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Ich gebe bei jeder kleinsten Hürde im Leben auf. Bin ich ein Taugenichts oder gehe ich die falschen Wege?

@NanaTraurig
Man kann aber auch nicht immer nur den Weg des geringsten Widerstands wählen. Und wenn der Abschluss der Ausbildung im nächsten Jahr ist, sind es effektiv nur noch ein 3/4 Jahr bis das Thema durch ist. Und damit hat der TE dann auch schon ein Thema weniger für sich und mit seinen Eltern. Was er danach macht, steht auf einem anderen Blatt.
Ich kenne wirklich viele Leute, die schon lange nicht mehr in ihrem ursprünglichen Ausbildungsberuf arbeiten.
 
Zudem braucht man auch kein dickes Fell, sondern Selbstbewusstsein und Selbstwert. Ich denke, viele deiner Probleme werden sich lösen, wenn du für dich und deine Bedürfnisse einstehst.

Das ist auch der tragendste Punkt in meinem Leben. Ich hatte nie ein richtiges Selbstwertgefühl, woher das kommt, kann ich nur spekulieren, aber denke von meiner Mutter, weil mein Vater eigentlich ein Narzisst ist. Das schlimme daran ist ja, dass ich Angst habe andere Menschen zu korrigieren oder meine Meinung irgendwie preiszugeben. Ich bin ein ziemlich defensiver Mensch.
 
Ich kann mir vorstellen, dass es besser für dich wäre, wenn du die Ausbildung durchziehst.
Du hast nicht mehr lange und diese Zeit schaffst du auf jeden Fall.
Hinterher wirst du überglücklich und erleichtert sein!
Weil du dieses Mal nicht bei der kleinsten Hürde aufgegeben hast!
Anschließend wird sich in deinem Innern etwas verändern: Dein Selbstbewusstsein wird dadurch gestärkt, du erlangst eine neue Stärke.

Egal, wie anschließend deine berufliche Zukunft weitergeht, diesen Meilenstein hast du dann geschafft und er wird dir Türen öffnen.

Und vielleicht läuft dir dann noch das richtige Mädel über den Weg…😉
 
Aus deinen Sätzen klingt hoher Leidensdruck - gut, dass du ins Forum gefunden hast Hier wirst du sicherlich auch viele Anregungen erhalten und kannst dann schauen, was für dich passt.

Ich würde auch sagen, zieh die Ausbildung durch. Allein sie geschafft zu haben mit einem Zeugnis in Händen würde dir endlich mal ein gutes Gefühl geben, etwas erreicht zu haben - völlig unabhängig davon, ob du dann in diesem Bereich auch tätig wirst.

Was mir bei deinen Schilderungen auffällt ist dass du meinst, nicht gut genug zu sein. Um solch eine Einschätzung vornehmen zu können scheinst du dich stark an anderen zu orientieren. Entweder an Menschen in gleicher Situation oder aber auch an den Meinungen dir wichtiger Menschen, wie sie deine Leistung bewreten. Es wird immer irgendwo Menschen geben, die etwas besser können, schneller oder gewiefter sind und auch immer Menschen, denen das, was du machst, nicht gut genug ist. Aber geh mal in dich: Was bringt dich überhaupt dazu, dich mit anderen zu vergleichen? Es verunsichert dich nur - daher würde ich dir empfehlen, mehr auch dich zu schauen und vor allem großzügiger mit dir zu sein. Wenn Menschen schneller arbeiten geht das nicht selten zu Lasten der Gründlichkeit. Sind sie gewiefter, sind sie oft nicht die beliebtesten Menschen. Ihre Fehler, die diese Menschen auch ganz sicher machen, tragen die wenigsten Menschen proaktiv nach außen - und auch du solltest damit aufhören.

Hör auf, dich schlechtzureden. Du machst einen guten Eindruck, sagt dein Ausbilder - statt dir einzureden, dass das doch gar nicht sein kann, nimm das Kompliment dankend an.. Tatsächlich ist es genau das im Leben, was oft zählt. Gewöhn dir ab, deine Fehler nach außen zu tragen - wahrscheinlich bist du gar nicht viel anders als andere nur halten die damit hinter dem Berg. Man muss nicht in allem 100%ig sein, oft sind schon 80% völlig ausreichend.

