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Kein Rückhalt, starke Einsamkeit und ein Vielleicht-Missbrauch machen mich fertig

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Gast

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Hallo,

kann mir jemand helfen? Ich würde meine Situation so gerne mal halbwegs objektiv sehen können, aber das kann ich natürlich nicht. Kann jemand von euch bitte etwas dazu sagen? Ich weiß nämlich langsam nicht mehr weiter. Ich bin so voller Hoffnung, dass sich etwas ändert, das irgendwie irgendwann doch noch alles gut wird, aber jedesmal werde ich wieder enttäuscht und die Hoffnung wieder ein Stück mehr zerstört.

Erst vergangene Woche war wieder so eine Situation: ich habe meiner Mutter unter größter Überwindung erzählt, dass ich als Kind wahrscheinlich missbraucht wurde. Nicht vergewaltigt, sondern missbraucht, also in dem Sinne, dass mich ein Mann berührt hat, wie man kein Kind berührt. Das Ganze ist sehr kompliziert, wie gesagt ist das alles nur wahrscheinlich passiert. Ich kann nämlich nicht mit eindeutiger Sicherheit sagen, ob es eine Erinnerung ist oder eine Phantasie. Ich sehe den Ort, an dem es passiert ist, die Person, was sie macht und was sie dabei sagt. Aber ich weiß nicht, wie alt ich bin, wo die anderen sind und was davor oder danach passiert ist. Diese ganze Erinnerungs-Phantasie ist vor ein paar Jahren so mit 18 ungefähr (wieder?) aufgetaucht und belastet mich seither sehr stark. Seit diesem Jahr mache ich eine Therapie, weil es mir einfach oft nicht gut geht. Die Psychologin meint, dass einiges für eine frühe Störung meiner Sexualität spricht, wie sie beispielsweise durch einen Missbrauch, aber auch durch das Sehen eines Pornos, etc. passiert sein könnte. Gerade aber diese Ungewissheit - war da was oder nicht - ist für mich nahezu unerträglich. Bin ich einfach verrückt oder ist da wirklich was passiert? Lassen sich so meine heutigen Probleme und mein Ich erklären oder vielleicht zumindest zum Teil? Komme ich deshalb mit meinem Leben einfach nicht klar? Ich weiß es einfach nicht.

Ich habe diese Phantasie-Erinnerung dieses Jahr erstmalig erzählt, nämlich meiner Psychologin. Kurz vor Weihnachten auch zwei Freundinnen. Die eine hat sehr verstädnisvoll reagiert, die andere hat mich mit Aussagen wie "aber du weißt es doch nicht sicher" und "jeder hat muss sein Päckchen tragen" sehr enttäuscht und verletzt. Ich bereue es, es ihr gesagt zu haben. Als ich neulich meine Mutter besucht habe, habe ich es trotzdem nochmals gewagt und es auch ihr erzählt. Sie hat mich abgeholt und ich habe die Fahrt dafür genutzt, da musste ich ihr nicht in die Augen sehen. Es war trotzdem unglaublich schwer für mich, mein Herz hat entsetzlich gerast und ich musste extrem gegen die Tränen kämpfen. Dass die Person in meiner Erinnerungs-Phantasie mein Vater ist, was das Ganze für mich noch einmal schwieriger macht (schließlich ist es entweder ein schreckliche Anklage meinerseits oder aber ein schreckliches Vergehen seinerseits), habe ich ihr aber erst einmal verschwiegen, weil ich sie nicht zu sehr belasten wollte. Ihre Reaktion: "Ach! Das ist ja ein Ding." Ich habe weiter erklärt so gut ich konnte, auch klar gemacht, dass ich es eben nicht sicher weiß. Sie hat nichts mehr dazu gesagt, außer, dass sie nichts bemerkt habe an meinem Verhalten und dass mich das alles doch sicher sehr belasten müsse. Dann war die Fahrt zu Ende und es ging wieder über in den Alltag. Sie hat mich nicht in den Arm genommen, nicht versucht zu trösten, hat nicht angeboten, dass wir darüber sprechen könnten, sondern ist einfach übergegangen in den Alltag: wir haben die Einkäufe entladen, meine Oma begrüßt, gekocht, usw. Ich hätte echt heulen können, das war so schwer für mich und dann das! Auch jetzt, einige Tage später, hat sie nichts mehr dazu gesagt obwohl es Gelegenheiten gegeben hätte, sie schweigt es tot.

