Das kann im Prinzip immer passieren, allerdings schaut es für Anleger und Sparer momentan da seit laaaaangem mal wieder etwas entspannter aus. Die längst überfällige Anhebung des Sparer-Pauschbetrags von derzeit 801 auf 1000 Euro ist im Gespräch und wohl für nächstes Jahr vorgesehen.
Das ist richtig und ich sehe dies auch als positiv, allerdings muss man sich auf der Zunge zergehen lassen, was das bedeutet.
199 € mehr Freibetrag bedeutet, dass Gewinne in dieser Höhe Steuerfrei bleiben. Ausgehen von der Abgeltungssteuer von 25% sind dies 0,25*199= 50 €.
Sage und schreibe 50 € mehr -wohlbemerkt im Jahr!- gönnt der Staat den Sparern, wow!
Wer 1.000 € hat, diese anlegt und durch Inflation 80 € Geldwert verliert, darf über 50 € Ausgleich jubeln
🙄 Der Sparer Freibetrag ist und bleibt für mich ein Witz.
Legt man in Produkten an, bei denen nur ein Teil des Gewinns besteuert werden muss, wie eben Aktienfonds oder Immobilienfonds, die eine hohe Teilfreistellungsquote haben, profitiert man von dem Pauschbetrag entsprechend mehr:
Das halte ich für zumindest missverständlich fomuliert. Du suggerierst, dass Aktienfonds pauschal Vorteile durch eine Teilfreistellung haben. Das stimmt so nur bedingt.
Die Teilfreistellung ist eher eine Entschädigung. z.B. dafür dass man durch Abgeltungssteuer und Quellsteuer doppelt belastet wird:
Mit Einführung des Investmentsteuergesetzes in 2018 hat sich vor allem für thesaurierende ETFs einiges geändert – Stichwort: Vorabpauschale. Wie du die Vorabpauschale richtig berechnest und was du bei der Besteuerung von ETFs generell beachten musst.
www.justetf.com
Darüber hinaus erwähne ich stets gerne, dass die Aktiengewinne durch die Unternehmenssteuer ja auch schon vorher besteuert wurden. Also der Staat greift hier wirklich kräftig zu und die typisch linke Propaganda, dass Kapitalerträge weniger besteuert würden als Arbeitseinkommen, stimmt nicht. Allein die Abgeltungssteuer plus Unternehmenssteuer sind rund 50%.
Ebenso erwähnenswert ist, dass Immobilien nach 10 Jahren Spekulationsfrist steuerfrei sind und Gold sogar komplett steuerfrei ist. Deutschland war nie (und erst Recht nicht nach dem Wegfall der Spekulationsfrist auf Aktien 2009) ein gutes Land für Aktionäre.
Deswegen wimmelt es in den Aktienforen auch von Menschen, die über das Auswandern nachdenken.
Spannend ist die Teilfreistellung für mich bei REITS. Diese haben tatsächlich einen Vorteil gegenüber anderen Aktienfonds. Allerdings auch den drastischen Nachteil, dass sie nur in Immobilien investieren und sich deswegen nur als Beimischung zu einem Depot eignen. Zudem sind die Gebühren bei solchen Branchen ETFs oft höher. Kritiker sagen außerdem, dass der Zwang die Gewinne größtenteils auszuschütten von Nachteil sind, weil gute Investment Gelegenheiten so verpasst werden.
Gewiss könnte man Bücher über REITS schreiben und es gibt auch welche dazu ^^
Aber im Ergebnis ja zu deiner These, dass Aktienfonds steuerlich sinnvoller sind als Mischfonds.
Die Steuerstundung, die du hier beschreibst, ist einer der wenigen unzweifelhaft beachtenswerten Steuersparmöglichkeiten:
Ich bin beispielsweise nur thesaurierend, sprich nicht ausschüttend und damit steuerstundend in aktienlastige ETFs investiert.
Selbst dies muss man aber in der Praxis einschränken, da die meisten Anleger ihre Produkte nicht lebenslang halten. Sehr oft verkauft man einen ETF nach vielleicht 10 Jahren, sei es weil man Anteile umschichtet, einen deutlich günstigeren ETF findet oder der alte ETF geschlossen wird.
Der Youtube Kanal Finanztip hat einen schönen Vergleich zu Thesaurieren zu Ausschüttern gemacht. Ich finden den Link leider gerade nicht, aber das Ergebnis war ein eher kleiner Unterschied.
Eine Steuerstundung wirkt nur bei sehr langer Laufzeit spürbar.