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Gast
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Hallo,
kann mir jemand helfen? Ich würde meine Situation so gerne mal halbwegs objektiv sehen können, aber das kann ich natürlich nicht. Kann jemand von euch bitte etwas dazu sagen? Ich weiß nämlich langsam nicht mehr weiter. Ich bin so voller Hoffnung, dass sich etwas ändert, das irgendwie irgendwann doch noch alles gut wird, aber jedesmal werde ich wieder enttäuscht und die Hoffnung wieder ein Stück mehr zerstört.
Erst vergangene Woche war wieder so eine Situation: ich habe meiner Mutter unter größter Überwindung erzählt, dass ich als Kind wahrscheinlich missbraucht wurde. Nicht vergewaltigt, sondern missbraucht, also in dem Sinne, dass mich ein Mann berührt hat, wie man kein Kind berührt. Das Ganze ist sehr kompliziert, wie gesagt ist das alles nur wahrscheinlich passiert. Ich kann nämlich nicht mit eindeutiger Sicherheit sagen, ob es eine Erinnerung ist oder eine Phantasie. Ich sehe den Ort, an dem es passiert ist, die Person, was sie macht und was sie dabei sagt. Aber ich weiß nicht, wie alt ich bin, wo die anderen sind und was davor oder danach passiert ist. Diese ganze Erinnerungs-Phantasie ist vor ein paar Jahren so mit 18 ungefähr (wieder?) aufgetaucht und belastet mich seither sehr stark. Seit diesem Jahr mache ich eine Therapie, weil es mir einfach oft nicht gut geht. Die Psychologin meint, dass einiges für eine frühe Störung meiner Sexualität spricht, wie sie beispielsweise durch einen Missbrauch, aber auch durch das Sehen eines Pornos, etc. passiert sein könnte. Gerade aber diese Ungewissheit - war da was oder nicht - ist für mich nahezu unerträglich. Bin ich einfach verrückt oder ist da wirklich was passiert? Lassen sich so meine heutigen Probleme und mein Ich erklären oder vielleicht zumindest zum Teil? Komme ich deshalb mit meinem Leben einfach nicht klar? Ich weiß es einfach nicht.
Ich habe diese Phantasie-Erinnerung dieses Jahr erstmalig erzählt, nämlich meiner Psychologin. Kurz vor Weihnachten auch zwei Freundinnen. Die eine hat sehr verstädnisvoll reagiert, die andere hat mich mit Aussagen wie "aber du weißt es doch nicht sicher" und "jeder hat muss sein Päckchen tragen" sehr enttäuscht und verletzt. Ich bereue es, es ihr gesagt zu haben. Als ich neulich meine Mutter besucht habe, habe ich es trotzdem nochmals gewagt und es auch ihr erzählt. Sie hat mich abgeholt und ich habe die Fahrt dafür genutzt, da musste ich ihr nicht in die Augen sehen. Es war trotzdem unglaublich schwer für mich, mein Herz hat entsetzlich gerast und ich musste extrem gegen die Tränen kämpfen. Dass die Person in meiner Erinnerungs-Phantasie mein Vater ist, was das Ganze für mich noch einmal schwieriger macht (schließlich ist es entweder ein schreckliche Anklage meinerseits oder aber ein schreckliches Vergehen seinerseits), habe ich ihr aber erst einmal verschwiegen, weil ich sie nicht zu sehr belasten wollte. Ihre Reaktion: "Ach! Das ist ja ein Ding." Ich habe weiter erklärt so gut ich konnte, auch klar gemacht, dass ich es eben nicht sicher weiß. Sie hat nichts mehr dazu gesagt, außer, dass sie nichts bemerkt habe an meinem Verhalten und dass mich das alles doch sicher sehr belasten müsse. Dann war die Fahrt zu Ende und es ging wieder über in den Alltag. Sie hat mich nicht in den Arm genommen, nicht versucht zu trösten, hat nicht angeboten, dass wir darüber sprechen könnten, sondern ist einfach übergegangen in den Alltag: wir haben die Einkäufe entladen, meine Oma begrüßt, gekocht, usw. Ich hätte echt heulen können, das war so schwer für mich und dann das! Auch jetzt, einige Tage später, hat sie nichts mehr dazu gesagt obwohl es Gelegenheiten gegeben hätte, sie schweigt es tot.