Bietet der Betrieb deines Vaters dir wirtschaftliche Sicherheit? Du könntest gemeinsam mit ihm ja auch überlegen, wo im Unternehmen du einen Platz finden könntest, an dem du dich wohl fühlst und einen Beitrag leisten kannst. Ich denke, dass das die Voraussetzung ist, um in diesem Betrieb Fuß zu fassen. Selbst wenn dein Vater dich dort gerne sehen würde, muss es nicht die Geschäftsführung sein. Es ist richtig, dass du das offen kommunizierst und dich nicht in etwas hineinpressen lässt, was du so offensichtlich nicht möchtest. Dein Leben ist viel zu wertvoll und leider auch kurz, um unglücklich zu sein.

Dass du dein Studium nicht durchgezogen hast ist schade, aber kein Weltuntergang. Tausenden anderen Studenten geht es ähnlich. Und was sind 3,5 Jahre, wenn man bedenkt, dass man heutzutage bis 67 arbeiten soll und diese Grenze wahrscheinlich sogar noch steigt?! Deine Generation hat den großen Vorteil sich ausprobieren zu können - Eltern sehen oft gar nicht, dass das heutzutage Gang und Gäbe ist. Sie vergleichen deine Situation einfach mit hrer eigenen Zeit als junge Erwachsene, in dem das Leben eben weniger Ponyhof war, man nur mit Leistung und Disziplin glänzen konnte. Vergiss auch nicht, dass dein Vater ebenfalls nur das Produkt seiner Erziehung ist - diese Erkenntnis kann ich weitergeben, nachdem ich über Jahre mit meiner Mutter sehr gehadert habe. Womöglich hätte auch er eigentlich viel lieber etwas anderes gemacht - ihm kannst du klar machen, dass es heute andere Zeiten sind und dir wichtig ist, dass du in einem Bereich landest, in dem du dich richtig fühlst

Nein zu sagen kann man übrigens lernen. Entweder im Selbsttraining; noch einfacher geht es aber über ein Seminar. Google mal danach. Die Kosten kannst du i. d R. sogar von der Steuer absetzen.
Grundsätzlich halte ich solche Seminare für sehr wertvoll. Es gibt unzählige zur Persönlichkeitsentwicklung - und warum? Weil du mit deinen Problemen eben nicht allein bist. Such dir das heraus, was dich weiterbringt. So wirst du auch verlässlicher dein Potenzial erkennen, was du ganz sicher ebenfalls mitbringst. Ein sehr beliebtes Training aus dieser Reihe ist eines, in dem man seine Stärken stärkt und die Schwächen schwächt. Dazu muss man sie nämlich zunächst analysieren und beschäftigt sich mal systematisch mit sich, seinen Fähigkeiten und Interessen. Kommunikationstrainings gibt es auch zuhauf. Du müsstest dich ein bisschen durchs Internet fressen und schauen, dass du gute Anbieter findest.

Wenn du sicher bist, dass dein Interesse im sozialen Bereich liegst könntest du dich im Anschluss an deine Ausbildung mit dem Werdegang des Rettungssanitäters beschäftigen. Selbst wenn du in diesem Berufsbild dann nicht tätig werden solltest bekommst du wertvolles medizinisches Wissen, das dir auch persönlich zugute kommt. Zur Steigerung des Selbstbewusstseins taugt solch ein Job allemal, da du lernen wirst, Menschen Anweisungen zu geben auf eine Art, dass sie dir Folge leisten und dich durchzusetzen. Du würdest da also 2 Fliegen mit einer Klappe schlagen und wer weiß: Vielleicht ist das ja genau der Job, den du suchst.
 
Wie weit bist du denn mit deiner Ausbildung, kannst du die ggf. wegen des Studiums verkürzen?
Das 1.Lehrjahr ist Ende diesen Monats rum. Die Ausbildung geht also noch gut 2,5 Jahre. Mein Ausbilder meinte, dass ich aufgrund meines Schulabschlusses um ein Jahr verkürzen kann, sofern meine schulischen Noten gut bleiben und die Zwischenprüfung gut ausfällt.