Ich suche und suche einfach verzweifelt immer und überall nach Halt, nach Verständnis und irgendwie werde ich immer wieder enttäuscht. Ich bin mittlerweile so einsam, dass ich es manchmal fast nicht mehr aushalte. Klar gibt es schöne Tage, auch mit meiner Familie, aber nur so lange ich diese Tiefe in mir, die Trauer und all die ernsten Themen raushalte, so lange ich lache und so tue, als wäre alles okay (manchmal ist es das ja auch wirklich für ein paar Stunden oder Tage). Ich frage mich einfach, warum mein Leben so ist, was ich falsch mache, dass alles so schrecklich schief läuft und ich nur noch falle und falle. Trotz der Versuche, meine Angst vor Unverständnis oder Zurückweisung (so wie eben neulich mit meiner Mutter) zu überwinden und mein "anderes Ich" anderen zumindest ein Stück weit zu zeigen spricht dann letzten Endes doch immer alles dafür, es besser sein zu lassen. Die Erinnerungs-Phantasie ist also nicht das Schlimmste, sondern diese Einsamkeit, der Kampf gegen das Aufgeben und für die Hoffnung, für das Immer-wieder-versuchen und die Suche nach Rückhalt und Geborgenheit. Hört das irgendwann auf? Bin ich einfach nur erbärmlich, übertreibe ich und sind all diese Dinge einfach Lapalien? Ist das in irgendeiner Weise verständlich oder suhle ich mich in Selbstmitleid?

Tut mir leid, dass der Text so lang geworden ist, aber in mir brodelt es einfach gerade ziemlich und der Wunsch, dass alles aufhört, der Wunsch einfach zum Flughafen zu fahren und irgendwohin zu fliegen, jegliche Kontakte abzubrechen und irgendwo neu zu beginnen, mit neuer Hoffnung und ohne die alten Enttäuschungen ist gerade einfach wieder sehr stark... Danke an die, die es trotzdem gelesen und vielleicht ein paar Worte für mich haben.
 
Ich weiß es war Silvester und alle hatten sicher viel zu tun... Aber weiß denn wirklich niemand etwas dazu zu sagen?
 
Das was uns oft am meisten belastet ist die Ungewissheit.
Ich kann zum teil Nachvollziehen was du durch machst, ich selbst habe viel Gewalt in der Kindheit erlebt und an das meiste kann ich mich nicht einmal erinnern. Als ich eine Therapie machte und der Therapeut mich fragte, ab wann meine Erinnerungen anfingen, sagte ab meinem achten Lebensjahr.Definitiv ca 4-5 Jahre zu späht.


Mein Vater kam oft betrunken nach Hause und schlug meine Mutter. Ich kann mich heute an braune Punkte auf der Tapete erinnern, aber erst als ich von einer Tante danach gefragt wurde, ob ich mich denn nicht an das Blut an den Wänden erinnerte …
Meine Mutter war selbst so selten zu Hause gewesen, das ich bis zu einem gewissen Lebensjahr nicht einmal wusste wer eigentlich konkret meine Mutter war.


Wenn ich an meine Kindheit denke sind da … ein paar verstreute Bilder, nicht mehr. Wann ich wirklich konkret mit meiner Mutter zusammen war, kann ich aus der Erinnerung heraus aber nicht sagen. Halt nicht vor meinem 8ten Lebensjahr. Ab da hat sie sich endlich scheiden lassen und wir sind ohne meinen Vater weggezogen.


