Du weinst. Du zitterst. Du bist aufgebracht.
Es gibt daher vielleicht auch die Möglichkeit, dass sie nicht den Mut hat, dir noch mehr zuzumuten.
Angst davor hat, was das, was sie sagen müsste, auslösen könnte
Das trifft es wohl so ziemlich, ich kenne meine Frau genug, so offen sie vom Wesen her ist, so wild wie sie den Sex haben möchte, wenn es um solche Themen geht, was zwischen uns (schief?) Läuft, da kriegt sie die Zähne einfach nicht aus einander und wenn ich versuche nachzuhorchen kommt "weiß ich nicht" als Antwort.
Das ist auch jetzt gerade gewissermaßen berechtigt, bevor man jetzt in dieser Situation eine evtl voreilige oder unehrliche Entscheidung trifft, will man weiter nachdenken..
Ich habe den letzten Text gestern Abend aus den Arbeitszimmer geschrieben, nachdem wir versucht hatten zu reden und ich den Raum verließ mit den Worten: Ich bedeute dir offenbar überhaupt nichts mehr, nachdem ich von ihr erfuhr, dass noch nicht alle Kontakte abgebrochen sind.
Ich saß da also, allein, gekränkt, es kamen wieder viele negative Gefühle hoch bis sich wieder Taubheit einstelle. Ich war in den Moment dankbar dafür, aber die vielen offenen Fragen ließen mich natürlich auch nicht los.
An Schlaf war nicht zu denken.
Ich hatte das Gefühl als könnte ich noch einmal Kraft aufbringen und ging zurück zu ihr ins Wohnzimmer, setzte mich auf die Couch zu ihr. Wir haben noch bis 2 Uhr nachts geredet!
Zu meiner Überraschung hatte sie nicht ihr Handy in der Hand sondern einen Block auf dem sie schrieb. Es sei ein Brief für mich in dem sie versucht, ihre aktuellen Gedanken zu ordnen und zu teilen. Wie oben gesagt.. irgendwie typisch für sie.
Ich habe sie aber aufgefordert zu versuchen mit ihr zu reden. Ich war dabei nicht vorwurfsvoll oder fordernd. Ich wollte echte antworten und keine aus ihr heraus pressen.
Sie beschrieb mir, dass die das Gefühl habe, in ihr wandelte sich etwas. Sie beschrieb es wie Midlife Crysis: Eigentlich hat sie "alles", aber stellt in Frage ob ihr das reicht. Ob es so wie es ist noch 20,30,40 Jahre weiter gehen und die glücklich machen könnte. Ihr fehle die Leidenschaft, das Prickeln, Knistern und eben die Erfüllung mancher Vorlieben..
Ich habe es nicht persönlich genommen weil ich mehr aus ihrem innersten erfahren wollte.
Ich habe ihr dann alle meine Gedanken geteilt. Dass keiner mit uns ist mit sich sonst zuletzt zufrieden war. Ich merke an Ihren Antworten dass es dabei überhaupt nicht nur um die Beziehung geht, sondern das Thema tiefgründig sexueller Natur ist.
Ich habe erst oberflächlich angefangen: Bei uns war "im Bett" ja längst nicht immer alles eingeschlafen oder festgefahren, monoton. Ich kann urheber verstehen, dass das Gefühl hat sexuell zu verdursten, wenn nur meine Libido vom Alltagsstress betroffen ist.
Stell dir jetzt bitte vor, wir - beide - schaffen das unglaubliche und finden wieder zu einander: "Reicht" es dir dann, zB so wie es zu unseren besten Zeiten war?
Ich hatte das Gefühl, dass es ihr hier gerade tatsächlich schwer fällt eine Antwort zu geben.
Sie brachte dann an, dass sie versucht hätte, gewisse Themen, sexuelle "Praktiken" (dies Wort, aber mir fällt gerade nichts besseres ein) oder "Abenteuer" anzubringen und ich das abgelehnt habe.
Hier musste ich widersprechen: sie hat MAL so ein Thema angeschnitten aber nicht viel dazu gesagt und auch dabei nicht erklärt, um was es ihr geht. Ich habe ihr auch gesagt - diese Erkenntnis ist auch erst Jahre später in mir gewachsen - dass ich das "persönlich" genommen habe und mich das zu tiefst verunsichert hat.
Da waren wir uns nicht ganz einig aber ich habe versucht das Gespräch wieder in eine produktive Richtung zu lenken.
Sie sprach dann an, dass sie nachsehen hätte, was ich mir da jetzt für ein Buch gekauft hätte und abends lese: "Liebe lässt frei".
Ihr habe gesagt, dass ich auch mein zugegebenermaßen festgefahrenes Denken prüfen möchte, ob ich etwas dazu lernen kann oder auch andere Gedanken annehmen könnte. Das man "Liebe und Partnerschaft" und "Sexualität" trennen könnte, ohne dass beide Partner daran kaputt gehen, evtl sogar im Gegenteil. (In der Theorie dieses Buches).
