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Ich bin total gestört.

G

Gast

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Ich bin 30, weiblich. Meine Kindheit ist geprägt von Hass. Meine Analphabetenmutter hat mich nur bekommen, weil sie eine Aufenthaltsgenehmigung gebraucht hat. Sie hat mir nichts beigebracht. Nicht einmal ihre Muttersprache. Ich konnte mich mein ganzes Leben lang nur in ihrem gebrochenem Deutsch unterhalten, wenn man das denn noch Unterhaltung nennen konnte. Sie war Alkoholikerin und hat zu Gewalt geneigt (sie hat sogar die Familie väterlicherseits bedroht, weil sie sie nicht mochte). Ich habe mich immer für sie geschämt und wollte sie nirgends dabei haben. Ich habe nicht einmal mit meinen Freunden über irgendwelche Probleme sprechen, weil ich mich so furchtbar geschämt habe. Sie waren ganz verständnislos, als ich eines Tages sagte, dass ich keinen Kontakt mehr zu ihr habe. Was ich erlebt habe, hätten sie sowieso nicht nachvollziehen können.

Mein Vater hat mich zwar immer unterstützt, aber nie etwas gegen dieses Weib unternommen. Ich habe keine Ahnung, warum er sie so lange ertragen hat und warum er mich ihr so lange ausgesetzt hat. Hätte er sich vor fünfundzwanzig Jahren scheiden lassen, dann wäre mein Leben so viel einfacher gewesen.

Überhaupt hat sich mein Vater, mal abgesehen vom Finanziellen, so ziemlich aus allem rausgehalten. Als er dann irgendwann eine neue Freundin hatte, hat er mich quasi monatelang ignoriert.

Ich bin so wütend.

In meinem Leben sind so viele Menschen aufgetaucht, deren Ziel es wohl einzig und allein war, ihr Leben dadurch zu verbessern, indem sie anderer Leute Leben verschlimmern. Ich bin gemobbt und gedemütigt worden. Bemängelt, wo es nur ging. Ich wurde, auf gut Deutsch gesagt, behandelt wie ein Stück S****. Obwohl ich selbst immer hilfsbereit und freundlich war. Niemand hat das je anerkannt. Nur ausgenutzt. Mich lächerlich gemacht. Und mich dabei noch dreckig und überheblich angegrinst.

(Ganz nebenbei: Die meisten dieser Leute sind inzwischen fett, unglücklich oder erfolglos. Das eigene Ego holt einen eben doch noch ein.)

Wie gesagt. Ich war so ein liebes Kind. Inzwischen frage ich mich, ob von meiner alten Persönlichkeit eigentlich noch etwas übrig ist. Ich habe Tiere als Kind geliebt. Und mit geliebt meine ich, dass ich mit ganz vielen Tieren auf einem Bauernhof leben wollte und Tiere aus dem Tierheim adoptieren wollte und mir sogar vorstellen konnte, Tierärztin zu werden. So in der Art war meine ganze Persönlichkeit. Liebevoll, hilfsbereit, nett, zuversichtlich, verständnisvoll.

Noch heute liebe ich es, wenn mich eine Katze anschmust. Ich bin aber innerlich aggressiv geworden und wenn ich mich aufrege (was nicht oft vorkommt und wenn, dann weil mich jemand nervt und provoziert), dann habe ich ein unglaubliches Verlangen, Menschen und Tieren meine Überlegenheit in Form von Gewalt zu zeigen. Nicht, dass ich das je getan hätte. Ich habe mich unter Kontrolle. Aber dieses Brodeln in mir ist echt. Der einzige Grund, warum ich mich zurückhalten kann ist, dass es sich in Anbetracht der Konsequenzen nicht lohnt und körperliche Auseinandersetzungen sowieso nur Zeichen von wahrer Schwäche sind. Eigentlich ist das ganze total paradox. Ich esse nämlich nicht einmal Tiere oder tierischen Produkte, WEIL MIR DIE TIERE UND IHR LEID SO WEH TUN. Das macht alles überhaupt keinen Sinn. Wie kann man Tiere lieben und ihnen gleichzeitig weh tun wollen? Das geht doch gar nicht.

Mein ganzes Inneres ist so wirr und chaotisch und unlogisch. Niemand weiß, was wirklich in mir vorgeht. Ich habe mehrmals darüber nachgedacht, mich umzubringen. Dann ging es mir wieder besser. Jetzt geht es mir gerade schlecht. Nicht Mal in der Liebe habe ich Glück. Nein, ich muss schon wieder mit Übergriffen klar kommen. Nicht, dass ich das so hinnehme, aber allein die Tatsache, dass es jemand versucht, macht mich so unglaublich wütend. Ich verstehe nicht, warum man nicht einfach nett zueinander sein kann. Warum fällt es den Menschen so schwer, einfach freundlich zueinander zu sein? Warum sucht man Streit? Warum muss man sich immer anderer Leute Launen stellen? Warum kann man anderen Meinungen, Ansichten und Vorlieben nicht respektvoll begegnen?