Unser Unterbewusstsein schützt uns. In Stresssituation wird ein Hormon ausgeschüttet, das sich wie ein Schleier über unsere Wahrnehmung legt. Ich hab die Therapie irgend wann abgebrochen, und bereue es.
Ich leide auch unter meinem „Ich“.Es kommt mir oft vor, als würde ich meine halbe Vergangenheit wie eine Last mit mir rumschleppen. Die unverarbeiteten Dingen schwirren uns immer im Kopf herum. Mann kann das mit einem Computer vergleichen: Desto mehr Dateien geöffnet sind, desto langsamer ist er.
Erst wenn wir diese öffnen,verarbeiten und wieder schließen … kann sich etwas ändern.


Ich hab damals nicht gewusst wo ich anfangen soll und ob ich das überhaupt noch einmal durch kauen möchte. Jetzt möchte ich und fange erneut an, wenn auch ohne Therapeut, Woche für Woche, ein bisschen heraus zu arbeiten, manchmal auch Verwandte zu fragen.


Zu dir … es ist wirklich schwer. Ich möchte auch nichts sagen, was dich zu sehr aufwühlen könnte. Ich selbst habe noch nie eine Phantasie gehabt, die ich nicht von der Wirklichkeit unterscheiden konnte. Nur schreckliche Wirklichkeiten,die ich für Phantasie hielt. Der erste Fall ist sicher möglich, was mich nur in Bezug auf deinen Fall zweifeln lässt, ist das Verhalten deiner Mutter.


Wie ist sonst dein Verhältnis zu ihr? Kannst du sonst immer offen mit ihr reden? Wie verhält sie sich in anderen Situationen?
Und was hat dein Therapeut gesagt, als du ihm von ihrem Verhalten erzählt hast?


Wie du mit der Situation umgehen sollst… ich weiß nicht. Man sollte sich nie zu sehr reinfressen, es links liegen zu lassen wäre aber auch falsch. Das wichtigste finde ich ist oft, das man sich Punkte setzt. Wie weit will man gehen, wieweit will man wirklich zurückschauen und ist man überhaupt schon soweit? Hinter einem Erlebnis sollte ein: Ich habs geschafft!, folgen.Nur so kann man sich von solchen Gedanken lösen, in dem man sie so positiv wie möglich beendet, egal wie schrecklich es war.




Huch, der Text ist auch sehr langgeworden ^^
ich hoffe ich konnte dir in irgendeiner Hinsicht helfen 😉
Liebe Grüße, Juni
 
Zuletzt bearbeitet:
Es tut mir leid, welche Reaktion du von deiner Mutter erhalten hast, aber es gibt Menschen, die anders reagieren würden, die versuchen würden auf das , was du sagst einzugehen, ob es nun wahr ist oder nicht.

Ich möchte nicht versuchen, das Verhalten deiner Mutter zu deuten oder zu bewerten, aber dir mit auf den Weg geben, dass du einfach vorsichtig sein solltest, mit wem du darüber sprichst und das oft leider Leute von denen man denkt, dass man ihnen vertrauen können müsste und dass die doch damit umgehen können müssten es nicht können.

Leider ist das Auftauchen von solchen Erinnerungen immer ein bisschen schwierig zu beurteilen, vor Allem aus Laiensicht.
Aber deine Psychologin müsste doch etwas dazu sagen können.

Ich habe ähnliches erlebt, mit vielen Erinnerungen und ich weiss bis heute nicht was und ob überhaupt etwas davon wahr ist.
Wenn ja wäre es schlimm, wenn nein frage ich mich, was dann mit mir nicht stimmt oder warum solche Erinnerungen in mir entstehen.
So oder so beeinflusst es das Verhältnis zu meiner Familie sehr negativ.