Sie habe da auch online nach Infos gesucht und meinte dann, jetzt gerade könnte sie sich eine offene Beziehung vorstellen, ggf. sogar wünschen, zumindest "für eine Zeit lang".
Gleichzeitig beteuerte Sie, dass sie NICHTS verlieren möchte, sie liebt mich noch genau so wie zuvor, genau wie unser Zuhause und die Kinder sowieso.
Als ich mir, aktuell oder auch früher, den Kopf zerbrach, was in ihr vorgehen könnte, kam mir dieser Gedanke natürlich auch. Auch hier in den Beiträgen wurde es, mal mehr mal weniger empatisch, zu Wort gebracht.
Ich bin dann darauf eingegangen um diesen Elefanten in Raum ein für alle mal zu packen bevor es sich wieder verstecken kann!
Ich sagte, dass man die diese "Modelle" eins braucht und das ist eine gemeinsame, unerschütterliche Basis braucht sowie Vertrauen, Selbstvertrauen und auch Vertrauen zum Partner. Wenn Sie sich schon auf mein Buch beruft, solle sie es sich nehmen und lesen, denn das steht auch ganz klar drin.
Alles andere ist sonst für einen nur ein Freifahrtschein und für den anderen "aushalten bis zum geht nicht mehr".
Ganz ohne Vorwürfe konnte ich das Gespräch auch nicht führen: Ich sagte ihr schon, dass sie manche Themen nie richtig angesprochen hat oder dabei nicht rücksichtsvoll genug mir gegenüber war. Dass ich das Thema verstehen kann und mich ggf dafür öffnen kann.
Ich habe auch offen angesprochen was sie schon wusste: sagt ich vor unserer Beziehung nicht schon X Partner oder groß rumprobiert habe!
Warum hat sie niemals versucht, mich an Themen heranzuführen?
Ich weiß nicht ob dieser Gedanke überhaupt stand hält? Wenn ein Partner Vorlieben hat und der andere nicht, er diese nicht mal kennt, müsste man dann versuchen, ihm das "beizubringen"?
Sie sagte, sie habe den Eindruck gehabt, ich fühle mich damit nicht wohl. Stimmt ja auch, aufgrund der Art und Weise. Und dass sie sich eben dabei (aktuell) jemanden vorgestellt hat, der das "mitbringt", der da "Typ dafür" ist.
Ich denke das war so ziemlich das ehrlichste, was sie sich bei dieser großen Thematik jemals getraut hat zu sagen.
Ich fahre es trotzdem unfair, weil sie mir nie eine Chance dazu gegeben hat, zumindest sehe ich es so. Ich habe ein Bild gebracht: Du hast Hunger und magst dir schnell eine Dose auf. Die erfüllt den Zweck, Hunger ist gestillt. Die Alternative wäre sich etwas zu kochen, aber das dauert viel länger und bedeutet Arbeit.
Die Konserven Metapher fiel mir spontan ein, jetzt vielleicht lächerlich, aber beschreibt doch unsere Lage irgendwie.
Jedenfalls waren wir in dieser Thematik so tief wie noch nie zuvor und ich wollte das nutzen, aber haben wir uns über solche "Modelle" frei unterhalten und ich habe wieder angeknüpft bei: es braucht eine Basis.
Habe von mir das Thema Swinger angesprochen, dass ich mir vorstellen könnte, dass so was sieh Reiz hat - jetzt nur vom drum herum her allein schonn und nicht um dort wild die Partner zu wechseln.
Ich sagte ihr auch: vor 7 Jahren habe ich auch in Foren gestöbert und da war ein Mann der sagte, er und seine Frau sind schon ewig zusammen, beide so enger 40 glaub ich, und die machen genau das, aber auch mit anderen Partnern. Jetzt nicht 1x im Monat aber irgendwie so... und gehen danach zusammen heim und lieben sich noch immer. Dieser Gedanke geht mir nicht aus dem Kopf seit 7 jahren, ich konnte den damals nicht für mich annehmen, aber jetzt sind wir wieder an dem Punkt wo ich mir Gedanken machen muss.
Bei allem was wir besprochen habe, frage ich, ob es ihr reicht die und jenes mit mir zu erfahren ist ob es ihr tatsächlich dann auch schon darum gehen würde, sich bmit anderen auszutoben? Ich glaube, dass könnte sie mir tatsächlich gerade nicht (ehrlich) beantworten, hatte aber das Gefühl, dass sie etwas zurück rudert.
Ob es tatsächlich so wäre oder sie mich ne schützen wollte, kann ich nicht einschätzen. 50:50.
... ich glaub ich muss hier meinen Beitrag aufteilen...
(Ende Teil 1/2)