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Ich war ein Frühchen, wem geht es auch so?

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Terrible

Mitglied
https://www.heimarbeit.de/so-dramatisch-wirkt-sich-ein-brutkasten-auf-die-psyche-des-babys-aus/


Habe heute Morgen einen interessanten Artikel gefunden der bei mir vielleicht einiges erklärt. Ich bin selber nämlich 2 Monate zu früh geboren, und auf mich treffen ALLE der im Artikel genannten Defizite zu! Körperlich war ich bis auf Probleme beim Trinken normal entwickelt. Aber was das Andere angeht hatte ich schon immer Macken. Ich war sehr ängstlich und ein totales Mama-Kind. Im Kindergarten hatte ich selektiven Mutismus. Das war damals noch nicht so bekannt und wurde daher nicht richtig behandelt. Dadurch führte dann eins zum Andern! Weil ich so schüchtern war hatte ich nie viele Freunde. Wodurch ich zurückgezogen und einsam war. Ich habe mir anerlernt in einer Phantasiewelt in meinem Kopf zu leben und mitunter ziemlich auffällige Sachen gespielt. Meine Eltern waren manchmal so ziemliche Helikoptereltern und für sie war irgendwie die Hauptsache das Kind ist ruhig und die Nachbarn merken nichts oder tratschen. Das war natürlich auch eher Kontraproduktiv. So hat man mich einfach zuhause gelassen wenn ich Angst hatte vor der Klassenfahrt, anstatt was gegen meine Ängste zu tun. Auf der Weiterführenden Schule wurde ich dann durchgehend gemobbt. Dann war ich motivationslos und hatte keine Perspektive. Heute bin ich 24, bzw. eigentlich noch 23 wenn man das Alter korrigiert, und habe noch immer keine Freunde. Geschweige denn einen Partner oder gar Sex. Manchmal glaube ich, ich wirde durch meine Umstände asexuell. Ich erträume mich immernoch wenn ich nichts besseres zutun hab in eine Phantasiewelt in der ich berühmt bin. Das kann ich wohl keinem normalen Menschen erklären. Ich habe soziale Defizite, mir fällt es schwer auf Leute zuzugehen oder Dinge von mir zu erzählen, oder mich mit jemandem anzufreunden. Ich habe lange keinen Job gefunden, und jetzt gehöre ich in der Tat zu diesen Geringverdienern und hatte auch keinen guten Schulabschluss. Irgendwo hab ich gelesen, dass ehemalige Frühchen besonders in Mathe Probleme haben. Auch das traf sowas von zu! Ich frage mich jetzt ob es nicht daher vorbestimmt war, dass ich ein Loser bin. Allein durch meine Frühgeburt, die fehlende richtige Betreuung danach und den Verlauf meiner Kindheit ist vorbestimmt, dass ich nie auch nur ansatzweise der Mensch sein kann der ich gerne geworden wäre. (Ich finde es echt unheimlich wie erfolgreich andere in meinem Alter schon sind, und wie sie mitten im Leben stehen. Und mir fallen manchmal die einfachsten Dinge so schwer.) Das ist traurig und beruhigend zugleich. Ich konnte nichts dafür, ich hab mir dieses Leben ja nicht ausgesucht. Jetzt sehe ich eine kleine Erklärung wieso ich bin wie ich bin. Nur ist es keine Entschuldigung. Heute bin ich ja alt genug, mich selbst zu erziehen und darf mich nicht darauf ausruhen was vor über 20 Jahren war! So, nun kommen wir aber zum Sinn dieses Posts: Ich frage mich, ob das hier jemand liest, der auch, wie ich, ein Frühchen war. Treffen all diese Dinge wie im Artikel beschrieben auch auf dich zu? Sind wir alle so “vorgeschädigt”? Wie lebt ihr heute so? Lasst uns mal connecten und so!
 

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Terrible

Mitglied
Hey, danke für die Antwort.
Das Verhalten anderer kann ich schon nachvollziehen. Ich wäre ja selbst gerne so... normal halt. Alle anderen sind irgendwie extrovertierter. Ich bin hingegen oft wie gehemmt. Das war früher noch um einiges schlimmer. Ich finde aber auch viele Leute sind zu offen. Sie erzählen Dinge in alle Welt, die ich so nur wenigen anvertrauen würde.
 

CrystalAnn

Mitglied
Ich bin auch 2 Monate zu früh auf die Welt gekommen und es kann gut sein, dass viele meiner Defizite genau daraus resultieren - beweisen kann man das natürlich nicht.
Ängstlich und unsicher, joar Treffer versenkt würde ich mal sagen. Ich kann mich schlecht ausdrücken und schnalle einige Dinge sehr langsam (obwohl ich mich nicht für blöde halte), Mathe liegt mir jedoch gut. Selektiven Mutismus habe ich bis heute, weiß bloß keiner :D. Empfindsam bin ich und bestücke diese auch mal gerne mit negativen Gefühlen.

