Wie weit bist du denn mit deiner Ausbildung, kannst du die ggf. wegen des Studiums verkürzen?
Das 1.Lehrjahr ist Ende diesen Monats rum. Die Ausbildung geht also noch gut 2,5 Jahre. Mein Ausbilder meinte, dass ich aufgrund meines Schulabschlusses um ein Jahr verkürzen kann, sofern meine schulischen Noten gut bleiben und die Zwischenprüfung gut ausfällt.
Dein Chef scheint mit dir zufrieden zu sein, der Rest sind nur deine Gedanken, so richtig les ich bei dir nicht raus, dass du auf der Arbeit wirklich negaitves Feedback bekommst, oder?
Ja, aber er sieht nicht richtig, wie ich arbeite. Die meisten praktischen Arbeiten haben wir in der externen Ausbildungsstätte gemacht, wo andere Ausbilder uns bewerten und dort war ich gut in der Theorie, aber praktisch den anderen schon unterlegen. Aber dieses Feedback wird gar nicht weitergeleitet. Ich bin seit ca. 2 Monaten in der Abteilung und da habe ich auch bisher gutes Feedback bekommen, aber ich wenn ich häufig mit den Mitarbeitern unterwegs bin, glaube ich, einfach im Weg zu sein und kaum mitzuhelfen. Wir verstehen uns untereinander super, aber ich brauche für einfache Aufgaben viel zu lange oder kriege es einfach nicht sauber hin, was mir total unangenehm ist, weil ich weiß, dass sie mir vertrauen.
Bist du schon in Therapie, damit du an deinen Mustern arbeiten kannst?
Leider nein. Ich habe von meinem Hausarzt aufgrund seiner Einschätzung zu einer depressiven Episode schon Überweisungen bekommen, aber ich traue mich nicht, einen Therapeuten in Betracht zu ziehen, weil ich denke, dass mein Problem minderwertig ist und eigentlich nur unnötiges Geheule meinerseits ist. Auf der einen Seite will ich professionelle Hilfe, aber auf der anderen Seite zweifele ich auch daran, dass ich depressiv bin, sondern einfach schnell überfordert bin.
Bist du finanziell etc. abhängig von deinen Eltern? Uach dann wäre ne abgeschlossene Ausblidung ein Weg Richtung Abnabelung vom Elternhaus.
Finanziell bin ich schon abhängig, da ich mit meinem Azubigehalt kaum eine Wohnung finanzieren könnte. Das Problem ist, dass wir in unserer Kultur noch sehr lange bei unseren Eltern wohnen, auch wenn wir finanziell eigenständig sind oder schon geheiratet haben.
Ich würde gerne alleine wohnen, aber obwohl ich sehr introvertiert bin, mag ich es nicht, einsam zu sein. Ich habe nie Freunde außerhalb der Schule gehabt und es hat sich nie was daran geändert, weil ich keine sozialen Kontakte knüpfen kann. Meine Eltern sind sozusagen meine einzigen Freunde und ich verbringe sehr viel Zeit mit ihnen, was auch daran liegt, dass wir einen Familienbetrieb haben und zusammen arbeiten müssen. Ich habe das Problem, meine Eltern aus meinem Kopf abzukoppeln. Ich weiß, und das sagen mir meine Eltern auch, dass sie eines Tages nicht mehr bei mir sein werden, aber ich fühle mich verpflichtet, ihnen Sorge zu leisten.
Ist das ausbaufähig? Kann so ein Betrieb tragen oder ist es eher ein Nebenerwerb?
Der Betrieb ist unser täglich Brot und Butter. Wir verdienen schon sehr gut und ich könnte meine Zukunft damit absichern, aber es ist viel Verantwortung, die ich nicht mit meinem naiven Kopf tragen kann. Ich war ein paar Monate auf mich alleine gestellt, als meine Eltern verreist sind und das war, obwohl wegen Corona wenig los war, eine extreme Belastung, weil die Mitarbeiter einen extrem gestresst haben und die Ausrüstung zum ungünstigsten Zeitpunkt ausgefallen ist und man keinen Ersatz finden konnte.
Ich würde die Ausbildung auch durchziehen. Wie lange hast du denn noch? Ein Abschluss würde dir, neben anderen Massnahmen, vielleicht auch etwas mehr Selbstbewusstsein geben.
Es sind theoretisch noch 2,5 Jahre. Wenn meine schulischen Noten weiterhin so gut bleiben und meine Zwischenprüfung gut ausfällt, dann kann ich um ein Jahr verkürzen. Theorie kann ich lernen, da liegt nicht meine Sorge, aber praktisch bin ich einfach zu langsam und das wird wahrscheinlich mein Todesstoß sein, weil ich in der Zwischenprüfung auch etwas fertigen muss, was über dem hinausgeht, was wir bisher gemacht haben.
Ich glaube Du bist (noch) nicht bei Dir angekommen.?
Somit weisst Du auch nicht was Du willst und was gut für Dich ist.?
Du brichst sicher nicht ab was Dir gefällt.?
Das habe ich in den letzten Wochen auch endlich realisiert. Eigentlich ziehe ich alles durch, wenn es gemacht werden muss. Die Schule habe ich zu Ende gebracht, meine beiden Führerscheine habe ich mit viel Freude ohne Fehlerpunkte durchgezogen. Ich bin eigentlich jemand, der nie was einfach aufgibt, eigentlich sogar starrköpfig ist, wenn andere sagen, dass man es lassen soll, weil ich glaube, dass es einen Weg dafür gibt, aber dieser Wille ist irgendwie seit meinem Studium verschwunden, als ich gemerkt habe, dass ich diesen "Berg" nicht aufsteigen kann, weil ich nicht die Fähigkeiten dazu habe.