Ich würde nicht sagen, dass sich mit den Jahren die Anzahl der Freunde wirklich reduziert. Sondern die der Bekanntschaften oder lockeren Freundschaften, die man hatte. Wenn eine Freundschaft wirklich langfristig Bestand hat und Verbundenheit da ist, dann hält sie auch Umzüge, ein Studium oder spätere Jobwechsel aus. Meine beste Freundin, ohne die ich mir kein Leben vorstellen könnte, wohnt 4 Stunden von hier entfernt.
Der Zeitfaktor ändert sich, wie du das richtig erkannt hast und ich denke, Kontakte fliegen einem mitunter nicht mehr so zu, wenn man nicht mehr zur Schule geht. Da ist man unter der Woche mit vielen Gleichaltrigen zusammen, da ergibt sich das oft deswegen schon alleine, dass man Freundschaften schließt. (Auch an der Uni kann man sehr leicht Leute kennen lernen, wenn man die richtigen erwischt und etwas aufgeschlossen ist)
Ich habe für mich mit den Jahren rausgezogen: Qualität geht vor Quantität. Wenn du eine handvoll gute Freunde hast, ist es nicht so wichtig, wie viele Leute du insgesamt kennst.
Irgendwann erkennt man manchmal, dass Freundschaften, von denen man dachte, die halten ewig, sich dann außeinanderleben oder sich zerschlagen. Oder dass Freunde eigentlich nur Bekannte sind. Das tut weh. Und macht unter Umständen Angst. Für mich war das eine der härtesten Erfahrungen im Leben.
Es ist aber auch nicht als Erwachsener Aussichtslos, neue Leute kennen zu lernen und neue Freundschaften zu schließen. Bei mir klappt viel im Leben nicht, aber das funktioniert immer, dass ich viele neue Leute kennen lerne. Manche werden zu netten Bekannten, andere zu Freunden.
Die Art, wie wir Freundschaften führen, verlagert und verändert sich auch mitunter. Wo man früher ganz natürlich auf dem Pausenhof abhing oder miteinander nach Hause gegangen ist oder nach der Schule sich getroffen hat am Nachmittag, muss man halt am Wochenende was miteinander machen. Oder sich Abends treffen. Oder man telefoniert und schreibt unter der Woche.
Ich kenne auch Leute, bei denen hat sich mit den Jahren der Freundeskreis nicht verringert. Bei manchen ist er sogar gewachsen und größer geworden. Nicht jeder hatte seine Glanzzeit zur Schulzeiten.
Mal ganz platt gefragt: kannst du mir dir selbst was anfangen? Kannst du dich mit dir selbst beschäftigen?
Macht dir dein Job Freude? Ist das etwas, das du auch noch in 10, 20 Jahren machen willst? Oder suchst du auch hier nach deinem Platz im Leben?
Vielleicht ist dein Alltag auch einfach mit zu wenig bereichernden Dingen gefüllt. Und wenn dann Kontakte fehlen oder nicht so zur Verfügung stehen, um die Lücken zu füllen, kann man sich schon einsam fühlen. Hast du Hobbys und Interessen, denen du nachgehen kannst? Es wirkt ein wenig so, als würde dir die Decke aktuell auf den Kopf fallen und als wüsstest du nicht so richtig, wohin es bei dir gehen soll. Wenn du auch schon schreibst, du hast keine besonderen Ziele im Leben. Vielleicht ist auch das ein Problem. Menschen brauchen meiner Meinung nach etwas, das sie erfüllt. Und das kann ein Job sein, ein Ehrenamt, ein Interessensgebiet oder anderes.