Ich picke mal etwas raus, Sakazuki.
Ich höre hier hinter dem Hass - Erschöpfung, Trauer, Hilflosigkeit, Ratlosigkeit. Das Bedürfnis danach, "gehört zu werden", nach Unterstützung, Ruhe, Erholung, Leichtigkeit - Liebe.
Weshalb kannst Du nicht sagen:
"Hey - ich bin selbst gerade so platt. Ich habe keinen Kopf für Deine Probleme."
Und: "Ok. So siehst Du das - davon bist Du überzeugt. Ich sehe es so und so."
Fiel mir bis jetzt immer schwer, wenn jemand mit mir redete, vor dem gegenüber ich Angst/Respekt oder doch Wohlwollen empfand. Ich glaube, ich bin viel zu leicht eingeschüchtert und um möglicher Kritik zu entgehen, gebe ich immer viel zu schnell nach, bzw. lasse ich mich schnell umstimmen.
Moin Du,
Du führst hier etwas in Bezug auf "Gefühle" aus. Der Kontext ist
Welche Gefühle sind mit den Gedanken verbunden?:
Das hört sich für mich so an, als fehle es Dir an Verbundenheit, Zugehörigkeit, Gemeinschaft - Lebensfreude. Du hast Dir eine Maske zugelegt, die dem entspricht, wie Deine Eltern und Dein soz. Umfeld Dich (Deiner Menung nach) gerne sehen. Das kostet ne Menge Kraft, hm?
Da sie Dich nicht (sei es nun tatsächlich so oder in Deiner Gedankenwelt) so annehmen können wie Du wirklich bist, fühlst, denkst, hörst Du quasi: Du bist ein schlechter Sohn - Mensch". Durch die Maske, die Du aufgesetzt hast, hast Du Dich ein Stück weit verloren. Erlebst Dich nicht als authentisch, ja?
Das ist richtig. Ich könnte nicht wie aus dem ff sagen, dass ich mich irgendwo bestimmtes pudelwohl fühle. In der Heimat habe ich das Gefühl, dass jeder einfach sein Ding macht und wenn es zu intensiver Interaktion kommt, gibt es immer Streit. Mein Vater ist seit 6 Monaten krankgeschrieben und verbringt ca. 12 Stunden am Tag in der Moschee. Diese wird momentan renoviert und mein Vater beobachtet die Arbeiten und gibt versierte Tipps. Außerdem ist das seine Art "Kneipe", bzw. dort kann er sich entspannen. Wenn er mal zu Hause ist, stöbert er entweder am PC oder schläft. Wenn es mal Stress gibt, hält er sich komplett raus. Früher war es noch schlimmer und er griff nur ein, um uns zu drohen oder um eine Respektschelle zu erteilen. Er war nie der Schlägervater oder so, aber das war eben seine Art. Deshalb bin ich ein Fan von Mediation, denn bei einem Streit haben immer beide beide Seiten irgendwie Recht.
Meine verbleibende Schwester ist relativ unzufrieden mit ihrem Job und ist extrem zickig und flatterhaft, zudem sucht sie ständig Streitgründe. Ich glaube sie fühlt sich einfach als Opfer der Umstände. Immer wieder kommen von ihr Sprüche wie "irgendwann ziehe ich hier aus dann bin ich euch alle los" oder "ich hasse euch alle". Das nehme ich ihr echt nicht mal übel, aber reden fällt mir schwer mit ihr.
Und noch dazu wohnt momentan mein Cousin seit 2 Monaten mit seiner Frau bei uns, da sie frisch verheiratet noch keine Wohnung haben. Er ist wie ein Sohn für meine Eltern geworden, schon früher war er fast täglich bei uns zu Besuch. Ich mag ihn, er ist sehr humorvoll drauf und weiß was zu weit geht, vertritt seine Meinung. Aber ich glaube seine Frau passt nicht zu ihm, er hat sie aus der Türkei nach Deutschland "geholt" und ich merke, dass sie sich hier nicht wohlfühlt und sehr gestresst ist. Sie ist ihm gegenüber teils echt herablassend. Sie ist gerade mal 18 und der plötlzliche Lebenswandel scheint sie echt mitzunehmen, aber sie macht sich nach außen stark.