Ich suche und suche einfach verzweifelt immer und überall nach Halt, nach Verständnis und irgendwie werde ich immer wieder enttäuscht. Ich bin mittlerweile so einsam, dass ich es manchmal fast nicht mehr aushalte. Klar gibt es schöne Tage, auch mit meiner Familie, aber nur so lange ich diese Tiefe in mir, die Trauer und all die ernsten Themen raushalte, so lange ich lache und so tue, als wäre alles okay (manchmal ist es das ja auch wirklich für ein paar Stunden oder Tage). Ich frage mich einfach, warum mein Leben so ist, was ich falsch mache, dass alles so schrecklich schief läuft und ich nur noch falle und falle. Trotz der Versuche, meine Angst vor Unverständnis oder Zurückweisung (so wie eben neulich mit meiner Mutter) zu überwinden und mein "anderes Ich" anderen zumindest ein Stück weit zu zeigen spricht dann letzten Endes doch immer alles dafür, es besser sein zu lassen. Die Erinnerungs-Phantasie ist also nicht das Schlimmste, sondern diese Einsamkeit, der Kampf gegen das Aufgeben und für die Hoffnung, für das Immer-wieder-versuchen und die Suche nach Rückhalt und Geborgenheit. Hört das irgendwann auf? Bin ich einfach nur erbärmlich, übertreibe ich und sind all diese Dinge einfach Lapalien? Ist das in irgendeiner Weise verständlich oder suhle ich mich in Selbstmitleid?
Tut mir leid, dass der Text so lang geworden ist, aber in mir brodelt es einfach gerade ziemlich und der Wunsch, dass alles aufhört, der Wunsch einfach zum Flughafen zu fahren und irgendwohin zu fliegen, jegliche Kontakte abzubrechen und irgendwo neu zu beginnen, mit neuer Hoffnung und ohne die alten Enttäuschungen ist gerade einfach wieder sehr stark... Danke an die, die es trotzdem gelesen und vielleicht ein paar Worte für mich haben.
kann mir jemand helfen? Ich würde meine Situation so gerne mal halbwegs objektiv sehen können, aber das kann ich natürlich nicht. Kann jemand von euch bitte etwas dazu sagen? Ich weiß nämlich langsam nicht mehr weiter. Ich bin so voller Hoffnung, dass sich etwas ändert, das irgendwie irgendwann doch noch alles gut wird, aber jedesmal werde ich wieder enttäuscht und die Hoffnung wieder ein Stück mehr zerstört.
Erst vergangene Woche war wieder so eine Situation: ich habe meiner Mutter unter größter Überwindung erzählt, dass ich als Kind wahrscheinlich missbraucht wurde. Nicht vergewaltigt, sondern missbraucht, also in dem Sinne, dass mich ein Mann berührt hat, wie man kein Kind berührt. Das Ganze ist sehr kompliziert, wie gesagt ist das alles nur wahrscheinlich passiert. Ich kann nämlich nicht mit eindeutiger Sicherheit sagen, ob es eine Erinnerung ist oder eine Phantasie. Ich sehe den Ort, an dem es passiert ist, die Person, was sie macht und was sie dabei sagt. Aber ich weiß nicht, wie alt ich bin, wo die anderen sind und was davor oder danach passiert ist. Diese ganze Erinnerungs-Phantasie ist vor ein paar Jahren so mit 18 ungefähr (wieder?) aufgetaucht und belastet mich seither sehr stark. Seit diesem Jahr mache ich eine Therapie, weil es mir einfach oft nicht gut geht. Die Psychologin meint, dass einiges für eine frühe Störung meiner Sexualität spricht, wie sie beispielsweise durch einen Missbrauch, aber auch durch das Sehen eines Pornos, etc. passiert sein könnte. Gerade aber diese Ungewissheit - war da was oder nicht - ist für mich nahezu unerträglich. Bin ich einfach verrückt oder ist da wirklich was passiert? Lassen sich so meine heutigen Probleme und mein Ich erklären oder vielleicht zumindest zum Teil? Komme ich deshalb mit meinem Leben einfach nicht klar? Ich weiß es einfach nicht.