Aufmerksamkeit, Emotionen und Kommunikationen sind die reinsten Defizite kurz gesagt, trotzdem habe ich viele Dinge geschafft, wahrscheinlich durch andere Eigenschaften kompensiert. Kommunikationsschwäche und Schüchternheit mit Menschenbezogenheit und Empathie zum Beispiel.

Meine Eltern hingegen haben mich nicht übermäßig viel beschützt, sie halten nicht viel von Überfürsorge. Wieviel das verhindert hat, weiß niemand. Ich hatte aber auch das Glück, Menschen in meinem Leben zu haben, die mich viel ermutigt haben.

Und ich sage es mal so: Man ist wegen einer Sache nicht endgültig für das Leben gestraft und sollte nicht die Flinte ins Korn werfen. Für etwas muss man doch leben oder? Flapsig gesagt kann man Schritt für Schritt an seinen Ängsten arbeiten zum Beispiel.

Mittlerweile bin ich 27 und mein Umfeld sagt mir, dass ich viel selbstbewusster und stärker über die Jahre geworden bin. Klar, es ist nicht perfekt, aber besser als nichts. Aus eigener Erfahrung weiß ich, dass der Vergleich mit anderen gerne hinkt, aber der Vergleich mit seinem früheren Selbst kann Balsam für die Seele sein.

Hey, danke für die Antwort.
Das Verhalten anderer kann ich schon nachvollziehen. Ich wäre ja selbst gerne so... normal halt. Alle anderen sind irgendwie extrovertierter. Ich bin hingegen oft wie gehemmt. Das war früher noch um einiges schlimmer. Ich finde aber auch viele Leute sind zu offen. Sie erzählen Dinge in alle Welt, die ich so nur wenigen anvertrauen würde.
Kann es sein, dass es dir schwer fällt, deine Empfindungen auszudrücken? Oder dass eine Wand aus Glas zwischen dir und deiner Umgebung exisitert, durch die du nicht durchkommst, obwohl du dich nach der Welt auf der anderen Seite der Wand sehnst. Wie in den eigenen Gedanken gefangen.
 

lilawelt

Aktives Mitglied
ich weiß schon was du meinst.
aber mir hat es eher geschadet, dass auch die ärzte meinten können froh sein, wenn sie gesund ist.
meine eltern haben es dann eher so gesehen, dass man nicht in mich investieren muss.
bestimmt nicht extra, aber ich habe dadurch nicht die selbe förderung erhalten wie meine anderen geschwister.
mich beruhigt der gedanke ehrlich gesagt überhaupt nicht. mich stören meine defizite sehr.
 

CrystalAnn

Mitglied
ich weiß schon was du meinst.
aber mir hat es eher geschadet, dass auch die ärzte meinten können froh sein, wenn sie gesund ist.
meine eltern haben es dann eher so gesehen, dass man nicht in mich investieren muss.
bestimmt nicht extra, aber ich habe dadurch nicht die selbe förderung erhalten wie meine anderen geschwister.
mich beruhigt der gedanke ehrlich gesagt überhaupt nicht. mich stören meine defizite sehr.
Gerade bei uns Frühchen muss man richtig ansetzen, aber offenbar machen das nicht viele :rolleyes:, auch wenn sie es nicht böse meinen.

Mit unseren Defiziten haben wir wohl alle zu kämpfen, mich beunruhigt das immer dann, wenn ich dadurch einen Nachteil erfahre.
 

Basti85

Neues Mitglied
Erschreckend wie sehr das auf mich zutrifft, bin auch ein Frühchen und war von der Entwicklung, gerade was so das soziale angeht anderen immer Jahre hinterher. Bin sehr zurückhaltend und ängstlich, habe Probleme was das Selbstvertrauen angeht und habe für mein Alter vermutlich auch noch zu viel Kontakt zu meinen Eltern.
 

Jayli

Mitglied
Ich war auch ein Frühchen und habe in meinem ersten Lebensjahr viel Zeit im Krankenhaus verbracht. Eigentlich wusste ich schon alles, was in dem Artikel stand, dennoch finde ich es erstaunend, wie sehr es auf mich zutrifft. Alles passt, besonders die Schwierigkeiten im sozialen Bereich. Früher hatte ich so viel Angst, dass ich mit fast niemanden, außer meiner Familie geredet habe. Ich habe viel geweint und mich an meine Mama geklammert. Es ist zwar inzwischen besser gewoeden, macht mir aber mein komplettes Leben unnötig schwer. Gerade in der Schule und ich bin erst in der 11. Klasse, habe also nich eine Weil vor mir... Einerseits "freue" ich mich auf die Zeit ohne Schule, aber andererseits machen mir Veränderungen Angst. Leider eine doofe Sache. Meine Eltern packen mich aber zum Glück nicht unnötig extra in Watte, dann hätte ich glaube ich noch zusätzlich das Gefühl, vor lauter Watze keine Luft zu bekommen.
 