Leider passiert sehr vielen Kindern Missbrauch, nur meistens wird es verdrängt oder totgeschwiegen.

Wichtig ist, denke ich, dass du davon aber nicht dein Leben überschatten lässt.

Versuch das Erlebte oder die Phantasie-Erinnerungen zu verarbeiten und dann wieder die Sonne in dein Leben zu lassen, so blöd das klingt.
 
Juni, was dir passiert ist tut mir sehr leid! Danke dir aber für deine Offenheit und Erklärungen - wie gesagt versuche ich Vieles momentan in einer Therapie aufzuarbeiten, aber das geht nur langsam voran und ist natürlich sehr anstrengend, weil alles neu durchlebt wird.
"Ich selbst habe noch nie eine Phantasie gehabt, die ich nicht von der Wirklichkeit unterscheiden konnte. Nur schreckliche Wirklichkeiten,die ich für Phantasie hielt. Der erste Fall ist sicher möglich, was mich nur in Bezug auf deinen Fall zweifeln lässt, ist das Verhalten deiner Mutter." - Das verstehe ich nicht ganz, könntest du mir bitte erklären, wie du das gemeint hast? Wenn es Wirklichkeiten waren, die du für Phantasie gehalten hast, dann konntest du zwischen den beiden Seiten, Wahrheit udn Imagination, doch auch nicht unterscheiden oder doch? Und wie meinst du, das Verhalten meiner Mutter lässt dich an dem Fall zweifeln? Du hast auch nach dem Verhältnis zu meiner Mutter gefragt, das ist eigentlich ganz gut, finde ich. Ich habe sie sehr lieb und sie ist mir sehr wichtig, ich bin mir auch sicher, dass sie mich liebt - sie schreibt und sagt das auch oft. Nur offen ist das Verhältnis leider nicht, ich habe nur selten mit ihr über Probleme geredet. Ich habe auch das Gefühl, Emotionen jenseits von Freude und Glück und vielleicht auch mal Wut sind nicht erwünscht oder damit kann sie nicht umgehen. Sie wirkt deshalb auf mich oft "unterkühlt", sobald ihr Dinge nah gehen. Ich weiß nicht, ob es stimmt aber ich habe immer versucht mir das mit einem Tod einer sehr wichtigen Person in ihrer Kindheit zu erlären - vielleicht war das ihre Strategie damit umzugehen. Auch denke ich manchmal, sie will Dinge durch Geldgeschenke und Süßigkeiten gut machen, manchmal denke ich, das ist ihre Art Zuneigung zu zeigen. Meinem Therapeut konnte ich bisher wegen der sch... Pause über Weihnachten nichts erzählen, erst nächste Woche dann - das ist wirklich blöd für mich...