Dein Chef scheint mit dir zufrieden zu sein, der Rest sind nur deine Gedanken, so richtig les ich bei dir nicht raus, dass du auf der Arbeit wirklich negaitves Feedback bekommst, oder?
Ja, aber er sieht nicht richtig, wie ich arbeite. Die meisten praktischen Arbeiten haben wir in der externen Ausbildungsstätte gemacht, wo andere Ausbilder uns bewerten und dort war ich gut in der Theorie, aber praktisch den anderen schon unterlegen. Aber dieses Feedback wird gar nicht weitergeleitet. Ich bin seit ca. 2 Monaten in der Abteilung und da habe ich auch bisher gutes Feedback bekommen, aber ich wenn ich häufig mit den Mitarbeitern unterwegs bin, glaube ich, einfach im Weg zu sein und kaum mitzuhelfen. Wir verstehen uns untereinander super, aber ich brauche für einfache Aufgaben viel zu lange oder kriege es einfach nicht sauber hin, was mir total unangenehm ist, weil ich weiß, dass sie mir vertrauen.

Bist du schon in Therapie, damit du an deinen Mustern arbeiten kannst?
Leider nein. Ich habe von meinem Hausarzt aufgrund seiner Einschätzung zu einer depressiven Episode schon Überweisungen bekommen, aber ich traue mich nicht, einen Therapeuten in Betracht zu ziehen, weil ich denke, dass mein Problem minderwertig ist und eigentlich nur unnötiges Geheule meinerseits ist. Auf der einen Seite will ich professionelle Hilfe, aber auf der anderen Seite zweifele ich auch daran, dass ich depressiv bin, sondern einfach schnell überfordert bin.

Bist du finanziell etc. abhängig von deinen Eltern? Uach dann wäre ne abgeschlossene Ausblidung ein Weg Richtung Abnabelung vom Elternhaus.
Finanziell bin ich schon abhängig, da ich mit meinem Azubigehalt kaum eine Wohnung finanzieren könnte. Das Problem ist, dass wir in unserer Kultur noch sehr lange bei unseren Eltern wohnen, auch wenn wir finanziell eigenständig sind oder schon geheiratet haben.
Ich würde gerne alleine wohnen, aber obwohl ich sehr introvertiert bin, mag ich es nicht, einsam zu sein. Ich habe nie Freunde außerhalb der Schule gehabt und es hat sich nie was daran geändert, weil ich keine sozialen Kontakte knüpfen kann. Meine Eltern sind sozusagen meine einzigen Freunde und ich verbringe sehr viel Zeit mit ihnen, was auch daran liegt, dass wir einen Familienbetrieb haben und zusammen arbeiten müssen. Ich habe das Problem, meine Eltern aus meinem Kopf abzukoppeln. Ich weiß, und das sagen mir meine Eltern auch, dass sie eines Tages nicht mehr bei mir sein werden, aber ich fühle mich verpflichtet, ihnen Sorge zu leisten.

Ist das ausbaufähig? Kann so ein Betrieb tragen oder ist es eher ein Nebenerwerb?
Der Betrieb ist unser täglich Brot und Butter. Wir verdienen schon sehr gut und ich könnte meine Zukunft damit absichern, aber es ist viel Verantwortung, die ich nicht mit meinem naiven Kopf tragen kann. Ich war ein paar Monate auf mich alleine gestellt, als meine Eltern verreist sind und das war, obwohl wegen Corona wenig los war, eine extreme Belastung, weil die Mitarbeiter einen extrem gestresst haben und die Ausrüstung zum ungünstigsten Zeitpunkt ausgefallen ist und man keinen Ersatz finden konnte.

Ich würde die Ausbildung auch durchziehen. Wie lange hast du denn noch? Ein Abschluss würde dir, neben anderen Massnahmen, vielleicht auch etwas mehr Selbstbewusstsein geben.
Es sind theoretisch noch 2,5 Jahre. Wenn meine schulischen Noten weiterhin so gut bleiben und meine Zwischenprüfung gut ausfällt, dann kann ich um ein Jahr verkürzen. Theorie kann ich lernen, da liegt nicht meine Sorge, aber praktisch bin ich einfach zu langsam und das wird wahrscheinlich mein Todesstoß sein, weil ich in der Zwischenprüfung auch etwas fertigen muss, was über dem hinausgeht, was wir bisher gemacht haben.

