochen habe. Sie hat mir die vergangenen Jahre immer über Probleme mit Männern, ihren Geschwistern und einem Schwangerschaftsabbruch erzählt. Insbesondere im Lockdown, als ich überall isoliert war. Als es mir mit der Krebsdiagnose, der Isolation und dem Gefühl, noch nie Liebe erfahren zu haben, sehr schlecht ging und ich mich nur ein Mal öffnen wollte, wies sie mich zurück. Ich sei an meiner Lage selbst schuld, mein Leben sei meine Verantwortung, ich solle nicht jammern und froh sein, keinen Schwangerschaftsabbruch erlebt zu haben.
Das hat mir auch nochmal einen richtigen Knick gegeben.
Ärzte haben mir eine schwere Depression attestiert. Ich weiß, dass ich rausgehen sollte und mir einen neuen Handballverein suchen sollte, über Spontacts etc. mir neue Sportpartner suchen müsste etc.
Aber ich habe dafür, mit der Interaktion mit anderen Menschen, keine Kraft mehr. Wahrscheinlich bin ich seelisch krank. Ich bin da natürlich auch selbst mit Schuld daran, weil es meine Verantwortung ist, wie ich mit dem Gefühl der Ausgrenzung umgehe. Nichtsdestotrotz gebe ich auch der Gesellschaft eine Mitschuld. Zwei Jahre als potenzieller Virenüberträger gesehen zu werden, Ausgangsbeschränkungen, nicht beide Elternteile gleichzeitig sehen zu dürfen, meine Oma, die alleine im Krankenhaus sterben musste und nach Aussage der Ärzte sehr darunter litt. Das alles kann ich der Gesellschaft nicht verzeihen und ihr somit auch nicht mehr vertrauen.
Die Gesellschaft hat mich mit diesen Maßnahmen krank gemacht. Sicher waren das nicht alle Menschen. Aber in Umfragen hatten genau diese Dinge, die mich krank gemacht haben, eine breite Zustimmung und das wurde ja auch in Wahlen bestätigt. Auf Kritik an den Maßnahmen wurde nicht sachlich eingegangen, sondern ich wurde in die Querdenken- und Impfgegner-Ecke gestellt, obwohl ich sogar geimpft bin.
Ich fühle mich unter anderen Menschen mittlerweile aber wie ein Fremdkörper und kann einfach niemandem mehr vertrauen. Sicher waren das nicht alle Menschen, aber doch viele.
Ich habe mittlerweile eine richtige Angst vor Freundschaften. Dass ich Zeit investiere, anderen Menschen zuhören und dann wieder abgewiesen werde, wenn es mir mal schlecht geht.
Ich weiß ehrlich gesagt nicht mehr weiter. Sicherlich geht es mir in der Isolation von anderen Menschen mittlerweile recht gut, weil ich weiß, nicht mehr enttäuscht werden zu können. Ich bin frei und unabhängig von anderen.
Dennoch ist da das Gefühl, dass das über Jahrzehnte, die mein Leben wohl noch andauert, nicht der richtige Weg ist.
Wie ist möglich, anderen Menschen wieder vertrauen zu können und der Gesellschaft wieder verzeihen zu können?