Meine Mutter ist eine Sache für sich. Sie macht sich extrem Sorgen um meine Zukunft und reagiert auf alles emotional. Mal fängt sie an zu weinen, mal rastet sie aus. Sie vergräbt sich im Koran und baut mit ihrer Religionspraxis eine Mauer auf, die sie stark scheinen lässt. Sie meint, die Religion würde sie erfüllen und zufrieden stellen, aber die Realität sieht anders aus. Wäre sie wirklich so zufrieden wie sie immer sagt, würde sie wohl kaum so verzweifelt sein. Als ich ihr gegenüber meinte, ich sei in letzter Zeit sehr nachdenklich über mich selbst und deshalb nur in meinem Zimmer, fing sie schlagartig an zu weinen, umarmte mich und flehte mich an, "Gottes Weg zu folgen", ein "guter Diener Gottes" zu sein" und mich zu finden. Außerdem meinte sie, als sie vor 3 Monaten in Mekka war (Pilgerfahrt), hätte sie mich neben sich gesehen, in voller Religionsmontur. Meine Gedanken waren wie folgt: "Also umarmst du mich nur, wenn ich mich der Religion hingebe und auf meine Bedürfnisse scheiße. Oder du willst mir weißmachen, was meine Bedürfnisse sind. Mama ich werde mich ändern und mich finden, aber es wird dir nicht gefallen". Aber ich sagte ihr nur, sie solle sich keine Sorgen machen.
In der Verbindung bin ich ganz anders. Wir beleidigen uns dort gegenseitig und haben Spaß, aber meist fühle ich mich auch dort nicht wohl. Dort ist mein Zustand in letzter Zeit schon zur Sprache gekommen, einer meiner Bundesbrüder ging einmal ausversehen meine Google verläufe durch und entdeckte Eingaben wie "gefühl nicht dazuzugehören", "gefühl von allen gehasst zu werden", ich weiß nicht was ich fühle", "depression anzeichen", und noch viel viel VIEL mehr. Ich begrub mich teilweise im Zimmer, um die Hintergründe meiner Gefühlslage zu analysieren, und bin deshhalb so selbstreflektiv geworden.
Kann es sein, dass der Alkohol einen so hohen Stellenwert für Dich hat, weil er Dich davon ablenkt: Diskrepanz zwischen Maske ("Wie ich sein sollte") und "So bin ich, das fühle ich, das ist mir wichtig,.." - um die damit verbundenen, unangenehme Gefühlen (Frust, Angst,..) zu betäuben?
Das stimmt zwar, aber trotz Alkoholeinfluss bin ich mir den ganzen Gedankengängen immernoch bewusst, bis kurz vor dem Backout. Manchmal erwische ich mich dabei, dass ich den nächsten Schluck trinke, und die Gedanken vielleicht verschwinden mögen, aber allzu kritisch ist das nicht.
Dazu denke ich wieder, dass Du die Sicherheit brauchst, dass Du ok bist, wie Du bist. Dass Du Dich (was Du denkst, brauchst, fühlst) für Anerkennung - Bewunderung verleugnest. Es ist einsam hinter Deiner Maske - es findet keine echte Berührung statt.
Die Maske bietet Dir n Stück weit Schutz - Gleichzeitig lässt sie keine wahre Verbindung, Nähe zu.
Auch das merke ich immer häufiger. Wenn mir jemand ein Kompliment macht, fällt es mir schwer, dieses anzunehmen, weil er es mir nur gemacht hat, weil ich mich so verhalten habe, wie ich gerade nicht gedacht habe.
Der Gedanke macht Dir Angst, ja?
Ich empfehle Dir, den Glaubenssatz (die Überzeugung) zu reflektieren. Wie ich es sehe, ist das der Weg, auf der sich "die Spreu vom Weizen trennt".
Der Weg zu Dir selbst. Wer bist Du? Was ist Dir wichtig?
Sei Du Dir der Freund, der sich Dir wohlwollend zuwendet - Dich annimmt, mit allem, was da so "in Dir lebendig ist".
Wenn Du das kannst - Dich annehmen, ändert sich auch die Sicht auf Deine Mitmenschen - auf die Umwelt.
Ich bin so froh darüber, dass du mir nun die Bestätigung dafür gibst, was ich mir auch ständig denke. Aber wie erreiche ich das genau? Ich habe das Gefühl, das mein wahres Ich ein egoistisches, gefühlskaltes, andere herablassendes, aggressives A******* ist, aber das möchte ich nicht sein. Ich möchte die Nähe von Menschen SPÜREN, Zuneigung geben und annehmen können, Liebe annehmen können, jeden Menschen und jede Situation annehmen wie sie ist, einfach herzlich sein. Aber meine Angst ist, dass sowas in der heutigen Welt einfach schamlos ausgenutzt wird, sei es bewusst oder unbewusst. Ich möchte mich selbst als die höchste Instanz sehen, ohne auf andere herabzusehen. Und ich möchte so sein, ohne das zu tun, nur weil ich mich ausschließlich dann liebenswert fühle.