G
Gelöscht 122316
Gast
Hallo SandroHD,
dein Beitrag ist sehr schön und sehr reflektiert verfasst.
Viele deiner aufgeführten Punkte hätte ich auch genauso über mich und meine Situation schreiben können.
Mir geht es auch so, dass ich sehr viel über meine Misere und wie ich in sie hineingekommen bin nachgedacht habe, und auch wie du das Problem größtenteils ausgemacht habe...
Du hast vollkommen Recht wenn du sagst, dass man sich seine Realität selbst erschafft.
Das ist eine alte Weisheit, in der viel Wahrheit steckt.
Das Umfeld ist oft ein Spiegel unserer selbst, natürlich kann man diese Funktionsweise nicht auf alles ausdehnen, aber auf einen Großteil unseres Erlebens ist es anwendbar...
Und leider ist es auch ein Teufelskreis...denn durch unsere negative Denkweise über uns und unser Leben ziehen wir genau die Situationen und Menschen an, die diese Meinung, die man über sich selbst hat, belegen. Durch ihre Worte und Handlungen verfestigt sich wiederum die eigene Denkweise und man zieht immer mehr solcher Menschen und Situationen an (in meinem Lieblingscomputerspiel Planescape Torment wurde das Thema auch aufgegriffen, da hieß es, dass man im eigenen Leid, die Menschen wie ein Magnet anzieht, die ebenfalls leiden, und dass Gedanken Wirklichkeiten erschaffen, dort wurde es sogar so weit getrieben, dass man sich am Ende "aus der Existenz denken" konnte), bis uns so viel Deprimierendes passiert ist, dass man sich manchmal so fühlt, als sei man ganz unten angekommen.
Irgendwann schleppt man sich mit einem sich nicht lichten wollenden Schleier der Traurigkeit und Hoffnungslosigkeit durch den Tag und hofft nur, nicht irgendwo anzuecken und keine weiteren schlimmen Erfahrungen zu machen...
Ich denke ebenfalls oft, dass ich für dieses Leben einfach nicht geschaffen bin, mich macht das Leid, dass sich um einen herum oftmals abspielt ganz wehmütig, ich kann nicht abschalten von der Außenwelt...von den Krankheiten unserer Gesellschaft, die teils menschenverachtenden Züge aufweist.
Und auch hier frage ich mich dann oft, wenn man das im Umfeld wahrnimmt, nimmt man darin seinen eigenen projizierten Kummer wahr? Zu einem Teil auf jeden Fall.
Es könnte auch einfach sein, dass wir uns gemeinschaftlich eine Welt erschaffen haben, in der negative Affirmationen an der Tagesordnung sind.
Ich denke diese Sätze die du aufgelistet hast...so denken mehr Menschen als man meint, auch Menschen von denen man es gar nicht glaubt, weil manche nach außen hin besser den Schein wahren können als andere.
Wir als Menschen bekommen durch sämtliche Instanzen diese Affirmationen eingeprägt, es ist also genaugenommen ein Wechselspiel zwischen äußeren Einflüssen und innere Einflüsse, die ebenfalls "schöpferisch" an der Realität beteiligt sind.
Ich frage mich oft, wer will, dass wir so eine Realität schaffen? Eine Realität in der wir ständig unseren Wert unter Beweis stellen müssen, eine "Grundschuld" haben sollen, der wir fortwährend mit Leistungen entgegenzuwirken haben...
Darüber könnte man sich lange philosophisch unterhalten.
Was ich auf jeden Fall sehr toll finde ist, welches Maß an Selbstreflexion du an den Tag legst.
Es geht wirklich einigen Menschen so wie dir, aber viele Menschen haben viel zu viel Angst sich ihre eigene Beteiligung an der Situation einzugestehen oder nach tieferen Gründen zu schürfen.
Aber letzten Endes ist es wichtig, dass wir uns mit unserer eigenen Rolle und der Rolle der Gesellschaft und des Umfeldes auseinander setzen und unsere Gefühle analysieren.
"Als wäre etwas in mir, das diesen Schmerz liebt und danach verlangt, zu leiden " - auch das ist ein Gedanke den ich selbst schon so oft hatte...sehne ich mich irgendwie nach diesem Schmerz? Gönne ich mir keine Freude, wenn ja, warum? Wegen dem was sich in der Vergangenheit zugetragen hat...?