"Ich habe ähnliches erlebt, mit vielen Erinnerungen und ich weiss bis heute nicht was und ob überhaupt etwas davon wahr ist. Wenn ja wäre es schlimm, wenn nein frage ich mich, was dann mit mir nicht stimmt oder warum solche Erinnerungen in mir entstehen. So oder so beeinflusst es das Verhältnis zu meiner Familie sehr negativ."
Danke Gast, du bringst es auf den Punkt - genauso geht es mir auch! Woher kommts so etwas? Ich weiß auch nicht, was ich schlimmer fände: dass es wirklich stimmt oder dass ich solch abartige Phantasien hervorbringe. Und das Verhältnis zu meiner Familie leidet auch bei mir darunter, egal was jetzt stimmt. Als ich jetzt über Weihnachten zu Hause war, war es mit meinem Vater einfach nur schrecklich, ich konnte ihm die meiste Zeit nicht mal in die Augen sehen und habe es gemieden, mit ihm in einem Raum zu sein, wo es nur ging. Auch hier bin ich sehr zwiegespalten, er tut mir leid, weil er (auch wenn unser Verhältni nie wirklich gut war) meinen Totalrückzug jetzt vermutlich einfach nicht versteht und ich glaube, es macht ihn auch ein wenig traurig. Andererseits ekel ich mich einfach extrem vor ihm, ich habe ihn noch nicht einmal umarmt und auch wenn meine Erinnerungs-Phantasie doch nur eine Phantasie sein sollte, so sind die Gefühle trotzdem real und wahr. Zu der Sache mit meiner Mutter: Ich wollte das früher auch nie jemandem erzählen, aber der Druck ist mittlerweile einfach zu groß geworden, ich wollte es endlich loswerden und hatte gerade bei meiner Mutter auf Verständnis aber vielleicht einfach auch nur auf neue Hinweise gehofft. Je länger ich darüber nachdenke, desto enttäuschter bin ich von ihrem Verhalten. Ich hatte zuvor möglich Szenarien mit meinem Psychologen durchgesprochen, das tatsächliche hätte ich im Leben nicht erwartet. Aber ich will einfach nicht mehr länger schweigen, ich habe auch keine Kraft mehr, eine scheinheile Welt aufrecht zu erhalten. Ich denke, ich werde ihr einen Brief schreiben (ich würds ihr lieber direkt sagen, aber dazu fühle ich mich nicht in der Lage), in dem ich ihr erkläre, warum mich das enttäuscht hat, was ich erwartet hatte und dass ich keine Lust mehr habe, meine echten Emotionen ständig zu unterdrücken, nur damit es so aussieht, als wäre alles gut. Ich hab Angst, dass sie das nicht versteht, dass ich sie damit verletzte oder sie sich von mir zurückzieht. Kindische Gedanken, aber ich glaub wirklich, dass ich da jetzt endlich Änderungen möchte - eine Familie, in der ich keinerlei Rückhalt fühle, macht für mich keinen Sinn. Trotzdem hast du natürlich recht, ich muss aufpassen, wem ich davon erzähle und versuchen, das Ganze endlich hinter mir zu lassen. Aber das dauert natürlich und um es loslassen zu können muss ich es in der Therapie und Co ja erst einmal wieder neu durchleben, um es dann zu verarbeiten. Ich hoffe wirklich, dass ich es schaffe, irgendwann davon losgelöst und zufrieden mit mir selbst leben zu können, ohne diese Gedanken, ohne diese Depressionen und ohne diese Einsamkeit...
 
