...und dann gibt es noch einige wenige Menschen, die ihre ganz eigene Art finden, Treue zu leben und sich nicht zwanghaft an vorherrschenden Moralvorstellungen orientieren.
Beispielsweise, indem sie akzeptieren und zulassen, daß für manche Menschen es möglich ist, mehr als einen Menschen zu lieben.
Ich persönlich hab mit dem Treuebegriff an sich immer schon meine Schwierigkeiten gehabt, hab mich bisher allerdings auch nicht sonderlich intensiv damit auseinandergesetzt, weil es natürlich bequemer ist, sich an "geltende Regeln" zu halten, statt sich mit Zweifeln in diesem Zusammenhang auseinanderzusetzen. Mehr und mehr komme ich dahin, daß ich denke, daß Treue in allererster Linie sich selbst gegenüber erfolgen muß - anders ist man letzten Endes nie davor sicher, nicht doch mal 'kopflos' in die Zwickmühle "Betrug oder Treue um jeden Preis" zu geraten.
Treue wird so oft daran gemessen, ob jemand Sex mit einem anderen als dem festen Partner hat. Mich persönlich würd's sicher verunsichern und auch kränken, wenn mein Mann mit einer anderen schliefe, aber ich glaub nicht, daß es mich so sonderlich aus den Puschen hauen würde (höchstens in der Hinsicht, daß er mich überraschen würde - er ist nicht der Typ für solche Sachen). Weitaus besorgter und eifersüchtiger wäre ich, wenn er sich in eine andere verlieben würde: natürlich Verlustangst. So wie er besorgt und verunsichert ist, weil ich für einen anderen Gefühle aufgebaut habe. Aber was hat das mit Untreue zu tun? Die würde dann anfangen, wenn man sich anfängt zu belauern, zu belügen, Geheimnisse voreinander aufzubauen usw.
Kein Mensch denkt, handelt oder fühlt immer so, wie er "sollte" - deshalb verstehe ich unter Treue vor allen Dingen das gegenseitige Versprechen, immer ehrlich zueinander zu sein und den anderen niemals durch Heimlichkeiten oder Lügen zu hintergehen.