Ich glaube Du bist (noch) nicht bei Dir angekommen.?
Somit weisst Du auch nicht was Du willst und was gut für Dich ist.?
Du brichst sicher nicht ab was Dir gefällt.?
Das habe ich in den letzten Wochen auch endlich realisiert. Eigentlich ziehe ich alles durch, wenn es gemacht werden muss. Die Schule habe ich zu Ende gebracht, meine beiden Führerscheine habe ich mit viel Freude ohne Fehlerpunkte durchgezogen. Ich bin eigentlich jemand, der nie was einfach aufgibt, eigentlich sogar starrköpfig ist, wenn andere sagen, dass man es lassen soll, weil ich glaube, dass es einen Weg dafür gibt, aber dieser Wille ist irgendwie seit meinem Studium verschwunden, als ich gemerkt habe, dass ich diesen "Berg" nicht aufsteigen kann, weil ich nicht die Fähigkeiten dazu habe.
 
Bietet der Betrieb deines Vaters dir wirtschaftliche Sicherheit? Du könntest gemeinsam mit ihm ja auch überlegen, wo im Unternehmen du einen Platz finden könntest, an dem du dich wohl fühlst und einen Beitrag leisten kannst.
Finanziell wäre ich durch den Betrieb für mein weiteres Leben mehr als versorgt, aber ich wollte etwas selbst erlernen, weil ich nicht will, dass mir alles in den Schoß fällt. Ich investiere auch viel Zeit in unsere Arbeit, das sagt mir auch mein Vater, aber ich fühle mich schlecht, weil ich das Gefühl habe, nicht genug zu leisten.
Wenn ich von der Ausbildung nach Hause komme, arbeite ich noch ein paar Stunden bei meinem Vater, manchmal wache ich morgens ein paar Stunden früher auf, um noch zu helfen, bevor zur Ausbildung fahre.
Meine freien Tage gehen auch oft zu Gute meines Vaters, um ihn zu entlasten. Ich bin nicht selten mit 2 Stunden Schlaf zur Ausbildung gefahren, weil mein Vater am Vortag unbedingt meine Hilfe brauchte. Es ist für mich kein Problem, denn das ist unser täglich Brot, aber dann fühle ich mich schlecht, weil ich weiß, dass ich während meiner Ausbildung meinem Vater mehr helfen könnte.
Irgendwie bereue ich es, nach dem Studiumabbruch nicht etwas weniger Zeitintensiveres gesucht zu haben, mit dem ich mit weiterbilden könnte. Ich wollte mich eigentlich nur für einen Plan B absichern, falls es mit meinem Vater komplett scheitern könnte.
 
ich wollte etwas selbst erlernen, weil ich nicht will, dass mir alles in den Schoß fällt.
Das schließt sich ja nicht aus, denn ganz sicher lernst du auch, während du in eurem Betrieb hilfst. Wenn du neben der Ausbildung noch soviel Kraft in die Mithilfe in eurer Firma steckst wundert es micht nicht, dass du die Lust verlierst und keine Power mehr hast, wenn sich mal Hürden auftun.

Ich sehe bei dir 2 Knackpunkte: Du hast eine miserable Work-Life-Balance, denn du schaffst dir zu wenig Möglichkeiten zum Aufladen deiner Batterien. Sport entlastet Körper und Geist - und auch das soziale Miteinander mit Gleichaltrigen, Gleichgesinnten oder auch einer Freundin kommen viel zu kurz.

Der 2. Punkt ist der Wunsch, es allen recht machen zu wollen, vor allem deinem Vater. Eine Ausbildung ist allerdings auch ein Fulltime-Job, darüber hinaus musst du ja auch noch lernen.

Das Arbeitsschutzgesetz sieht nicht ohne Grund eine durchschnittliche Arbeitszeit von 8 Stunden täglich vor, die nur ausnahmsweise mal auf bis zu 10 Stunden max. ausgedehnt werden sollte. Selbständige überschreiten die mit schöner Regelmäßigkeit, denn wo kein Kläger ist.. Gesund ist das allerdings trotzdem nicht, vor allem da dein Vater deine Ausbildung komplett auszublenden scheint. Eigentlich wird er hier seiner Fürsorgepflicht als Arbeitgeber nicht gerecht. Die hat er auch für dich als Sohn im eigenen Betrieb.

Warum befürchtest du, dass es mit deinem Vater nicht klappen könnte? Und denkst du, dass er von Beginn alles so gut gemacht hat wie vielleicht jetzt? Dass er nicht auch lernen musste? Warum gestehst du dir das nicht auch zu und hast so einen extrem hohen Anspruch an dich, keine Fehler machen zu dprfen und nicht gut genug zu sein, ihm nicht zu genügen? Habt ihr jemals mal offen über deine Sorgen und seine Erwartungen gesprochen?