Ich habe diese Phantasie-Erinnerung dieses Jahr erstmalig erzählt, nämlich meiner Psychologin. Kurz vor Weihnachten auch zwei Freundinnen. Die eine hat sehr verstädnisvoll reagiert, die andere hat mich mit Aussagen wie "aber du weißt es doch nicht sicher" und "jeder hat muss sein Päckchen tragen" sehr enttäuscht und verletzt. Ich bereue es, es ihr gesagt zu haben. Als ich neulich meine Mutter besucht habe, habe ich es trotzdem nochmals gewagt und es auch ihr erzählt. Sie hat mich abgeholt und ich habe die Fahrt dafür genutzt, da musste ich ihr nicht in die Augen sehen. Es war trotzdem unglaublich schwer für mich, mein Herz hat entsetzlich gerast und ich musste extrem gegen die Tränen kämpfen. Dass die Person in meiner Erinnerungs-Phantasie mein Vater ist, was das Ganze für mich noch einmal schwieriger macht (schließlich ist es entweder ein schreckliche Anklage meinerseits oder aber ein schreckliches Vergehen seinerseits), habe ich ihr aber erst einmal verschwiegen, weil ich sie nicht zu sehr belasten wollte. Ihre Reaktion: "Ach! Das ist ja ein Ding." Ich habe weiter erklärt so gut ich konnte, auch klar gemacht, dass ich es eben nicht sicher weiß. Sie hat nichts mehr dazu gesagt, außer, dass sie nichts bemerkt habe an meinem Verhalten und dass mich das alles doch sicher sehr belasten müsse. Dann war die Fahrt zu Ende und es ging wieder über in den Alltag. Sie hat mich nicht in den Arm genommen, nicht versucht zu trösten, hat nicht angeboten, dass wir darüber sprechen könnten, sondern ist einfach übergegangen in den Alltag: wir haben die Einkäufe entladen, meine Oma begrüßt, gekocht, usw. Ich hätte echt heulen können, das war so schwer für mich und dann das! Auch jetzt, einige Tage später, hat sie nichts mehr dazu gesagt obwohl es Gelegenheiten gegeben hätte, sie schweigt es tot.
Ich suche und suche einfach verzweifelt immer und überall nach Halt, nach Verständnis und irgendwie werde ich immer wieder enttäuscht. Ich bin mittlerweile so einsam, dass ich es manchmal fast nicht mehr aushalte. Klar gibt es schöne Tage, auch mit meiner Familie, aber nur so lange ich diese Tiefe in mir, die Trauer und all die ernsten Themen raushalte, so lange ich lache und so tue, als wäre alles okay (manchmal ist es das ja auch wirklich für ein paar Stunden oder Tage). Ich frage mich einfach, warum mein Leben so ist, was ich falsch mache, dass alles so schrecklich schief läuft und ich nur noch falle und falle. Trotz der Versuche, meine Angst vor Unverständnis oder Zurückweisung (so wie eben neulich mit meiner Mutter) zu überwinden und mein "anderes Ich" anderen zumindest ein Stück weit zu zeigen spricht dann letzten Endes doch immer alles dafür, es besser sein zu lassen. Die Erinnerungs-Phantasie ist also nicht das Schlimmste, sondern diese Einsamkeit, der Kampf gegen das Aufgeben und für die Hoffnung, für das Immer-wieder-versuchen und die Suche nach Rückhalt und Geborgenheit. Hört das irgendwann auf? Bin ich einfach nur erbärmlich, übertreibe ich und sind all diese Dinge einfach Lapalien? Ist das in irgendeiner Weise verständlich oder suhle ich mich in Selbstmitleid?
Tut mir leid, dass der Text so lang geworden ist, aber in mir brodelt es einfach gerade ziemlich und der Wunsch, dass alles aufhört, der Wunsch einfach zum Flughafen zu fahren und irgendwohin zu fliegen, jegliche Kontakte abzubrechen und irgendwo neu zu beginnen, mit neuer Hoffnung und ohne die alten Enttäuschungen ist gerade einfach wieder sehr stark... Danke an die, die es trotzdem gelesen und vielleicht ein paar Worte für mich haben.