Leider kann ich dir kein Erfolgsrezept vermitteln, wie man den Gedanken, die uns unten halten, Herr wird. Ich selbst kämpfe schon seit Jahren vergeblich gegen diese Glaubenssätze an, bei mir gings auch so ca. mit 20-21 Jahren richtig los mit der niederschmetternden Selbstreflexion...habe mich schon in zig verschiedenen Jobs versucht und überall genau die Rückmeldung bekommen, die ich innerlich befürchtet habe...ich würde viel unreifer wirken als mein Alter vermuten lassen würde (bin grade 28 geworden), würde zu viel Unsicherheit ausstrahlen - so könne man mich nicht ernst nehmen, wäre zu langsam und zu schusselig und somit leider nicht geeignet...diese Rückmeldung hat für mich alles schlimmer gemacht und so habe ich einen ständigen Chor im Kopf der diese Äußerungen immer wieder und wieder sadistisch wiederholt...auch was Beziehungen betrifft hab ich schon fast damit abgeschlossen, dass ich je jemanden finden werde, bei dem man einfach mal sich selbst sein kann und keine Angst vor negativer Rückmeldung haben muss. Irgendwann fühlt sich die Zurückgezogenheit und Einsamkeit einfach nach Geborgenheit an...Momente in denen man nicht im Außen seine schlimmsten Befürchtungen widergespiegelt bekommt... Aber auf der anderen Seite weiß man natürlich auch, dass es eigentlich keine Dauerlösung sein kann - und wie du sagst, innerlich will man ja schon irgendwie, dass sich glücklichere Zeiten einstellen und dass man schöne Erlebnisse sammelt...die Frage ist nur, wie man diese einleitet...Wie kommt man an einen Wendepunkt? Ich wünschte es gäbe narrensichere Tipps wie man das schafft, aber ich befürchte, einfach ist es nicht, wie du sagst...das Leben besteht aus diesen vielen Bausteinen der Vergangenheit...manche sind vergangenheitsbezogener als andere, manche Menschen schaffen es besser im Hier und Jetzt zu leben...ich gehöre auch zu der Sorte Mensch, die ständig an Vergangenes denkt und sich davon noch viel zu viel beeinflussen lässt...vermutlich ist ein wichtiger Schritt, sich für alles was man glaubt falsch gemacht zu haben bis zu einem gewissen Grad selbst vergibt...sich zu sagen, dass man es wenn man es nur stark genug will anders machen kann...wenn man glaubt, dass man nur das Endprodukt seiner Erlebnisse und Taten ist, dann gerät man schnell in eine gewisse Haltung der Resignation...So schwer es ist, das muss man versuchen zu verhindern.
Ich wünsche dir nachträglich alles Gute zu deinem Geburtstag 🙂
Wie gesagt, ich kann dich mit allem was du schreibst nur all zu gut verstehen, mir geht es fast haargenau so wie dir. Wenn du magst könnte man sich gerne etwas austauschen, du scheinst mir ein Mensch zu sein, mit dem man über vieles philosophieren kann, das finde ich bei Menschen immer bewundernswert.
dein Beitrag ist sehr schön und sehr reflektiert verfasst.
Viele deiner aufgeführten Punkte hätte ich auch genauso über mich und meine Situation schreiben können.
Mir geht es auch so, dass ich sehr viel über meine Misere und wie ich in sie hineingekommen bin nachgedacht habe, und auch wie du das Problem größtenteils ausgemacht habe...
Du hast vollkommen Recht wenn du sagst, dass man sich seine Realität selbst erschafft.
Das ist eine alte Weisheit, in der viel Wahrheit steckt.
Das Umfeld ist oft ein Spiegel unserer selbst, natürlich kann man diese Funktionsweise nicht auf alles ausdehnen, aber auf einen Großteil unseres Erlebens ist es anwendbar...
Und leider ist es auch ein Teufelskreis...denn durch unsere negative Denkweise über uns und unser Leben ziehen wir genau die Situationen und Menschen an, die diese Meinung, die man über sich selbst hat, belegen. Durch ihre Worte und Handlungen verfestigt sich wiederum die eigene Denkweise und man zieht immer mehr solcher Menschen und Situationen an (in meinem Lieblingscomputerspiel Planescape Torment wurde das Thema auch aufgegriffen, da hieß es, dass man im eigenen Leid, die Menschen wie ein Magnet anzieht, die ebenfalls leiden, und dass Gedanken Wirklichkeiten erschaffen, dort wurde es sogar so weit getrieben, dass man sich am Ende "aus der Existenz denken" konnte), bis uns so viel Deprimierendes passiert ist, dass man sich manchmal so fühlt, als sei man ganz unten angekommen.
Irgendwann schleppt man sich mit einem sich nicht lichten wollenden Schleier der Traurigkeit und Hoffnungslosigkeit durch den Tag und hofft nur, nicht irgendwo anzuecken und keine weiteren schlimmen Erfahrungen zu machen...
Ich denke ebenfalls oft, dass ich für dieses Leben einfach nicht geschaffen bin, mich macht das Leid, dass sich um einen herum oftmals abspielt ganz wehmütig, ich kann nicht abschalten von der Außenwelt...von den Krankheiten unserer Gesellschaft, die teils menschenverachtenden Züge aufweist.
Und auch hier frage ich mich dann oft, wenn man das im Umfeld wahrnimmt, nimmt man darin seinen eigenen projizierten Kummer wahr? Zu einem Teil auf jeden Fall.
