Hi Cutie,
also erstmal danke für dein Lob, dass alles so weise klingt von mir....lach lach..übrigens gefällt mir dein Avatar...oder wie man dieses Bildchen nennt mit dem Eiswürfel sehr gut...diese kühlen Farben gefallen mir.
Also zu deiner Frage, ich bin keine gelernte Psychologin oder so, aber ich habe lange Zeit Philosophie, Psychologie, Anthropologie, Verhaltensbiologie und ähnliches studiert..habe mich an sich seit meiner Kindheit dafür interessiert was der Mensch ist, wie er funktioniert etc. Wohl u.a. auch deshalb, weil ich selber einen gewalttätigen Vater hatte...der hat zwar "nur" geschlagen...aber das war an sich schon genug, bzw. zu viel...Meine mittlere Schwester ist letztes Jahr u.a. aufgrund fehlender Abgrenzung und unverarbeiteter Kindheit an einer Angst-Psychose erkrankt...ich habe sie während ihres Klinikaufenthaltes begleitet...sehr viel mit den betreuuenden Psychiatern und Psychologen geredet, sehr viel dazugelernt. Meine jüngste Schwester und ich haben uns selber sehr gut aus unserer belasteten Kindheit rausgehievt...wir hatten z.B nie Schamgefühle in Hinsicht auf drüber reden, Seelenmüll rauszulassen, alles überall mit Freunden, Bekannten oder in einem Seminar etc. zu bequatschen, uns mal auszukotzen (sprichwörtlich) wenn es Probleme gab etc...ich glaube das ist wichtig um selbstbewusst zu werden...wichtig um gesund zu bleiben..
Auch hier im Forum, auf das ich im Mai letzten Jahres glaub ich zufällig gestossen bin, hab ich ne Menge dazugelernt...und auch angefangen einige Beiträge zu schreiben...irgendwo hab ich vielleicht so ein kleines Helfersyndrömchen...aber ich denke mir, warum sollte ich mein Wissen nicht teilen? Kann ja evtll. auch einigen anderen Menschen was nutzen.
Ich war übrigens nicht immer so stark und selbstbewusst. Ich habe eine lange Entwicklung von einem unsicheren, ängstlichen Mädel hinter mir. Mein Vater..und eigentlich auch meine ihm hörige Mutter haben mir immer vermittelt: du bist nix, du kannst nix, etc...bis ich eines Tages dieses Spielchen durchschaut hatte...mit dieser These züchtet man sich ja an sich den perfekten abhängigen Sklaven, der sich einem Oberen Herrn unterwirft, nie ne eigene Meinung hat, sondern immer schön brav macht, was man ihm sagt..bzw. ihr sagt...die Mädchenerziehung ist ja hptsl. auf Duldsamkeit und Folgsamkeit abgestimmt...Na jedenfalls hab ich mich bewusst gegen diese elterliche Definition (deren Macht man echt nicht unterschätzen darf) meiner Person aufgelehnt...Abgrenzung nennt man so was...ich habe dann immer gesagt: NEIN...ich bin wer, bin stark und kann mich auch alleine durchkämpfen, außerdem haben meine Eltern kein REcht dazu mich runterzuziehen, mich zu schlagen etc...hab meine Angst überwunden und mir auch von meinem Vater nicht mehr dreinreden lassen, hab mich aufrecht hingestellt und gewehrt..und bin dann auch nicht mehr geschlagen worden...tja und ab da ging es aufwärts...wo ein Glaube und ein Wille ist, da finden sich oft Wege...und das Witzige war: dadurch wurde ich auch von meinem ehemals übermächtigen Vater als gleichmächtig anerkannt...allerdings geht mir diese Anerkennung am AR***vorbei...wichtiger ist mir stets, was ich von mir denke, wie ich mich sehe oder wie z.B. Bekannte, Freunde mein Freund mich sieht...also meine Eltern, die ich mir ja nicht aussuchen konnte sind nicht mehr so wichtig für mich...So was befreit ganz ungemein..
