Liebe dauni!
Ich hoffe du konntest dann doch noch gut schlafen.
Mit spirituellen Dingen meine ich eigentlich nur die Auseinandersetzung mit der geistigen Welt, den eigenen Gedanken. Ich glaube dass es wichtig ist in uns selbst einen Halt zu finden. Für mich erfüllen Religionen diese Aufgabe nicht mehr und vieles was unter Esotherik läuft kann ich auch nicht glauben...
Ich habe vieles ausprobiert um zu erkennen dass ich mir meine Welt durch meine Gedanken schaffe. Der Tod konfrontiert uns immer mit etwas Neuem und auch damit das etwas unabänderlich vorbei ist.
Meine Zuversicht ist noch erwas schwankend und sie kommt daher dass ich an mir arbeite. Ich versuche jeden Tag dankbar zu sein für das was in meinem Leben gut ist. Natürlich überkommt mich die Trauer über alles was ich verloren habe trotzdem hin und wieder. Sie ist genauso ein ständiger Begleiter wie die Freude. Aber diese Gefühle können auch nebeneinander exisitieren. Ich versuche nicht mehr in einer Entweder-Oder-Haltung zu leben, sondern in einem Sowohl-als auch. Für mich ist es am Besten den Tod zu akzeptieren. Es wird nie mehr so sein wie früher, das ist einfach eine Tatsache! Und das macht mich natürlich traurig... Aber alles Festhalten an der Vergangenheit läßt mich nicht im Jetzt leben und mein Leben wird ein einziges Chaos. Vor allem verhindert es das Schöne um mich herum zu sehen.
Meine Mutter ist gestorben, mein Vater freiwillig gegangen. Ich bin dankbar für die Zeit die ich mit ihnen hatte, froh dass ich sie doch so lange haben durfte, wenn ich sehe wie viel andere ihre Eltern schon sehr früh verloren haben. Sie haben mir alles gegeben was sie mir geben konnten.
Eigentlich dürfte ich nicht zuversichtlich sein. Ich habe meine Arbeitsstelle gekündigt, weil sie mich überforder hat und weiß noch gar nicht wo es für mich hingeht. Ich stehe mit all meinen Problemen ziemlich alleine da, habe eine Tochter im Teenageralter die mich fast zum Wahnsinn treibt und finanziell zwar keine Schulden im Moment, aber auch kein besonders gutes Einkommen. Ich versuche einfach dem Leben zu vertrauen und vor allem mir, dass ich es schon irgendwie schaffen werde. Meine Eltern waren mein Rückhalt, der ist jetzt weg. Es ist einfach noch mal ein Schritt ins Erwachsenwerden für mich und ich nehme die Herausforderung jetzt einfach an. Was bleibt mir auch anderes übrig? Ich versuche einfach dem Leben und mir zu vertrauen und zu glauben dass alles so seine Richtigkeit hat und nur zu meinem Besten stattfindet, auch wenn ich es nicht immer so sehen kann.
Vielleicht ist gerade dieses Umwälzen meines bisherigen Lebens das was mir Zuversicht gibt, weil es mich zwingt nach vorne zu sehen und nicht nach hinten. Ich kann es mir nicht leisten zu sehr in der Trauer zu versinken, vor allem ist niemanden damit geholfen.
Genauso wenig helfen uns Schuldgefühle! Zudem glaube ich nicht an Schuld, es sei denn man tut etwas böswilliges mit absolut bewußter Absicht. Und das hast du in Bezug auf deine Mutter bestimmt nicht getan.
Viel Text, viele Gedanken... ich hoffe du kannst etwas für dich herausfiltern was dir hilft. Ich weiß wie schwer es ist, glaube mir. Mein Vater ist nur im Moment der letzte von vielen die mich unwiederbringlich verlassen haben. Man stumpft nicht ab, man lernt nur damit klar zu kommen mit der Zeit, und das Leben mit anderen Augen zu betrachten, sofern man es will.
Liebe Grüße