Ich würde sagen, du tanzt auf zu vielen Hochzeiten gleichzeitig, was dazu führt, dass du nichts davon richtig und fokussiert machst und darüber hinaus noch das komplett vernachlässigst, was als Ausgleich taugt. Wenn du so weitermachst könntest du strackes in einen Burnout stolpern. Emotional erschöpft kommst du mir jetzt schon vor und das ist nichts anderes als die Vorstufe zum Burnout.
 
Warum befürchtest du, dass es mit deinem Vater nicht klappen könnte? Und denkst du, dass er von Beginn alles so gut gemacht hat wie vielleicht jetzt? Dass er nicht auch lernen musste? Warum gestehst du dir das nicht auch zu und hast so einen extrem hohen Anspruch an dich, keine Fehler machen zu dprfen und nicht gut genug zu sein, ihm nicht zu genügen? Habt ihr jemals mal offen über deine Sorgen und seine Erwartungen gesprochen?
Weil mein Vater charakterlich ein echt schwieriger Mensch ist, den man nicht richtig einschätzen kann. Er sagt A, aber denkt im Kopf schon über C nach und erwartet, dass man das, was er denkt, sich auch automatisch selbst erschließen könnte. Er wird schon als Narzisst bezeichnet und will immer das Recht haben. Mit meinem Vater konnte ich seit meiner Kindheit nie eine richtige Beziehung wie zu meiner Mutter aufbauen. Eventuell weil er damals wochenlang unterwegs war und in den Tagen, wo er zuhause war, entweder sehr schöne oder auch etwas unschöne Tage waren.
Er gibt auch zu, dass er als Angestellter auch Fehler gemacht hat, aber er versucht vieles glatt zu bügeln, um sich besser zu präsentieren. Von mir erwartet eigentlich niemand viel, aber ich denke, dass ich verpflichtet bin, meine Chancen ausschöpfend zu nutzen und durch die heutigen Möglichkeiten weit mehr zu machen, als meine Eltern damals durften oder konnten.
Mit meinem Vater habe ich darüber gesprochen, aber ich kann aus seinen Worten nur heraushören, dass er denkt, dass ich um das Finanzielle Angst habe. Er meint, eine Ausbildung würde keinen Sinn machen, weil ich bei ihm ja mehr verdienen kann, als jemals als Angestellter. Mein Vater will einfach, dass es uns besser geht, als ihm früher, was ich verstehe.

Ich hab persönlich an mir nur den Anspruch, ein guter Mensch zu sein, der anderen soweit es mir möglich ist, helfen kann. Ich will keine Fehler machen, wenn es darauf ankommt, dass diese andere Menschen betreffen. Ich mache oft Fehler, weil ich irgendwie tollpatschig oder unüberlegt arbeite, aber wenn ich weiß, dass ich etwas mit hoher Wahrscheinlichkeit vergeige, dann lasse ich es einfach oder versuche es hinauszuzögern. Ich traue mich einfach nicht. Das ist leider oft bei Aktivitäten der Fall, wo man zusammen mit anderen was macht und ich an der Reihe bin (bspw. im Sportunterricht damals). Ich wollte immer als letzter, weil es mir gewissermaßen peinlich war, unter den Augen anderer eventuell zu versagen. Alleine bin ich wesentlich agiler und traue mich auch und mache etwas bis es klappt, auch wenn es lange dauert.

Ich würde sagen, du tanzt auf zu vielen Hochzeiten gleichzeitig, was dazu führt, dass du nichts davon richtig und fokussiert machst und darüber hinaus noch das komplett vernachlässigst, was als Ausgleich taugt. Wenn du so weitermachst könntest du strackes in einen Burnout stolpern. Emotional erschöpft kommst du mir jetzt schon vor und das ist nichts anderes als die Vorstufe zum Burnout.
Es fühlt sich schon langsam so an. Ich will nichts mehr machen und ich fühle mich einfach leer. Das Schlimme ist ja, dass ich damit meine Eltern belaste, weil ich sie versuchen, mir Motivationsschübe zu geben, aber diese in meinem Kopf einfach verfliegen.
 
