Hallo
@078989760986z98,
da du dich nochmal gemeldet hast, nehme ich mal an, dass du hier nochmal reinschaust (auch wenn du den Beitrag wieder gelöscht hast).
Ich kann mich schwer in dich hineinversetzen, auch wenn ich Einsamkeit kenne. Ich glaube, du bist (oder warst während des Schreibens) in einem psychischen Ausnahmezustand. Was du beschreibst, ist ja wirklich außergewöhnlich und bedenklich. Und deshalb denke ich, dass du dir professionelle Hilfe suchen solltest. Vielleicht auch medikamentöse Hilfe, nur um mal runterzukommen von den schlechten Gefühlen.
Aber wichtiger an dem Ausnahmezustand finde ich, dass er ein Grund ist, warum das mit deinen Wünschen nicht auf die Schnelle funktionieren wird. Du willst ja echte, authentische Kontakte, hast du geschrieben. Nichts Künstliches, keine Gespräche, die Menschen nur mit dir führen, weil es ihr Job ist. Das Problem mit den echten, authentischen Kontakten ist, dass sie freiwillig sind und dass Menschen sie genau dann weiterführen werden, wenn es IHNEN was bringt, d.h. wenn sie sich mit dir wohlfühlen. Wenn es interessant, lustig, angenehm, lehrreich, hilfreich usw. ist. Das Problem, das ALLE einsamen Menschen dabei haben, ist, dass man, wenn man einsam ist, in der Regel nicht so locker und lustig ist, wie man gerade sein müsste, um sympathisch rüberzukommen. Gerade weil der Kontakt einem so wichtig ist, ist man z.B. zu aufdringlich, oder zu unterwürfig und ja-sagend, oder zu verkrampft und uncool und alles andere als lustig. Oder dies oder das. Und dann nehmen die Menschen wieder Abstand von einem. Es kann aber besser werden mit der Zeit. Du bist ja auch noch sehr jung. Was es bei mir mit der Zeit gebessert hat, war, glaube ich:
- Man wird mit der Zeit innerlich unabhängiger. Man ist zwar vielleicht immer noch einsam, aber man lernt, dass es nichts bringt, Leuten hinterherzulaufen oder gefallen zu wollen. Und wenn man das sein lässt, d.h. wenn man selbstbewusster und autarker (und normaler) rüberkommt, dann wird man auch interessanter für die Menschen.
- Man weiß mit der Zeit, wer man ist und was man kann. Selber Effekt. Auch, mit wem man kann und mit wem nicht.
- Man lernt dazu. Durch das Leben, Lesen, Reisen, Erfahrungen, Gehörtes. Und dadurch lernt man zum einen, besser mit den Leuten umzugehen, und zum anderen hat man mehr oder Interessanteres zu erzählen. Dafür muss/kann man aber auch ein bisschen was tun, d.h. mehr dazulernen, als automatisch geschieht.
- Man trifft mit der Zeit auf viele Menschen, mal in dieser Gruppe, mal in jener. Und immer wieder mal bleibt einer. Vielleicht nicht in Gruppe A, B oder C. Aber dann einer in Gruppe D und einer in Gruppe H. Also werden es über die Jahre mehr. Natürlich springen auch wieder welche ab. Aber meine Erfahrung ist, dass ab einem bestimmten Alter die Leute bleiben. Wer dich x Jahre lang "ertragen" hat oder gemocht hat, hat keinen Grund, daran im Jahr x+1 etwas zu ändern. Die Leute haben irgendwann ihre festen Kreise bzw. tun sich selber auch schwer damit, neue Leute kennenzulernen, weil es oft nicht passt. Wenn es mit dir passt, dann ist man froh um dich. Aber um so weit zu kommen, musst du auch hier was tun: in Gruppen gehen. Manche Gruppen ergeben sich automatisch (Schule, Arbeit), andere musst du dir selber suchen. Wenn du nicht unter Leute gehst, lernst du auch keine kennen, klar.
- Ich habe über die Jahre genug Telefon- oder Online-Kontakte aufgebaut. Die meisten davon habe ich auch mal im realen Leben getroffen, es sind also keineswegs nur irgendwelche "künstlichen" Sachen.
Jedenfalls, wenn ich mal jemanden zum Telefonieren brauche, dann hab ich mehr als eine Nummer, die ich anrufen kann.
Was ich sagen möchte, ist: Wenn man in einer schlechten Lage ist und über Jahre schlechte Erfahrungen gemacht hat, dann kann man sich nicht vorstellen, dass es nochmal besser wird. Aber das ist falsch. Es kann sehr wohl besser werden. Ich habe auch jahrelang darunter gelitten, heute kaum noch. Und damit hätte ich nicht unbedingt gerechnet. Es sah nicht danach aus, und ich habe nicht so viel gemacht, um etwas an meiner Lage zu ändern. Ich bin ausgegangen, ich bin meinen Interessen nachgegangen, ich bin offen geblieben, ich bin gereist. Ich bin Leuten nicht hinterhergelaufen, aber ich habe auch was getan, um die Freundschaften zu pflegen.