Hi Gast TE,
Ich selbst habe noch nie eine Phantasie gehabt, die ich nicht von der Wirklichkeit unterscheiden konnte. Nur schreckliche Wirklichkeiten, die ich für Phantasie hielt.“
Vieles kam mit der Zeit, vor allem mit der Ruhe. Ich konnte mich erinnern,wie meine Mutter das Sofa vor die Tür des Kinderzimmers geschoben und die ganze Nacht davor verbrachte. Das auf der anderen Seite mein betrunkener Vater schrie und wartete bis die Tür wieder aufging,daran erinnerte ich mich erst viel später. Ich verband auch oft so ein kaltes Gefühl mit meiner Mutter, oft musste ich an kaltes Wasser denken. Irgendwann erinnerte ich mich, das sie mich oft kalt geduscht hatte, weil warmes Wasser angeblich zu teuer sei.
Das schlimmste war, das ich immer geglaubt hatte, meine Mutter hätte langes Haar gehabt. Ich fragte sie dann irgendwann, warum sie sich die Haare nicht wieder lang wachsen lassen würde. Sie antwortete ganz entsetzt „Aber ich hab doch nie lange Haare gehabt!“ Ich dachte nur Moment, und wer ist dann die Frau in meiner Erinnerung,die mit der ich im Theater war und die mit mir gespielt hat? Es war eine Tante gewesen. Das ich sie von meiner Mutter nicht unterscheiden konnte, kann ich heute noch kaum begreifen.
Psychisch hat mich meine Mutter am meisten gequält, vielleicht bin ich deshalb auch eher misstrauisch … meine Äußerung bezüglich deiner Mutter tut mir schon fast Leid, wenn ich lese das du sie lieb hast. Das ist schön 🙂
Meine Mutter hat immer alles totgeschwiegen und nie über meine Kindheit geredet. Sie meinte sogar einmal zu mir „wir haben uns oft gestritten? Wann?“ Wir hatten uns immer gestritten. Die meisten Schimpfwörter hatte ich von ihr gelernt. Oft wenn Leute mir mit Schweigen antworten, frage ich mich was sie zu verbergen haben, warum es ihnen unangenehm ist über manche Dinge zu sprechen … eine traurige Angewohnheit. Vertrauen in jemanden haben zu können ist umso schöner 😉
Mit meiner Mutter hatte ich versucht offen zu reden, habs dann irgendwann gelernt es besser sein zu lassen, was ich sehr schade finde. Erst als ich Emotional fast am platzen war, hab ich irgendwann damit angefangen und es brach wie eine Flutwelle aus mir heraus. Daran ist die Beziehung zu meiner Mutter letztendlich auch völlig zerbrochen.Noch heute kann ich sogar mir meinem Mann nicht über alles reden,weil mir mein Nächster im Unterbewusstsein noch der Feind ist. Mein Mann spürt das und es belastet die Beziehung. Eigentlich fast alle Beziehungen.
Es ist schrecklich, zu niemandem wirklich ehrlich sein zu können.
Das ging mir meinem Therapeuten gegenüber auch oft so. Ich habs ihm auch gesagt, das ich nicht weiß warum ich ihm gegenüber nicht so offen sein kann. Er meinte dann zu mir das Kinder sich oft Schuldig fühlen wenn ihre Eltern sich streiten und dieses „sich schuldig fühlen“dann dazu führt das man nicht offen reden kann, weil man sich selbst über seine Gefühle nicht im klaren ist.
Mir hilft es oft ein Tagebuch zu führen, in das ich Gefühle schreibe,egal wie vage sie sind, nur um sie dann irgendwann besser deuten zu können und irgendwann wirklich in klare Worte zu fassen.

"Ich habe ähnliches erlebt, mit vielen Erinnerungen und ich weiss bis heute nicht was und ob überhaupt etwas davon wahr ist. Wenn ja wäre es schlimm, wenn nein frage ich mich, was dann mit mir nicht stimmt oder warum solche Erinnerungen in mir entstehen. So oder so beeinflusst es das Verhältnis zu meiner Familie sehr negativ."

Ich glaube es sind oft die unausgesprochenen Dinge, mit denen man alleine gelassen wird. Auch wenn man nicht über sie redet, oder vll gerade deswegen, sind sie im Hinterkopf oft präsent und beeinflussen unser Unterbewusstsein und Verhalten. Wie das deinem Vater gegenüber.
Sichnicht ausdrücken zu können macht einsam. Oder dann hat man esgetan, und wird mit weiteren Fragen zurückgelassen.

Mein Therapeut hat mir z.B. sehr geholfen als er mich bat aufzuschreiben,was ich über meine Eltern weiß. Mein Vater ist selbst mit Schlägen von seinem Vater aufgewachsen, meine Mutter kam als 10tes Kind in der Familie aufs Internat und hatte sehr wenig Kontakt zu ihrer eigenen Mutter gehabt, war immer zu anderen abgeschoben worden. Das Verstehen und Nachvollziehen hilft mir sehr, mit der Vergangenheit umzugehen.

Klarheit bringt Licht ins Dunkel, erlaubt uns zu ende zu denken und abzuschließen. Ich habe die Erfahrung gemacht dass das erneute durchleben von Erinnerungen manchmal weniger schlimm war als ich es vermutet hatte. Es ist wie sich vor einem Geist zu fürchten, bis man versteht das es ihn nicht gibt.

