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Jobwechsel?

ImmerMeer

Mitglied
Hallo, ich bin förderschullehrerin und seit 2013 an einer sprachheilschule angestellt. Immer wieder komme ich an Punkte, wo ich über einen jobwechsel nachdenke. Ich habe oft das Gefühl, dass ich meinen job nicht gut mache. Besonders schwer fällt mir das klassenmanagement.
Zusätzlich gibg 2014 meine ehe nach einem Jahr zu Ende - und ich habe einen kleinen Sohn geboren.

Ich kann schwer auseinanderhalten, woran genau meine wiederkehrende Überforderung liegt ... ich habe im referendariat eine angststörung ausgeprägt, gegen die ich täglich kämpfe ... d.h., ich quäle mich mit angst zur arbeit und hab auch in meiner freizeit oft Schwierigkeiten, keine angst zu fühlen, also zu entspannen.
Ich frage mich, ob ich wirklich nicht geeignet bin, ob es nur meine starken bewertungen der schwierigen Situationen ist, ob ich die schulform wechseln sollte ... ob aussitzen angebracht ist, weil die gesamtbelastung aktuell eben einfach aufgrund der Umstände groß ist und in einiger zeit von selbst geringer wird ... ein weiterer motivationshemmer ist, dass arbeiten insgesamt nicht mein “lebensziel“ ist. Ich möchte viel lieber ne schöne partnerschaft, mich um die kinder kümmern ...

Hier hätte ich gern Unterstützung, meine lebenslage ein bisschen mehr zu verstehen und beurteilen zu können und herauszufinden, was für mich ein guter weg sein kann.
 

Hallo ImmerMeer,

schau mal hier: Jobwechsel?. Hier findest du vielleicht was du suchst.

Liebe TE,

ich denke, vielen Menschen geht es wie dir, dass sie ihren Lebensinhalt nicht in der Arbeit sehen, die sie verrichten. Das ist an sich normal, fällt aber bei denen umso mehr ins Gewicht, denen ihre Arbeit nicht gefällt und mit deren Inhalten sie sich wenig identifizieren können. Ich denke und hoffe, dass du als Lehrer aber ganz bewusst deine Arbeit gewählt hast und sie dir im Grunde Freude bereitet. Es ist allerdings auch etwas schwer einzuordnen, dass du als Lehrerin deine Tätigkeit nicht als Lebensinhalt siehst. Vielleicht leitet sich auch hieraus deine Angst, dem Job nicht gerecht zu werden?

Scheinbar leidest du momentan aber mehr unter den privaten Umständen - evtl. ergibt sich hieraus das Angstbild, dass dich sowohl im Beruf als auch der Freizeit begleitet. Allerdings könnten natürlich berufliche Umstände auch hierein spielen. Du solltest versuchen für dich herauszufinden, was dich in deinem persönlichen Umfeld belastet, was dich in deinem beruflichen Umfeld belastet und wobei hier Überschneidungen und Wechselwirkungen entstehen. So wirst du aus einem sehr komplexen Thema erkennen können, womit du derzeit zu kämpfen hast.

Leider ergeben sich Lösungen oft erst nach sehr langer Zeit oder dann, wenn wir nicht auf sie warten.

Woher kommen deiner Meinung nach deine Angstzustände? Was glaubst du, wäre die Lösung hierfür? Wie könntest du diese Lösung selbst aktiv erreichen?

LG, Gastgast
 
Hallo, danke für deine Antwort. Die angst ist nur da,wenn ich arbeiten muss,in längeren ferienzeiten verschwindet sie völlig. Ich denke, es ist versagensangst, weil ich mit hohen Ansprüchen an mich und das leben großgeworden bin ... Anerkennung habe ich für leistung erhalten ... mich vielleicht nicht bedingungslos geliebt gefühlt, ich weiß es nicht genau. “funktionieren“ war für meine eltern immer recht wichtig.

Der lehrerberuf hat viele schöne seiten - aber die sind leider immer mit den Seiten verbunden, die in mir versagensgefühle auslösen. Ich habe mich für sen beruf ursprünglich entschieden, weil ich mit behinderten arbeiten wollte. An der geistigbehindertenschule habe ich mein ref gemacht, da hatte ich schwierigkeiten, die kritik meiner mentorin zu verdauen ... da mich sprache an sich sehr interessiert und das unterrichten nach grundschullehrplan etwas mehr struktur mit sich bringt, hab ich dann den jetzigen job gewählt.
Hauptsächlich schwierig sind für mich situationen mit verhaltensauffälligen schülern ... und stunden, in denen ich nicht gut unterrichte und es zu Chaos kommt. Wenn die Situationen außer kontrolle geraten, kommt in meinem kopf die Schlussfolgerung “der job ist einfach nichts für mich, ich kann es nicht gut genug, die kinder lernen durch meine probleme zu wenig im unterricht“ ...
 