Niemand weiß, wie gestört ich eigentlich bin. Ich habe nie jemandem von meinem "wahren Gesicht" erzählt. Es ist nicht nur das, was ich hier schreibe. Was ich wirklich bin, damit würde kein Mensch klar kommen und mir könnte auch keiner helfen. Deswegen verhalte ich mich als wäre ich vollkommen normal, nett und zuvorkommend. Ich backe Kuchen und feiere Geburtstagsparties, gehe fröhlich einen Trinken und flirte und tue so, als wäre mein Leben vollkommen in Ordnung. Eigentlich mag ich keine Menschen. Ich mag niemanden treffen. Unter tausend Menschen gibt es einen, der wirklich gut ist. Der Rest tut so als ob, nur um sich das Beste von mir zu nehmen, ohne etwas zurückzugeben.

Ich weiß nicht, wie ich weitermachen soll. Ich komme mir manchmal vor wie ein Psychopath. Bin ich aber nicht, dafür habe ich zu viele Gefühle. Aber manchmal wünschte ich, ich hätte keine.
 
A

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Re: Ich bin total gestört.
Ich halte dich nicht für gestört (wäre ohnehin zu klären, was das sein soll). In dir herrscht halt viel emotionales Chaos (was kein Wunder ist bei deiner "Laufbahn") aber geistig richtig fit und klar denkend (Ich finde z.B. deinen Text außergewöhnlich gut). Motiviert bist du offensichtlich auch, daher sehe ich gute Chancen, dass du dein Leben verbessern kannst. Dir fehlt dazu wahrscheinlich nur ein Weg oder wenigstens eine Idee; hier ist mein Vorschlag:

Du solltest dich meiner Meinung nach mehr mit dir selbst beschäftigen und weniger mit den anderen (Warum sind die so? usw.). Du befürchtest deine alte Persönlichkeit könnte verloren gegangen sein? Naja, dann such doch mal danach. Oder vielleicht noch besser, mach dir selbst klar, wer und was du heute bist und was dich heute ausmacht. Es geht darum, sich selbst mit allen Eigenschaften zu akzeptieren. Du brauchst Manches nicht toll finden, akzeptieren reicht völlig. Mach dir auch mal deine Stärken mehr bewusst und rücke die mehr in den Vordergrund.

Dein Inneres ist so wirr, unlogisch und chaotisch? Na und, das bist du und das gehört zu dir (wobei ich mir gut vorstellen kann, dass dir das viel schlimmer vorkommt als es ist). Niemand weiß was in dir vorgeht? Das ist sehr schade, denn das macht viel aus. Vielleicht überlegst du mal, wenn du wenigstens ein kleines bisschen von dir erzählen magst. Achte dabei gut auf dein Bauchgefühl und wie es dir dabei geht. Und entscheide für dich, ob dir das gut tut und ob es dir was bringt.

Du bist außerdem wütend und in dir brodelt es? Naja, dann muss es auch mal raus (sonst schlägt sich das gerne auch mal auf die Gesundheit nieder). Du brauchst also eine Methode wo du kontrolliert Dampf ablassen kannst. Was kommt dir als Erstes in den Sinn? Sport mit richtiger Erschöpfung? Einen Boxsack malträtieren? Ich rate gerne auch zum Selbstverteidungstraining, das kann man als Frau eh gut gebrauchen und dabei darfst und sollst sogar richtig zuschlagen.
Nebenbei stärkt das wahrscheinlich auch noch dein Selbstbewusstsein.

Ich wünsche dir viel Motivation und Kraft für deinen Weg!
 
Ich denke in Anbetracht deiner Situation, sind deine Gefühle normal, verständlich eben. Zeigst du denn dieses Verständnis AUCH dir selbst gegenüber? Das habe ich nämlich nicht herausgelesen aus deinem Beitrag...
Zu deinen ganzen negativen Erfahrungen im Zwischenmenschlichen Bereich: Es ist gut möglich, dass du in der Kindheit und Jugend nicht gelernt hast Grenzen zu setzten und aus diesem Grund oft ausgenutzt wirst. Ist das möglich?
Hast du schon überlegt dir professionelle Hilfe zu suchen? Ich denke du würdest dich besser fühlen wenn du deine Vergangenheit etwas aufarbeiten könntest.
 
Wenn ich es richtig interpretiere ist der Hauptgrund deiner Frustration dass du stets nett bist und doch von anderen S**** behandelt wirst, dass du scheinbar grundlos Menschen anziehst, die dich missbrauchen und verletzen.

Wie kommen diese schlechten Menschen denn so nah an Dich heran dass sie die Möglichkeit dazu haben?
Gerade Menschen wie Du, die aus einem derart lieblosen Elternhaus kommen, neigen oft dazu, immer nur ihr eigenes Verhalten in Frage zu stellen und selten das der Anderen. Wie ist das bei Dir?
Wenn du jemanden kennenlernst, machst du dir dann sofort Gedanken darüber, was du gerade für ein Bild abgibst und ob derjenige Dich wohl mag? Das wäre recht typisch, weil man es der Mutter ja ständig recht machen musste und die Überlebensstrategie war, ein möglichst gefälliges Kind zu sein.

