Bei mir haben sie noch nicht geklingelt, ich kenne sie eher aus den Fußgängerzonen und finde die Werbung auch penetrant, kann es aber schon nachvollziehen.
Es sind aber nicht nur die Johanniter, es gibt auch zig andere Organisation, die ähnlich arbeiten.
Meistens werden die Stände von jungen, hübschen Studentinnen betreut, die aktiv auf die Passanten zugehen. Meistens läuft das so ab: "Hallo, wir sind von der bla bla Organisation und würden ihn gerne ein paar Fragen stellen, haben sie ganz kurz Zeit? Es dauert auch nur 1-2 Minuten."
Die geben sich ja schon Mühe und sind ganz nett, wenn man sich für die Fragen Zeit nimmt, geht man mit Ihnen zum Infostand. Dort liegt dann ein Ordner mit Bildern rum und eine Strichliste wird geführt, wie man bestimmte Situationen einschätzt. Man sieht Bilder von Unfallopfern, Missstände in der Pflege werden offenbart (zu kurze Betreuungszeit - ein Toilettengang pro 12 Stunden ist einkalkuliert, der max. 5 Minuten dauern darf usw.) und man sieht viele Menschen, denen es bescheiden geht. Dann gibt es meistens noch eine Frage an das Gewissen, z.B. "Wenn Sie im Rollstuhl sitzen würden nach einen Unfall, könnten sie dann weiterhin ihren Beruf nachgehen?" Die Antwort darauf ist hier i.d.R. nein, zumindest gibt es hier an der Uni nur eingeschränkten Möglichkeiten mit Rollstuhl zu studieren und auch später gibt es vielen Unternehmen nur eingeschränkt die Möglichkeit, im Rollstuhl mobil zu sein und man hat schon deutliche Nachteile, das liegt ja leider auf der Hand und ist offensichtlich. Am Ende kommt dann die Frage, ob man sich nicht vorstellen könnte zu helfen? Wenn man die mit Ja beantwortet, wird ein Mitgliedschaft vorgeschlagen.
Dies lehne ich dann dankend ab, falls ich mich überhaupt auf das Gespräch eingelassen habe.
Meistens sage ich an diesen Ständen, ich habe es eilig oder bin bereits Mitglied, damit es nicht zu unhöflich wirkt.
Aber ich finde nicht, dass man "die Mitarbeiter auf der Straße" verurteilen sollte.
Das Geschäftskonzept nennt sich Fundrasing und nur so kommen die Einnahmen rein, die man braucht um tätig zu werden.
Der soziale Zusammenhalt und die Bereitschaft ein Ehrenamt zu übernehmen, sind nunmal stark rückläufig in der heutigen Gesellschaft, das ist kein Geheimnis. Da muss man zu solchen Mitteln greifen. Aber die Leute, die diese Mitgliederwerbung durchführen, können sich durch geworbene Mitgliedern für weitere Einsätze empfehlen, aber eine goldenen Nasen verdienen sie sich vermutlich nicht.
Heutzutage muss man jede Möglichkeit nutzen, die man hat um Arbeit zu bekommen. Deshalb sind die Mitarbeiter, die für 5 Euro pro Stunde versuchen müssen Leute anzuwerben nicht die, die man verurteilen sollte. Wen man moralisch verurteilen kann, sind nicht die Mitarbeiter, die auf der Straße unterwegs sind, sondern die Regionalleiter und ähnliche Managertypen, die im Hintergrund arbeiten und mit den Spendengeldern 10 Sportwagen kaufen und diese als Dienstwagen für private Zwecke nutzen. Wie fast überall in der Gesellschaft gilt auch bei diesen Organisationen: Der Fisch stinkt vom Kopf her....