Hallo Armadillo Quintero
Ich glaube, ich brauche in Deinen anderen Thread gar nicht hinein zu schauen. Ich hatte zwei oder drei Beiträge von Dir gelesen, und dachte, auweia, das bin ich.
Ich kenne das mit dem Kopf und dem Gefühl. Emotional bist Du jetzt noch nicht in der Lage, loszulassen, die Frau hat noch eine zu große Bedeutung für Dich. Und dieser Konflikt zwischen der Realität (wie sie jetzt ist) und Deinen Gefühlen macht Dich kirre. Dein Kopf wird bei derartigen Konflikten automatisch eingeschaltet, und versucht, eine Lösung zu finden, die es aber im diesem Fall nicht gibt. Das solltest Du im Hinterkopf behalten. All das Nachdenken, was Du zur Zeit hast, wird Dich nicht wirklich weiter führen. Es ist ein zwanghaftes Denken, weil der Konflikt Dich quält, und Du kannst es nicht abstellen. Es läßt sich nur lösen, indem Deine Gefühle nach und nach lernen, mit der Trennung umzugehen. Das ist natürlich sehr traurig, und wird Dich vermutlich auch noch mit verschiedenen Phasen einige Zeit beschäftigen.
Ich habe damals ein paar Wochen gebraucht (mit Briefen und Anrufen - SMS hatten wir noch nicht), bis ich es geschafft habe, mich nicht mehr zu melden. Ich bin heute froh, dass ich es hinbekommen habe. Auf meinem Telefonhörer klebte ein Zettel, auf dem groß geschrieben stand "... nicht anrufen!". Anrufen ging so schnell, da hatte man schnell mal gewählt, ohne sich bremsen zu können.
Irgendwann habe ich dann auf Briefe umgeschaltet, die ich nie abgeschickt habe. Ich bin damit alles, was ich schreiben wollte, ein Stück losgeworden, ohne die Frau damit zu belästigen. Da hat sich damals ein ganzer Berg bei mir angesammelt. 😉
Heute kann ich mir alle wesentlichen Fragen selbst beantworten, ohne dass ich mit der Frau noch einmal darüber gesprochen hätte. Ich wußte im Grunde alles selbst. Mein Kopf war nur derart mit meinem Konflikt beschäftigt, dass für die wirklichen Antworten noch kein Platz war.
Das mit der professionellen Hilfe, da mußt Du halt schauen. Ganz grob gibt es die in zwei Stufen. Psychotherapeut für die Menschen, die ihr Leben noch regeln können. Psychiatrie für Menschen, die es nicht mehr regeln können, oder sich selbst, oder andere gefährden.
Und Du hast Recht, die Wartezeiten sind bei Psychotherapeuten teilweise recht lang. Bei Psychiatrie ginge es halt sofort. Bei mir war Therapeut damals unumgänglich, genauso, wie ein Aufenthalt in einer psychosomatischen Klinik, und ich bin heute froh, dass ich es gemacht habe. Ich konnte mich auf nichts mehr konzentrieren. Fast alles, wobei ich meinen Kopf benutzen mußte, lief schief. Irgendwann war ich so durchgedreht, dass ich Aussetzer hatte. Diese Trennung hatte mir komplett den Boden weggezogen.
Du mußt halt selbst einschätzen, inwieweit Du das mit oder ohne Hilfe schaffen willst.
Das mit der Therapie hatte bei mir den Nebeneffekt, dass ich viel über mich erfahren habe. Ich weiß jetzt halt, dass ich zu den Menschen gehöre, die ihr Leben sehr von einer Partnerin abhängig machen (das vermute ich auch bei Dir). Ich habe das zwar in meinem Leben lange Zeit nicht wirklich verändert bekommen, aber ich war immerhin vorbereitet, womit ich bei mir beispielsweise bei einer Trennung rechnen muss.
Vielleicht wäre es gar nicht so schlecht, wenn Du da auch etwas mehr über Dich erfahren würdest. Ich glaube, die Diskrepanz, die jetzt zwischen Dir und Deiner Exfreundin herrscht, liegt an zwei Dingen.
Einmal daran, dass sie es ist, die die Trennung vollzogen hat. Derjenige einer Partnerschaft ist bei der Trennung ein Stück voraus. Das können Monate sein. Der Entschluß zu einer Trennung wächst in der Regel unbewußt langsam heran.
Und ich denke halt, dass Du derjenige bist, für den ein Partner an sich eine größere Bedeutung hat. Der sich sehr stark auf einen Menschen fixiert, und bei einer Trennung den Weg zurück kaum noch findet. Darüber kann man in einer Therapie viel erfahren.
Du solltest davon ausgehen, dass sie an einem Punkt ist, an dem Du sie gar nicht vermutest. Für sie kann bereits alles abgeschlossen sein. Und deshalb möchte sie sich auch nicht mehr damit auseinandersetzen.
Ich weiß nicht, ob Du schon in dieser Wut-Trauer-Phase bist. Die kommt nach der Zeit, in der man es nicht akzeptieren kann. Mit dem ersten Akzeptieren ist die Trennung eine ganz tiefe und schmerzhafte Verletzung. Es ist ganz natürlich, darauf mit Wut und/oder Trauer zu reagieren. Ich bin damals ewig dazwischen hin- und hergeschwankt.
Ich habe insgesamt 2 Jahre gebraucht (scheint so eine Standardzeit bei mir zu sein), bis ich es so weit geschafft hatte, dass ich keine Fragen mehr hatte, meine Gefühle die Realität komplett anerkannt hatten. Das mag jetzt frustrierend für Dich klingen. Die gute Nachricht ist aber, man bekommt es hinter sich gebracht. Die Welt geht also nicht unter. Und jeder Mensch braucht unterschiedlich lange dafür.
Heute (einige Jahre später) lebe ich übrigens ohne Beziehung und alleine und sehe keinen Grund, das zu ändern.
Du bist jetzt im Grunde frei darin, alles zu machen, was Du willst. Wichtig ist, dass Du den Weg aus der Beziehung heraus findest, und das möglichst heile. Du darfst keinen Schaden nehmen, sie darf keinen Schaden nehmen. Ansonsten ist alles erlaubt, was niemandem schadet. Und versuche, Dich nicht mehr bei ihr zu melden.
Günter