Aber es gibt ja auch Situationen in denen ich rede. Ich melde mich ja auch manchmal in der Schule. In manchen Fächern (die ich mag) mehr und in anderen die ich nicht mag (z.b. deutsch und englisch) beläuft sich meine melde-rate auf 0mal melden pro Stunde. Dabei hätte ich so oft etwas zu sagen! Aber ich trau mich nicht meiner Rolle zu entfliehen. In meinem Kopf ist es undenkbar, dass ich plötzlich aktiv in den Fächern mitrede, es passt nicht zu mir. Ich war zu lange ruhig um jetzt einfach zu reden...
Aber es geht eigentlich nicht nur ums sprechen. Ich trau mich tausend Sachen nicht. Ich trau mich nicht, wenn ich nen Zettel brauche, jemanden darum zu bitten. Ich trau mich nicht einfach so in der Pause von meinem Platz aufzustehen und rumzulaufen. Weil ich in jeder Pause nur auf dem Platz sitze. Man wird doch von mir erwarten das ich jedes Mal still dasitze.
Ich trau mich nicht Nachmittags rauszugehen, weil ich nie rausgehe (ausser zum Einkaufen) weil man nicht von mir erwartet, dass ich was unternehmen würde.
Es gibt sovieles. Ich hab irgenwie die Gedanken, dass ein Mensch sich nicht verändern kann und ich trau mich auch nicht mich zu verändern...
Hey BastiAk,
genau da gilt es doch anzusetzen, oder?
Das Potenzial ist in dir drin, und du lässt es von dem Gedanken unterdrückt, dass du ja früher so warst und jetzt dein Leben lang so bleiben musst?
Dein Leben lang unglücklich, weil du dich selbst unterdrückst, weil du Angst vor etwas hast, das so nicht mehr existiert?
Mach nicht denselben Fehler wie ich... ich kenne das zum Beispiel vom Melden in der Schule gut. Ich war auch früher schon ein ziemlich kluges (wenn auch faules
😀), nachdenkliches und kreatives Mädchen, aber ich weiß nicht, ob das immer so rübergekommen ist, genau aus dem Grund... ich hatte kein Selbstvertrauen und hatte immer Zweifel, ob das was ich sage richtig ist, ob ich mich so ausdrücken können würde, wie ich will.
Durch diese ganzen Sorgen war ich schließlich total gehemmt und habe teilweise gar nichts mehr gesagt, habe mein Potenzial verkümmern lassen. Das Gegenteil von mir war ein Junge, der immer genau das sagte, was ich auch sagen hätte wollen, es im Gegensatz zu mir aber aussprach. Ach wie hab ich ihn bewundert! Aber warum? Jetzt denke ich mir, das wäre doch alles nicht nötig gewesen.
Genauso in anderen Bereichen des Lebens... von ein paar negativen Ereignissen lässt man sich aus der Bahn werfen und schadet sich damit am Ende nur.
In deinem Fall kann ich es gut nachvollziehen, dass du dich irgendwann in dein Schneckenhaus verkrochen hast. Aber nun ist es an der Zeit, daraus hervorzukommen. Das heißt ja nicht, dass du dich komplett ändern musst. Manche Menschen sind eben von Natur aus extrovertiert und plappern arglos drauf los, während andere eben eher zurückhaltend sind.
Beides ist völlig in Ordnung, nur in Sachen Kontaktaufnahme haben es Erstere normalerweise ein wenig leichter, das ist der einzige Haken daran, schüchtern und ruhig zu sein. Gerade wenn es im Elternhaus auch eher ruhig und distanziert zugeht, gibt es noch weniger Gelegenheiten, Kontaktaufnahme zu 'üben'. Aber bei dir ist diese Eigenschaft übersteigert, und das ist nicht angeboren, sondern 'erlernt'.. aus schlechten Erfahrungen etc. Das wieder abzulegen, umzulernen, ist nicht leicht, aber absolut sinnvoll und auf jeden Fall möglich.
Ich hatte teilweise denselben Gedanken wie du, im Sinne von 'Jetzt kennen die mich alle schon so, nun kann ich auch nichts mehr ändern, zu spät um was zu ändern..' Aber mal im Ernst, was ist das denn für eine Logik. Das ist einfach nur Bullsh...
Es gilt, jetzt etwas zu verändern, und es kostet vielleicht Mühe, eine gewisse Angst zu überwinden, aber du wirst sehen, Stück für Stück haut das hin.
Wie wärs, wenn du einfach mal in der Schule anfängst, über deinen Schatten springst und dann rauslässt, was du zu sagen hast. Die Resonanz der Lehrer kann nur positiv sein.
Genauso verhält es sich im restlichen Leben.
Das Geheimnis der anderen, die du als kommunikativ beschreibst, ist sicher nicht, dass sie alles richtig machen, sondern dass sie nicht so viel darauf geben, wenn sie mal Mist reden. Es gibt sogar Menschen, die eigentlich fast nur Mist reden und sich wie die Tollsten fühlen, alles Ansichtssache ;-)
Wie Sisandra schon so schön sagte, geht es nicht um die anderen, es geht um DICH.
Daher kommt das Selbstbewusstsein. Was will ICH, nicht was wollen die anderen. Du bist genauso wichtig, genauso wertvoll wie jeder andere Mensch auf dieser Welt. Nur dass sich in dir eine Angst aufgestaut hat, die dich unzufrieden macht. Konzentrier dich auf deine Ziele, und versuch,nur dir zuliebe, dich heranzutasten.
Dein Ziel ist zum Beispiel, du willst einen Praktikumsplatz haben, seh ich das richtig? Ich weiß ja nicht, wie das konkret abläuft,kriegt ihr von der Schule Unterstützung oder müsst ihr das ganz allein machen?
Es wäre eine große Ausnahme, wenn jemand nie irgendwelche Absagen bekommen würde. Das ist ganz normal. Du wirst es in Zukunft am ehesten vermeiden können, wenn du dich der Sache stellst und positiv und entspannt vorgehst. Klar,ist leichter gesagt als getan wenn das Selbstvertrauen auf null ist, aber das lässt sich ändern, wenn dir klar ist, dass du all das kannst, wenn du dir nur nicht selbst im Weg stehst.
Selbstbewusst bin ich leider nicht. Ich werd mit dem Mächen dem ich vertrau mal das Thema bereden (also im icq) vielleicht kann sie mir ja helfen.
Mach das. Es ist ja alles DA, wie du auf schriftliche Weise siehst. Wie ist es denn zum Beispiel beim Telefonieren? Wäre es vielleicht ein Schritt weiter, wenn du dich am Telefon im Reden übst, wenn du dem Gesprächspartner nicht gegenüber sitzt? Oder findest du das noch schlimmer?
Fang doch einfach bei einer Person an, der du vertraust, mit der wird es viel einfacher gehen, sich zu unterhalten.