Das du dich leer und ausgebrannt fühlst, ist ja auch kein Wunder. Wird denn von deinem Vater erwartet, dass du noch im Betrieb mit machst? Da wundert es mich auch nicht, dass du im praktischen Teil, dich für zu schlecht erachtest und hinter deinen Möglichkeiten zurück bleibst. Das Arbeitspensum hält man auch in jungen Jahren nicht lange durch.
Bei mir Stände die Ausbildung an erster Stelle. Ist was, was dir keiner nehmen kann, egal was passiert. Danach käme dann Erholung (Freunde, weggehen, ausreichend Schlaf etc.). Und wenn dann noch Zeit ist, kannst du vielleicht noch im Betrieb mithelfen.
Du solltest mal über deine Prioritäten nachdenken. Und nicht versuchen, es allen recht zu machen. Klappt sowieso nicht.
 
Zu glauben, dass es stimmt, wenn andere deinen Vater als Narzissten bezeichnen, da wäre ich vorsichtig. Wenn du dich hier durch die Threads liest wirst du merken, dass Begriffe wie narzisstisch, toxisch etc. fast schon inflationär gebraucht werden, sobald mal etwas abseits der Norm geschieht. M. E. gehört ein gewisser Ehrgeiz allerdings zur erfolgreichen Leitung eines Unternehmens schon fast zwangsläufig. Echter Narzissmus hingegen ist eine Persönlichkeitsstörung, bei der das Umfeld massiv leidet - nicht einfach nur ein unbequemer Charakterzug. Wenn dein Vater sehr tough ist kann ich mir aber schon vorstellen, dass dich das verunsichert und es ist schon fast logisch, dass bei dir daraus Ängste entstehen, überhaupt Entscheidungen zu treffen.

Fehler, mit denen du evtl. auch anderen schadest, wirst du trotzdem wahrscheinlich nicht immer vermeiden können und dass das passieren kann solltest du dir zugestehen. Statt dir aber darüber den Kopf zu zermartern finde ich viel wichtiger, auf deinen Vorsatz zu schauen, dies nicht tun zu wollen. Evtl. wird es sogar mal Situationen geben, in denen du eine Entscheidung fällen musst, bei der schon vorab klar ist, dass andere darunter leiden. Das geht z. B. jedem Unternehmer so, der sich aus Wirtschaftlichkeitsgründen von Personal trennen muss. Gerne macht so etwas wohl niemand und doch ist es manchmal nötig. Auch damit muss man am Ende klar kommen.

Ich würde - sofern du nicht per se eine Zukunft in eurem Betrieb ausschließt - an deiner Stelle die Zeit nutzen, um immer weiter in die Aufgaben eurer Firma hineinzuwachsen. Dass dein Vater zugibt, auch Fehler gemacht zu haben ist doch schon einmal gut (und übrigens KEIN Kennzeichen eines Narzissten); wenn er dann versucht, den Fehler noch so abzubiegen, dass es keiner merkt oder niemand zu Schaden kommt, ist das doch durchaus legitim. Vielleicht würde es dir helfen, dich zur Steigerung deines Selbstwertes einmal coachen zu lassen, so dass du lernst, dass es völlig legitim ist auch mal zu versagen. Denn zu scheitern gehört zum Leben einfach dazu - das ist nichts, wofür man sich schämen muss oder was einen gar zu einem schlechten oder schwachen Menschen macht. Dann lernt man daraus und macht es beim nächsten Mal besser.. oder man lernt, dass man es kein zweites Mal versuchen sollte... oder dass man es lieber anderen überlässt, die es besser können.. oder oder. All das lernt man aber nicht durch Vermeidung, sondern braucht auch ein bisschen Mut. Du könntest mal aufarbeiten, warum es dir so schwer fällt, solche normale Alltagsrisiken einzugehen.

Es gibt übrigens auch Selbsthilfeprogramm für so etwas. Ich empfehle für so etwas gerne das noch recht neue Angebot von Novego. Es ist krankenkassenfinanziert, kostet dich also noch nicht einmal etwas. Vielleicht liest du mal, ob es für dich passen könnte. Du brauchst es nicht an die große Glocke zu hängen, sondern könntest das still für dich einmal absolvieren. Vielleicht hilft dir das ja schon, um für die Zukunft bessere Entscheidungen treffen zu können.
 

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