Dieser Glaube an sich selbst, der Glaube an eine eigene Stärke etc. ist ne enorme Triebkraft, ein Kopftrick, der so gut wie immer funktioniert. Die Psychologen nennen das übrigens self-fulfilling prophecy...sich selbst erfüllende Prophezeiung..damit ist gemeint, dass das, was Menschen sich vorstellen ihr Handeln bestimmt und dadurch ihre Vorstellungen eintreffen...also wenn ich glaube, ich bin schwach, nix wert und kann eh nix erreichen, dann erreiche ich auch nix...DAher kann ich immer nur raten, an sich selber zu glauben, auch genau zu überlegen, was man sich selber wert ist...Ein gesundes Selbstwertgefühl grenzt sich ab, wehrt sich effektiv gegen Unrecht, was ihm angetan wird.
Eine Vergewaltigung ist ja im Grunde eine Machtstruktur...jemand wird sexuell unterworfen...zum reinen Triebobjekt erniedrigt...ein gesundes Selbstwertgefühl stellt klar, dass das zu weit geht, zeigt die Grenze auf und bestraft die Grenzüberschreitung...mit Anzeige etc...ein gesundes Selbstwertgefühl kennt an sich auch keine Scham oder so...Scham ist hier nur ein Hindernis, dass zwischen der Tat und Wiederherstellung des Selbstwertes steht. Über dieses Hindernis sollte man sich schon zu eigenen Gunsten und bewusst zu Ungunsten des Täters hinwegsetzen...Mit der Bestrafung des Täters grenzt man sich ab, schält sich quasi aus dessen Machtbereich hinaus...wird eigenständiges SELBST, dass sich nicht mehr brav der Willkür eines anderen Menschen unterwirft, sondern eigene Rechte für sich in Anspruch nimmt. Und das Recht auf körperliche Unversehrtheit, das REcht über den eigenen Körper zu bestimmen ist ein unantastbares REcht eines jeden Menschen. Wer dieses Recht verletzt, der sollte Konsequenzen spüren.
Für Kinder ist der Vater immer wichtig, für kleine Mädchen nochmals speziell....umso schlimmer ist es, dass er diesen Umstand so schamlos ausgenutzt hat für sich und seine Triebbefriedigung...so was ist an sich die feigeste und hinterhältigste Gewalttat, die man sich vorstellen kann....jemanden, der einem blind vertraut, der abhängig von einem ist so schändlich zu missbrauchen...das macht mich echt stinkwütend...dich nicht auch?
Mist, ist wieder ein total langer Text geworden...jedenfalls will ich dich nicht länger zulabern...WAs momentan wichtig in deiner Situation ist: bleib nicht allein mit deinem Problem, hol dir am besten fachliche Unterstützung in einer Beratungsstelle für Gewaltopfer oder Psychologin. DAnn würde ich vielleicht mal überlegen, ob du nicht mal mit deinen ebenfalls missbrauchten (?) Schwestern redest...würdest du da nicht Rückendeckung kriegen? Damit wäret ihr ggf. schon zwei oder drei, die ne Anzeige machen könnten. Andernfalls könntest auch du allein es schaffen mit ner Anzeige...du kannst dir ja vorher in einer Beratungsstelle Mithilfe suchen..dann biste auch nicht allein, wenn es zur Sache geht.
Wenn du eine Anzeige machst, kannst du bei der Polizei verlangen, dass du ne Polizistin zur Aufnahme der Anzeige gestellt bekommst...es gibt auf SExualdelikte spezialisierte Beamtinnen...mit denen fällt so was oft leichter. Hast du vorher ne Psychologin oder Beraterin kontaktiert, kann die ja auch mit hin zur Polizei...
Wie du siehst gibt es genug Möglichkeiten...setz dich nicht zu sehr unter Druck, sondern mach schrittweise, aber schon konsequent in Richtung Bearbeitung und Verarbeitung deines "FAlles". Denn wie du selber schon bemerkt hast belastet dich die SAche ja doch sehr und v.a. auch deine Beziehung zu Männern, bzw. deinem Freund. Wäre schad, wenn die Macht des Täters und seiner Schandtaten zu lang andauern würde und dein Leben zu nachhaltig überschatten würde, oder? Also hab nur Mut und etwas Selbstvertrauen, wirst sehn, dann klappt das schon! Du bist weitaus stärker, als du glaubst und auch stark genug deinem Vater ggü zu treten und ihn in HInsicht auf dass was er dir und deinen Schwestern angetan hat zur Verantwortung zu ziehen.
LG
Tyra