Es könnte auch einfach sein, dass wir uns gemeinschaftlich eine Welt erschaffen haben, in der negative Affirmationen an der Tagesordnung sind.
Ich denke diese Sätze die du aufgelistet hast...so denken mehr Menschen als man meint, auch Menschen von denen man es gar nicht glaubt, weil manche nach außen hin besser den Schein wahren können als andere.
Wir als Menschen bekommen durch sämtliche Instanzen diese Affirmationen eingeprägt, es ist also genaugenommen ein Wechselspiel zwischen äußeren Einflüssen und innere Einflüsse, die ebenfalls "schöpferisch" an der Realität beteiligt sind.
Ich frage mich oft, wer will, dass wir so eine Realität schaffen? Eine Realität in der wir ständig unseren Wert unter Beweis stellen müssen, eine "Grundschuld" haben sollen, der wir fortwährend mit Leistungen entgegenzuwirken haben...
Darüber könnte man sich lange philosophisch unterhalten.
Was ich auf jeden Fall sehr toll finde ist, welches Maß an Selbstreflexion du an den Tag legst.
Es geht wirklich einigen Menschen so wie dir, aber viele Menschen haben viel zu viel Angst sich ihre eigene Beteiligung an der Situation einzugestehen oder nach tieferen Gründen zu schürfen.
Aber letzten Endes ist es wichtig, dass wir uns mit unserer eigenen Rolle und der Rolle der Gesellschaft und des Umfeldes auseinander setzen und unsere Gefühle analysieren.
"Als wäre etwas in mir, das diesen Schmerz liebt und danach verlangt, zu leiden " - auch das ist ein Gedanke den ich selbst schon so oft hatte...sehne ich mich irgendwie nach diesem Schmerz? Gönne ich mir keine Freude, wenn ja, warum? Wegen dem was sich in der Vergangenheit zugetragen hat...?
Leider kann ich dir kein Erfolgsrezept vermitteln, wie man den Gedanken, die uns unten halten, Herr wird. Ich selbst kämpfe schon seit Jahren vergeblich gegen diese Glaubenssätze an, bei mir gings auch so ca. mit 20-21 Jahren richtig los mit der niederschmetternden Selbstreflexion...habe mich schon in zig verschiedenen Jobs versucht und überall genau die Rückmeldung bekommen, die ich innerlich befürchtet habe...ich würde viel unreifer wirken als mein Alter vermuten lassen würde (bin grade 28 geworden), würde zu viel Unsicherheit ausstrahlen - so könne man mich nicht ernst nehmen, wäre zu langsam und zu schusselig und somit leider nicht geeignet...diese Rückmeldung hat für mich alles schlimmer gemacht und so habe ich einen ständigen Chor im Kopf der diese Äußerungen immer wieder und wieder sadistisch wiederholt...auch was Beziehungen betrifft hab ich schon fast damit abgeschlossen, dass ich je jemanden finden werde, bei dem man einfach mal sich selbst sein kann und keine Angst vor negativer Rückmeldung haben muss. Irgendwann fühlt sich die Zurückgezogenheit und Einsamkeit einfach nach Geborgenheit an...Momente in denen man nicht im Außen seine schlimmsten Befürchtungen widergespiegelt bekommt... Aber auf der anderen Seite weiß man natürlich auch, dass es eigentlich keine Dauerlösung sein kann - und wie du sagst, innerlich will man ja schon irgendwie, dass sich glücklichere Zeiten einstellen und dass man schöne Erlebnisse sammelt...die Frage ist nur, wie man diese einleitet...Wie kommt man an einen Wendepunkt? Ich wünschte es gäbe narrensichere Tipps wie man das schafft, aber ich befürchte, einfach ist es nicht, wie du sagst...das Leben besteht aus diesen vielen Bausteinen der Vergangenheit...manche sind vergangenheitsbezogener als andere, manche Menschen schaffen es besser im Hier und Jetzt zu leben...ich gehöre auch zu der Sorte Mensch, die ständig an Vergangenes denkt und sich davon noch viel zu viel beeinflussen lässt...vermutlich ist ein wichtiger Schritt, sich für alles was man glaubt falsch gemacht zu haben bis zu einem gewissen Grad selbst vergibt...sich zu sagen, dass man es wenn man es nur stark genug will anders machen kann...wenn man glaubt, dass man nur das Endprodukt seiner Erlebnisse und Taten ist, dann gerät man schnell in eine gewisse Haltung der Resignation...So schwer es ist, das muss man versuchen zu verhindern.
Ich wünsche dir nachträglich alles Gute zu deinem Geburtstag 🙂
Wie gesagt, ich kann dich mit allem was du schreibst nur all zu gut verstehen, mir geht es fast haargenau so wie dir. Wenn du magst könnte man sich gerne etwas austauschen, du scheinst mir ein Mensch zu sein, mit dem man über vieles philosophieren kann, das finde ich bei Menschen immer bewundernswert.