Kannst du mit der Vorstellung "butch" oder "TM" etwas anfanngen?
Mit TM auf jeden Fall. Oft habe ich schon davon geträumt mir Testosteron spritzen zu lassen und mich auf den Seiten der Transmänner im Internet getummelt. Wenn sie über ihre Hysterektomien und Mastektomien berichteten, beneidete ich sie und fragte mich "werde ich jemals soviel Mut haben?" Doch das führte sofort zur nächsten Frage, nämlich: SOLLTE ich soviel Mut haben? Wäre es für mich das Richtige?
Denn einen Penis brauche und möchte ich nicht; also bin ich wohl kein ECHTES "Transmann-Material". Mit Bartwuchs und Körperbehaarung könnte ich allerdings leben.
Als Butch sehe ich mich eher nicht. Manche Leute haben mir gesagt, ich sehe elfenhaft aus, was mich natürlich maßlos ärgerte. Noch dazu bin ich sensibel und sanft (wenn ich nicht gerade mit Kissen durch die Gegend werfe). Der Mensch, der in mir ist, ist wohl -sofern männlich- eher ein sensibler Kerl als ein Butch.
So einmal pro Jahreszeit gibt es einen Anlass, für den ich mich aufbrezele. Das macht sogar Spaß. Doch für den Rest des Tages fühle ich mich komplett verkleidet. Am Schlimmsten sind Röcke oder Kleider.
@MadWolf, Danke, Danke und Danke!
🙂 Deine Worte haben so gut getan, und ich liebe sie. In ihnen ist soviel Trost und Kraft!
@Kaela, auch Dir Ganz Vielen lieben Dank! Deine Antwort hat mir so unglaublich viele Ideen gebracht. Es war schön Deinen Text zu lesen!
🙂
Auch ich hab sofort daran gedacht, ob du wohl als Kind mal schlimme Erfahrungen mit einem Mann/Jungen machen musstest.
ich wuchs bei Pflegeeltern auf, weil meine leibliche Mutter medikamentenabhängig war. Da ich nach nur einem Jahr nach meiner Geburt dort hin kam, sah ich sie als richtige Eltern an.
Sie waren für mich wie "Vater", "Mutter" und eben halt "Eltern". Und so bezeichne ich sie auch, falls ich über sie noch mehr schreibe in diesem Thread, was voraussichtlich der Fall sein wird..
Mein Vater hatte eine lebensbedrohliche Krankheit. Mittlerweile lebt er nicht mehr. Er war sehr cholerisch. Ich hatte oft Angst um ihn, dass er stirbt, aber auch Angst vor seinen Launen. Er schrie ständig rum.
Er hat mich nie so akzeptiert wie ich bin. Ich hatte Probleme auf dem Gymnasium; und er bezeichnete mich als faules A...loch, machte sich über meine Vorliebe für kindliche Fernsehsendungen lustig und und und.
Gleichzeitig waren meine Eltern beide sehr überbehütend und kontrollierend. Selbst als ich älter wurde, sollte ich nirgendwo alleine hingehen. Eigentlich passte meine kindliche Art sehr gut zu diesem Erziehungsstil.
Wäre ich erwachsener gewesen- mit wachsendem Interesse an Partys, Jungen und Disko, hätte es wohl noch mehr Stress zuhause gegeben.
Meine Eltern gaben sich viel Mühe mit mir, doch bedingungslose Liebe (ob es die überhaupt gibt?) habe ich nicht erfahren. Meine Mutter wollte mich zu ihrem zweiten (teils ängstlichen) ICH formen, und mein Vater wollte eine leistungsstarke, selbstbewusste Tochter, die diese Eigenschaften allerdings nur innerhalb der patriarchalen Grenzen zeigt. Also eine Tochter, die sich in der Schule behauptet, aber dann letzten Endes einen Mann als ihren Beschützer und ihr Lebensziel ansieht.
Weißt du noch viel über deine Kindheit oder gibt’s viele weiße Flecken?
Ja, ziemlich viele.
Ein schlimmes Erlebnis, in dem deine Weiblichkeit in den Dreck gezogen wurde, würde da theoretisch schon passen.
In der Grundschule haben mir mal andere Kinder (Jungen?) die Hose heruntergezogen. Ob ich die Unterhose noch an hatte, weiß ich nicht. Ich lag dort auf dem Boden hinter dem Schulgebäude, so dass uns die Lehrerin, die Pausenaufsicht hatte, nicht sehen konnte. Alle lachten. Und ich fand das alles merkwürdigerweise gar nicht so schlimm.
Was vor oder nach dieser Szene passierte, weiß ich nicht mehr.
Einmal versuchte ein Junge mich in den intimsten Gegenden meines Körpers zu betatschen oder vielmehr den Zeigefinger dort hinein zu bohren. Das ließ ich natürlich nicht zu.
Doch wirkliche Gewalt? Eine Vergewaltigung gar? An DAS kann ich mich nicht erinnern.
Während meiner Schulzeit wurde ich einige Male heftigst gemobbt. Die Mobber waren stets die JUNGEN in meiner Klasse, nie die Mädchen.
Falls du selbst nie so was erlebt hast: Es gibt das Phänomen, dass sich Traumata von einer auf die nächste Generation übertragen.