Liebe Grüße und alles gute! Vertrau deinem Therapeuten, das hilf sehr 😉
 
Hallo ich bins noch einmal, die TE.

Ich wollte erst einen neuen Thread aufmachen, dachte mir dann aber, dass ich es ebenso gut wieder hier schreiben kann. Mir geht es momentan wieder überhaupt nicht gut, da kommt gerade so vieles zusammen und ich habe das Gefühl, mir wächst das total über den Kopf. Vor ein paar Tagen gab es nocheinmal ein Gespräch mit meiner Mutter, ungewollt, es ist einfach so rausgesprudelt, weil der Druck für mich gerade so groß ist. Schon wenn ich morgens aufwache freue ich mich auf den Moment, in dem der Tag wieder vorbei ist und ich wieder in den Schlaf flüchten kann.

Wie gesagt, gerade sind es viele Dinge, die dazu beitragen, dass es mir nicht gut geht, diese Vielleicht-Missbrauchsache ist nur eins davon. Heute lässt mich das wieder so gar nicht los, ich habe gestern zufällig einen Spruch einer Künstlerin gelesen, übersetzt in etwa: "Sexueller Missbrauch führt dazu, dass Frauen ihren Wert als Mensch über ihre sexuelle Verfügbarkeit definieren." Das hat mich total geschockt! Ich hab dazu nichts finden können im Internet oder an Fachliteratur, weiß jemand, was da dran ist? Gibt es irgendwelche psychologischen Theorien dazu? Würde das nicht irgendwie erklären, warum ich immer, wenn es mir schlecht geht, rausgehe und den nächstbesten Typen aufreiße, schon seit ich 14 oder 15 bin? Ich bin noch nicht einmal Mitte zwanzig und hab in meinem Leben schon so viele Kerle geküsst, dass ich die Zahl nicht mal erraten könnte, gerade in meiner Teenie-Zeit waren es oft mehrere an einem Abend oder Wochenende. Die letzten Jahre ist es besser gewesen, aber allein dieses Jahr waren es jetzt schon wieder 4 Männer. Wenn ich betrunken bin, werd ich auch oft sehr vulgär, rede vom "Fi**en" oder sage, dass ich gern mal bei einem Gangbang dabei wäre - Worte, die ich normal nie im Leben wählen und Dinge die ich mir nüchtern niemals wünschen würde!! Wie gesagt, wenn das oben wirklich stimmt, würde das für mich Einiges erklären. Ich hab dann auch im Internet nach weiteren Folgen eines solchen Missbrauchs gesucht (vielleicht war das auch ein Fehler, ich weiß es nicht) und auch da Einiges gefunden, was auf mich zutreffen würde. Findet ihr das... also ich weiß einfach nicht mehr, was ich denken soll! Was meint ihr denn, versuche ich mir einfach krankhaft einzureden, dass es passiert ist? Suche ich nur eine Ausrede dafür, dass ich mein Leben nicht auf die Reihe bekomme, dafür, dass ich immer wieder so derart die Kontrolle verliere? Suche ich einfach jemanden, dem ich die Schuld dafür geben kann, warum mein Leben nicht so läuft, wie ich möchte, nur damit ich mir nicht selbst eingestehen muss, dass nur ich allein dafür die Verantwortung trage? Ich möchte einfach wissen, warum ich mich so kaputt fühle, so traurig und leer, wieso kann ich nicht einfach alles hinter mir lassen, ganz egal was war oder nicht war, einfach abhaken und vergessen, endlich anfangen zu leben, endlich glücklich sein.

Ich weiß echt nicht mehr, was ich glauben oder denken soll, alles was ich weiß ist, dass es mir echt nicht gut geht und ich das Gefühl habe, dass alles nicht mehr aushalten zu können, diese ganzen Gefühle und Gedanken, die ich nicht will und nicht gebrauchen kann! Danke fürs Durchlesen und auch für jeden Tipp/jede Meinung dazu.
 

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