Kann es sein, dass es dir schwer fällt, deine Empfindungen auszudrücken? Oder dass eine Wand aus Glas zwischen dir und deiner Umgebung exisitert, durch die du nicht durchkommst, obwohl du dich nach der Welt auf der anderen Seite der Wand sehnst. Wie in den eigenen Gedanken gefangen.
Ich bin zwar nicht angsprochen, aber ich habe alle Fragen mit Ja beantwortet. Genau so empfinde ich das, ohne es irgendwie in Worte fassen zu können.
Ich selbst kam in der 24. Woche zur Welt und war danach soweit ich weiß ein halbes Jahr im Krankenhaus.
Mittlerweile habe ich mein Abi, habe studiert und einen Bachelorabschluss mit 1,4 geschafft.
Aber sozial und emotional fühle ich mich weniger erfolgreich. Irgendwie..wie die Beschreibung oben.

Fände es auch schön, wenn man sich hier im Forum mit anderen Frühgeborenen kurzschließen könnte :)
 

Knirsch

Aktives Mitglied
Ich war drei Monate zu früh dran und wurde auch die ersten Wochen nicht besucht, weil meine Mutter schwer erkrankt war und man Angst hatte, sie würde mich anstecken.
Ich kann nicht sagen, dass ich Defizite habe, die ich darauf zurückführen würde. Ich war kein besonderes Mamakind und bin es auch heute nicht. Weder körperlich, noch geistig war bei mir etwas anders als bei gleichaltrigen Kindern. Allerdings ging es in der Pubertät dann mit chronischen Erkrankungen los, die aber eine Schwester auch in abgeschwächter Form hat und keine Frühgeburt war. Probleme, die ich später bekommen habe, psychisch und Co sind eher auf meine Krankengeschichte und daraus resultierenden schlechten Erfahrungen zurückzuführen, denke ich, denn diese Probleme hatte ich vorher nicht. Allerdings hatte ich immer große Angst davor, dass man meine Kinder grundlos von mir oder meinem Mann entfernen könnte, was auch bei einem Kind beinahe passiert wäre, weil man ihm eine Erkrankung andichtete, die er gar nicht hatte. Als man mir sagte, dass man ihn ja "nur" für ein paar Tage auf Beobachtung auf die Neonatologie legen würde und dann mal sehen, da war mir klar, dass das nur über meine Leiche geschieht und ich konnte das auch abwenden, auch wenn ich zu echt drastischen Mitteln greifen musste. Da habe ich zum ersten Mal gemerkt, dass ich das eigentlich ganz furchtbar finde, einem Kind sowas anzutun. Ich hätte ihn eher mit einem Revers zu meinem Mann geschickt und wäre nicht bei ihm gewesen als ihn fremden Ärzten zu überlassen, die offensichtlich auch noch inkompetent waren (und nein, das ist nich meine subjektive Einschätzung, das bestätigte sogar der Oberarzt, der sich das am nächsten Tag ansah)
Sonst habe ich diesbezüglich eigentlich nie eine Auffälligkeit festgestellt.
Ich glaube, sowas kann sich auswirken. Muss aber nicht. Vielleicht hilft es sich einige Dinge zu erklären, die man vorher nicht verstanden hat. Aber es ist sicher kein unumgängliches Schicksal, dass alle Kinder trifft, die sowas erleben.
 

Knirsch

Aktives Mitglied
Ich bin zwar nicht angsprochen, aber ich habe alle Fragen mit Ja beantwortet. Genau so empfinde ich das, ohne es irgendwie in Worte fassen zu können.
Ich selbst kam in der 24. Woche zur Welt und war danach soweit ich weiß ein halbes Jahr im Krankenhaus.
Mittlerweile habe ich mein Abi, habe studiert und einen Bachelorabschluss mit 1,4 geschafft.
Aber sozial und emotional fühle ich mich weniger erfolgreich. Irgendwie..wie die Beschreibung oben.

Fände es auch schön, wenn man sich hier im Forum mit anderen Frühgeborenen kurzschließen könnte :)
Wow. 24. Woche ist aber schon heftig. Ein Wunder, dass du es geschafft hast.
Ich denke, die Dauer spielt sicher auch eine Rolle. Ich war zB dann nach einigen Wochen schon zu Hause, weil ich mich im Brutkasten ständig gedreht hatte und man meinte, man bräuchte die Betten für schwächere Kinder. Da war zwar das Gewicht immer noch weit unter dem, womit man heute entlässt, aber es ging mir gut und ich musst auch nie beatmet werden oder Ähnliches. 24. Woche ist doch eine ganz andere Kategorie. Gerade da machen ein paar Wochen einen riesen Unterschied.
 
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