Eine lösung ... hm ... einstellung ändern ... habe ich versucht ... bin in Psychotherapie ... es geht immer in die richtung, die Misserfolge nicht so stark zu bewerten und als dazugehörend zu akzeptieren ... aber das fällt mir schwer ...

Gegen die angst hilft entspannung ... aber nur gegen die körperlichen symptome, kurzzeitig. Nach einem heißen bad, Spaziergang o.ä. bin ich kurz noch gut drauf, aber oft kommt bald wieder die angst vorm nächsten Tag, der nächsten woche hoch ... oder ich fühle mich wieder mies, weil ich die Vorbereitung vor mir hergeschoben habe und am abend noch schaffen muss, obwohl sie mir angst macht.

Jobwechsel habe ich auch als lösung durchdacht, aber meine ausbildung qualifiziert mich nicht für viele andere jobs. Meine kollegen mag ich ganz gern. Und im aktuellen job bin ich wenigstens etwas eingearbeitet ... was Neues hieße da ja auch wieder neuen druck. Ich bin insgesamt unsicher.
 
Mir fehlt auch irgendwie jemand, der mir in gewissen momenten etwas verantwortung abnimmt, mich in Überforderungssituationen tröstet, mir mut macht. Aber den kann ich ja nicht herzaubern.
 
Liebe TE,

leider ist meine Antwort wohl nicht abgesendet worden und so starte ich noch einmal:

Es ist richtig und gut, dass du in deiner Arbeit Ansprüche stellst - diese sollten jedoch unbedingt der Realität entsprechen und keine Überbewertung deines Können und Wollens darstellen. Versuche also, deine Gedanken bei Seite zu schieben und dich auf das was momentan möglich und nötig ist, zu konzentrieren. Kann es sein, dass dir als Lehrerin die positive Rückmeldung fehlt? Du sprichst ja an, dass du bereits nie durch deine Eltern deine erwünschte Anerkennung erhalten hast. Mir scheint, als wäre dies momentan wieder der Fall - so dass du auch dadurch unglücklich bist.

Sofern ich beurteilen darf: Da du an einer Förderschule unterrichtest, ist das Klientel sicherlich schwieriger, auch wenn die Arbeit mit den Kindern schön sein dürfte. Vielleicht erhoffst du dir innerhalb deines Unterrichts mehr In- und Output, als möglich - sprich, du schrammst mit deinen (überhöhten) Erwartungen am eigentlichen Ziel vorbei. Was natürlich sehr schade ist. Zumindest ist das ein mgl. Grund.

Ich kann mir gut vorstellen, dass lange Pausen wie die Sommerferien Zeit zur Erholung geben. Nutze diese unbedingt, denn diese sehr hohe Belohnung ist eben dem Lehrerstand vorbehalten. Ich denke, du solltest versuchen, an dieser Stelle jedoch nicht ganz die Schule bei Seite zu schieben, bzw. einen Weg finden, sich mit ihr auch innerhalb der Freizeit anzufreunden. Das soll auf keinen Fall bedeuten, dass du jederzeit an Vor- und Nachbereitung arbeiten sollst. Sondern vielmehr das Gefühl entstehen muss, wann gönnst du dir Ruhe, wann arbeitest du effektiv. Dies sollte dir auch in schweren Phasen wie jetzt gelingen, um diese auch besser überwinden zu können. So könntest du wohl auch den Jobwechsel umgehen, denn deine Angst rührt bestimmt nicht nur von deiner eigentlichen Berufstätigkeit her. Es wäre in gewisser Weise schade, deine Erfahrungen aufzugeben. Jeder muss auch im Berufsleben stetig dazu lernen - das gilt besonders bei der Tätigkeit mit Menschen. Du wirst nie ganz auslernen, du kannst dich aber dementsprechend auch positiv verändern und mit dem Stress leben lernen.

Wenn du konkrete Pläne und einen inneren Wunsch nach einer beruflichen Neuorientierung hast, dann denke hierüber auch ruhig nach. Eine neue berufliche Herausforderung könnte dir natürlich auch gut voranhelfen!

Alles Gute für dich!
Gastgast
 

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