Der Ausweg daraus ist, seinen Fokus weg von Sich selbst und auf das Gegenüber zu richten.
Was ist das für einer der da vor mir steht? Mag ich ihn? Verhält er sich MEINEN Maßstäben entsprechend korrekt?
Wenn man sich das immer sofort bei jedem Menschen fragt, kommt es bestenfalls nicht dazu, dass man Freunde oder Partner hat, die einen verletzen.
Du musst es doch niemandem mehr Recht machen, du weißt, dass du ein guter, herzlicher Mensch bist der seinen eigenen Moralvorstellungen entsprechend handelt.
Leider muss man sich immer erst Selbst lieb haben um Leute anzuziehen, die einen auch lieb haben.
Ich hoffe das klingt alles nicht zu klugscheisserisch, aber es funktioniert wirklich. Auch wenn das Selbstbewusstsein am Anfang nur gespielt sein mag, geh in einen Raum und denk dir dass du mit Abstand die Geilste darin bist, betrachte alle anderen und bewerte sie, anstatt dich bewerten zu lassen. Du wirst schnell merken dass die Menschen ganz anders und respektvoller mit Dir umgehen und sie plötzlich versuchen, Dir zu gefallen anstatt umgekehrt.
 
Du beschreibst innere Widersprüche, die in den meisten Menschen "angelegt" sind und mit denen sich viele Deiner Artgenossen herumschlagen müssen. Der wichtige Punkt ist: wie entscheidest Du Dich? Trittst Du nach der Katze, weil Du Deiner Wut nachgibst und Deinen Zorn als Ausrede nimmst, oder entscheidest Du Dich sinnvoller? Wenn Du Deine Gefühle nicht durch Deine Entscheidungen kontrollieren kannst, brauchst Du therapeutische Hilfe und solltest Dich umgehend darum kümmern.

In der Liebe werden viele Menschen nicht gerade vom Glück verwöhnt. Auch hier musst Du Dich fragen, ob Du dem Glück durch richtige Entscheidungen entgegen gehst, oder vor ihm davon rennst. Mein Eindruck ist, dass Du Dich von Deinen Emotionen gerade umtreiben lässt, wie einen Feuerwerkskörper an Silvester. Das ist zwar für alle anderen interessant anzusehen, aber Ende zerreißt es Dich mit einem Knall.

Welches Dein "wahres" Gesicht ist, entscheidest Du jeden Tag und jede Stunde mit. Bleibst Du liegen, oder stehst Du auf. Achtest Du auf Dich, oder nicht. Machst Du Sport, oder nicht und so weiter. Was ist Dir wichtiger? Dein Groll oder zum Beispiel Deine Liebe zu Tieren? Was Du denkst und tust hat Auswirkungen auf Dein inneres und Deinen Lebensweg und das ist leider die verdammt einfache Wahrheit. Du bist jetzt ein erwachsener Mensch mit vielen leidvollen Erfahrungen. Das ist schade und sehr bedauerlich. Du hast mein ehrliches Mitgefühl.

Aber wenn Du keine sinnvollere Entscheidung treffen kannst, als um Dich zu treten und Dein Leid an andere Lebewesen weiter zu geben, dann darf das einfach nicht sein. Arbeite mit Deinem Zorn, brüll in ein Kissen so laut und so lange Du kannst, mache eine Aggressionstherapie oder geh Holzhacken, bis Dir die Schwielen an den Händen aufplatzen, aber höre auf, mit Dir selber so folgenlos und schwach darüber zu schwadronieren, dass Du eine lebende Bombe sein könntest. Du kannst viel mehr sein, als das.

Wenn Du Dich nicht richtig ausdrücken kannst, dann lese Bücher und lies Dir selbst laut vor. Informiere Dich, wie Du Dich besser ausdrücken lernen kannst. Mach Dich schlau und gib Dich nicht auf. Und wenn nur die Hoffnung das Einzige ist, was Dir bleibt, dann halte Dich an sie und glaube an Dich. Nicht aufzugeben, das zeigt Stärke. Schritte ins Ungewisse zu wagen, das ist der Beweis von Größe. Schrei Deinen Schmerz hinaus und kümmere Dich um DICH, bis Du merkst, es ist gut. Und dann fang an zu wachsen und ja, verdammt noch mal, dass wird weh tun und wird Dir noch mehr abverlangen. Du hast so viel mitbekommen, aus dem Du etwas machen kannst. Jetzt zeig, ob Du der eine unter tausend Menschen ist, der gut ist! Nach meiner Erfahrung sind es ein paar mehr.

Es wird Zeit, NICHT nur so zu tun. Finde heraus, wer Du bist und wofür Du stehst. Zeige, was DIR etwas bedeutet und was Dir wichtig ist und dann wirst Du merken, dass Deine inneren Stürme ein Antrieb sein können, um dahin zu gelangen, wohin Du gehörst.
 
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