Meine leibliche Mutter durchlebte das Ende des zweiten Weltkrieges mit all seinen Schrecken (Flucht, Vertreibung, Hunger, Krankheit). Mittlerweile habe ich Kontakt zu ihr. Sie erzählt mir oft davon, wie es ihr mit 3 Jahren erging. Obwohl sie damals noch so klein war, kann sie sich an die Bomben, die Bunker und Schutzgräben erinnern. Doch das ist ja nicht spezifisch Weibliches.
Falls meine Mutter oder Oma Opfer sexueller Gewalt im zweiten Weltkrieg wurden, haben sie nichts davon erzählt. Recht vielen Frauen (und Kindern??) wurde ja dieses Schicksal zuteil. So wie es meine Mutter darstellte, gelang ihr und meiner Oma die Flucht in den Westen, noch bevor die vergewaltigenden Soldaten der roten Armee über sie herfallen konnten.
Ob es Vorfälle in der Nachkriegszeit oder im Wirtschaftswunderland gab, die unter den Teppich gekehrt wurden, ist mir nicht bekannt.
Jetzt fällt mir noch eine bedrückende Möglichkeit ein … hast du eine Ahnung, ob deine eigene Zeugung/Empfängnis eher liebevoll war … oder nicht?
Meine Mutter wollte keine Kinder. Sie war mit einem Mann zusammen, der weder körperlich noch psychisch stabil war. Und sie selber war es auch nicht.
Als sie mit 40 schwanger wurde, war das für sie ein Schock. Für eine Abtreibung war es eigentlich zu spät, doch wegen all der Medikamente (zB schwere Beruhigungsmittel), die sie genommmen hatte, hätte sie eine Spätabtreibung durchdrücken können und wurde von Ärzten wegen einer wahrscheinlichen Behinderung, die mir das Leben "verpfuschen" würde, dazu ermutigt. Doch sie weigerte sich. Und ich wurde sogar ohne Behinderung geboren.
Ihre Schwangerschaft verlief qualvoll für sie.
Und die Empfängnis? Ich glaube, für sie gehörte Sex eher zum Pflichtprogramm einer Partnerschaft als in die "Kategorie Spaß". Falls sie ihren Partner, der mich zeugte, liebte, dann nur sehr begrenzt. Mehr weiß ich leider nicht.
Wie geht dein Vater mit Frauen/Mädchen um, wie denkt er über sie? Mag deine Mutter sich und ihren Körper? Wollten deine Eltern ein Mädchen?
Da komme ich nun wieder zu meinen Pflegeeltern. Mein (Pflege)Vater war eher patriarchisch als pro Gleichberechtigung
eingestellt.
An Zärtlichkeit zwischen ihm und meiner (Pflege)Mutter kann ich mich nicht erinnern. Ich glaube nicht, dass sie sich irgendwann mal umarmten. Keiner von beiden nahm Rücksicht auf die Gefühle des anderen oder auf meine.
Mein Vater hatte seine cholerischen Anfälle und meine Mutter versuchte mir zu verbieten mich zu wehren, vor allem deshalb, weil er herzkrank war ("er könnte tot umfallen, wenn Du Dich wehrst/so bockig bist, usw..").
Als mir meine Mutter prophezeite, dass ich wohl bald meine Tage bekommen würde, sagte ich "das brauche ich nicht.
Ich WILL ja gar keine Kinder." Mein Vater meinte daraufhin: "DANACH wirst Du nicht gefragt". Er sagte es mit einem Tonfall, der so klang wie "Ätsch, mit diesem Sch...musst Du Dich abfinden".
Ich hatte NICHT das Gefühl, dass er Respekt vor Frauen oder dem weiblichen Körper hatte; doch tiefe Diskussionen zu diesem Thema hatte ich natürlich mit ihm darüber nicht.
Haben deine Eltern mit dir als Kind viel geschmust?
ich habe gezappelt und gehauen, wenn meine Mutter das versuchte.
Es war jedoch auch generell eher keine verschmuste Familie.
Und hast du Muskelverspannungen im Körper? Klar, die hat vermutlich jeder mal, aber viele Leute haben sie ständig.
Und WAS für welche! Vor allem im Nacken, was manchmal in heftigen Kopfschmerzen resultiert. Man sagte mir schon oft, dass sich mein Nacken anfühlt wie ein Panzer. Massagen machen da leider nichts besser, sondern verursachen lediglich Kopfweh.
Sorry, dass ich so direkt frage, aber kennst du überhaupt erotische/sexuelle Gefühle? Denn normalerweise ist ja das einer der Gründe, weshalb man sich nach Küssen sehnt. Magst du gestreichelt werden?
Solche Gefühle kenne ich nicht. Ich schaue am liebsten weg, wenn sich beispielsweise im Fernsehen zwei Menschen körperlich sehr nahe kommen.
Gestreichelt werden mag ich auch nicht. Ich fühle mich schnell bedrängt und verspanne mich noch mehr als es ohnehin schon der Fall ist. Es gab bisher sowohl Männer als auch Frauen, die ich von ihrer Persönlichkeit her sehr interessant fand und vielleicht sogar auf irgendeine Weise anziehend. Doch körperlich nahe kommen wollte ich bislang keinem einzigen Menschen.
Ich habe Angst davor die Kontrolle zu verlieren, wenn mich jemand zum Beispiel streichelt; weil er ja mehr und immer mehr wollen könnte...
Ein Armrubbeln oder eine Umarmung sind aber ok. Manchmal sogar schön.
Das waren nun meine Antworten. Danke, Kaela, Danke MadWolf, Danke Patch and Danke Euch allen!
🙂